Cover-Bild Blondes Herz
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19,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Tropen
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 17.05.2025
  • ISBN: 9783608123845
Bernardine Evaristo

Blondes Herz

Roman | 100 Beste Bücher des Jahres der ZEIT
Tanja Handels (Übersetzer)

Ein scharfsinniger Roman über die Geschichte unserer Gegenwart und die Kraft unserer Träume – von der Autorin des Bestsellers Mädchen, Frau etc.

Was wäre, wenn der afrikanische Kontinent die Welt erobert hätte und Sklavenhandel mit Europäern betreiben würde? Booker-Preisträgerin und Bestsellerautorin Bernardine Evaristo denkt die Vergangenheit neu: Doris, ein weißes Mädchen aus England, wird nach Aphrika verschleppt und dort als Sklavin verkauft. Doch sie verliert nicht ihren Mut. Sie muss alles riskieren, um die Fesseln ihrer Gefangenschaft abzulegen und ein freies Leben zu führen.
Eben noch spielt Doris mit ihren Schwestern Verstecken auf den Feldern hinter ihrem Cottage. Im nächsten Moment wird ihr ein Sack über den Kopf gezogen und sie findet sich im Laderaum eines Sklavenschiffs wieder, das in die Neue Welt segelt. Dort muss sie einem ambossanischen Feudalherrn dienen, der von ihrer Minderwertigkeit überzeugt ist. Doch Doris kann nicht aufhören, von ihrer Flucht zu träumen. In den folgenden Jahren setzt sie alles daran, ein freier Mensch zu werden. Als ihre Fluchtversuche scheitern, wird sie zur Strafe auf die Zuckerrohrfelder geschickt. In den Plantagen, an der Seite der starken Wikingerin Ye Mémé, entdeckt Doris jedoch eine ungekannte Stärke in sich. Unerwartet findet sie zurück zu ihrem blonden Herz. Und am Ende sogar zu ihrem ungebrochenen Freiheitswillen.


»Ein phänomenales Buch. Zweifellos ein feministischer Klassiker.« WOMEN'S PRIZE FOR FICTION
 
»So menschlich und authentisch. Eine humorvolle und intelligente Neuinterpretation von Vergangenheit und Gegenwart.« GUARDIAN

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.06.2025

Eine umgedrehte Geschichte der Sklaverei

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„Blondes Herz“ ist ein faszinierender und mutiger Roman, der die Geschichte der Sklaverei auf eine völlig neue Weise erzählt. Bernardine Evaristo stellt sich eine alternative Vergangenheit vor, in der ...

„Blondes Herz“ ist ein faszinierender und mutiger Roman, der die Geschichte der Sklaverei auf eine völlig neue Weise erzählt. Bernardine Evaristo stellt sich eine alternative Vergangenheit vor, in der der afrikanische Kontinent die Rolle der kolonialisierenden Macht übernimmt und Sklavenhandel mit Europa betreibt. Dabei wird die Geschichte des Sklavenhandels umgekehrt, was den Leser auf eine ungewöhnliche und zugleich aufrüttelnde Reise mitnimmt.
Im Mittelpunkt steht Doris, ein weißes Mädchen aus England, das plötzlich entführt wird und auf einem Sklavenschiff landet. Ihre lange Flucht durch die Plantagen und ihr Kampf um Freiheit sind spannend und emotional erzählt. Besonders beeindruckend ist, wie Evaristo durch diese Umkehrung der Rollen die Ungeheuerlichkeit der tatsächlichen Sklaverei sichtbar macht. Es wird deutlich, wie absurd und grausam das System war, egal, wer Opfer und wer Täter ist.
Das Buch ist nicht nur eine Geschichte über Unterdrückung, sondern auch eine Geschichte über Stärke, Mut und den ungebrochenen Freiheitswillen. Doris’ Entwicklung, ihre Sehnsucht nach Freiheit und die Entdeckung ihrer inneren Stärke spiegeln eine kraftvolle Botschaft wider. Die Figuren, darunter auch die starke Wikingerin Ye Mémé, sind vielfältig und lebendig beschrieben.
Evaristos Schreibstil ist klar, prägnant und fesselnd. Durch die Umkehrung der Rollen wird der Blick auf die Sklaverei nicht nur verstärkt, sondern auch humorvoll und kritisch hinterfragt. Und das Beste: Der Roman mit seinen 288 Seiten ist alles in allem schnell gelesen. Die Seiten flogen nur so dahin, sodass ich kaum merkte, wie die Zeit verging.
Abschließend ist „Blondes Herz“ eine mutige und wichtige Lektüre, die Geschichte und Gegenwart miteinander verbindet und den Leser dazu auffordert, die Welt aus einer neuen Perspektive zu sehen. Uneingeschränkte Empfehlung für alle, die sich für Geschichte, Gesellschaft und kraftvolle Geschichten interessieren. 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 20.06.2025

Sklavenhandel in einem alternativen Universum

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Eigentlich stellt Bernardine Evaristo schwarze Protagonisten in den Mittelpunkt ihrer Romane und stellt auch durchaus Genderrollen in Frage. Ihr Buch "Blondes Herz" ist da ein bißchen anders, schreibt ...

Eigentlich stellt Bernardine Evaristo schwarze Protagonisten in den Mittelpunkt ihrer Romane und stellt auch durchaus Genderrollen in Frage. Ihr Buch "Blondes Herz" ist da ein bißchen anders, schreibt sie doch über den kolonialen Sklavenhandel - aber in einem alternativen Universum, in dem die Versklavten weiß und die Sklavenhändler schwarz sind. Die Menschen aus dem als barbarisch und unterentwickelt angesehenem Europa, die aus der Sicht ihrer neuen Besitzer kaum mehr als Tiere sind, werden ins kulturell zweifellos überlegene Afrika verschleppt. Die Auswüchse und Brutalität der Sklaverei hingegen sind dann wieder ganz so, wie wir sie aus den Geschichtsbüchern kennen.

Die Geschichte der Kohlkopfbauerntochter Doris, die heimlich Lesen und Schreiben gelernt hat, sich nicht brechen lässt und ihren Traum von Freiheit nicht aufgibt, ist fesselnd zu lesen. Trotzdem habe ich mich beim Lesen gefragt: Was will Evaristo ihren Leser*innen hier eigentlich sagen? Hält sie sie für so oberflächlich, dass sie die Grausamkeit der Sklaverei erst dann als schrecklich betrachten, wenn es um Protagonisten geht, die dem (weißen) Lesepublikum ähnlich sind? Und angesichts der Tatsache, dass weiße Menschen (ebenso wie schwarze) in allen möglichen Formen und Schattierungen vorkommen: Wieso müssen die Klischee-Weißen eigentlich allesamt blond sein und blaue oder graue Augen haben?

Geht es nur um die umgekehrte Deutungshoheit, was als schön und gut zu gelten hat? Da ich jahrelang in Afrika gelebt habe, sind mir die anderen Schönheitsnormen vielleicht vertrauter als anderen, aber trotzdem - in einem Buch über Sklaverei ist das dann letztlich weniger wichtig (auch wenn es für ein paar satirisch-überzeichnete Momente sorgt) wie das System der Versklavung und der Handel mit Menschen an sich - oder die Frage, wie die Erfahrung von Versklavung über Generationen nachwirkt. Von einer schwarzen Autorin hätte ich jedenfalls erwartet, dass sie bei der authentischen schwarzen Erfahrung bleibt. Insofern bleibt am Ende, jedenfalls bei mir, Veriwrrung.

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Veröffentlicht am 24.07.2025

Konnte zu mir nicht durchdringen

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Die Geschichte von Doris, die sich trotz der erlebten Grausamkeiten ihren Mut behält, sich nicht unterkriegen lässt und sich ihren ungebrochen Freiheitswilligen erhält, ist spannend zu lesen. Emotional ...

Die Geschichte von Doris, die sich trotz der erlebten Grausamkeiten ihren Mut behält, sich nicht unterkriegen lässt und sich ihren ungebrochen Freiheitswilligen erhält, ist spannend zu lesen. Emotional fühlte ich aber insgesamt zu wenig mit ihr, dafür war mir die Geschichte, obwohl in der ich-Form verfasst, zu nüchtern und zu distanziert erzählt.

Das Buch spielt in keiner klaren Epoche. Sprache, Kleidung und Technologie sind ein bunter Mix aus modern und historisch, mir hat das nicht gefallen. Hätte die Autorin eine eigene Welt erschaffen, wäre das für mich ok gewesen. Aber dadurch, dass sie Epochen wild durcheinanderwürfelt, habe ich immer wieder gestutzt, wurde aus dem Lesefluss geworfen und in meinem Kopf konnte kein klares Bild entstehen, wie diese Welt nun eigentlich aussieht.

Auch habe ich bis zum Schluss nicht verstanden, was genau die Autorin mit dem Buch vermitteln will. Klar, es ist immer wieder sehr bewegend und dramatisch und hat dazu auch herrlich satirische Szenen, etwa wenn die blonde Doris in einem Friseursalon schmalzinkige Kämme speziell für schwer zu bändigendes “feines Flatterhaar” entdeckt. Eigentlich eine sehr gute Kombination. Aber abgesehen davon werden letztendlich historische Ereignisse und Perspektiven einfach nur umgedreht - mir haben dabei die unerwarteten Wendungen gefehlt.

Fazit
Liest sich das Buch gut? Zweifelsfrei.
Kann es eine Message vermitteln, die lange nachhallt: zumindest bei mir nicht.