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Veröffentlicht am 29.03.2019

Interessantes Zeitdokument

Metropolis
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Ich habe letztens den albernsten Film überhaupt gesehen. Ich glaube nicht, dass es möglich ist, einen noch alberneren zu machen […]. Er heißt ‚Metropolis‘, stammt aus den großartigen Ufa-Studios in Deutschland, ...

Ich habe letztens den albernsten Film überhaupt gesehen. Ich glaube nicht, dass es möglich ist, einen noch alberneren zu machen […]. Er heißt ‚Metropolis‘, stammt aus den großartigen Ufa-Studios in Deutschland, und man muss erwähnen, dass er enorme Produktionskosten verschlungen hat. Er präsentiert eine turbulente Konzentration aus fast jeder denkbaren Blödsinnigkeit, Klischee, Plattitüde und Chaos über den mechanischen Fortschritt und den Fortschritt im Allgemeinen, serviert mit einer Sauce von Sentimentalität." - H.G. Wells (Wikipedia)

Heute ist der expressionistische Filmklassiker des Regisseurs Fritz Lang Inspirationsquelle für vielfältige Werke.

Das Drehbuch basiert auf dem Roman von Langs Partnerin Thea von Harbou.
Geschrieben hat diese das Buch zur Zeit der Weimarer Republik, als das Fließband bei 'uns' erstmals zum Einsatz kam, neue Wirtschaftszweige wie Elektro- und Automobilindustrie entstanden, aber auch Klassenunterschiede sowie die neue stumpfsinnige Arbeit und der Zeitdruck kritisiert wurden.

Das Thema hat mich angespochen, denn der damalige Wandel zum Maschinenzeitalter könnte Parallelen zur heutigen Digitalisierung aufweisen.

Vom ersten Viertel des Buches war ich begeistert. Die Autorin hat den Maschinen und der Stadt Leben eingetaucht und Bilder voll Rythmus, Emotion und Energie geschaffen.

"Lichtkaskaden schäumten gegen die Scheiben. Draußen, tief am Fuß des Neuen Turms Babel, kochte Metropolis."

"Seine Brüder tragen die Blauleinentracht, die schwarzen Kappen und die harten Schuhe."

"Ich dämpfte meine Schritte, so gut ich konnte, aber ihr Schall war übermäßig laut und weckte an den schiefen Häusermassen ein rauschendes Raunen, als murrten die Häuser mir nach."

Mit der Zeit erlosch mein Interesse und ich begann querzulesen, obwohl ich das Buch wirklich mögen wollte. Ich liebe Symbole und Metaphern.

Die Autorin nutzt z.B. Farbsymbolik, über die ich mir jedoch keine Gedanken mehr machen mochte, weil die Theatralik der überhöhten flachen und auch religiösen Archetypen mich zu sehr störte.

Entkleidet man die Geschichte von allem Kitsch, enthält sie einen Kern, der auch heute noch gültig sein mag. Auch wenn ich diesen Kern wo anders wiederfinden würde, als die Autorin.

Ansonsten kann man das Buch als Dokument einer Zeit lesen. Einer Zeit der Begeisterung für Maschinen, der Vergnügungssucht, der alten Rollenbilder und der im Untergrund brodelnden Unzufriedenheit der Massen.

»Narren seid ihr! Dummköpfe! Dummköpfe! In euren Morgen, euren Mittag, euren Abend, eure Nacht heult die Maschine nach Futter, nach Futter, nach Futter! Ihr seid das Futter! Ihr seid das lebendige Futter! Euch frißt die Maschine wie Häcksel und speit euch aus!"

Veröffentlicht am 29.03.2019

Vielfältiger Überblick über die Selbstbestimmung der Frau

Das beherrschte Geschlecht
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»Ich bin total befreit«, sagt die 26-jährige Miri, obwohl sie mir gerade einige Szenen geschildert hat, in denen sie ihren Sexualpartnern zuliebe für sie empfindliche Grenzen überschritten hatte. | Zitat

Wie ...

»Ich bin total befreit«, sagt die 26-jährige Miri, obwohl sie mir gerade einige Szenen geschildert hat, in denen sie ihren Sexualpartnern zuliebe für sie empfindliche Grenzen überschritten hatte. | Zitat

Wie frei und selbstbestimmt sind Frauen heute wirklich?, fragt die Diplom-Psychologin Sandra Konrad in ihrem aktuellen Buch.
Dazu beschäftigt sie sich ausführlich mit folgenden Themenkomplexen:
weibliche Lust, sexuelle Befreiung, Pornographie und Prostitution, sexualisierte Gewalt, Schönheit und Selbstbestimmung.
Die Autorin schlägt einen Bogen aus der gut recherchierten Historie in die 'befreite' Gegenwart hinein. Ihre Zitate von Gesprächen mit jungen Frauen spiegeln den aktuellen Zeitgeist wider.

"Wie ist es, in einer Kultur aufzuwachsen in der Frauen zwar alles dürfen, aber auch alles mitmachen sollen, und welchen Einfluss hat es auf uns, wenn Unterwerfung und Sexualisierung als Emanzipation gefeiert werden?"

"Immer wieder höre ich von jungen Frauen, dass sie Schwierigkeiten haben, bei sexuellen Aktivitäten Grenzen zu setzen, und deshalb lieber halbherzig oder gar widerwillig »mitmachen«, anstatt ein deutliches Nein zu signalisieren."

"Nicht »Wie will ich sein?«, sondern »Wie will er mich haben?« beschäftigt das weibliche Geschlecht (...)"

Fazit:
Jemandem, der viel über Emanzipation liest und dem auch 'The Cat Person' etwas sagt, wird dieses Buch wahrscheinlich nicht allzuviel Neues bieten.
Für alle anderen ist es eine exzellente Zusammenfassung der weiblichen Selbstbestimmung im Wandel der Zeit.

Das Buch ermutigt zu hinterfragen, wo man sich selbst zu stark an Erwartungen anderer anpasst, um schließlich umzudenken und den Fokus auf eigene Wünsche zu setzen.

»Erst wenn Frauen frei sind, sind es auch Männer«, diese Haltung vertritt der Sexualwissenschaftler Erwin J. Haeberle (...).| Zitat

Veröffentlicht am 22.03.2019

Witzig, vielfältig, überraschend

Alte weiße Männer
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Sophie Passmann konfrontiert Sascha Lobo, Kai Diekmann, Robert Habeck und weitere einflussreiche Männer augenzwinkernd mit dem Begriff des 'alten weißen Mannes'.

Viele der Interviewten waren erstaunlich ...

Sophie Passmann konfrontiert Sascha Lobo, Kai Diekmann, Robert Habeck und weitere einflussreiche Männer augenzwinkernd mit dem Begriff des 'alten weißen Mannes'.

Viele der Interviewten waren erstaunlich reflektiert in Bezug auf ihre Privilegien und die gesellschaftlichen Zusammenhänge.

Doch es gibt auch den Bequemen, den Ahnungslosen, den Aalglatten; den unfreiwillig Komischen, der sich mit seinen Antworten selbst entlarvt; den cool Gelangweilten; den, der bei dem Wort 'Feminismus' zusammenzuckt.
Nicht zu vergessen, den Intellektuellen, der sich vom Feminismus nicht abgeholt fühlt, ihn nicht anspruchsvoll genug, nicht herausfordernd genug empfindet, als handele es sich um ein theoretisches Gedankenspiel, etwas das ihn überhaupt nicht beträfe und daher um seine Aufmerksamkeit buhlen müsste.

Angriffe, Ausflüchte und Täuschungsmanöver hat Sophie Passmann größtenteils routiniert abgewehrt. Es ist nicht ihr Ziel den anderen festzunageln. Trotzdem hätte ich mir an einigen Stellen gewünscht, dass sie stärker nachgehakt und fragt, wie die Männer Gleichberechtigung in ihrer Beziehung leben. Ich meine, wann trifft man schon mal Ulf Porschardt oder Micky Beisenherz?

Der richtig alte weisse Mann, der Pate, der Patriarch, wurde nicht interviewt. Doch bei manchem Gesprächspartner schien es durch, das Festhalten an Liebgewonnenem, Blindheit für eigene Vorurteile, Desinteresse, Arroganz. All die Eigenschaften, die wir am 'Feindbild' kritisieren.

Doch wie könnte ich dies anderen zum Vorwurf machen? Auch ich bin zuweilen überheblich oder gelangweilt, blind für meine Fehler und weiche unerwünschten Veränderungen aus, so lange es geht.

Der Kern der Diskussion ist für mich:
Sollten mächtige Männer freiwillig ihre Privilegien teilen?
Die einen sehen das Leben als Kampf, die anderen glauben an Kooperation.
Zwei Weltanschauungen, die aufeinanderprallen. Das ist damals bei James Camerons 'Avatar' schon nicht gut ausgegangen.

Mein Fazit?
Eine Leseempfehlung.
Das Buch hat in mir die Frage ausgelöst, was ich anders machen würde, wenn ich wüsste, an den derzeitigen Verhältnissen würde sich nichts ändern.

Das Buch ist nicht radikal, es bietet keine Lösungen, aber vielleicht den ersten Schritt dahin - die Einladung zum Nachdenken über sich selbst, zum Austausch, zur Klärung von Missverständnissen, zum Finden von Gemeinsamkeiten.
Und das ist in der Zeit der Filterblasen schon ein sehr guter Anfang. Außerdem ist es wirklich witzig.

Veröffentlicht am 22.03.2019

Witzig, vielfältig, überraschend

Alte weiße Männer
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Sophie Passmann konfrontiert Sascha Lobo, Kai Diekmann, Robert Habeck und weitere einflussreiche Männer augenzwinkernd mit dem Begriff des 'alten weißen Mannes'.

Viele der Interviewten waren erstaunlich ...

Sophie Passmann konfrontiert Sascha Lobo, Kai Diekmann, Robert Habeck und weitere einflussreiche Männer augenzwinkernd mit dem Begriff des 'alten weißen Mannes'.

Viele der Interviewten waren erstaunlich reflektiert in Bezug auf ihre Privilegien und die gesellschaftlichen Zusammenhänge.

Doch es gibt auch den Bequemen, den Ahnungslosen, den Aalglatten; den unfreiwillig Komischen, der sich mit seinen Antworten selbst entlarvt; den cool Gelangweilten; den, der bei dem Wort 'Feminismus' zusammenzuckt.
Nicht zu vergessen, den Intellektuellen, der sich vom Feminismus nicht abgeholt fühlt, ihn nicht anspruchsvoll genug, nicht herausfordernd genug empfindet, als handele es sich um ein theoretisches Gedankenspiel, etwas das ihn überhaupt nicht beträfe und daher um seine Aufmerksamkeit buhlen müsste.

Angriffe, Ausflüchte und Täuschungsmanöver hat Sophie Passmann größtenteils routiniert abgewehrt. Es ist nicht ihr Ziel den anderen festzunageln. Trotzdem hätte ich mir an einigen Stellen gewünscht, dass sie stärker nachgehakt und fragt, wie die Männer Gleichberechtigung in ihrer Beziehung leben. Ich meine, wann trifft man schon mal Ulf Porschardt oder Micky Beisenherz?

Der richtig alte weisse Mann, der Pate, der Patriarch, wurde nicht interviewt. Doch bei manchem Gesprächspartner schien es durch, das Festhalten an Liebgewonnenem, Blindheit für eigene Vorurteile, Desinteresse, Arroganz. All die Eigenschaften, die wir am 'Feindbild' kritisieren.

Doch wie könnte ich dies anderen zum Vorwurf machen? Auch ich bin zuweilen überheblich oder gelangweilt, blind für meine Fehler und weiche unerwünschten Veränderungen aus, so lange es geht.

Der Kern der Diskussion ist für mich:
Sollten mächtige Männer freiwillig ihre Privilegien teilen?
Die einen sehen das Leben als Kampf, die anderen glauben an Kooperation.
Zwei Weltanschauungen, die aufeinanderprallen. Das ist damals bei James Camerons 'Avatar' schon nicht gut ausgegangen.

Mein Fazit?
Eine Leseempfehlung.
Das Buch hat in mir die Frage ausgelöst, was ich anders machen würde, wenn ich wüsste, an den derzeitigen Verhältnissen würde sich nichts ändern.

Das Buch ist nicht radikal, es bietet keine Lösungen, aber vielleicht den ersten Schritt dahin - die Einladung zum Nachdenken über sich selbst, zum Austausch, zur Klärung von Missverständnissen, zum Finden von Gemeinsamkeiten.
Und das ist in der Zeit der Filterblasen schon ein sehr guter Anfang. Außerdem ist es wirklich witzig.

Veröffentlicht am 22.03.2019

Befreiend - ermutigt Frauen zu neuen bestärkenden Erzählungen

Weiblich, ledig, glücklich - sucht nicht
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"Du siehst doch super aus, ich versteh gar nicht, warum dich keiner will." Danke für nichts, denke ich bei solchen Sätzen immer. Muss also mein beschissener Charakter sein. - Dr. Gunda Windmüller

In einer ...

"Du siehst doch super aus, ich versteh gar nicht, warum dich keiner will." Danke für nichts, denke ich bei solchen Sätzen immer. Muss also mein beschissener Charakter sein. - Dr. Gunda Windmüller

In einer unterhaltsamen Mischung aus Anekdoten, aktuellen Studien und Zitaten aus Pop- und Fachliteratur beleuchtet die Autorin das Ideal der romantischen Liebe.

Im Schatten dieses leuchtenden Ideals kauert dem Vorurteil nach die einsame, unglückliche Single-Frau.
Denn das Glück ist scheinbar nur in einer romantischen Beziehung zu finden.

"Ich habe es so satt. Immer wenn es mir schlechtgeht, denken alle, es sei, weil ich keinen Freund habe." - Zitat einer Freundin der Autorin

Windmüller nimmt sich jeden Baustein des Stereotyps vor:
Dating, Individualisierung in der Moderne, Kinderlosigkeit, fehlende Anerkennung für Frauen in der Gesellschaft, Glück, Geschlechterrollen, Sex, Selbstverwirklichung -
alles was ich hier so trocken aufgezählt habe, hat die Autorin auf eingängige Weise analysiert.

Übrigens sind von den Vorurteilen nicht nur Singles betroffen. Auch manche Frau in einer unbefriedigenden Beziehung wird sich mehrfach überlegen, ob sie diese beendet - aus Angst, dass sie 'keinen mehr abkriegt'.

"Aber wie unglücklich schlechte Beziehungen machen, darüber reden wir vermutlich zu wenig.
Schlechte Beziehungen machen unglücklich. Und schaden uns mehr, als es das Singlesein an sich je könnte."

Dr. Gunda Windmüller hat kräftig aufgeräumt unter falschen Zuschreibungen und veralteten Studien und macht Platz für neue, bestärkende Erzählungen.

Mein Fazit:
Es geht darum seine Haltung zu ändern. Von einer Haltung des Defekts und Mangels zu einer Haltung der Neugier auf neue Möglichkeiten. Und das vorliegende Buch liefert die Motivation und die Fakten dazu.