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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.04.2021

Kann den Erwartungen nicht ganz gerecht werden

Meine Schwester, die Serienmörderin
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Um das Buch ist ein kleiner Hype entstanden, es wurde von der Presse wie auch in den sozialen Medien hoch gelobt und hat es in die Bestsellerlisten geschafft. Auch der Klappentext verspricht viel: „Beiläufig ...

Um das Buch ist ein kleiner Hype entstanden, es wurde von der Presse wie auch in den sozialen Medien hoch gelobt und hat es in die Bestsellerlisten geschafft. Auch der Klappentext verspricht viel: „Beiläufig feministisch“, „abgründig“, „wahnsinnig komisch“ – mit diesen Worten wird das Buch beworben. Meine Erwartungen waren entsprechend hoch, konnten am Ende aber nicht komplett erfüllt werden.⠀

Das Buch ist ein bunter Genre-Mix aus Krimi, Satire und Roman. An manchen Stellen fühlte ich mich an einen Tarantino Film erinnert, auch wenn es im Buch deutlich weniger blutrünstig zugeht. Wer die Mörderin ist steht natürlich schon sehr früh fest, die Spannung fußt auf der Frage wohin die Entwicklung der beiden Schwestern geht und ob sie am Ende gefasst werden.

Die Autorin erzählt ihre rasante Geschichte dabei in sehr kurzen Kapiteln. Die Ich-Erzählerin bleibt dabei immer etwas distanziert und kommentiert die Ereignisse recht lässig und trocken, was ich unterhaltsam fand. Auch der Stil von Braithwaite hat mir sehr gut gefallen, sie braucht nicht viele Worte und setzt diese sehr gezielt ein.

Die Kapitel spielen abwechselnd in der Gegenwart und der Vergangenheit, so dass der Leser nach und nach die Geschichte der beiden Schwestern kennenlernt und zu ahnen beginnt wie eine von ihnen zur Serienmörderin wurde. Über die Motive kann der Leser dennoch nur spekulieren. Es gibt einige Andeutungen, doch für tiefere Einblicke in die Seele der Serienmörderin ist in der Story kein Platz. Dafür ist ein wenig Gesellschaftskritik ist enthalten, die Autorin wirft einen kritischen Blick auf die Rolle der Frau oder die Bestechlichkeit der Polizei. Den auf dem Klappentext angekündigten Feminismus konnte ich allerdings nirgends entdecken.

Schade fand ich, dass die regelmäßig verwendeten nigerianische Begriffe und Ausdrücke nicht erklärt werden. An diesen Stellen muss man entweder zu Google greifen oder darüber hinweglesen. Hier hätte ich mir dringend ein Glossar mit Erklärungen/Übersetzungen gewünscht.

Fazit
Die Idee ist super, insgesamt kann das Buch die durch den Hype entstandenen hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen. Ich habe es trotzdem gerne gelesen und wurde sehr kurzweilig unterhalten.

Veröffentlicht am 19.03.2021

Kurzweilige Unterhaltung

QualityLand
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Mit seiner Känguru-Trilogie hatte Marc-Uwe Kling großen Erfolg und hat es im letzten Jahr damit auch schon ins Kino geschafft. Sein zweites Werk ist ebenfalls sehr unterhaltsam, geht aber in eine andere ...

Mit seiner Känguru-Trilogie hatte Marc-Uwe Kling großen Erfolg und hat es im letzten Jahr damit auch schon ins Kino geschafft. Sein zweites Werk ist ebenfalls sehr unterhaltsam, geht aber in eine andere Richtung. Im Vergleich zu den Känguru Büchern, die eher aus vielen kleinen Geschichten bestanden, ist „QualityLand“ zusammenhängender und romanhafter erzählt. Gleich geblieben sind die gesellschaftskritischen Ansätze und jede Menge Komik.

Kling gelingt es eine Zukunft zu entwerfen, die an vielen Stellen nur wenige technologische Schritte von unserer entfernt zu sein scheint. Ergänzt durch witzige Ideen erschafft er eine sehr originelle Welt von Morgen. Die Geschichte besteht aus drei groben Rahmenhandlungen die Einblick in die unterschiedlichen sozialen Ebenen der futuristischen Gesellschaft geben. Eine allzu komplexe Handlung mit tiefgreifenden Charakteren darf man zwar nicht erwarten, das ist aber auch gar nicht Ziel des Buches. Kling schafft es trotzdem, dass der Leser an vielen Stellen ins Grübeln kommt.

Ergänzt wird die Erzählung durch Ausschnitte aus dem QualityLand-Reiseführer sowie Internet-Zeitungsartikeln mitsamt Werbung und Kommentaren. Übrigens liegt hier begründet, warum es das Buch mit einem hellen und einem dunklen Cover zu kaufen gibt. Die Bücher unterscheiden nämlich sich nicht nur durch die Coverfarbe, sondern die Auszüge aus dem Reiseführer und die Zeitungsartikel sind inhaltlich unterschiedlich formuliert, bei der hellen Ausgabe optimistischer als bei der dunklen. Der Leser muss aber nicht auf Inhalte verzichten, ein Link am Ende des Buches verschafft Zugriff auf die Texte der jeweils anderen Ausgabe.

Fazit
„Qualityland“ hat mich sehr kurzweilig und gut unterhalten. Das Buch endet mich einem Knall, daher bin ich schon sehr gespannt auf die Fortsetzung in Band 2.

Veröffentlicht am 05.03.2021

Spannende Unterhaltung trotz stellenweiser Vorhersehbarkeit

Lautlose Schreie
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Passend zu dem erschreckenden Thema ist die Geschichte beherrscht von einer eher düsteren Atmosphäre. Bei der Story konnte ich leider sehr schnell erahnen wie es weitergeht und welche Rolle die Personen ...

Passend zu dem erschreckenden Thema ist die Geschichte beherrscht von einer eher düsteren Atmosphäre. Bei der Story konnte ich leider sehr schnell erahnen wie es weitergeht und welche Rolle die Personen spielen. Hier hätte ich gerne noch etwas länger zu rätseln gehabt und mich über die eine oder andere Überraschung gefreut. Da ich trotzdem immer wissen wollte wie die Geschichte ihren Lauf nimmt und deshalb zu keiner Zeit gelangweilt war, wiegt dieser Kritikpunkt für mich nicht allzu schwer. Auch die zügig vorangetriebene Handlung in Kombination mit kurzen Kapiteln und wechselnden Perspektiven konnten trotz der Vorhersehbarkeit der Story die Spannung bewahren.

Wie schon im ersten Band haben mich die Charaktere absolut überzeugt. Ihre Macken und Schwächen machen sie glaubwürdig und sympathisch. Aufbauend auf dem ersten Band kann man zudem eine interessante Weiterentwicklung der Protagonisten und ihrer Beziehungen untereinander verfolgen, so dass ich auf die nächsten Bände schon sehr gespannt bin.

Wer die Bücher noch nicht kennt sollte allerdings besser mit Band 1 beginnen, denn einige Figuren tauchen auch in der Fortsetzung wieder auf und werden nicht von neuem vorgestellt. Obwohl ich den ersten Band vor gut einem Jahr gelesen habe, hatte ich aber keine Probleme mich zurechtzufinden. Daher empfand ich es als sehr angenehm, die Charaktere und ihre Beziehungen untereinander nicht nochmals erklärt zu bekommen.

Fazit:
Ein solider und sehr atmosphärischer Thriller mit interessanten Charakteren. Ich werde der Reihe auch weiterhin treu bleiben!

Veröffentlicht am 25.02.2021

Bleibt leider hinter den Erwartungen zurück

Der zweite Schlaf
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Von Robert Harris habe ich bereits großartige Bücher gelesen, „Der zweite Schlaf“ gehört leider nicht dazu. Die Idee hinter dem Buch ist faszinierend und zu Beginn ist die Geschichte wirklich interessant, ...

Von Robert Harris habe ich bereits großartige Bücher gelesen, „Der zweite Schlaf“ gehört leider nicht dazu. Die Idee hinter dem Buch ist faszinierend und zu Beginn ist die Geschichte wirklich interessant, zwar an manchen Stellen etwas langatmig, doch stets möchte man wissen wie es weitergeht, wie es zu dem großen Zusammenbruch kam und wie die Zusammenhänge zu verstehen sind. Zum Ende hin wirkt es dann aber als wären Harris die Seiten, vielleicht auch die Ideen ausgegangen um seine Geschichte zu einem runden Abschluss zu bringen. Er beendet das Buch mit vielen losen Enden und offenen Fragen und macht sich nicht mal die Mühe in einem kurzen Anhang zu erklären was der Titelgebende „zweite Schlaf“, der auch im Roman immer wieder Erwähnung findet, eigentlich ist. Dabei war es für mich ein Aha-Erlebnis als ich mit Hilfe von Google herausgefunden habe, dass die Menschen im Mittelalter nicht durchgeschlafen haben. Es gab zwei Schlafphasen, der erste und der zweite Schlaf, getrennt durch einen Zeitraum in dem die Menschen Bücher lasen oder Gebete sprachen. Sehr schade, dass Harris sich für diese Erklärung keine Zeit nimmt.

Seine Welt entwirft Harris gewohnt detailreich und lebendig. Gemeinsam mit Fairfex entdeckt der Leser Relikte aus der „alten Welt“, die unsere aktuelle ist, und während Fairfex noch über das flache Ding mit dem angebissenen Apfel auf der Rückseite rätselt ist dem Leser längst klar was der Priester in den Händen hält.

Fazit:
Ich hatte mir erhofft, dass das Buch mehr aus dem Szenario macht, dass Harris uns noch mehr von seiner erdachten Welt zeigt, doch leider beschränkt er sich auf sehr wenige Handlungsorte und Sichtweisen. Was bleibt ist ein Buch mit vereinzelt genialen Stellen, mit einer großartigen Idee, aber leider einem enorm schwachen Ende das für mich die positiven Aspekte überdeckt.

Veröffentlicht am 29.01.2021

Zu wenig Krimi für die Bezeichnung als Kriminalroman

Der Gin des Lebens
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Das Buch trägt den Untertitel „Kriminalroman“ und fällt hier ganz klar in die Kategorie gemütlicher Regionalkrimi, ist also auch für zartbesaitete Krimileser gut geeignet. Eine viel größere Rolle als der ...

Das Buch trägt den Untertitel „Kriminalroman“ und fällt hier ganz klar in die Kategorie gemütlicher Regionalkrimi, ist also auch für zartbesaitete Krimileser gut geeignet. Eine viel größere Rolle als der Kriminalfall spielt allerdings der Gin. Der Autor berichtet sehr viel und ausführlich über die die Herstellung und Zutaten von Gin. Da er diese Details sehr kurzweilig in seine Geschichte einbaut fand auch ich, als (bisher) kein Gintrinker, dieses Hintergrundwissen sehr interessant. Auch der Handlungsort, Plymouth, spielt eine zentrale Rolle und ebenso wie beim Gin bekommt der Leser auch zur Stadt viele Informationen, so dass man nur allzu gerne in den nächsten Flieger steigen möchte. Da auch eine Liebesgeschichte (zum Glück ohne großes Herzschmerzdrama) nicht fehlen darf, bleibt für den Krimi am Ende kaum noch Platz, was ich mit Blick auf das gewählte Genre dann doch ein wenig Schade fand. Erst im letzten Drittel fanden die Krimiaspekte mehr Platz, dennoch bleibt es eher gemütlich. Den großen Showdown fand ich dann leider etwas konstruiert und durch einige Logiklücken stellenweise sogar absurd. Hier hätte ich mir ein weniger spektakuläres, dafür aber sinnvolleres Ende gewünscht.

„Der Gin des Lebens“ liest sich sehr flüssig, dazu tragen auch die lockeren Dialoge und die leicht verständliche Sprache bei. Die Figuren sind teils etwas klischeehaft, die meiste Zeit über aber trotzdem sympathisch. Die Geschichte ist an einigen Stellen zwar unterhaltsam, bleibt insgesamt aber ohne richtig lustige Momente. Zu mehr als einem vereinzelten Schmunzeln reichte es bei mir daher nicht.

Die Aufmachung des Buches finde ich allerdings sehr gelungen. Das Cover ist großartig und absolut passend gestaltet, dazu kommen sehr treffende Zitate zu Beginn jedes Kapitels. An mehreren Stellen wird die Geschichte durch Einschübe unterbrochen, bei denen der Leser als Art Sachbuch im Roman etwas zur Geschichte des Gins oder den wichtigsten Zutaten erfährt. Am Ende des Buches warten dann noch ein paar Rezepte.

Fazit
Für einen Kriminalroman war für meinen Geschmack zu wenig Krimi enthalten, doch die interessanten Hintergründe und die sympathischen Figuren machten das Buch dennoch lesenswert. Kein must-read, aber durchaus ein Buch zu dem man zwischendurch greifen kann. Geeignet ist das Buch mehr für Gin- als für Krimifans.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere