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Veröffentlicht am 13.10.2019

Oleksij Tschupa - Märchen aus meinem Luftschutzkeller

Märchen aus meinem Luftschutzkeller
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Ein Haus im ostukrainischen Makijiwka. Die Bewohner leiden unter der brütenden Sommerhitze und unter ihren Nachbarn; oder den Familienangehörigen; oder dem Dasein ganz allgemein. Erdgeschoss, erster Stock, ...

Ein Haus im ostukrainischen Makijiwka. Die Bewohner leiden unter der brütenden Sommerhitze und unter ihren Nachbarn; oder den Familienangehörigen; oder dem Dasein ganz allgemein. Erdgeschoss, erster Stock, zweiter Stock, dritter Stock: jeweils drei Wohnungen mit drei Schicksalen. Die verrückte Labuha aus dem Parterre bringt mit ihrer lauten Musik und den nie enden wollenden Partys alle um den Verstand, außer vielleicht Klawa aus dem Stockwerk über ihr, denn die ist seit Jahrzehnten taub und kann sich kaum mehr mit ihrer Tochter und dem Enkel verständigen. Auch Forman im zweiten und seinen Freunden ist das heute wohl egal, nachdem sie zu plötzlichem Reichtum gekommen sind, muss geplant werden, was mit dem Geld zu tun ist. Derweil erweckt Olena ihre Großmutter mit isländischer Musik wieder zum Leben und zum ersten Mal seit Jahren reden die beiden Frauen wirklich miteinander. Zwölf Wohnungen, zwölf Geschichten, die Tschupa belauscht in einem Haus, das heute im Kriegsgebiet steht.

Literatur aus der Ukraine ist mir wenig bekannt, aber Oleksij Tschupas Text weist für mich einige Gemeinsamkeiten auf, die ich in osteuropäischen Bücher wiederholt gefunden habe. Auch er leitet nicht lange ein, sondern stürzt den Leser ins Geschehen, das schonungslos und direkt die Dinge beim Namen nennt. Wir befinden uns nicht in einer Märchenwelt, sondern in der unbarmherzigen Realität, die es mit den Figuren nicht immer gut meint. Es braucht bisweilen einen gewissen Humor oder Zynismus, um dies zu ertragen.

Viel mehr als den Hauseingang scheinen die Figuren nicht zu teilen. Wobei doch eine gewisse Melancholie über allen Episoden schwebt, vermutlich ist es genau dies, was auch in zwei der Geschichten anklingt, in denen der schwermütige Charakter der slawischen Literatur erwähnt wird, der sich unweigerlich auch auf die Leser niederschlagen muss. Ob die Menschen wegen der Literatur so sind oder die Literatur wegen der Menschen und der Lebensumstände, sei dahingestellt.

Besonders hat mir gefallen, dass die Bandbreite unheimlich groß ist; wir erleben Kinder ebenso wie junge und mittlere Erwachsene und die Alten, die das Ende ihres Lebens bereits kommen sehen. Die Kinder sind mir hierbei vor allem aufgefallen: obwohl es mehrere von ihnen im Haus gibt, scheinen sie keinen Kontakt zueinander zu haben, sondern ausgesprochen isoliert zu sein. Dass diese Einsamkeit nicht guttut, liegt auf der Hand und so ist auch ihr trauriges Schicksal nicht weiter verwunderlich. Mehr noch war ich jedoch von den alten Frauen beeindruckt – die Männer werden nicht alt in der Ukraine, scheinbar flüchten sie sich vorher in den Tod. Unfreiwillig erleben sie ebenfalls eine Isolation wie die Kinder. Zwar mag die Familie physisch nah sein, es fehlt jedoch die Verbindung zwischen den Generationen.

Neben den Geschichten, die mich jede auf ihre Weise ansprechen konnte, überzeugte mich Tschupa aber mit Zweierlei: er schafft es ausgezeichnet die Gegebenheiten in Worte zu fassen. Das Schwanken zwischen überbordendem Humor und erschreckend abstoßend lässt einem manchmal jedoch geradezu schwindelig werden. An anderen Stellen findet er großartige Metaphern wie beispielsweise bei Iryna, die sich und ihre Welt als Insel begreift, ein Motiv, das nicht nur wunderbar zur Figur passt, sondern auch überzeugend durch die ganze Episode hindurchgeführt wird.

Vieles ist voller Gegensätze in Oleksij Tschupas Roman. Es beginnt beim Titel, in dem die Begriffe Märchen und Luftschutzkeller zusammengebracht werden und dem grell-bunten Cover, dem ein schwarzer Hintergrund auf der Rückseite entgegensteht. Im Haus ist Leben in allen Facetten, tatsächlich jedoch wird die Region seit Jahren von Krieg und Tod beherrscht. Mal lacht man, man wird man nachdenklich, aber immer scheint man sich nur im Extrem bewegen zu können und so bleibt das Buch auch ganz sicher bei keinem Leser ohne nachhaltigen Eindruck.

Veröffentlicht am 12.10.2019

Daniel Silva – Der russische Spion

Der russische Spion
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Ein eigentlich routinierter Fall für die Geheimdienste: ein Doppelspion will brisantes Material über die Russen liefern und dafür bei den Engländern untertauchen. Gabriel Allon und sein Team wollen ihn ...

Ein eigentlich routinierter Fall für die Geheimdienste: ein Doppelspion will brisantes Material über die Russen liefern und dafür bei den Engländern untertauchen. Gabriel Allon und sein Team wollen ihn in Wien in Empfang nehmen und an den MI6 übergeben, doch dazu kommt es nicht, denn der Mann wird auf offener Straße erschossen. Offenbar war man in Moskau informiert und dafür gibt es nur einen Grund: in den Reihen der Briten muss es einen Maulwurf geben. Diese leugnen dies, doch für den Chef des israelischen Dienstes ist der Fall klar. Doch als sein Kandidat in Bern ums Leben kommt, kommen ihm Zweifel: ist er auf eine geschickt gelegte falsche Spur hereingefallen? Womöglich, aber an den Maulwurf glaubt er immer noch und ist bereit alles dranzusetzen, diesen aufzudecken. Er ahnt nicht, wen er ins Visier nimmt und wie schlimm der MI6 tatsächlich unterlaufen wurde.

Auch im bereits 18. Fall von Daniel Silvas Superagenten des israelischen Geheimdienstes ist dieser kein bisschen müde, sich mit den größten globalen Verbrechern anzulegen. Hat er in den letzten beiden Fällen noch die islamistischen Terroristen gejagt, steht nun ein ungewöhnlich klassischer Fall im Vordergrund. Auch wenn der Kalte Krieg seit nunmehr 30 Jahren beendet ist, taugt die Konfrontation zwischen Ost und West noch immer zu großer Unterhaltung und so ist „Der russische Spion“ ein Thriller nach dem bewährten Muster der großen britischen Agenten James Bond oder George Smiley. Nur dass es der Chef des Mossad ist, der fast im Alleingang gegen die russische Übermacht kämpft.

„Gabriel klappte seinen Aktenkoffer auf und nahm drei Gegenstände aus dem Geheimfach. Eine Geburtsurkunde, eine Heiratsurkunde und ein in der Jesus Lane in Cambridge heimlich gemachtes Foto. Übel, dacht er. Verdammt übel.“

Die Erwartungen werden einmal mehr voll erfüllt. Ein spannungsgeladener Thriller, der zunächst einige undurchschaubare Verwicklungen liefert und dann das Katz-und-Maus-Spiel eröffnet. Interessanterweise lehnt sich Silva dieses Mal an eine reale Figur an: Kim Philby, ein britischer Geheimdienstmitarbeiter, der als einer der bekanntesten Doppelagenten und Informationslieferant für die Sowjets in die Geschichte eingegangen ist. Ebenso wie dieser historisch verbriefte Fall trifft auch der Maulwurf im Thriller den englischen MI6 Mitten ins Herz und macht den Fall damit besonders brisant.

Auch wenn die vorhergehenden Fälle durchaus an aktuelle Großkrisen der Welt angelehnt waren, fand ich dieses Mal die Vermischung von Fakt und Fiktion besonders gelungen. Auch die Tatsache, dass etwas weniger geschossen und in die Luft gejagt wird, sondern die altbewährten Spionagetechniken wieder zum Einsatz kommen dürfen – Beschattung, geheime Briefkästen, heimlich übergebene Umschläge – hat mich besonders gefreut und unterstreicht, dass Silva beides liefern kann: actiongeladene rasante Geschichten ebenso wie komplexe Spionagethriller. Lassen viele Serien im Laufe der Zeit nach, würde ich hier das Gegenteil konstatieren wollen: für mich einer der besten Romane von Daniel Silva.

Veröffentlicht am 11.10.2019

Michaela Kastel – Worüber wir schweigen

Worüber wir schweigen
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Wie froh sie war, nach der Schule einfach aus dem Kaff abhauen zu können. Doch nun, zwölf Jahre später, kehrt Nina zum ersten Mal zurück, denn sie muss etwas erledigen. Sie muss ihre ehemals beste Freundin ...

Wie froh sie war, nach der Schule einfach aus dem Kaff abhauen zu können. Doch nun, zwölf Jahre später, kehrt Nina zum ersten Mal zurück, denn sie muss etwas erledigen. Sie muss ihre ehemals beste Freundin Mel treffen und Tobias, den Bruder von Mels damaligem Freund Domi. Beide leben immer noch dort, Mel vor Depressionen kaum fähig das Haus zu verlassen, und Tobias, um seine Mutter in ihrer Trauer zu unterstützen. Nina war schon weggezogen als es passierte, doch nun weiß sie, dass das, was sie für die Wahrheit hielt, nur eine Geschichte war. Was wirklich geschah, will sie von Mel und Tobias hören.

Nachdem mich Michaela Kastel im letzten Jahr bereits mit „So dunkel der Wald“ überzeugen konnte, erfüllt auch ihr neuer Thriller „Worüber wir schweigen“ alle Erwartungen. Ich fand ihn zwar etwas weniger gruselig und nervenaufreibend als das Vorgängerwerk, dafür aber im Aufbau deutlich cleverer. Sie erzählt die Geschichte im Wechsel aus drei Perspektiven und zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Die Auswahl der Figuren verwundert zunächst, dass Nina und Tobias das Wort erhalten, liegt noch relativ auf der Hand, aber Ninas Vater als Erzähler scheint nicht wirklich Sinn zu machen. Warum genau er aber ein wichtiger Baustein für die Handlung ist, löst sich erst spät auf und enthüllt so die wirklich gelungene Konstruktion der Handlung.

Der Roman lebt vor allem davon, dass man als Leser einige Wissenslücken hat und zunächst vieles nicht richtig in Zusammenhang bringen kann. Auch die verschiedenen Zeitebenen und Erzähler müssen erst sortiert werden. Tatsächlich ist die Handlung überschaubar, die Geschichte lebt viel mehr von den Figuren. Ninas Familie wahrt den Schein nach außen, ist aber innerlich völlig zerrüttet. Die Mutter psychisch erkrankt kann sich nicht um das Mädchen kümmern, das schon früh ein auffälliges und zerstörerisches Verhalten zeigt. Gelegentlich richtet sich dies auch gegen andere, mehr aber noch schadet sie sich selbst damit und isoliert sich emotional. Auch der Vater ist schon lange nicht mehr daheim Zuhause. Die Ehe am Ende, zu der Tochter kann er keine Verbindung aufbauen und so flüchtet er sich wenig überraschend in eine Affäre.

Nina findet in Mel eine Verbündete, aber die Freundschaft war nie ausbalanciert. Wer die Wortführerin ist, war immer klar und so wie Nina Mel schon als kleines Mädchen zwingt, Dinge zu tun, die diese nicht möchte, hat sie auch keine Skrupel, sie als Jugendliche zu hintergehen. Auch Tobias leidet, nicht jedoch unter einem Freund, sondern unter seinem älteren Bruder, dem er so gar nicht das Wasser reichen kann. Auch dessen Beziehung mit Mel, die einen mäßigenden Einfluss auf ihn hat, ändert nichts grundlegend an dem schwierigen Verhältnis der beiden.

Viele niedergeschlagene Seelen, die alle gute Gründe für ihr Handeln haben und nicht ahnen, wie sich ihre eigenen Enttäuschungen und Rachegelüste in ein grausames Räderwerk fügen, das sich, nachdem der erste Stein ins Rollen gebracht wurde, nicht mehr aufhalten lässt. Es ist die Tragik des Unvermögens, über den eigenen Horizont blicken und die Folgen abschätzen zu können, die sie schuldig macht.

Mit diesem wohl durchdachten Mechanismus, wie die einzelnen kleinen Handlungen ineinandergreifen und letztlich zu einem schlimmen Ende führen, hat Michaela Kastel eindrucksvoll unterstrichen, welches Talent in ihr schlummert. Sie braucht kein Blut und keine bestialischen Mörder, sondern kann den Thrill durch die ganz normalen Menschen entstehen lassen und holt das Grauen so in den Alltag. Dies finde ich deutlich schwerer literarisch umzusetzen, als blutrünstige Szenen zu beschreiben, die per se beim Leser Gänsehaut auslösen. Daher ganz klar eine unbedingte Leseempfehlung für diesen Roman.

Veröffentlicht am 07.10.2019

Tom Callaghan – Erbarmungsloser Herbst

Erbarmungsloser Herbst
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Eine junge Frau wird tot aufgefunden. Akyl Borubaew, Inspektor der kirgisischen Mordkommission in Bischkek ahnt, dass dieser Fall alles andere als einfach werden wird, denn die scheinbar Drogensüchtige ...

Eine junge Frau wird tot aufgefunden. Akyl Borubaew, Inspektor der kirgisischen Mordkommission in Bischkek ahnt, dass dieser Fall alles andere als einfach werden wird, denn die scheinbar Drogensüchtige ist an einem neuen Stoff verstorben, um ein Vielfaches stärker als die bekannten Drogen. Aber lange hat er an diesem Fall nicht zu ermitteln, denn der Minister für Staatssicherheit entlässt ihn. Eine Kleinigkeit, passende Beweise für sein vermeintliches Fehlverhalten zu finden. Stattdessen bittet er ihn um eine ganz besondere Mission, die er undercover durchführen soll. Doch bevor es so weit kommt, erschießt Borubaew seinen Erzfeind und wird zum Staatsfeind Nummer 1. Schutz kann er ausgerechnet nur bei den Drogenbaronen der Region finden. Und so wird aus dem einstigen Vorzeigepolizisten der eifrige Diener der Unterwelt.

Auch der vierte und scheinbar letzte Teil der Serie um den kirgisischen Inspektor erfüllt nicht nur die Erwartungen, sondern schließt die Handlung überzeugend ab. Borubaew sieht sich dieses Mal nicht nur einem Feind gegenüber, sondern wird gleichermaßen mit dem korrupten Polizeiapparat wie auch sich bekämpfenden Drogenkartellen konfrontiert. Dass er lebend aus der Nummer rauskommt, ist schon fast ein Wunder, aber daran hat er ja nicht alleine Anteil, ohne tatkräftige Unterstützung seiner Geliebten, der usbekischen Agentin Saltanat, die für nicht wenig Überraschung sorgt.

Die Handlung ist ausgesprochen komplex und die Spannung wird durch die Erzählperspektive konstant hochgehalten. Man kann den Ich-Erzähler Borubaew nicht als unzuverlässigen Erzähler bezeichnen, er bietet keine Mehrdeutigkeiten, aber geschickte Auslassungen schaffen Lücken, die vielfältige Auslegungen zulassen und den Leser in die Irre führen und auf die falsche Fährte locken. Am Ende löst sich aber alles glaubwürdig und restlos auf und auch die Persönlichkeit der toten Drogensüchtigen wird aufgeklärt.

Ein rundum clever konstruierter Thriller, der vor allem von seinem Protagonisten lebt, der mit Menschenkenntnis und Mut für die richtige Sache kämpft und sich einem - vermutlich leider sehr realistisch dargestellten – durch und durch korrumpierten Verwaltungsapparat und von Gaunern unterwanderten Gesellschaft gegenüber sieht.

Veröffentlicht am 04.10.2019

Kachelbads Erbe

Kachelbads Erbe
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Wer war H.G. Kachelbad? In den 1980ern tauchte er in Los Angeles auf, arbeitete offenbar im Bereich der Kryonik, aber so wie er aus dem Nichts plötzlich da war, ist er auch wieder verschwunden. Menschen ...

Wer war H.G. Kachelbad? In den 1980ern tauchte er in Los Angeles auf, arbeitete offenbar im Bereich der Kryonik, aber so wie er aus dem Nichts plötzlich da war, ist er auch wieder verschwunden. Menschen erinnern sich an ihn und berichten von diesem. Die junge Rosary, die er in die USA holte, um bei den Suspensionen zu helfen, ein Liebhaber, der mit ihm den Ausbruch der Aids Epidemie erlebte, der Autor Shabbatz Krekov, dem ein zweites Leben geschenkt wurde. Alle glaubten sie an den Traum vom ewigen Leben dank der Kryonik. Doch ist die Zeit dafür schon gekommen?

Hendrik Otremba ist künstlerisch in vielen Bereichen unterwegs, ebenso sein Roman, der sich von verschiedenen Seiten her an seinen Protagonisten annähert, ohne ihn jedoch wirklich greifen zu können. Auch die Themen sind breit aufgestellt, von Zukunftssträumen der Technik über Medizin bis zu ganz persönlichen zwischenmenschlichen Aspekten und Ängsten touchiert der Roman die Bandbreite des Lebens.

„ich sehe, dass sich zeit meines Lebens nichts getan hat, nichts zum Guten gewandt hat, dass die Menschen wider besseres Wissen, trotz der Erfahrung, trotz der ganzen verdammten Geschichte, weiter und weiter auf den Abgrund zurast. (...)Es müsste etwas Drastisches passieren, dann vielleicht gäbe es noch eine Chance. Aber so? Gib es doch zu, Kachelbad, wir sind verloren.“

Krekov hat die Nazis in Europa gesehen, den Kalten Krieg und den Ausbruch von Aids. Er kann nur zu dem zitierten Urteil über die Menschheit kommen. Dies überschattet auch die Atmosphäre des Romans. Trotz des Fortschritts, das dem onimösen Chinesen gelungen ist, der mit seiner Firma Menschen für ein Leben in einer besseren Zeit konserviert, überlagert die düstere und fatale Stimmung alles. Die wenigsten der erzählenden Figuren waren in ihrem Leben bis dato vom Glück verfolgt, immerhin gibt das Zusammentreffen mit Kachelbad ihnen wieder ein Funken Hoffnung und seine Zuneigung, obwohl diese mit viel Reserviertheit wohldosiert ist, lässt sie am Leben festhalten.

Die Handlung ist schwer zu greifen, die achronologische und multiperspektivische Erzählweise stehen diesem zu sehr im Wege. Die Figurenzeichnung wiederum ist Otremba fantastisch gelungen, die Erzähler offenbaren sich in ihren Notizen, von Kachelbad werden ganz unterschiedliche Seiten aufgezeigt, eben genau jene, die die einzelnen von ihm zu sehen bekommen. Erzählerisch überzeugt mich der Autor, man versinkt direkt in der Geschichte und kann diese nicht mehr loslassen. In vielerlei Hinsicht ein beachtenswerter Roman.