Cover-Bild Die sieben Todsünden
10,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Knaur Taschenbuch
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Historische Romane
  • Seitenzahl: 480
  • Ersterscheinung: 03.09.2018
  • ISBN: 9783426517215
Wolf Serno

Die sieben Todsünden

Roman
Ein farbenprächtiger, bildgewaltiger historischer Roman von Wolf Serno, des Bestseller-Autors von u.a. "Der Wanderchirurg", "Der Balsamträger" und "Der Medicus von Heidelberg"

»Manchmal, o Herr, ist es wirklich nicht leicht, Dein Diener zu sein.« 1576 ist Bologna eine wilde, überschäumende Stadt, von prunkvollen Palästen ebenso geprägt wie von Abertausenden von Bettlern. Mittendrin: Pater Matteo, der, so gut es eben geht, den Willen Gottes zu erfüllen versucht. Als Beichtvater werden ihm alle möglichen Sünden anvertraut – auch diejenigen, die als die sieben Todsünden bekannt sind. In sieben Episoden reihen sie sich aneinander, bevölkert von Adligen und Gauklerinnen, Kastratensänger, Dieben, Medici und Pestkranken, und zeichnen das farbenprächtige Bild einer Zeit des Umbruchs.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.08.2025

Stadtportrait, dem zu wenig Leben eingehaucht wird

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Das Bologna des Jahres 1576 ist eine reiche Stadt mit zahlreichen Schattenseiten. Mitten drin Pater Matteo, der Priester der kleinen Kirche Chiesa di San Simone. Die Beichten, die er in dieser Eigenschaft ...

Das Bologna des Jahres 1576 ist eine reiche Stadt mit zahlreichen Schattenseiten. Mitten drin Pater Matteo, der Priester der kleinen Kirche Chiesa di San Simone. Die Beichten, die er in dieser Eigenschaft zu hören bekommt, verlangen ihm einiges ab und stellen immer wieder seine Menschenkenntnis und sein Gottvertrauen auf die Probe.
Daneben hat er auch mit gesundheitlichen Problemen und Geldsorgen zu kämpfen.

Die Grundidee dieses Romans, Leben und Treiben in einer Stadt der frühen Neuzeit anhand von Beichtgesprächen zu portraitieren, ist ganz originell. Die sieben Todsünden fungieren dabei als Kapitelüberschriften, wobei der Inhalt jedoch nicht immer 100%ig zum Titel passt.
Die auftretenden Personen decken ein breites Spektrum an Gesellschaftsschichten und Charakteren ab, vom wohlhabenden Seidenkaufmann bis hin zum Bettler, vom kleinen Sünder, der seine Verfehlungen zutiefst bedauert, bis zum mit der Todesstrafe belegten Mörder, der bis zuletzt keine Reue zeigt. Dass die Beurteilung des Schweregrades mancher Sünden nicht mit der heutigen Sichtweise übereinstimmt, trägt ebenfalls zur historischen Authentizität bei.

Ich hatte jedoch Schwierigkeiten, richtig in die Geschichte hineinzufinden. Der Erzählstil ist zu abstrakt, es werden kaum Gefühle transportiert. Selbst Matteo als Hauptfigur blieb mir daher fremd. Immerhin muss man ihm zugute halten, dass er Menschlichkeit über religiösen Eifer stellt.
Auch ist Bologna als Schauplatz zu wenig präsent, der Roman könnte eigentlich in jeder beliebigen Stadt spielen.

Insgesamt konnte mich das Buch daher nicht begeistern, was angesichts des interessanten Ansatzes schade ist.

Veröffentlicht am 14.09.2018

Ein bildhafter Blick auf menschliche Verfehlungen

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Dieser Roman teilt sich in sieben Episoden auf. In jedem Kapitel geht es um eine der sieben Todsünden, begangen von Menschen verschiedener gesellschaftlicher Schichten. Ob Adlige oder Gaukler, jeder der ...

Dieser Roman teilt sich in sieben Episoden auf. In jedem Kapitel geht es um eine der sieben Todsünden, begangen von Menschen verschiedener gesellschaftlicher Schichten. Ob Adlige oder Gaukler, jeder der gegen Gottes Gebote handelt, begeht eine schuldhafte Verfehlung und wird damit zum Sünder. Pater Matteo nimmt sich als Beichtvater ihrer an und wird damit ständig selbst Zeuge von Straftaten und Vergehen. Häufig nimmt ihn seine Aufgabe ziemlich mit, er leidet mit den Menschen und ist doch am Ende auch selbst ein Sünder vor dem Herren. Doch er vermittelt auch zwischen den Menschen, hilft mit einer Arbeit oder einem Dach über dem Kopf, wo die Not seine Nächstenliebe erforderlich macht.
Matteo versucht zwischen den Menschen zu vermitteln, in Gottes Namen vergibt er ihnen ihre Schuld.


Wolf Serno hat einen bildhaften und genau die damaligen Zustände beschreibenden Schreibstil. Man wird unweigerlich in das Treiben Bolognas um 1576 geworfen und erlebt das Miteinander der reichen Medici und den armen Bevölkerungsschichten in Form von Pestkranken, Dieben und Bettlern. Das Schicksal eines Kastratensänger wird vorgestellt und eine junge Frau wird Opfer von sexueller Gewalt, doch am Ende ist sie diejenige, die leiden muss. Sie mag diese Schande nicht offen gestehen und wird von ihrem Vater verstossen. Pater Matteo sorgt für ein Obdach und Arbeit und wird selbst fast zum Sünder.


In diesem Roman taucht man mitten in die Welt der Menschen Bolognas ein. Was müssen die Menschen früher unter ihren Sünden gelitten haben? Das Wort und die Gnade Gottes war oberstes Gebot. Mit Pater Matteo nehmen wir ihnen die Beichte ab, es wird sehr intensiv und ausführlich auf die jeweiligen Delinquenten eingegangen. Dadurch erfahren wir die Vorgänge in detailgenauer Darstellung, teilweise umständlich erzählt, teilweise direkt und häufig voller Betroffenheit, Scham und eigener Qual.



Nicht jedes Kapitel liest sich gleichermaßen interessant, manche Büßer erzählen langatmig, andere flunkern und es gibt auch zähe Geschichten. Die der armen jungen Frau Nausica hat ich mit viel Anteilnahme gelesen. Sie wurde das Opfer mehrfacher Vergewaltigung. Dennoch wird auch ihr eine Buße auferlegt, denn sie suchte eine Engelmacherin auf. Ein Kind einer Vergewaltigung gilt in den Augen des Klerus auch als schützenswert.



Die Sprache passt zum Zeitgeist, die Themen nehmen Bezug auf das biblische Sündenregister. Die Schuld vor Gott kann nur in der Beichte aufgefangen werden. Die Szenerie wird sehr realistisch und bildhaft geschildert, die Fälle sind unterschiedlich und dennoch auf die Dauer recht eintönig.



Der Blick auf menschliche Verfehlungen aus der Sicht der katholischen Kirche wird hier anhand von verschiedenen Beichten gezeigt. Etwas anders als die üblichen historischen Romane, nicht uninteressant, aber auch nicht vollkommen überzeugend. Denn für diese Thematik muss man sich schon explizit interessieren.