Cover-Bild Die Tochter
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Luchterhand
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 288
  • Ersterscheinung: 26.02.2025
  • ISBN: 9783630877600
Guadalupe Nettel

Die Tochter

Roman - »...führt mitten ins Herz der Dinge, die wirklich wichtig sind im Leben.« Annie Ernaux
Michaela Meßner (Übersetzer)

Eine unvergessliche Geschichte über die Ambivalenz des Mutterseins und Nicht-Mutterseins, über Freundschaft und die Solidarität von Frauen. »Diese Geschichte führt mitten ins Herz der Dinge, die wirklich wichtig sind im Leben.« Annie Ernaux Der internationale Erfolgstitel - in 23 Länder verkauft, Shortlist International Booker Prize, ausgewählt vom »New Yorker« als eines der »Best Books 2023«.

Die beiden Freundinnen hatten sich geschworen, niemals Mutter zu werden. Unvorstellbar, ihre Freiheit für ein Kind aufzugeben. Und doch ist eines Tages alles anders. Alina wird schwanger. Laura, die sich die Eileiter durchtrennen ließ, empfindet dies als Verrat. Weshalb die Fehler der eigenen Mütter wiederholen und sich in Abhängigkeit begeben? Dann aber stellen die Ärzte fest, dass etwas mit Alinas Baby nicht stimmt. Ihr Leben nimmt einen ganz anderen Lauf, als sie es sich gedacht hatte. Zu selben Zeit freundet sich Laura mit einem kleinen Jungen in der Nachbarschaft an, dessen Mutter ihn vernachlässigt. Die neuen Erfahrungen wecken Ungeahntes im Inneren der beiden Freundinnen. Auf zwei sehr unterschiedlichen Arten lernen sie kennen, was es auch heißen kann, Frau zu sein.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.02.2025

Muttersein in allen Facetten

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Für Laura gibt es nur zwei Gruppen von Freundinnen. Die, die bereit sind, ihre Freiheit aufzugeben. Und die, die bereit sind, in den Augen von Eltern und Gesellschaft in Ungnade zu fallen. Alina gehört ...

Für Laura gibt es nur zwei Gruppen von Freundinnen. Die, die bereit sind, ihre Freiheit aufzugeben. Und die, die bereit sind, in den Augen von Eltern und Gesellschaft in Ungnade zu fallen. Alina gehört zur ersten. Sie sind Mitte dreißig und haben sich klar gegen eigene Kinder entschieden. Laura hat das mit einer Sterilisation untermauert. Der Verlust der Freiheit, die Unmöglichkeit einer Karriere, der Stress, die Stillzeit, die schlaflosen Nächte, das alles schreckt sie ab.

Als Juan ihre Räume noch mit dem Geruch von Ölfarbe füllte, da hatte sie zarte Anwandlungen verspürt. Im Gegensatz zu ihr konnte er gut mit Kindern. Immer wenn er sie traf, sprach er mit ihnen, das nahm ihr die Angst, brachte sie ihr näher, so dass sie sie wohlwollend aus der Ferne beobachtete. Zu dieser Zeit fielen ihr auch schwangere Frauen auf. Wenn sie mit ihnen in der Kinoschlange stand, sprach sie sie an, wollte wissen, wie selbstbewusst sie sich dafür entschieden hatten. Nachdem Juan dann seine übergroße Bereitschaft zeigte, ein Kind zu zeugen, machte sie kurzen Prozess, ohne ihn einzuweihen. Danach stellten sie schnell fest, dass sie unterschiedliche Lebensentwürfe hatten und sie zog aus.

Und nun vertraut Alina ihr an, dass sie seit einem Jahr versucht, schwanger zu werden. Laura spürt den Riss, der sich durch ihre Freundschaft zieht intensiv, im Gegensatz zu Alina. Nach zahlreichen Fruchtbarkeitsbehandlungen erwartet Alina ein Mädchen und macht ihren Aurelio glücklich. Während der Schwangerschaft machen die Ärzte Alina Angst. Eine Ultraschalluntersuchung zeigt ein zu kleines Gehirn und man rät ihr ein MRT machen zu lassen. Obwohl Alina unter Platzangst leidet, will sie das Beste für ihr Kind, aber sie hält es in der geräuschvollen Röhre nicht lange genug aus. Obwohl die Bilder stark verpixelt sind, ist sich die Ärzteschaft einig. Ihre Tochter hat einen sehr seltenen Gendefekt und die Odyssee beginnt.

Fazit: Guadalupe Nettel hat eine außerordentliche Geschichte geschaffen. Sie schreibt über Mutterschaft in all ihren Facetten. Über die Sorge, das Glück, die Wehmut, den Schmerz, den Frust und die Liebe. Alinas Sorge bekommt berechtigterweise einen großzügigen Raum. Die ganze Tortur, der sie ausgesetzt ist, weil sie einen Kinderwunsch verspürte, ist herzzerreißend und nervenaufreibend erzählt. Die Ich-erzählende Protagonistin, aus deren Sicht die Geschichte gezeigt wird, wirkt zuerst abgeklärt und unterkühlt. Das Schicksal ihrer Freundin aber reißt sie emotional mit und sie wird eine große Unterstützung. Sie selbst macht ihre eigenen Erfahrungen mit einem ihr fremden Jungen und seiner überforderten Mutter und erlebt selbst Zuneigung und Liebe, die sie Welten bewegen lässt. Und auch das schwierige Verhältnis zur eigenen Mutter findet einen Platz. Die Autorin erzählt mit einer Leichtigkeit, die mich durch die Seiten hat fliegen lassen, mich trotz aller schwierigen Themen nicht erdrückt, sondern mir eine positive Entwicklung zeigt. Ich habe mich in jede Figur hineinversetzen können und tief mitgefühlt. Die Rolle der Mutter wird unterschätzt und erfährt kaum Wertschätzung sondern wird als selbstverständlich und natürlich erstrebenswert betrachtet. Dieses Buch vermittelt Empathie und Toleranz für alle weiblichen Entscheidungen.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Was Mutterschaft alles (nicht) sein kann

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Die beiden Freundinnen Alina und Laura hatten sich geschworen, sich niemals dem Dasein als Mutter auszusetzen; es war für sie stets unvorstellbar, ihre Freiheit für ein Kind aufzugeben. Doch eines Tages ...

Die beiden Freundinnen Alina und Laura hatten sich geschworen, sich niemals dem Dasein als Mutter auszusetzen; es war für sie stets unvorstellbar, ihre Freiheit für ein Kind aufzugeben. Doch eines Tages ist alles anders. Während Laura sich die Eileiter durchtrennen ließ, wird Alina schwanger. Sie hatte sich doch ein Kind gewünscht, aber lange Zeit hatte es nicht geklappt. Als die Ärzte gegen Ende der Schwangerschaft feststellen, dass ihr Baby eine Fehlbildung des Gehirns hat und außerhalb des Mutterleibs nicht lebensfähig sein wird, nimmt Alinas Leben einen unerwarteten Verlauf. Entgegen der Prognosen der Ärzte kommt ihre Tochter Ines auf die Welt. Die Eltern, die fest mit dem Tod des Babys gerechnet hatten und sogar schon die Beisetzung geplant hatten, werden mit dem lebenden, aber behinderten Kind nach Hause geschickt.
Etwa zur selben Zeit freundet Laura sich mit dem Jungen ihrer Nachbarin an, dessen Mutter sich nicht angemessen um ihn kümmern kann. Obwohl sie nie etwas mit Kindern anfangen konnte, genießt Laura die Zeit mit Nicolas und schließt ihn in ihr Herz.

„Die Tochter“ von Guadalupe Nettel ist ein leiser, nachdenklich stimmender Roman über Mutterschaft und Nichtmuttersein, über die verschiedensten Facetten von Mutterschaft, über Verantwortung und Liebe. Ich hatte bei diesem Roman ehrlich gesagt vorab etwas anderes erwartet, mochte aber den Schreibstil und die Geschichte sehr, auch wenn es wahrlich keine leichte Kost war. Von mir bekommt das berührende Buch eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.07.2025

Frauensolidarität

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Der Roman, 'Die Tochter' von Guadalupe Nettel, ging in eine ganz andere Richtung, als ich anfangs dachte, und hat mich immer ein Stückchen mehr mitgenommen.
Die Freundinnen Alina und Laura umtreiben die ...

Der Roman, 'Die Tochter' von Guadalupe Nettel, ging in eine ganz andere Richtung, als ich anfangs dachte, und hat mich immer ein Stückchen mehr mitgenommen.
Die Freundinnen Alina und Laura umtreiben die gleichen Gedanken wie wahrscheinlich viele Frauen. Muttersein - ja oder nein?
Sagen beide anfangs in ihren Zwanzigern kategorisch nein, wandelt sich diese Einstellung bei Alina komplett und sie wird gewollt schwanger.
Leider läuft es nicht wie erhofft und ihr Kind wird mit einem seltenen Gen-Defekt geboren.
Hätte man jetzt vermutet, dass Laura sich von ihrer Freundin abwendet und eventuell sogar mit erhobenem Zeigefinger Reden schwingt, da täuscht man sich.
Laura hält an ihrer Einstellung, nicht Mutter sein zu wollen, fest, aber steht weiterhin zu ihrer Freundin und deren Entscheidungen und freundet sich auch mit einem kleinen Jungen und seiner Mutter an.
Ich finde, diese Thematik rund um das Thema Mutterschaft ist nicht immer einfach zu behandeln, und das ist der Autorin hier sehr gut gelungen.
Der Roman verurteilt nicht - er nimmt sich der unterschiedlichen Themen und Überzeugungen an.
Schön zu spüren und zu lesen war diese große Solidarität der Frauen untereinander.
Trotz der Zerrissenheit im Denken und Handeln. Das hat mich am meisten begeistert und auch berührt.
Die Thematik um Alina und ihre Tochter Inès ist zwar schwierig und traurig, aber auch hoffnungsvoll.
Einzig das Ende ging mir dann doch zu flott und ich hätte gerne noch ein paar Seiten Zeit gehabt, um mich aus der Erzählung zu verabschieden.

Wer gerne Bücher dieser Art liest, dem kann ich nur ans Herz legen, hierbei zuzugreifen.
Ein wirklich gutes Buch.

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Verwandlungen

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Es hat mich sehr gefreut, mal wieder einen Roman aus Mexiko lesen zu dürfen, ist doch die amerikanische Literatur bei uns in Deutschland so vorherrschend, dass ich versuchen möchte, dies wenigstens etwas ...

Es hat mich sehr gefreut, mal wieder einen Roman aus Mexiko lesen zu dürfen, ist doch die amerikanische Literatur bei uns in Deutschland so vorherrschend, dass ich versuchen möchte, dies wenigstens etwas einzuschränken, zugunsten von Autoren aus anderen Ländern oder Erdteilen.

Laura und Alina, die beiden Protagonistinnen dieser Geschichte, kommen abwechselnd zu Wort, bzw. es wird abwechselnd erzählt, immer mit der Ich-Stimme von Laura.

Beide Frauen sind im Alter der möglichen Mutterschaft, lehnen dies aber rigoros für sich ab. Sie kennen sich schon lange und ihre Freundschaft hat sogar den „Distanztest“ (S. 29) bestanden. Dann findet allmählich eine Verwandlung statt, mit beiden Frauen. Alina möchte plötzlich doch ein Kind, es klappt aber ewig nicht, so wird bei ihr eine künstliche Befruchtung veranlasst, mit dem Samen ihres langjährigen Partners Aurelio.

Und Laura, die sich sterilisieren ließ, kümmert sich unerwartet und aufopferungsvoll um den Nachbarsjungen Nicolás und später sogar auch um seine schwer depressive Mutter Doris. Kann der bewusste Mensch vielleicht nicht leben, ohne Verantwortung für ein anderes Lebewesen zu tragen? Macht uns die Verantwortung für ein anderes Lebewesen zu einem besseren Menschen?

Alina wird schwanger und sie und Aurelio freuen sich sehr. Allerdings wird die Freude von unerfreulichen Prognosen getrübt, denn es stimmt etwas nicht mit dem Fötus. Eine degenerative mangelnde Gehirnentwicklung wird bei dem kleinen Mädchen festgestellt und es wird vermutet, dass sie bei der Geburt stirbt. Auch hier gibt es zahlreiche Wandlungen, Wendungen und Überraschungen. Hilfreiche Menschen in der Umgebung mindern den Schmerz auf unterschiedliche Weisen.

Der Roman war zu Recht auf der Shortlist des internationalen Booker Prize 2023 unter dem englischen Titel: „Still born“. Der OT der spanischen Ausgabe lautet: „La hija única“.

Guadalupe Nettel beschreibt sehr sensibel und teilweise sogar chirurgisch präzise die Verwandlungen der beiden Frauen, die, getragen von inneren Konflikten, dennoch ihr Leben meistern, jede auf ihre Art erfolgreich.

Fazit: Es ist ein leiser, eindringlicher Roman, der ohne große Action auskommt. Und gerade hier liegt die Eindrücklichkeit und das „nicht Ablassen können“ vom Weiterlesen. Und auch wenn uns drastische Entwicklungen zum Glück erspart bleiben, schafft es dieser Roman uns unentwegt bei der Stange zu halten. Ich habe nur wenige Tage dafür gebraucht. Sehr empfehlenswert. 4 Sterne.

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