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Veröffentlicht am 20.07.2022

Nichts ist so, wie es zunächst scheint

Als das Böse kam
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Wo zieht es euch eher hin: mitten in die Stadt, um unter Menschen zu sein, oder in die Berge/Wälder, wo man ungestört ist?

Die Familie, um die es hier geht, hat sich für ein Leben in völliger Isolation ...

Wo zieht es euch eher hin: mitten in die Stadt, um unter Menschen zu sein, oder in die Berge/Wälder, wo man ungestört ist?

Die Familie, um die es hier geht, hat sich für ein Leben in völliger Isolation entschieden. Juno und ihr Bruder Boy kennen nichts anderes außer die Wälder auf der kleinen Insel. Während andere 16-Jährige in der Welt da draußen Computerspiele, Handys und sonstige Freizeitangebote nutzen, vergnügt Juno sich mit Fischfang, Kuchenbacken und Gesellschaftsspielen. Für mich klingt das erst einmal ziemlich befreiend - für euch auch? Kein neumodischer Schnickschnack. Kein Druck von der Öffentlichkeit, weil man anders ist, nicht die teuersten Klamotten trägt und nicht die coolsten Filme kennt. Lediglich den 7 Geboten der Elten müssen die Kinder folgen. Doch eines Tages ändert sich alles, und Juno durchschaut den wahren Grund der Isolation.

Wow! Was war denn das bitte für ein Twist? Klar, als geübte Thrillerleserin war mir bewusst, dass hier nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist und uns irgendwas vorgegaukelt wird, aber damit hab ich nicht gerechnet und war daher ziemlich uff!

Ivar Leon Menger hat 'ne geile Schreibe! Ihm ist es auf Anhieb gelungen, eine besondere, teilweise angespannte und bedrohliche Atmosphäre entstehen zu lassen, die einem ständig unterschwellig suggeriert: Vorsicht, Kumpel!

Zwischendurch schwächelt der Plot etwas und zieht sich, das betrifft allerdings nur wenige Passagen.

Man liest über den Alltag der Familie, begleitet sie bei den verschiedensten Dingen und hält erschrocken den Atem an, als Juno beim Betrachten einer Weltkarte über ein bestimmtes Detail stolpert. Direkt fragt man sich: What the fck ist hier eigentlich los? Man fiebert unglaublich mit der Familie mit. Versucht, die Situation zu verstehen. Die Hintergründe. Und landet voll in einem Gefühlschaos. Das (brenzlige) Ende gibt einem dann nochmal den Rest, sodass man wie durchgenudelt die Buchdeckel schließt und den Kopf schüttelt. Bämm!

Wer Geschichten mag, die das Böse thematisieren und dabei auch zwischenmenschliche Aspekte aufgreifen, sollte dieser unbedingt eine Chance geben.

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Veröffentlicht am 09.07.2022

Ein Rausch für düstere Seelen

Poison Artist
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Für was seid ihr empfänglicher: Licht oder Schatten? Zieht euch das Eine mehr an als das Andere?

Ich gehöre zu den düsteren Seelen. Schatten ziehen mich ebenso magisch an wie die Nacht. Keller und Dachböden ...

Für was seid ihr empfänglicher: Licht oder Schatten? Zieht euch das Eine mehr an als das Andere?

Ich gehöre zu den düsteren Seelen. Schatten ziehen mich ebenso magisch an wie die Nacht. Keller und Dachböden faszinieren mich mehr als alle anderen Räume eines Hauses. Spricht jemand über ein Verbrechen, höre ich aufmerksam zu. Und deswegen glaube ich, dass ich Caleb Maddox ziemlich gut verstehen kann.

Caleb ist Schmerzforscher und Toxikologe, vor allem aber ist er ein gebrochener Mann. Seine große Liebe, Bridget, hat ihn soeben verlassen. Um den Schmerz auszublenden, greift Caleb daher zur Flasche, ohne zu merken, welche Ereignisse er damit in Gang setzt. Zeitgleich wird er mit Mordfällen konfrontiert, die die Menschen in seiner Umgebung in Aufruhr versetzen. Das reinste Chaos!

Ich war völlig fasziniert von Caleb, habe mit ihm gelitten, wollte ihn zur Vernunft bringen, ihn wachrütteln, ihn anschreien. Doch ich versank während des Lesens in einer eigenartigen Stagnation. Unfähig, irgendetwas auszurichten. Ganz wie Caleb, der in seinem eigenen Ich gefangen ist. Bis er auf jemanden trifft, der ihn noch viel weiter ins Dunkle zieht, ins unendliche Tief seiner Seele, von wo es keinen Ausweg mehr gibt.

Zugegeben: Es gab einige Durststrecken, die sehr spannungsarm waren. Doch auf eine besondere, wenn auch verkorkste Weise, hat es der Autor geschafft, etwas in mir am Leben zu erhalten. Wie eine Flamme, die nicht mehr lichterloh brennt, aber auch nicht ganz erlischt. So viele Fragen wollten beantwortet werden. So viele Vermutungen bestätigt. Allerdings kann ich euch verraten, dass rein gar nichts so ist, wie es zunächst scheint. Man stolpert von einem Ereignis zum nächsten und versucht, wichtige Details wahrzunehmen, sich Namen der Opfer und die der Gifte zu merken, Orte, an denen die Figuren waren, um das große Ganze zu erkennen. Dabei verlor ich mich hin und wieder in meinen Überlegungen und habe gespürt, dass mich Calebs Dunkelheit auch außerhalb der Story begleitete. Immer wieder drifteten meine Gedanken ab und ich sah mich schnuppernd durch die Straßen von San Francisco gehen auf der Suche nach einem ganz bestimmten Parfüm: einem Hauch von Schattenblumenaroma. Ich habe sogar nach dem Getränk gegoogelt, das mich durch die Handlung begleitet hat: Berthe de Joux.

Wie es für einen klassischen Crime Noir Roman typisch ist, stehen hier nicht die Verbrechen und Ermittlungen im Mittelpunkt der Erzählung, sondern die Auswirkungen, die Folgen auf die einzelnen Protagonisten - mit all ihren Schmerzen, ihrer Verzweiflung, dem Wahnsinn, und stets nahe am Abgrund. Hier passiert nichts Knall auf Fall, ganz im Gegenteil: Es geht ruhiger zu, gemächlicher, die sogartige Wirkung entsteht langsam und unterschwellig. Wie eine Kreatur des Unheils, die ihre klebrigen Fühler ausstreckt und sich im Bewusstsein festkrallt. Dort, wo Wahrnehmung und Realität aufeinander prallen. Dort also, wo wir Caleb auf Schritt und Tritt begleiten. Caleb, der mir so ans Herz gewachsen ist, dass ich all das, was er erlebt hat, nicht in Worte fassen kann. Der mich bis zur letzten Seite gequält und nicht losgelassen hat. Und dann kam das Ende, das mir den absoluten Dolchstich mitten ins Herz verpasst hat.

Ich muss dich jetzt gehen lassen, Caleb. Muss wieder zurück ins Licht.

Fazit: Dieser Roman wurde geschrieben für all die dunklen Seelen da draußen. Für LeserInnen, die im Zwischenmenschlichen mehr erkennen können als andere. Die sich entführen lassen wollen in eine Welt, die wunderschön und gefährlich zugleich ist. Lasst euch den Berthe de Joux schmecken und von den Schattenblumen berauschen.

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Veröffentlicht am 17.06.2022

Purer Nervenkitzel

Die Spur − Er wird dich finden
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Es geht weiter mit Band 3 einer wundervollen Thriller-Reihe. Ich habe nun alle Bände innerhalb von zwei Wochen durchgesuchtet - und ja: Die Reihe hat Suchtpotenzial! Band 1 war genial, spannend und vielfältig. ...

Es geht weiter mit Band 3 einer wundervollen Thriller-Reihe. Ich habe nun alle Bände innerhalb von zwei Wochen durchgesuchtet - und ja: Die Reihe hat Suchtpotenzial! Band 1 war genial, spannend und vielfältig. Band 2 war mir persönlich etwas zu fad, es nahm erst gegen Ende an Fahrt auf. Doch Band 3, also dieses Buch hier, ist das Sahnehäubchen auf der Torte. Jan Beck hat sich dieses Mal selbst übertroffen.

Wieder gehen wir auf Ermittlungsjagd mit Christian Brand und Inga Björk. Da die Geschichte der beiden ein laufender, roter Faden in der Reihe ist, sollte man die Bücher in der richtigen Reihenfolge lesen. Denn auch wenn es separate Geschichten/Morde sind, sollte man die Handlungen und Motivationen der Charaktere verstehen können. Für mich war dies enorm wichtig.

Europols Topermittler Inga Björk und Christian Brand haben bereits einiges miteinander erlebt: brutale Morde, perfide Katz-und-Maus-Spiele, der Blick in die menschenlichen Abgründe. Das nagt natürlich an ihnen, und der Autor hat hier ein besonderes Gespür für Zwischenmenschliches bewiesen, das mir ziemlich imponiert hat. Brand hat sich nach dem rasanten „Schauspiel“ in Band 2 einigermaßen gefangen und konnte dadurch eine erkennbare Entwicklung durchmachen, die Björk nicht hatte. Aber sympathisch sind sie mir beide und als Ermittler-“Pärchen“ sowieso unschlagbar.

Beck hat eine coole, lockere Schreibe, die gänzlich ohne Schnickschnack auskommt. Kein unnötiges Blabla, keine drölfzig Nebenstränge. On point! Nur die vielen Perspektiven störten mich ein wenig. Beinahe jedes Kapitel ist aus Sicht eines anderen Protagonisten beschrieben. Die Personen werden reingeworfen und man kann sie anfangs überhaupt nicht zuordnen. Wer ist Liv? Und was zur Hölle will Amelie uns nun sagen? Und dann taucht plötzlich ein Florentin Heintz auf? Dazwischen dann noch die vielen Städtewechsel und das Chaos ist perfekt. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau!

Mit dem Ende hatte ich wirklich nicht gerechnet. Hat mich ein wenig geärgert, dass meine Ermittlungen ins Leere gelaufen sind. So daneben lag ich noch nie.

Fazit: Ein klug konstruierter Thriller, der mich tierisch fesseln und zum Fingernägelkauen animieren konnte. Trotz kleiner Kritikpunkte werde ich die Reihe definitiv weiterverfolgen. Besonders Thriller- und Ermittler-Fans möchte ich sie ans Herz legen. Nervenkitzel pur!

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Veröffentlicht am 19.05.2022

Unkonventionell, sexy, Highlight

Real Easy
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Hat von euch schon mal jemand einen Pole-Dance-Kurs mitgemacht? Oder habt ihr schon mal einen sexy Lap Dance für eure Liebsten vollführt? Wenn ja, dann habt ihr eine ungefähre Vorstellung davon, dass das ...

Hat von euch schon mal jemand einen Pole-Dance-Kurs mitgemacht? Oder habt ihr schon mal einen sexy Lap Dance für eure Liebsten vollführt? Wenn ja, dann habt ihr eine ungefähre Vorstellung davon, dass das bei weitem nicht so einfach ist, wie es aussieht. Wer sich, so wie ich, nicht öffentlich der Blöße der absoluten Bewegungslegasthenie hingeben möchte, könnte sich auch unendlich viele Tutorials im Internet anschauen: Wie strippe ich richtig?

Nun, die Ladys in Maria Rutkoskis Thriller „Real Easy“ haben es voll drauf. Sie haben sich das Strippen nicht nur selbst beigebracht, sie verdienen auch noch Geld damit. Wie erstrebenswert das ist, lasse ich an dieser Stelle wertungsfrei. Darüber könnt ihr euch selbst ein Bild machen, wenn ihr zu diesem Leckerbissen greift.

Dumm ist nur, dass einige der Mädels hier vielleicht genau durch ihr Können zum Opfer grauenhafter Morde werden. Die Story spielt im Jahr 1999. Rutkoski gelingt es, die wilden und bunten 90er Jahr wieder aufleben zu lassen und ihre Leserinnen und Leser zurück in diese Zeit zu holen. Dabei erzählt sie die Handlung aus unterschiedlichen Perspektiven, was immer wieder für die nötige Abwechslung sorgt und diesen Thriller nie langweilig werden lässt. Und genau hier liegt die Besonderheit: unterschiedlicher könnten die einzelnen Sichtweisen nicht sein.

Zum Einen wird uns natürlich die typische Ermittlerseite präsentiert. Gut, kennen wir, dennoch wird die leitende Ermittlerin Detective Meylin immer wieder vor neue Herausforderungen und Rätsel gestellt. Und so habe ich doch mit ihr mitgefiebert. Zum Anderen aber, und hier wird es wirklich special, erzählt Rutkoski aus der Sicht der Stripperinnen. Da geht es auch mal zur Sache. Unkonventionell und bissig gewährt Rutkoski Einblicke in die verschiedenen Sichtweisen und die Leben der sexy Ladys. Überhaupt gelingt es ihr, sämtlich Charaktere authentisch und auf ihre Art sympathisch darzustellen.

Auch sprachlich konnte mich Rutkoski vollends überzeugen. Schon mit dem ersten Satz hatte sie mich. Der Twist am Ende hat mich vollkommen umgehauen. I was so hooked!

Fazit: „Real Easy“ ist ein vielschichtiger Roman, der trotz einem ordentlichen Maß an Brutalität sehr feinfühlig bleibt. Maria Rutkoski liefert einen Thriller, der sich sehen lassen kann und durch seine unkonventionelle Art besticht. Für mich war dieses Buch endlich mal wieder ein (ziemlich sexy) Highlight.

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Veröffentlicht am 10.05.2022

Spannend, düster, ein Highlight

Kingdom of the Wicked – Der Fürst des Zorns
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Für mich war "Kingdom of the Wicked" ein kleines Jahreshighlight. Es hat wirklich (fast) alles gestimmt - und das sage ich sehr selten von Büchern.

Ich mochte den wundervollen Schreibstil: fetzig, humorvoll ...

Für mich war "Kingdom of the Wicked" ein kleines Jahreshighlight. Es hat wirklich (fast) alles gestimmt - und das sage ich sehr selten von Büchern.

Ich mochte den wundervollen Schreibstil: fetzig, humorvoll und voller Emotionen. Die Autorin hat alles bildlich und detailliert beschrieben. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Ich konnte mich sehr gut nach Palermo träumen.

Auch die Charaktere konnten mich fesseln. Emilia ist eine wundervolle junge Frau, eine Hexe, aus deren Sicht erzählt wird und deren Schwester ermordet wurde. Sie ist äußerst selbstbewusst und hegt manchmal nicht sehr sittliche Gedanken, was trotz der traurigen Umstände für einige Lacher sorgte. Richtig cool fand ich vor allem ihr amüsantes Geplänkel mit Wrath.

Wrath ist einer der Dämonenprinzen, die Emilia eigentlich nur aus Sagen kennt. Dennoch existiert er wirklich, und die beiden müssen im Kampf gegen das (noch) Böse(re) zusammenarbeiten. Ich hätte gerne hin und wieder in seinen Kopf geschaut, da ich bis zuletzt nicht sonderlich schlau aus ihm geworden bin.

Die Story hat sich um die Protagonisten herum gebildet und sich wie ein Knospen festgesetzt. Ich weiß, Klischee, aber ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Es gab Überraschungsmomente, unheimlichere Szenen, humorvolle Situationen und auch den einen oder anderen schnulzigen Moment.

Fazit: Ein toller Reihenstart: spannend, düster, perfekt für Fantasy-Leser. Aber auch Aufgeschlossene könnten hier ihr nächstes Highlight finden. Und wer Englisch kann, der darf sogar bereits die komplette Reihe suchten.

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