Kurzweiliger, ruhiger cosy Krimi mit Nordseefeeling und sympathischen Ermittlern
NordwestschuldKarla Hensel, die von ihrer Tante eine Buchhandlung geerbt hat, ist spurlos verschwunden. Kürzlich hat sie im Internet einen Mann aus dem Ausland kennengelernt, dem sie laut ihrer Mitarbeiterin Inken ...
Karla Hensel, die von ihrer Tante eine Buchhandlung geerbt hat, ist spurlos verschwunden. Kürzlich hat sie im Internet einen Mann aus dem Ausland kennengelernt, dem sie laut ihrer Mitarbeiterin Inken Peters Geld überwiesen haben soll. Außerdem tauchen Knochen am Strand von Sankt Peter Ording auf. Analysen zufolge handelt es sich um die Überreste der von vor zwei Jahren verschwundenen Elke Färber. Auch diese scheint über das Internet Kontakt zu einem Mann aus dem Ausland gehabt zu haben.
Anna Wagner und ihre Kollegen von der Soko St. Peter Ording ermitteln. Sie vermuten bald schon, dass die Fälle zusammenhängen und dass die beiden Frauen Opfer sogenannter Love-Scammer wurden. Ob die Lösung wirklich so klar ist?
Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, so werden Anna Wagners Ermittlungen näher geschildert. Zusätzlich werden die Sichtweisen weiterer vom Fall betroffener Personen wie Inken Peters oder Elke Färbers Bruder dargestellt. Weiterhin geht es immer wieder um Hendrik Norberg, dem Dienstellenleiter der Polizei Sankt Peter. Eingeschoben werden außerdem Facebook-Nachrichten von Love-Scammern an ihre Opfer. Diese sind in gebrochenem Deutsch formuliert, wirken authentisch.
Der Roman liest sich flüssig, er ist in klarem, unaufgeregtem Schreibstil verfasst.
Die vermissten Personen sind beide ungebundene Frauen mittleren Alters. Sie tauchen nicht direkt auf, aber in Erzählungen wird klar, warum sie möglicherweise zu Opfern der Internetbetrüger werden konnten.
Das Besondere an der Reihe ist, dass auch das Privatleben die Ermittler großen Raum einnimmt. Mit jedem Buch lernt man die sympathischen Protagonisten Anna Wagner und Hendrik Norberg näher kennen. Hendrik Norberg erhält diesmal die Möglichkeit zur Mordkomission nach Itzehohe zurückzukehren und weiß nicht, wie er sich entscheiden soll, bedeutete ein Stellenwechsel doch, dass er sich weniger um seine Söhne Lasse und Finn kümmern könnte. Norberg ist sehr vorsichtig, möchte nichts falsch machen. So führt er seine aktuelle Beziehung nur halbherzig und setzt seinem Sohn Lasse mitunter zu wenig Grenzen. Eigentlich versteht er sich mit Anna Wagner glänzend, doch möchte er ihr sich nicht aufdrängen. Anna Wagner kennt Hendrik mittlerweile sehr gut. Sie ist sehr empathisch, kann Menschen lesen. Ihrem Kollegen Norberg wäscht sie immer wieder auf sanfte, einfühlsame Weise den Kopf. Ist da etwa noch mehr als Freundschaft zwischen den beiden?
Ich mag die Hauptfiguren sehr gern, bin neugierig, wie sie sich weiter entwickeln. Auch die anderen Figuren werden nachvollziehbar charakterisiert.
Trotz brutaler Verbrechen hat der Roman durch das idyllische, ruhige Setting an der Nordsee und die ausführliche Thematisierung der persönlichen Beziehungen der beiden Hauptfiguren einen großen Gemütlichkeitsfaktor. Ich habe mir schon seit dem ersten Band ein klares Bild von Anna und Hendrik gemacht. Man lernt sie immer besser kennen und mag sie mit jedem Buch mehr, fast kommen sie mir mittlerweile vor wie gute Freunde.
Der Fall um die vermissten Frauen ist interessant und spannend, stimmig aufgebaut und findet eine nachvollziehbare Lösung. „Nordwestschuld“ ist eine gelungene Fortsetzung der Reihe, ein leichter cosy Krimi mit Nordseefeeling und sympathische Ermittlern. Wer Regionalkrimis mit eher klassisch konstruierten Fällen mag und auch am Privatleben der Polizisten interessiert ist, sollte dieses Reihe unbedingt lesen.