Ein wunderbarer Einstieg in die Fantasy-Welt, der vor allem mit der Charakterentwicklung punktet!
Seit sehr vielen Jahren strebt das Reich Altarra seinem Untergang entgegen und nur eine Prophezeiung kann es retten: Niemand kann sie besiegen. Nun wird das wörtlich genommen und der Niemand Soli muss ...
Seit sehr vielen Jahren strebt das Reich Altarra seinem Untergang entgegen und nur eine Prophezeiung kann es retten: Niemand kann sie besiegen. Nun wird das wörtlich genommen und der Niemand Soli muss zusammen mit anderen Leuten versuchen, das Königreich zu retten.
“Stürme ziehen vorüber.
Schmerz vergeht.
Wir werden niemals aufgeben.”
Alyssa Day gelingt mit “Nobody's Quest" ein mitreißender Auftakt, der Abenteuer, Emotionen und Magie wunderbar miteinander verbindet. Es ist perfekt für zwischendurch und außer ein paar peinlichen Gesprächs-Szenen, bei denen ich das Buch aus Fremdscham beiseite legen musste, habe ich am Rest absolut nichts auszusetzen. Im Gegenteil, ich habe das Buch in wenigen Tagen durchgelesen und freue mich auf eine Fortsetzung, auch wenn die Story an sich nichts Weltbewegendes Neues ist. Besonders schön wurden der Farbschnitt und die Klappenseiten des Hardcovers gestaltet sowie die einfache Karte am Anfang des Buches. Zwischen den Kapiteln haben wir kurze Informationsblöcke, die uns die fremde Kultur, Politik, Geschichte und Religion näher bringen, wodurch das Verständnis verbessert wird. Auch der Schreibstil liest sich angenehm aus Solis Sichtweise, sodass man ohne Probleme durch die Story kommt. Zum Schluss kam das verdiente Finale mit so vielen neuen Informationen, dass ich auf den zweiten Band gespannt bin.
Das Worldbuilding punktet insbesondere mit der Religion, den verschiedenen Ständen der Menschen und anderen Kreaturen sowie mit der Magie. Da wir durch die Prophezeiung auf der Reise sind, um die Kriegsgöttin aufzuhalten und ihre Schwester wieder aufzuwecken, wird viel Zeit mit der Beschreibung der Umwelt verbracht, was mir sehr gut gefallen hat. Somit entstanden Bilder des Waldes, des Königsschlosses oder des Tempels vor meinem inneren Auge und man verfolgt die vielen Personen viel lieber. Denn dass es viele wichtige Charaktere gibt, wo noch die Hintergrundspieler und die Feinde hinzukommen, macht der Klappentext schon klar. Die Gruppendynamik und Beziehungen haben auch ihren Anteil an der Spannung.
Man lernt tatsächlich jede einzelne Person kennen, sodass wir für eine kurze Zeit neue Freunde und Kameraden haben. Sie begleiten Soli und den Prinzen Kaelen auf ihrem Weg und es wird gleich persönlicher. Jeder Kampf war spannend, aber auch einfache Gespräche am Feuer oder Geschichten aus der Vergangenheit waren interessant, was dazu führt, dass nicht immer etwas Besonderes geschehen musste, damit man weiterliest. Dieses Buch lebt von Plottwists, Geheimnissen und einem durchgehend klein gehaltenen Spannungsbogen, der immer mal wieder Hochpunkte hat. Ich bin richtig in die Welt eingetaucht und habe erlebt, wie der Dieb ohne Ehre, der Adlige ohne Vermögen, die Zauberin ohne Magie, der Soldat ohne Mut, der schöne Prinz ohne Königreich und der Niemand aus der Sklaverei ihren gefahrvollen Weg bestreiten und die Quest aus der Prophezeiung, gesprochen von der Göttin, verfolgen. Teilweise war es vorhersehbar, das muss ich gestehen, da die Gruppe auf der Suche nach magischen Gegenständen ist und man erahnen kann, was passieren kann und was nicht, aber das Wie war der Hauptgrund zum Weiterlesen. Allein die erste Szene, als Soli die tödliche Kette überlebte und auserwählt wurde, hatte meine ganze Aufmerksamkeit.
Zum Schluss sind da unsere Protagonisten, deren Liebesgeschichte überraschend viel Raum eingenommen hat und wo intime Szenen hin und wieder den Plot unterbrechen. Ich persönlich habe ihre Beziehung genossen, weil sie langsam entstanden und noch viel Raum zur Entwicklung vorhanden ist. Außerdem kamen alle Gefühle bei mir an, auch wenn der Prinz Kaelen mystisch und meistens undurchschaubar bleibt. Kaelen an sich ist ein interessanter Charakter mit einer starken Persönlichkeit und guten Kampffähigkeiten. Durch ihn bekommen die Leser den besonderen Kick, der sie zum zu-Ende-Lesen animiert. Aber natürlich ist es Soli, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt und die man direkt ins Herz schließen muss. Sie legt eine fundamentale Charakterentwicklung hin, sodass ich allein wegen ihr und ihrer Verbindung mit der Göttin und damit der Magie auf die anderen Bücher der Reihe gespannt bin. Von einem Niemand mit einer tragischen Vergangenheit wird sie zu einer Heldin, die über sich hinauswächst und trotzdem menschlich bleibt. Soli ist authentisch und mit ihrer Krankheit, die schonungslos ehrlich beschrieben wird, kämpft sie sich durch das Leben. Diese ähnelt einer Depression und bringt, nicht zuletzt wegen der Autorin, Ernsthaftigkeit und Anregungen zum Nachdenken in das Abenteuer.
Insgesamt eignet sich dieser Roman perfekt als Einstieg in eine komplexe High-Fantasy-Welt!