Cover-Bild Die Parade
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8,99
inkl. MwSt
  • Verlag: E-Books im Verlag Kiepenheuer & Witsch
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Soziales
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 08.04.2020
  • ISBN: 9783462320336
Dave Eggers

Die Parade

Roman
Ulrike Wasel (Übersetzer), Klaus Timmermann (Übersetzer)

»Dave Eggers ist einer der sozial engagiertesten und provokantesten Schriftsteller unserer Zeit.« The Observer.
Mit seinem neuen Roman wirft Dave Eggers die Frage auf, ob der Westen in der Lage ist, die komplizierten Verstrickungen eines Entwicklungslands, das sich jahrelang im Bürgerkrieg befand, zu begreifen. Eine kluge, hochaktuelle Parabel und ein echter Pageturner.
Zwei Straßenbauer werden von einer internationalen Baugesellschaft in ein vom Bürgerkrieg zerrissenes Land geschickt, um den armen Süden mit dem reichen Norden zu verbinden. Der Präsident des Staates will den noch jungen, fragilen Frieden mit einer Militärparade auf der neuen Straße feiern. Einer der beiden Männer möchte so schnell und korrekt wie möglich seine Arbeit verrichten, um bald wieder nach Hause zu können; der andere ist abenteuerlustig und nimmt voller Freude und Neugier alles mit, was ihm die neue Kultur, die fremden Menschen und das exotisch riechende Essen zu bieten haben. Meter für Meter kämpfen sie sich mithilfe einer hypermodernen Asphaltiermaschine voran. Die Straße wird länger, die Konflikte zwischen den beiden werden härter und nehmen eine dramatische Wendung, als einer der Männer lebensbedrohlich erkrankt. Beide kommen auf dieser Reise an ihre Grenzen – und müssen sich fragen, inwiefern sie der Bevölkerung wirklich helfen, wenn sie ihren Auftrag erfüllen. Tut man automatisch Gutes, wenn man Gutes tun will? In »Die Parade« zeigt sich erneut Dave Eggers' besondere Begabung, soziale und politische Fragen mit den Mitteln der Literatur zu untersuchen – eine fesselnde Lektüre, die nachdenklich stimmt.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.04.2020

Eine hochspannende Geschichte über Vorurteile und Verantwortung

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Jeder kennt sicherlich die eine oder andere Situation, in der man sich fragt, wie zur Hölle man da hineingeraten ist und warum man mit solchen unkooperativen Anfängern zusammenarbeiten muss. Nur selten ...

Jeder kennt sicherlich die eine oder andere Situation, in der man sich fragt, wie zur Hölle man da hineingeraten ist und warum man mit solchen unkooperativen Anfängern zusammenarbeiten muss. Nur selten sitzt man dabei jedoch in einer Region kurz nach dem Bürgerkrieg, spricht nicht die Landessprache und hat einen wichtigen Auftrag zu erledigen.

»Vor dem Bau der Straße hatte die Fahrt von der Hauptstadt in diese Region bestenfalls vier Tage gedauert. (...) Die neue Straße würde der Provinz (...) Sicherheit und Fortschritt bringen.«

Zwei Männer begegnen sich in einem fremden Land. Für den Fall, dass sie gekidnappt werden sollten, sprechen sie sich mit fiktiven Namen an.

“Vier” ist erfahren, verantwortungsbewusst und diszipliniert. Sein Job ist es, innerhalb von zwei Wochen eine Straße vom Süden des Landes bis zur Hauptstadt im Norden zu asphaltieren. Er hält sich strikt an das Reglement seiner Firma: kein Kontakt mit Einheimischen, um alle Komplikationen so gering wie möglich zu halten.

Sein neuer Kollege, der unerfahrene “Neun”, ist begeistert von der Kultur und den Menschen, deren Sprache er flüssig spricht. Er soll mit dem Quad vorausfahren, um die Strecke auf Schäden zu prüfen und für die Asphaltiermaschine freizuhalten.

Schnell eskaliert die Situation zwischen den so unterschiedlichen Männern.

Beim Lesen habe ich mich gleich mit dem disziplinierten Vier identifiziert, der einfach nur seinen Job erledigen und keinen Stress haben möchte.

Die Stimmung wurde zunehmend beklemmender. Die Sorglosigkeit und mangelnde Zusammenarbeit Neuns brachte Vier in Gewissenskonflikte, während die riesige Maschine unerbittlich vorrückte. Außerdem nahte der Termin der großen Parade, die zur Fertigstellung der Straße stattfinden sollte.

»Neun frustrierte ihn sei fast drei Tagen, aber jetzt, da ihm klar war, dass er ihn weder verändern noch kontrollieren noch dazu bringen konnte, in irgendeiner Weise effektiv zu sein, (...) konnte Vier den Mann und dessen Verhalten außer Acht lassen.«
Ein großer Fehler!

Dave Eggers, der Autor von “The Circle”, lockt den Leser mit diesem kurzen politischen Roman in eine psychologische Falle, aus dem er sich nicht so schnell wieder befreien kann. Denn am Ende folgt einer sehr überraschende Wende.

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Veröffentlicht am 13.01.2020

grandios geschrieben

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„Alle bewegten sich im Schritttempo der Asphaltiermaschine, als würden sie ehrfurchtsvoll einem Trauerzug folgen.“ [130]
Die Geschichte wäre schnell erzählt, mag man denken: Man, in diesem Falle der Westen, ...

„Alle bewegten sich im Schritttempo der Asphaltiermaschine, als würden sie ehrfurchtsvoll einem Trauerzug folgen.“ [130]
Die Geschichte wäre schnell erzählt, mag man denken: Man, in diesem Falle der Westen, baut eine Straße in einem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land, um den reichen Norden mit dem armen Süden zu verbinden.
Eigentlich ist das nicht viel Stoff für eine Geschichte und mit Dave Eggers „Der Circle“ konnte ich mich nicht richtig anfreunden, aber „Die Parade“ ist ganz anders, erfrischend anders. Dass Dave Eggers weiß, wie man Bücher schreibt, die Leserinnen fesselt, für ein Thema begeistert und dazu bringt, nach abgeschlossener Lektüre, viele Szenen und Situationen im Kopf noch einmal Revue passieren zu lassen, demonstriert er eindrucksvoll in seinem neuesten Werk. Kurz: hochaktuell, spannend und mit einem unerwarteten Ausgang.
„Von dem Baum ausbreiten, tief eingraben, Lebenskraft aus dem Baum beziehen, Möglichkeiten schaffen und damit auch Stabilität.“ [32]
Es ist eine Parabel die einen so schnell nicht mehr loslässt und zeigt, dass es nicht nur schwarz und weiß gibt, sondern, dass vieles facettenreich ist. Und genau so zeichnet Eggers auch seine zwei Protagonisten, Vier und Neun. Beide Personen sind komplett unterschiedlich und je weiter die Straße vorankommt, desto mehr kommen die Beiden in Konfliktsituationen, auch mit sich selbst und stellen somit ihr Handeln in Frage. Tut man etwas Gutes, weil man denkt, dass man Gutes tun will? Dem geht Eggers in seinem Roman nach und wirft die eine oder andere politische Frage mit auf, verwebt diese mit dem Plot und lässt das Ganze bei den Leser
innen reifen.
Mir hat „die Parade“ gefallen. Sie las sich aufgrund des Schreibstils sehr gut. Die Seiten flogen nur so dahin, man war gefesselt und ertappte sich dabei, wie die anfängliche Meinung, in Bezug auf das Projekt, Protagonist und Ausgang, zusehends immer mehr variierte.

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Veröffentlicht am 08.04.2020

Dave Eggers – Die Parade

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Ein unbenanntes Land, kurz nach dem Krieg, der den Norden und Süden verfeindet hatte. Nun soll eine Straße die beiden Landesteile verbinden und wieder vereinen. Zwei Arbeiter einer ausländischen Firma ...

Ein unbenanntes Land, kurz nach dem Krieg, der den Norden und Süden verfeindet hatte. Nun soll eine Straße die beiden Landesteile verbinden und wieder vereinen. Zwei Arbeiter einer ausländischen Firma werden eingeflogen, um mit modernsten Maschinen innerhalb nur weniger Tage den Weg zu ebnen, was anschließend mit einer großen Parade gefeiert werden soll. Die beiden Straßenbauer kennen sich nicht und sollen nach Willen ihres Arbeitgebers auch weder miteinander und schon gar nicht mit der lokalen Bevölkerung engeren Kontakt aufnehmen, so wählen sie zwei Ziffern als Namen. Vier ist dies gewohnt, schon viele Einsätze hat er pflichtbewusst hinter sich gebracht, die strengen Regeln sind ihm ins Blut übergegangen. Für Neun ist es der erste Auftrag und er saugt die fremden Eindrücke von der ersten Minute an förmlich auf – weshalb er immer mehr seine Pflichten vernachlässigt und seinen Kollegen gegen sich aufbringt. So ungleich sie sind, bilden sie doch eine Schicksalsgemeinschaft und müssen miteinander die Aufgabe bewältigen, egal wie groß die Hürden sind, die sich vor ihnen auftun.

Dave Eggers bekanntester Roman ist sicherlich „The Circle“, in welchem er vor den Auswüchsen der großen Internetkonzerne warnt. „Die Parade“ ist ganz anders gelagert und erinnerte mich viel mehr an „Ein Hologramm für den König“, da auch dort in einem Infrastruktur armen Land fern der Zivilisation der technische Fortschritt kommen soll und die ausländischen Arbeiter sich in einer absurden Situation gefangen sehen. Im Fokus des Romans stehen jedoch hier ganz eindeutig die beiden Straßenbauer, die verschiedener kaum sein könnten und das, obwohl sie ebenso wie ihre Umgebung zunächst kaum mit Charakteristika ausgestattet werden, nicht einmal Namen erhalten sie.

Die Konfrontation der beiden ist von der ersten Sekunde an abzusehen, es ist nur eine Frage der Zeit, bis bei Vier die Hutschnur reißt und er das Treiben seines Kollegen nicht länger mitansehen will. Doch der unerwartete Schicksalsschlag, der sie beide letztlich trifft, zwingt Vier dazu, von seinem üblichen Verhalten abzuweichen und so etwas wie Menschlichkeit über das starre Befolgen von Regeln zu stellen. Ab diesem Moment ist er auch nicht mehr allein, er sieht die Bewohner des Landes mit anderen Augen, fasst Vertrauen und wird auch nicht enttäuscht. Zum ersten Mal kann er echte Erfahrungen machen und arbeitet sich nicht nur wie ein Roboter an der Straße ab. Das permanente Abwägen zwischen Mitgefühl und Pragmatismus, Großzügigkeit und Vorsicht lässt den Menschen hinter der Nummer zum Vorschein kommen.

Der Krieg als Hintergrund, vor dem die Geschichte ihren Anfang nimmt, taucht immer wieder am Rande auf, Bedrohungen kommen und gehen, aber nie sind Vier und Neun ernsthaft in Gefahr. Doch gerade als man denkt, dass offenbar durch menschliches Handeln, ein gewisses Maß an Offenheit und Mut auch Versöhnung und Miteinander möglich sind, packt Eggers die Keule aus. Nein, die Welt ist kein Ponyhof und wer sich zufrieden dieser Illusion hingibt, wird eine böse Überraschung erleben. Der große Fortschritt, der erzielt wurde, schlägt brutal zurück und lässt so den faden Beigeschmack, dass alles seinen Preis hat und selten ein Geschenk vom Himmel fällt.

Der Roman ist ganz sicher als Parabel zu lesen, die Fragen nach Moral, Ethik und Menschlichkeit aufreißt. So schnell man das kleine Buch auch gelesen hat, es wirkt nach und stimmt nachdenklich in vielerlei Hinsicht.

Veröffentlicht am 04.09.2020

Komprimierte, bedrückende Parabel

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"Die Parade" ist eine novellenartige, gut und schnell lesbare Parabel zum Thema Entwicklungshilfe, frei nach dem Motto: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht (zumindest nicht immer für alle Beteiligten). ...

"Die Parade" ist eine novellenartige, gut und schnell lesbare Parabel zum Thema Entwicklungshilfe, frei nach dem Motto: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht (zumindest nicht immer für alle Beteiligten). Vier und Neun,zwei namenlose Facharbeiter, helfen beim Aufbau der Infrastruktur eines vom Bürgerkrieg zerrütteten Landes. Mit Hilfe einer komplexen und modernen Maschine asphaltieren sie innerhalb weniger Tage eine Straße, die den wohlhabenderen Teil des Landes mit dem ärmlicheren verbinden und so auch diesen Gebieten medizinische Versorgung und vieles mehr bringen soll. Die titelgebende Parade ist für den Abschluss der Bauarbeiten geplant.

Was nach einem ziemlich klaren Auftrag klingt, gestaltet sich von Beginn an kompliziert, vor allem für Vier, der den überkorrekten, verlässlichen Arbeiter symbolisiert. Er will nur seine Arbeit machen, sich dabei strikt an die Anweisungen halten und den Job wie viele andere zuvor möglichst schnell und ohne Kontakt zur Außenwelt - den Regeln entsprechend - hinter sich bringen. Ganz anders Neun, der die Nähe der Menschen vor Ort sucht. Er will nicht nur eine Straße bauen, sondern gerne auch auf andere Art helfen - was den Regeln der Firma, in dessen Auftrag die Straße gebaut wird, widerspricht und vor allem auch Viers Unmut nach sich zieht.

Dass Vier und Neun quasi auf engsten Raum unterschiedliche Ansätze der Entwicklungshilfe westlicher Industrienationen und den daraus resultierenden Folgen symbolisieren, könnte kaum offensichtlicher sein. Doch trotz dieser fast schon zu einfachen Symbolik lebt das kurze Werk von dem wachsenden Konflikt zwischen Vier und Neun und der daraus enstehenden Spannung. Denn schon nach kurzer Zeit zeichnet sich ab, dass Neuns Interaktionen mit den Einheimischen Konsequenzen haben, die die Fertigstellung der Straße gefährden könnten. Und so muss Vier Entscheidungen treffen, mit denen er sich im Laufe seiner bis dato glänzenden Karriere noch nicht befassen musste...

Nichts allzu viel Neues und dazu ziemlich offensichtlich - dennoch ist "Die Parade" empfehlenswert, denn Eggers erzählt gut und spannend. Man kann den heißen Asphalt fast riechen, die Hilflosigkeit der Einheimischen und ihre Hoffnung auf die Straße fast spüren. Die Kürze von knapp unter 200 Seiten bietet eine komprimierte Geschichte mit einem Ende, das fast schon unausweichlich schien.