Schon wieder ein paar Lesben?
Tage des LichtsZugegeben, dieser Roman wurde mir unverlangt zugeschickt, denn ausgesucht hätte ich ihn bestimmt nicht. Dafür bin ich schon zu sehr genervt, wenn ich was von Lesben oder Schwulen im Klappentext lese. Ich ...
Zugegeben, dieser Roman wurde mir unverlangt zugeschickt, denn ausgesucht hätte ich ihn bestimmt nicht. Dafür bin ich schon zu sehr genervt, wenn ich was von Lesben oder Schwulen im Klappentext lese. Ich habe absolut nichts gegen diese Gesinnung oder Veranlagung, aber die extreme Häufung, wie uns das an allen Ecken und Enden beispielsweise in Literatur und Filmen übergebügelt wird, finde ich total nervig.
Aber vielleicht musste die Autorin eine lesbische Nummer einbauen, um gedruckt zu werden? Man weiß es nicht.
Als ich vor fünf Jahren von Megan Hunter „Die Harpyie“ las, war ich ziemlich angetan und hatte mit fünf Sternen bewertet. Den Roman hatte ich auch ganz bewusst ausgesucht.
Worum geht es hier? In großen Zeitsprüngen wird das Leben der Protagonistin Ivy beleuchtet. Es beginnt, als sie etwa neunzehn Jahre alt ist und endet mit ihrem Tod im achtzigsten Lebensjahr. Die Figuren sind sehr exakt und nachvollziehbar gezeichnet, das hat mir wirklich gut gefallen. Die Konstellation der Familie mit der Mutter Marina, dem Stiefvater Angus, dem leiblichen Vater Gilbert, dem Bruder Joseph und seiner Freundin Frances wird sehr treffend erzählt. Und auch die Haushaltshilfe Anne spielt eine tragende Rolle.
Den Titel: „Tage des Lichts“ finde ich nichtssagend und austauschbar. Auch wenn offenbar das Licht am tragischen Ostersonntag 1938 eine große Rolle spielt; eine Rolle, die ich allerdings überhaupt nicht nachvollziehen konnte.
Es findet ein großes Osteressen im Kreis der Familie statt auf dem Anwesen Cressingdon und auch Marinas Schwester Genevieve und deren Mann Hector sind dabei. Ebenso Bear, ein Freund der Familie. Und da ein wenig Schwulsein auch nicht fehlen darf, soll Bear früher mal etwas mit Angus gehabt haben. Schwachsinn. Völlig unnötig aufgebügelt. Denn Bear ist scharf auf Ivy und das wird auch ausführlich nachvollziehbar geschildert.
Ivys Mutter und Angus sind berühmte Maler, die sich offensichtlich so auch auf Dauer Anne, die Haushaltshilfe, leisten können. Mutters Schwester und Schwager sind Schriftsteller. Eine künstlerische Familie. Auch Bear hat schriftstellerische Ambitionen.
Am Drama des tragischen Ostersonntags 1938 leidet die Familie jahrelang. Ivy probiert sich später aus, als Familienmutter mit zwei Töchtern, nicht in so gewöhnlichen Bahnen, wie im Klappentext beschrieben und auch nicht so unzufrieden. Später begibt sie sich in eine Institution, die ich hier nicht verraten möchte, was ich überaus unverständlich / befremdlich finde. Wie kann man sich freiwillig solch einem strengen Regelwerk unterwerfen, wo es nicht einmal erlaubt wird, der sterbenden Mutter auch nächtlichen Beistand zu leisten?
Na ja, da verschwendet Ivy zum Glück auch nicht weitere Zeit und dann kommen die lesbischen Momente, die ja wohl sein müssen in der heutigen Welt. Schade, ansonsten wäre der Roman gar nicht so schlecht gewesen, denn die Zeichnung aller Figuren ist wirklich hervorragend gelungen. So habe ich auch – trotz allem – nie an Abbruch gedacht.
Bleibt zu hoffen, dass diese so begabte Autorin demnächst wieder heterosexuelle Menschen beschreiben darf. Und wir alle uns wieder in familienfreundlicheres Fahrwasser begeben. Und das Genderkorsett dahin kommt, wo es hingehört: in den Müll. **