Profilbild von Wauwuschel

Wauwuschel

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Wauwuschel ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Wauwuschel über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.03.2026

Düster, fesselnd und mitreißend!

Limerence
0

Poppy möchte ein unauffälliges Schulleben führen und Kunst studieren, doch als sie einen Mitschüler aus dem Raum eines ermordeten Schülers kommen sieht, wird daraus nichts mehr. Adrian steht unter Verdacht ...

Poppy möchte ein unauffälliges Schulleben führen und Kunst studieren, doch als sie einen Mitschüler aus dem Raum eines ermordeten Schülers kommen sieht, wird daraus nichts mehr. Adrian steht unter Verdacht und zwischen ihnen entwickelt sich etwas Gefährliches.

“Dumm war ich nie, zumindest nicht nach eigenem Maßstab. Zugegeben, mein Hang dazu, mich kopfüber in vorher sorgfältig kalkulierte Risiken zu stürzen, lässt sich nicht von der Hand weisen. Erstaunlich bleibt nur, dass das bisher meist ohne größere Blessuren einherging.” -Poppy

Ich lese eigentlich sehr selten Romance oder Dark Romance Bücher, was bedeutet, dass es eine große Bedeutung hat, wenn ich mir eines aussuche und ihm fünf Sterne verleihe. Das schöne rosa Cover täuscht über den Inhalt hinweg, denn ich werde vorab eine Triggerwarnung aussprechen und vorwarnen, dass das Buch für alle über 18 Jahre geeignet ist. Es geht um eine dunkle und toxische Beziehung zwischen den Protagonisten und es kann auch brutal werden, während solche Themen, nicht zuletzt die spicy Szenen, in der Geschichte auf die leichte Schulter genommen werden, was im echten Leben auf keinen Fall so sein darf. Doch wer eine klare Grenze ziehen und sich auf das Buch einlassen kann, wird die Geschichte genießen und vor Spannung kaum auf dem Stuhl sitzen bleiben können. Genauso ist es mir passiert, sodass ich den Roman in einer Leseeinheit inhaliert habe und es zu einem klaren Highlight wurde. Den zweiten Teil werde ich trotz Cliffhanger nicht lesen, weil 10 Jahre zwischen den Büchern liegen, die Bewertungen im englischen Raum im Keller sind und ich mir den grandiosen Auftakt nicht vermiesen lassen möchte.

Der Schreibstil ist schön angenehm, auch wenn ich es besser gefunden hätte, die Geschichte auch aus Adrians Sichtweise lesen zu können. Das Tempo ist weder zu schnell, noch zu langsam, stattdessen nimmt die Geschichte ganz natürlich ihren Lauf. Während Poppys einsames Schulleben am Anfang gründlich durchgegangen wird, ist danach die Beziehung im Fokus und beim Finale, wo die meisten Geheimnisse ans Licht kommen, ist der Spannungsbogen am höchsten, sodass es das perfekte Leseerlebnis ist. Storytechnisch ist die Aufklärung des Mordes nicht der Hauptteil, da man relativ schnell erkennt, dass es Adrian war und das ist kein Geheimnis. Stattdessen wird sich auf die einzigartige Liebesgeschichte zwischen einer Unsichtbaren und einem Psychopathen fokussiert und das ist mehr als gelungen. Es wird nichts schön geredet, denn es wird deutlich, dass das Meiste auf Zwang und nach Erpressungen und Drohungen geschieht und trotzdem habe ich mit den beiden mitgefiebert.

Eben diese Spannung zwischen ihnen macht das Buch aus. Als Leser wünscht man sich schon fast, dass es eine Person gibt, die genauso fasziniert von einem ist wie Adrian von Poppy. Dabei lassen wir mal die ganze dunkle Obsession weg. Die Protagonistin ist eine starke und unabhängige junge Frau, die ihre eigenen Skelette im Kleiderschrank verbirgt, was überraschend kommt. Am meisten habe ich es geliebt, wie sie dem beliebtesten Junge der Schule Paroli bietet und sich nach einer seltsamen Freundschaft eine interessante Liebesbeziehung bildet. Außerdem versteht man als Leser all ihre Entscheidungen, egal wie falsch sie im ersten Augenblick erscheinen und man versteht auch, dass man die dunkle Seite Adrians schnell vergisst, wenn er so charmant ist. Der verbale Austausch zwischen ihnen sind die Höhepunkte der Geschichte und diese ergänzt die Autorin mit den perfekt zugeschnittenen Szenen. Beispielsweise verbringen Adrian und Poppy die Ferien zusammen und als er sieht, wie alt ihr Laptop ist, bietet er direkt seinen an.

So gefällt mir Adrian als durchtriebener und vielschichtiger Charakter fast genauso gut wie Poppy, denn man weiß nie, was er jetzt vor hat und wen bzw. was er manipuliert, damit er das bekommt, was er will. Seine nicht vorhandene Moral und die gefühlten zwei Persönlichkeiten geben den Kick hinzu, den das Buch benötigt, damit man nicht aufhören will zu lesen. Damit ist die Chemie zwischen dem Paar beeindruckend und voller Funken, sodass man hofft, dass sie zusammenkommen, obwohl toxische Züge, vor allem von Adrians Seite aus, vorhanden sind.

Wenn schon Poppy und Adrian nicht bei der Überzeugung helfen, das Buch zu lesen, dann tut es die Story. Schließlich wusste man bis zum Ende nicht, wie es ausgeht, und als Leser ist man die ganze Zeit auf Spannung. Normale Alltagsszenen, wie das Lernen, sind interessant, besonders das Folgen von Poppys Gedanken, aber noch besser ist jedes Aufeinandertreffen von Poppy und Adrian und was für Auswirkungen das Aufdecken ihrer Geheimnisse nach sich ziehen wird. Wird sich Adrian öffentlich zu Poppy bekennen? Kann Poppy ihn trotz seiner Abgründe lieben? Und wird die Welt die Kollision dieser zwei grundverschiedenen Welten überleben? Am Ende haben wir nur ein wahres Gefühl: Limerence.

Insgesamt kann ich diese Dark Romance an jeden empfehlen, der nur im Entferntesten mit diesem Genre zu tun hat! Ich wiederhole aber trotzdem, dass meine Altersfreigabe 18 Jahre ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 05.03.2026

Interessantesm lehrreiches und entspanntes Buch!

100 berühmte Zitate und ihre überraschenden Geschichten
0

In diesem Buch werden 100 Zitate aus der ganzen Welt und über viele Jahrhunderte hinweg vorgestellt. Von der Antike und dem Mittelalter über die Aufklärung und Kriegszeiten bis hin zur Moderne haben berühmte ...

In diesem Buch werden 100 Zitate aus der ganzen Welt und über viele Jahrhunderte hinweg vorgestellt. Von der Antike und dem Mittelalter über die Aufklärung und Kriegszeiten bis hin zur Moderne haben berühmte Menschen Redewendungen erschaffen, die noch heute verwendet werden. Hier ein paar Beispiele:

“Ich habe fertig” - Giovanni Trapattoni
“Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne” - Hermann Hesse
“Geh mir ein wenig aus der Sonne” - Diogenes

Das waren ein paar interessante und bildende Lesestunden, die ich mit diesem Buch verbracht hat, denn es lehrt geschichtliche Hintergründe, politische Einflussnahmen und soziale bzw. gesellschaftliche Einwirkungen der Zitate ohne dass man sich so fühlt, als würde man ein steifes Sachbuch in der Hand halten. Der Schreibstil ist locker und gut verständlich, doch man muss schon 100% seiner Aufmerksamkeit dem Buch schenken. Auch gestalterisch ist dieses Buch gut gelungen, denn wir haben ein übersichtliches Inhalts- und Literaturverzeichnis und schön gestaltete Überschriften mit prägnanten Informationen. Ein kleines Extra sind die selbst gezeichneten Bilder, die dem Ganzen etwas Besonderes verleihen und zum Thema passen. Jedem Zitat sind zwei Seiten gewidmet und man kann jederzeit mit dem Lesen aufhören oder mittendrin wieder anfangen oder gar nachschlagen, sodass alles drumherum stimmig ist.

Selbstverständlich muss es der Inhalt sein, der überzeugt, und das war hier definitiv der Fall. Es hat unglaublich Spaß gemacht, das Buch zu lesen und auf jeder Seite stecken so viele neue Informationen, die man Stück für Stück verarbeitet, sodass man sich am Ende gebildeter fühlt. Zuerst wird das Zitat genannt und anschließend von wem es (vermeintlich) kommt oder wem es zugeschrieben wird. Mit einer kleinen Einleitung pro Zitat fällt einem das Lesen einfach und jeder Informationstext ist einzigartig. So wird nicht jedes Mal nach dem gleichen Schema gegangen, sondern jedes Zitat wird individuell erklärt und manchmal werden Beispiele genannt, ein anderes Mal Auswirkungen auf die Zukunft oder die Geschichte der historischen Persönlichkeiten. Doch stets wird erläutert, woher das Zitat stammt, wie es entstanden ist und was es damals bedeutet hat bzw. in welchem Zusammenhang man es heute verwendet. Nehmen wir zum Beispiel “Carpe diem”: Es wird genannt, woher es kommt und wer es gesagt hat. In welcher Situation Horaz war, als er es gesagt hat und warum es heute eine etwas andere Bedeutung hat als damals.

Das Buch ist von vorne bis hinten interessant und verknüpft alte Geschichte mit der Moderne, sodass es immer einen Bezug zur Gegenwart gibt, nicht zuletzt durch Zitate, die in der heutigen Zeit entstanden sind. Dabei ist es interessant, dass der Autor immer wieder kleine politische Kritiken in den Text nimmt und er durch Anspielungen den Lesern Denkanstöße gibt, ohne dass es ausartet. Das zeigt für mich, dass der Autor sich viel mit dem Thema beschäftigt und das Buch selbst geschrieben hat, was für mich in der heutigen Zeit mit KI mögliche Bedenken zerstreut. Außerdem fördert es uns, über die Vergangenheit nachzudenken oder aber einfach die Gegenwart mit Zitaten zu genießen. Und das ist gut so.

Insgesamt ist dieses Sachbuch für alle Zitat-Interessierte empfehlenswert, doch auch alle anderen werden damit eine gute Zeit verbringen können!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.03.2026

Ein märchenhafter Roman, der mit einem starken Plot überzeugt!

Deadly Ever After – Blut und Schnee
0

… und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Oder auch nicht, denn in der Märchenwelt ist Schneewittchen als Kaiserin Katharina aufgestiegen und stiehlt den anderen Figuren ihre Magie. ...

… und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Oder auch nicht, denn in der Märchenwelt ist Schneewittchen als Kaiserin Katharina aufgestiegen und stiehlt den anderen Figuren ihre Magie. Nur Fürst Streich setzt sich zur Wehr, doch als er untergeht, lebt die Idee mit seinem Neffen Tristan weiter, der nun auf Rache aus ist.

“Die meisten haben nicht vor, böse zu werden, denke ich. Sie werden es einfach. Meistens ganz, ohne es selbst zu bemerken. In ihrer eigenen Geschichte sind sie wahrscheinlich sogar die Guten. Sie glauben, die Welt besser machen zu können oder etwas in der Art. Das klingt doch zunächst erst mal gar nicht so schlecht. Nur dass die Welt gar nicht besser werden will oder dass sie mit einer guten Tat an irgendeiner anderen Stelle etwas Böses bewirken. Die Welt ist kompliziert.” -Linde

Wer eine Neuinterpretation und Mischung aller erdenklicher Märchen sucht und sich noch einmal in die märchenhafte Kindheit vertiefen möchte, ist hier genau richtig. Denn in diesem 600 Seiten starken Epos vereinen die Autoren die verschiedensten Märchenfiguren, beispielsweise Schneewittchen, den bösen Wolf, Rotkäppchen oder Frau Holle, miteinander und flößen ihnen ihre eigene Magie ein ohne dass sie den eigentlichen Charakter der Figuren verlieren. Ich habe die Aha-Momente, in denen man ein Märchen und deren Protagonisten wiedererkennt, geliebt und hier werden der Kreativität sowie der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Das Cover passt zum Buch und das Verzeichnis am Ende und die Karte am Anfang vereinfachen das Lesen. Außerdem ist der Schreibstil schön bildhaft und flüssig zu lesen, sodass wir aus mehreren Perspektiven die Geschehnisse im Buch erzählt bekommen. Man merkt kaum, dass zwei verschiedene Personen hieran gearbeitet haben und das war auch gut so.

Das Buch fängt schon rasant mit einer Kriegsszene an und fast genauso fesselnd geht es weiter. Die originelle Idee des Buches, wie oben beschrieben, unterhält den Leser und auch wenn der Humor nicht immer meinen Geschmack trifft, ist es eine schöne Abwechslung und lockert das Buch auf. Tristan geht nach dem Tod seines Onkels auf eine Reise und findet in jeder Etappe Verbündete, die sich gegen die Kaiserin stellen. Dabei ist die Welt gut ausgearbeitet und die drückende Atmosphäre kam zusammen mit dem Leichtsinn des Protagonisten bei mir an. Zwischendurch zieht es sich ein wenig, weil lange Zeit nur gewandert wird und nichts Actionreiches geschieht, aber wenn man das Buch als Gesamtstück ansieht, hat es sich gelohnt. Wir haben Soldaten, magische Wesen, die seltsamsten Kreaturen und ein Ziel und alles zusammen ergibt ein spannendes Leseerlebnis. Der Roman ist in sich auch abgeschlossen, nur das letzte Kapitel öffnet Türen zu einem neuen Abenteuer. Des Weiteren wurde davor ein würdiges Finale geschrieben, welches das Buch perfekt abschließt. Die paar Plottwists davor und währenddessen haben dazu geführt, dass die Geschichte unvorhersehbar bleibt und man immer aufmerksam mitlesen muss.

Tatsächlich ist das Interessante an der ganzen Sache, dass die “Helden-Truppe” so gar nicht heldenhaft ist, sondern normale Bürger des Landes mit unterschiedlichen Vergangenheiten und teils skurrilen Fähigkeiten. Besonders Tristan sticht nicht hervor, da er ein tollpatschiger und naiver Mensch ist, der sich nur durch Ausdauer und halbem Willen vorantreibt und flexibel mit gefährlichen Situationen umgeht. Das hat mir am Anfang noch zu Bedenken gegeben, weil die krassen Kämpfe ausbleiben, doch man findet sich gut damit an und weil es mal anders ist, als in sonstigen Fantasy-Romane, hat es seinen eigenen Charme. Außerdem entwickelt er sich weiter und man fiebert mit ihm mit, selbst wenn er mal dumme Sachen anstellt.

Was mir am besten gefallen hat, sind die Nebencharaktere. Mit jedem Kapitel kommen neue Charaktere hinzu, aus deren Sicht wir lesen können, und auch über die Feinde von Tristan werden wir aus erster Reihe mit Informationen versorgt. Die wichtigsten wären wohl Linde, die seit dem Anfang dabei ist und immer stark mitkämpft, Maari und ihr Volk, der Froschkönig Ran und Hans, welche uns für längere Zeit begleiten. Sie bringen Stimmung und Magie sowie Kampfkraft in die Story und haben sie mit Inhalt gefüllt. Es hat Spaß gemacht, mit ihnen das Abenteuer ihres Lebens zu erleben und jedes Mal knapp dem Tod zu entkommen. Außerdem hat jeder seine Ticks, die zur entsprechenden Märchenfigur passen. Und auch andere Randfiguren, die einen kurzen Auftritt haben, vervollständigen das Buch, sodass wir hier durchaus von einem märchenhaften Fantasy-Epos sprechen. Ein kleiner Zusatz zum Schluss: Wir haben keine Liebesgeschichte, wer also nach so viel Romantasy wieder mal ein reines High-Fantasy-Buch lesen möchte, bei dem man sich auf den Plot fokussiert hat, sollte diesen Roman zur Hand nehmen.

Insgesamt ist der Roman definitiv für die empfehlenswert, die auch nur einen Hauch von Fantasy mögen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.03.2026

Eine emotionale Romantasy mit hervorragendem Setting!

Empire of Whispers and Shadows
0

Saya und Teno wurden jahrelang als Assassine ausgebildet und müssen nun sieben Prüfungen bestehen, um der Schattenarmee beitreten zu dürfen. Doch dafür müssen sie zusammenarbeiten und das ist bei diesen ...

Saya und Teno wurden jahrelang als Assassine ausgebildet und müssen nun sieben Prüfungen bestehen, um der Schattenarmee beitreten zu dürfen. Doch dafür müssen sie zusammenarbeiten und das ist bei diesen Einzelgängern und einem ewigen Hass zwischen ihnen fast unmöglich.

“Eines Tages wird es das alles wert gewesen sein, Saya. Eines Tages wirst du herausfinden, wer er wirklich ist. Dann wirst du diese Nation aus der gnadenlosen Regentschaft des Gottkaisers befreien. Weil du in ihm das Monster sehen wirst, das er ist. Die Feuerstürme, giftigen Nebel und Sturmfluten werden aufhören. Und alles wird so sein, wie es sein soll.” -Ryko

Irgendwie haben es mir Romantasy-Bücher mit japanischem Setting und starken Frauen, beispielsweise in Form von Assassinen, angetan. Allein das Buch ist mit der rosanen Farbe und dem passenden Farbschnitt schön geworden und auch wenn mir eine Karte der Welt oder gar der Hauptstadt gefehlt hat, haben es die Bilder auf den Klappenrückseiten wieder wett gemacht. Auch eine Triggerwarnung ist hinten mit dabei und ich empfehle jedem, sie zu lesen, denn das Buch kann gewalttätig und explizit werden, sodass wir nicht selten die Köpfe von Leichen rollen sehen. Der Schreibstil passt zu den Protagonisten und lässt sich einfach lesen und die zwei Sichtweisen waren einfach perfekt. Hinzu kommt das gelungene Worldbuilding, bei dem nicht an Details in den Assassinen-Schulen, den Wohnungen der Bürger oder an dem Palast gespart wurde. So entsteht Stück für Stück eine alte japanische Welt, bei der es sich die Autorin zwar leicht gemacht hat, die aber trotzdem gelungen ist.

Nun begleiten wir Saya und Teno durch die verschiedenen Prüfungen, die sich so mancher bestimmt anders vorgestellt hat. Denn das Team bekommt in der Hauptstadt Zettel mit Aufgaben, während andere Teams vielleicht ganz andere Prüfungen ablegen müssen, sodass kein direkter Kampf gegeneinander stattfindet und man nicht weiß, was gerade das Zwischenergebnis ist. Damit resultiert das Buch in einem Wettkampf mit der Zeit und verborgene Intrigen und Geheimnisse der Hauptstadt und des Adels. Meiner Meinung nach war das ganz angenehm, weil einige Plottwists vorkommen und die Kämpfe und Fluchten durchaus spannend waren. Es war im guten Maß actionreich und blutig, wodurch auch der Assassinen-Aspekt, der mir besonders gut in den ersten Kapiteln gefiel, in den Vordergrund rückt. Spionage und am Ende Magie kamen auch hinzu, was den nötigen Kick verschafft hat und das Finale hatte es ziemlich in sich, auch wenn mehr gegangen wäre. Der halbe Cliffhanger am Ende ist fies und bereitet den Folgeband perfekt vor. Durch all diese Aspekte fiebert man als Leser die ganze Zeit mit, falls sich die Charaktere mal nicht nur versteckt haben.

Und hier ging der eine Stern flöten: Die Liebesgeschichte. Dass eine vorkam, war durch den Klappentext klar und störte mich auch gar nicht, denn gut umgesetzt, kann es einer Story zu noch mehr Spannung verhelfen. Doch zwischen Teno und Saya gab es ein ewiges Hin und Her und wenn man mal dachte, dass die Beziehung vorankommt, stellt sich ein kindischer Grund durch fehlende Kommunikation dazwischen und sie gehen wieder drei Stücke zurück. Die Spannung zwischen ihnen war fantastisch und als richtiges Team sind sie auch stärker. Beispielsweise waren die gemeinsamen Prüfungen sehr interessant und das Prinzip des Tropes Enemies-to-Lovers kam gut rüber. Nur das dazwischen nervte. Außerdem kommt ein Romantasy-Buch nicht ohne spicy Szenen zurecht, sodass jeder potentielle Leser mit einigen davon rechnen muss. Gut geschrieben waren sie, das muss ich der Autorin zugestehen.

Die Protagonisten für sich gefielen mir richtig gut. Saya ist eine starke Kämpferin, die alles für Rache tun würde, meist logisch denkt und trotzdem verletzliche Seiten zeigt. Ihre inneren Gedanken waren faszinierend und in diese Welt passt sie perfekt rein, was dazu führte, dass ich sie die ganze Zeit angefeuert habe. Das Gleiche gilt für Teno, der eine fantastische Charakterentwicklung hinter sich hat und uns sowie Saya sein wahres Gesicht zeigt. Wir haben mal nicht einen knurrenden und düsteren Love-Interest, sondern einen jungen Mann, der verlegen ist, sich seine Gefühle irgendwann richtig eingesteht und damit seine exzellenten Kampffähigkeiten mit einem Ziel verbindet, was ich insgesamt klasse finde. Man liest sehr gerne aus seiner Sicht, da es nachvollziehbar und seinem Alter angemessen ist. Natürlich haben beide mit einer Vergangenheit zu kämpfen und auch dieser Kampf kommt voll bei mir an.

Was wäre ein Fantasy-Roman ohne eine Art Magiesystem? Natürlich nichts und selbst wenn die Art der Magie nicht originell ist, war die Verbindung mit den alten Göttern und ihre Anwendung großartig, besonders zum Ende hin. Aber auch mitten im Buch gab es diese eine besondere Szene, bei der Saya herausfindet, was das Mal an ihrem Fuß wirklich bedeutet, und sie war magisch und einfach perfekt. Mit solchen Abschnitten rechne ich nicht und genau deswegen waren sie so gut.

Insgesamt kann ich diesen Roman jedem ans Herz legen, der gerne japanisch angehauchte Fantasy in Verbindung mit einer stark im Vordergrund stehenden Liebesgeschichte liest!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.02.2026

Ein lebensechter Jugendroman mit einer wichtigen Message!

Amokalarm
1

H.C. ist ein normaler 16-jähriger Schüler, der sich nach einem Tiefschlag zurückgekämpft hat. Mit Keira findet er auch eine Freundin, doch das Gleichgewicht kippt immer weiter in Richtung Zusammenbruch, ...

H.C. ist ein normaler 16-jähriger Schüler, der sich nach einem Tiefschlag zurückgekämpft hat. Mit Keira findet er auch eine Freundin, doch das Gleichgewicht kippt immer weiter in Richtung Zusammenbruch, bis auch der letzte Strohhalm reißt.

“Und das Schlimmste? Ich weiß nicht mal, ob ich wütend bin - oder einfach nur … lost.” - H.C.

Dieser Jugendroman ist aus dem Nichts vor meiner Nase aufgetaucht und ich muss gestehen, dass er mich positiv überrascht hat. Mit etwas weniger als 300 Seiten ist es gut verdaubar und auch die sehr kurzen Kapitel tragen ihren Teil dazu bei. Das Cover ist jetzt nicht das Schönste, aber es fasst die Geschichte gut zusammen. Darüber hinaus nutzt der Autor einen extrem jugendgerechten Schreibstil, der praktisch Gedanken und Aussagen von Jugendlichen, die im ganz normalen Gespräch vorkommen können, in einem Buchformat verfasst. Es ist sehr umgangssprachlich, sodass auch Slangwörter und Anglizismen vorkommen. Mir persönlich hat es ganz gut gefallen, weil es auch zum Protagonist passt, der seine ehrliche Meinung ohne Filter kundtut, und das Buch mal nicht wie jedes andere Jugendbuch ist.

In dem Buch erzählt H.C. aus der Gegenwart ähnlich einem Interview, was sich in der Vergangenheit vorgetragen hat. Auch andere wichtige Personen, wie zum Beispiel Keira, die Lehrer, die Schulleiterin, seine Freunde oder seine Mutter werden über die Geschehnisse der Vergangenheit befragt und sie erzählen ihre Version davon und was sich sonst noch so abgespielt hat. Das war ziemlich interessant und aufregend, da viele Perspektiven eine große und wichtige Geschichte erzählen und man fiebert richtig mit, weil man wissen will, was zum Amokalarm geführt hat. Es wird zu keiner Sekunde langweilig und der kleine Spannungsbogen trägt dazu bei. So berichtet uns H.C. über seinen früheren Alltag und die Key-Ereignisse, die seine Psyche dazu gebracht haben, alles aufzugeben und die Schule zu stürmen.

Es ist psychisch sehr gut erzählt worden und so unfassbar realistisch, dass ich mir vorstellen kann, dass genau solche Gedanken die meisten Jugendlichen mit sich herumtragen. Ihre Stimmung wird aufgefangen und Reaktionen zu verschiedenen Situationen erfasst, sodass klar ist, dass nicht eine Sache zu einem Überlaufen des Fasses führt, sondern eine ganze Kette an kleinen Sachen. Damit schafft es der Autor, ein wichtiges Thema über Machtmissbrauch und jugendliche Psychologie so zu beschreiben, dass es uns Leser mitten ins Herz trifft. Uns werden die Augen geöffnet und etwas, was vermutlich tagtäglich vielen Kindern bzw. Jugendlichen passiert, gerät an die Öffentlichkeit, sodass der Autor seinem Job mehr als gerecht wurde.

Beispielsweise haben wir eine Szene, in der H.C. an seinem Geburtstag mit Keira wegläuft und seine Eltern, mit denen er eigentlich immer den Tag zusammen verbringt, ohne eine Nachricht im Stich lässt. Er sagt selbst, dass es keine logische Erklärung dafür gibt, sondern dass es sich einfach richtiger gefühlt hat, mit ihr wegzulaufen. Schuldgefühle, Druck und Angst sind alles da und trotzdem entscheidet sich der Junge für die “dümmere” Tat und genau das ist der Punkt. Wir können die Entscheidungen nicht immer nachvollziehen, aber es ist normal, dass Emotionen im Spiel sind und insbesondere, wenn von Lehrern oder Kameraden Druck kommt, wird das Leben kompliziert.

Demnach hat mich H.C. komplett abgeholt und ich könnte theoretisch jedes Kapitel kaputt analysieren, aber das mache ich nicht. Es war schonungslos ehrlich und sein innerer Kampf wurde deutlich. Er musste so viel Unglück erfahren, das ist wirklich schlimm, was aber genau geschehen ist, werde ich nicht spoilern. Dabei wird wunderbar dargestellt, wie ein Jugendlicher sich von dem Wichtigsten aus seiner Welt, hier dem Basketball-Spielen, entfremdet und erst nach einiger Zeit wieder neu kennenlernt. Mit seinen Mathe-Kenntnissen und seiner sonstigen Attitude wird er dem Leser näher gebracht, sodass es wirklich spannend war zu verfolgen, wie sich der Protagonist von einem normalen Jugendlichen mit einem früheren Trauma zu einem Kriminellen entwickelt, nachdem ihm seine Bezugspersonen nicht weiterhelfen konnten.

Zum Schluss gehe ich noch auf den Love-Interest Keira ein, die H.C.'s erste große Liebe ist, während es von ihrer Seite aus nicht ganz so weit ist. Wir lesen an vorderster Front, was für Gefühle die erste Liebe hervorrufen kann und was für ein neues Territorium ein Jugendlicher anpeilt. Es gehört zu einem Jugendroman dazu, denn es geht ganz schnell, dass man die Freundeswelt irgendwie mit der Liebeswelt in Einklang bringen muss. Hier fängt auch die Entwicklung des Protagonisten an und die ist echt gut dargestellt worden. Hinzu kommen kleine Plottwists, die man nur erahnen konnte und es schaffen, dass der Roman bis zum Ende interessant bleibt.

Insgesamt haben wir hier einen Jugendroman mit einer wichtigen Message, den man weiterempfehlen muss!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere