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Veröffentlicht am 14.08.2018

doch willst du was ändern, dann ändere Dich

Der Löwe in dir
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Ein sehr schön illustriertes Kinderbuch, mal mit dem (Maus-)Blick auf den Löwen, das den Löwen in den Kleinen weckt und die Kernaussage herüber bringt: „doch willst du was ändern, dann ändere Dich!" Wie ...

Ein sehr schön illustriertes Kinderbuch, mal mit dem (Maus-)Blick auf den Löwen, das den Löwen in den Kleinen weckt und die Kernaussage herüber bringt: „doch willst du was ändern, dann ändere Dich!" Wie schon die Inhaltsangabe verrät: „Man muss gar nicht groß und stark sein, um seine eigene Stimme zu finden.“

Veröffentlicht am 15.02.2019

Ein blasser Protagonist

Blasse Helden
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„Blasse Helden“ aus der Feder von Arthur Isarin – Norris von Schirach – erzählt von dem Russland zu Beginn der 1990er.
Ja, es ist ein informativer Roman über eine interessante Zeit – man erhält viele interessante ...

„Blasse Helden“ aus der Feder von Arthur Isarin – Norris von Schirach – erzählt von dem Russland zu Beginn der 1990er.
Ja, es ist ein informativer Roman über eine interessante Zeit – man erhält viele interessante Einblicke. Vielleicht sollte man sogar so weit gehen und sagen, dass es mehr eine Zusammenstellung diverser Anekdoten sind, welche der Autor zum Besten gibt. Diese gewähren zwar einen guten Einblick in eine zerfallende Sowjetunion, aber es fehlt dem Roman der Drive, der einen fesselt, ins Geschehen hineinzieht, einen zum Weiterlesen auffordert, mit Fragen konfrontiert.
Die Kapitel sind recht lang, der Schreibstil eher nüchtern. Trotzdem lässt sich das Buch gut lesen. Mir persönlich fehlt es an Tiefgang in den Kapiteln. Eigentlich hat man nichts erfahren, was einem nicht schon durch diverse Medien zugetragen wurde. Schwierig an dieser Stelle: Was ist Fiktion in dem Roman, was entspricht der Wahrheit?
Auch wirkt der Protagonist Anton eher wie die menschgewordene Klebeverbindung zwischen einzelnen Kapiteln, der zu jeder möglichen Zeit mit diversen Frauen schläft.
Die Hauptfigur hat keine politische Haltung, stellt keine moralischen Fragen, bleibt als blasser Held ziemlich blass. Man baut keine Verbindung zu ihm auf, lässt ihn sein bizarres Leben leben.
Es fehlte der Fluss, der hintergründige Tiefgang. Und ja, Literatur habe ich auch schon spannender erlebt.

Veröffentlicht am 13.02.2019

Der Anfang vom Ende

Die Mauer
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„Es ist kalt auf der Mauer.“ [9] Einfach grandios wie John Lanchester schreibt. Es liest sich so angenehm, so spannend, so aktuell. In seinem Roman geht Lanchester die Themen unserer Zeit an: Flüchtlinge, ...

„Es ist kalt auf der Mauer.“ [9] Einfach grandios wie John Lanchester schreibt. Es liest sich so angenehm, so spannend, so aktuell. In seinem Roman geht Lanchester die Themen unserer Zeit an: Flüchtlinge, Klimawandel, wachsende politische Differenzen, Brexit. Zu viele Themen für ein Buch? Nein, geschickt setzt der Autor diese Themen zu einer spannenden Geschichte zusammen, die einen durchgängig begeistert. Besonders das Ende hat es mir angetan.

"Man sucht nach Metaphern." [9] und man findet sie. Teils poetisch geschrieben, zeichnet Lanchester einen realen Schauplatz, wie er in der Zukunft zu finden sein könnte. England schottet sich ab. In diesem Fall mit einer Mauer. Und genau wie die Charaktere im Buch, welche eben diese Mauer gegen die ‚Anderen‘ verteidigen, ist man auf das Äußerste gespannt, denn die Feinde können jederzeit angreifen.

Der Leser begleitet den Protagonisten Joseph „Yeti“ Kavanagh – berichtet wird aus der Ich-Perspektive - beim Dienst auf der Mauer. Die Charaktere sind nicht wirklich tief ausgearbeitet, was diesem Werk aber auch nicht schadet. Natürlich könnte man sagen, dass die vorkommenden Personen vieles, um nicht zu sagen alles, einfach als gegeben hinnehmen, nichts hinterfragen und in diesem Roman als ziemlich einfach gestrickt dargestellt werden, aber gibt es nicht immer fragliche Loyalitäten?

„Die Diagnose ist nicht schwer – sie ist nicht einmal kontrovers. Sie lautet: Schuld. Die Schuld von Massen. Die Schuld von Generationen.“ [72]

Das Buch gliedert sich in 3 große Teile: Die Mauer, die Anderen, das Meer. Die einzige Charakterentwicklung findet bei Kavanagh statt, wobei sich auch der Erzählstil mit zunehmender Seitenzahl mehr Richtung Abenteuer entwickelt.
Die Geschichte kommt düster daher, ein Kampf ums Überleben. „Ein weiterer Kampf auf ‚Leben und Tod‘.“ [122]

Fazit:
Eine anspruchsvolle Dystopie und ein Lesehighlight in 2019.
Auch das Cover sticht aus der Masse hervor. Eigentlich minimalistisch gestaltet. Aber eben nur eigentlich. Man kann viel mehr sehen.

Veröffentlicht am 11.02.2019

Krimi in den Südstaaten

Nacht über dem Bayou
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„Dave, Sie haben keine Ahnung, wo Sie sich da einmischen, dass Sie möglicherweise benutzt werden, um alles zu ruinieren, woran Sie glauben.“ [62]

James Lee Burke lässt in der vom Pendragon Verlag überarbeiteten ...

„Dave, Sie haben keine Ahnung, wo Sie sich da einmischen, dass Sie möglicherweise benutzt werden, um alles zu ruinieren, woran Sie glauben.“ [62]

James Lee Burke lässt in der vom Pendragon Verlag überarbeiteten Neuausgabe des Romans „Nacht über dem Bayou“ Dave „Streak“ Robicheaux in seinem neunten Fall ermitteln.

Burkes Schreibstil ist wort- und bildgewaltig, atmosphärisch dicht. Ihm gelingt es den Charakteren Leben einzuhauchen, da er diese perfekt und tiefgründig zeichnet und am Beispiel von Dave auch mit richtig Ecken und Kanten darstellt. Erzählt wird dieser Roman aus Sicht des Protagonisten Robicheaux in der Ich-Form.
Wie auch bei vielen seiner anderen Bücher lässt Burke durch seinen Erzählstil Bilder im Kopf entstehen, so dass der Leser förmlich in die Südstaaten abtauchen kann. Man könnte sagen, dass beim Lesen des Buches ein Film abläuft. Keines der Wörter, welche Burke verwendet, ist zu viel. Die Beschreibungen der Landschaft und Leute ist ein richtiger Genuss.

Burke spricht in seinen Büchern aber vielmehr an, als lediglich der Kampf Gut gegen Böse. So geht der Autor auch auf die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung in den Südstaaten der USA ein: „Der Fürst der Finsternis ist ein Edelmann. Sie haben Farbige terrorisiert und ermordet.“ [155]
Des Weiteren spricht Burke auch weitere gesellschaftliche Probleme an, unter anderem die Armut und ein Leben in Reichtum: „Ich möchte […] diesen Ziegelschuppen [filmen] und im Vergleich dazu die LaRose-Plantage zeigen.“ [198]

Mit seinem Roman erweckt Burke den gezeichneten Schauplatz zum Leben. Man spürt die Schwüle, den immer noch vorherrschenden Rassismus, die Sümpfe der Südstaaten.

„Die Stadt steht in Flammen. Man sieht’s bloß nicht.“ [312]

Fazit:
„Nacht über dem Bayou“ ist ein spannender Krimi, den man aufgrund der doch manchmal schnell kommenden Szenenwechsel etwas konzentrierter lesen muss. Man wird aber mit einem sehr gut durchdachtem Setting und einem sagenhaften Schreibstil belohnt.

„Die Akteure ändern sich nie, nur das Publikum.“ [461]

Veröffentlicht am 28.01.2019

Unglaublich gut recherchiert, spannend und viel Kultur

Die Stadt des Affengottes
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„Kultur ist nichts, was man aus tausend Meter Höhe aus einem Flugzeug sieht.“ [131]

Tja, wie uneins sich manche Leute/ Wissenschaftler/ Archäologen doch sein können. Und wie gut, dass der Autor Douglas ...

„Kultur ist nichts, was man aus tausend Meter Höhe aus einem Flugzeug sieht.“ [131]

Tja, wie uneins sich manche Leute/ Wissenschaftler/ Archäologen doch sein können. Und wie gut, dass der Autor Douglas Preston mit auf der Reise – und auch im Flugzeug – war und die ganzen Impressionen und weitere geschichtliche Informationen, Exkurse und das erlebte in seinem Sachbuch „Die Stadt des Affengottes“ anschaulich beschrieben hat.

Preston war mir bis dato nur als Thriller-Autor bekannt. Umso mehr war ich von diesem sehr gut recherchierten Buch fasziniert. Der Schreibstil des Autors ist gewohnt flüssig. Es gibt einige Fußnoten welche man sofort mitverschlingen kann, da alles so lebendig beschrieben ist. Am Ende des Buches gibt es außerdem noch reichliche Quellenangaben, die das Beschriebene untermauern.

Dem Geheimnis einer verborgenden Stadt auf der Spur, beschreibt Preston das ganze Projekt, mit allem was zu dieser Expedition gehört – von der Planung, Genehmigung, der Reise selbst, Geschichtlichem und den „Souvenirs“ aus dem Dschungel.

„Wir flogen über einem ursprünglichen Garten Eden und schossen Milliarden von Laserstrahlen in einen Urwald, den womöglich seit fünfhundert Jahren kein menschlicher Fuß mehr betreten hatte. Es war ein Anschlag des 21. Jahrhunderts auf ein uraltes Geheimnis.“ [119]

Es ist spannend mit ihm auf die „Suche“ zu gehen. Auch vergleicht Preston die Situation mit anderen Völkern.

„Während die Maya die am besten erforschte Kultur des amerikanischen Doppelkontinents sind, gehören die Bewohner der Mosquitia zu den am wenigsten untersuchten.“ [243]

Er eruiert verschiedene Thesen und macht alte Geschichte damit sehr spannend.

„Die Bewohner der Stadt des Jaguars passten sich dagegen an die Herausforderungen des Urwalds an und verwandelten eine der unwirtlichsten Gegenden des Planeten in blühende Landschaften – bis zu ihrem plötzlichen Untergang.“ [353 f.]