Stadtportrait, dem zu wenig Leben eingehaucht wird
Das Bologna des Jahres 1576 ist eine reiche Stadt mit zahlreichen Schattenseiten. Mitten drin Pater Matteo, der Priester der kleinen Kirche Chiesa di San Simone. Die Beichten, die er in dieser Eigenschaft ...
Das Bologna des Jahres 1576 ist eine reiche Stadt mit zahlreichen Schattenseiten. Mitten drin Pater Matteo, der Priester der kleinen Kirche Chiesa di San Simone. Die Beichten, die er in dieser Eigenschaft zu hören bekommt, verlangen ihm einiges ab und stellen immer wieder seine Menschenkenntnis und sein Gottvertrauen auf die Probe.
Daneben hat er auch mit gesundheitlichen Problemen und Geldsorgen zu kämpfen.
Die Grundidee dieses Romans, Leben und Treiben in einer Stadt der frühen Neuzeit anhand von Beichtgesprächen zu portraitieren, ist ganz originell. Die sieben Todsünden fungieren dabei als Kapitelüberschriften, wobei der Inhalt jedoch nicht immer 100%ig zum Titel passt.
Die auftretenden Personen decken ein breites Spektrum an Gesellschaftsschichten und Charakteren ab, vom wohlhabenden Seidenkaufmann bis hin zum Bettler, vom kleinen Sünder, der seine Verfehlungen zutiefst bedauert, bis zum mit der Todesstrafe belegten Mörder, der bis zuletzt keine Reue zeigt. Dass die Beurteilung des Schweregrades mancher Sünden nicht mit der heutigen Sichtweise übereinstimmt, trägt ebenfalls zur historischen Authentizität bei.
Ich hatte jedoch Schwierigkeiten, richtig in die Geschichte hineinzufinden. Der Erzählstil ist zu abstrakt, es werden kaum Gefühle transportiert. Selbst Matteo als Hauptfigur blieb mir daher fremd. Immerhin muss man ihm zugute halten, dass er Menschlichkeit über religiösen Eifer stellt.
Auch ist Bologna als Schauplatz zu wenig präsent, der Roman könnte eigentlich in jeder beliebigen Stadt spielen.
Insgesamt konnte mich das Buch daher nicht begeistern, was angesichts des interessanten Ansatzes schade ist.