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Veröffentlicht am 25.07.2026

Eine Panne im Morgenmstern-Kosmos

Arendal
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Dies war für mich leider eine Panne im doppelten Sinn. Nicht nur der Protagonist bleibt mit dem Auto liegen im Ort Arendal. Für mich war das auch eine Morgenstern-Panne, denn dieser Roman ist wirklich ...

Dies war für mich leider eine Panne im doppelten Sinn. Nicht nur der Protagonist bleibt mit dem Auto liegen im Ort Arendal. Für mich war das auch eine Morgenstern-Panne, denn dieser Roman ist wirklich äußerst schwach.

Syvert: Ein zutiefst unsympathischer Mensch, der raucht und säuft ohne Unterlass, überall Schnaps versteckt und dann auch noch fremdgeht – nun ja. Und ohne Philosophie kommt er nicht von A nach B. Und wir mit ihm auch nicht. „Das Gewand, das man anlegte, ehe man sich in die Dunkelheit im Vorzimmer des Todes herabsenken ließ, war der Schlafanzug.“ (S. 187)

Alles dauert ewig, ob nun in die Werkstatt für das Auto gefahren wird oder ob Syvert ein Hotelzimmer für die Nacht braucht. Er überlegt, ob er nun seine Mutter besuchen und bei ihr übernachten soll – oder eben nicht. Man könnte auch noch eine Jugendbekanntschaft in Arendal besuchen – oder eben nicht.

Warum nur durfte dieser Roman die Nachfolge der vier so göttlichen Vorgänger antreten? Ich kann das beim besten Willen nicht verstehen. Alles zieht sich endlos hin und es wird geschwafelt (in Gedanken) und noch mehr geschwafelt und als Leser wünscht man sich nur, dass endlich etwas passiert. Und seien es nur betrunkene Ausfälligkeiten im Eigenheim gegenüber zwei Besuchern und das war dann schon ein (trauriges) Highlight. Überhaupt habe ich den Protagonisten auch als extrem familienfeindlich empfunden. Das Geschenk für den Sohn isst er lieber selber auf und kauft ihm nichts Neues. Die Anstrengungen der Gattin werden ebenso wenig gewürdigt, wie die seiner Mutter. Lieber schnell raus, an die Luft, und noch einen Schnaps rein. Im Keller, im Mantel, im Auto, überall ist Schnaps versteckt. Und ja, Wodka lässt sich auch problemlos im Eisschrank verstecken.

Warum hat sich diese unglaublich schöne Russin Asja in diesen Unsympathen verliebt? Schleierhaft für mich! Über seinen Beruf wird wenig berichtet, immerhin spricht er Russisch, kann Autofahren, Holz hacken und den Kamin anzünden.

Vom Morgenstern erfährt man wenig: „Es kamen auch neue (Bilder) dazu … schöne wie das von dem gigantischen Stern am Himmel über dem Haus.“ (S. 140) Oder: „Der riesige leuchtende Stern am Himmel über unserem Haus.“ (S. 157)

Zwischendurch gibt es ein paar zauberhafte Briefe von Asja zu lesen, sorgsam verschlossen in der Aktentasche. Und natürlich führt das wieder zu endlosen Überlegungen, ob man doch lieber zu Asja geht, für immer, als zur Gattin und den zwei Kindern.

Ich habe mehrfach überlegt, abzubrechen und bin dann drangeblieben, weil eben die Vorgänger so unglaublich gut waren.

Was mir auch nicht gefiel: Der ganze Roman ist ein einziger zusammenhängender Brei, ohne Kapitel. Einzig Leerzeilen haben den Text mal unterbrochen oder ein anderer Schrifttyp, z. B. bei Asjas Briefen.

Fazit: Lieber einen der vier Morgenstern-Vorgänger lesen, oder am besten alle nacheinander, aber nicht diesen! Mehr als 2 Sterne hat er leider nicht verdient. Schade.

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Veröffentlicht am 15.07.2026

Katze und Carl

Dungeon Crawler Carl
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Schon am Anfang des ersten Bandes musste ich so lachen über diese verrückte Katze Prinzessin Donut. Da springt sie bei beißender Kälte aus dem Fenster auf einen Baum, was sie noch nie gemacht hat. Und ...

Schon am Anfang des ersten Bandes musste ich so lachen über diese verrückte Katze Prinzessin Donut. Da springt sie bei beißender Kälte aus dem Fenster auf einen Baum, was sie noch nie gemacht hat. Und da Katzen bekanntlich keinen Rückwärtsgang haben – nun ja – so schlüpft Carl schnell in die rosa Crocs seiner abwesenden Exfreundin Bea um Prinzessin Donut zu retten. Dann kommt die Transformation – wow! Auf solche Ideen muss man erstmal kommen.

Ich fühlte mich stellenweise an „Per Anhalter durch die Galaxis“ erinnert. Auch da stand die Zerstörung der Erde unmittelbar bevor. Und dann kommt etwas ganz anderes.

Hier sterben alle Lebewesen unter Dächern. Da haben Carl und Donut nochmal Glück gehabt – im Freien – wenn auch bei eisiger Kälte. Nun ist die Prinzessin eine schildpattfarbene Perserkatze mit viel, viel Fell – aber Carl? Er trägt nur eine Boxershorts und hat auf dem Weg nach draußen noch schnell eine Lederjacke gegriffen. Wenigstens etwas.

So hielt Carl – der Ich-Erzähler – „eine jaulende, kratzende, zappelnde und fauchende Katze namens Prinzessin Donut die Königin Anne Chonk in den Armen.“ (S. 8) Gerettet und nun? Nun finden sich die beiden auf der Dungeon-Ebene 1 wieder und müssen gegen Monster kämpfen, während das Ganze intergalaktisch übertragen wird in einer riesigen Spielshow. „Dungeon Crawler World: Erde“. Wo es auch Sponsoren gibt und jede Menge Zuschauer. Meist nicht-menschliche.

Zum Glück hat Donut viel Erfahrung im Showbusiness, hat sie doch unzählige Preise auf der Erde bei Wettbewerben gewonnen und ihre einstige Herrin Bea hatte ein ganzes Zimmer für Donut und ihre Pokale, Trophäen, Siegerschleifen etc. eingerichtet.

Matt Dinniman schafft es hier, dass die Lektüre über 500 Seiten dieses neuen Genres LitPRG niemals langweilig wird und bei aller Grausamkeit trotzdem jede Menge (schwarzer) Humor durch die Seiten schimmert. Und die Gegner sind fies. Katze und Carl haben jede Menge zu lernen, und wie sie mit viel Kreativität sogar Gebietsbosse besiegen, sich Gefährte bauen lassen und am Leben bleiben, da gehört schon reichhaltiger Erfindungsgeist dazu. Und ja – manchmal, zwar selten – tun dem Leser sogar die Opfer leid, besonders, wenn sie von Katze und Carl belogen werden. Zwangsweise versteht sich.

„Sie teilen die Leute in Gruppen ein und sagen ihnen, ihren Angehörigen würde nichts geschehen, solange sie andere töten. Dann bringen sich alle gegenseitig um.“ (Seite 135, eine Präsentation und gleichzeitig ein Werbespot vom Squim-Konglomerat zum Kampf um den Planeten Aryl.)

Wie Donut es versteht, sich für die Publicity und die Follower in Szene zu setzen, das macht so viel Spaß. Sie setzt sich sogar ein Diadem auf, in den späteren Bänden kommt noch eine coole Sonnenbrille dazu. Und Carl möchte immer so gern eine lange Hose beim Kampf ergattern, aber das gelingt ihm nun nicht. Nur eine neue Boxershorts mit Herzchen ist drin. Und: Wer braucht schon eine lange Hose?

Ob Donuts neuer ungezogener Hausgenosse Mongo dem Team auf Dauer gut bekommt, wird sich dann in den Folgebänden erweisen, wir werden sehen …

Wer alle fünf Bände auf Deutsch lesen möchte, der muss noch etwas Geduld mitbringen, Band fünf erscheint erst in etwa einem Jahr.

Fazit: Ich habe mich köstlich amüsiert und musste so oft laut lachen. Herrlich. Wer verrückte Geschichten mag und nicht immer alles so ernst nimmt, der kommt hier voll auf seine Kosten. Und: Ich bleibe Katze und Carl treu – auf jeden Fall! 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 16.06.2026

Auf den Spuren von Mao, Cixi und den Schwestern Soong

Fliegt, Wilde Schwäne
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Die Welt hat lange warten müssen auf die Fortsetzung vom Weltbestseller „Wilde Schwäne“ der Autorin Jung Chang.
„Fliegt, wilde Schwäne“ ist nun erschienen im Mai 2026 mit knapp 400 Seiten und einer Leseprobe ...

Die Welt hat lange warten müssen auf die Fortsetzung vom Weltbestseller „Wilde Schwäne“ der Autorin Jung Chang.
„Fliegt, wilde Schwäne“ ist nun erschienen im Mai 2026 mit knapp 400 Seiten und einer Leseprobe der Neuauflage von „Wilde Schwäne“.

Enthalten sind zahlreiche, teils farbige, Fotos, wie auch im ersten Band und dazu vorn und hinten jeweils die große Landkarte dieses riesigen Landes China. Im neuen Band habe ich den Familienstammbaum vermisst, der sicher für die neuen Leser genauso interessant gewesen wäre, wie früher. Ebenso vermisst habe ich ein Foto von Jung Changs erstem Mann Yee.

Der Roman liest sich sehr flüssig und das hat mir gut gefallen, allerdings hätte ich lieber noch mehr Aktuelles von Changs Familie erfahren. Und weniger von der ständigen Recherche über Mao. Mit ihrem zweiten Mann, dem Engländer Jon Halliday, hat sie die umfangreiche Mao-Biographie: „Mao – Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes“ herausgebracht, die 2007 erschienen ist. Danach wollte sie noch über Cixi schreiben, eine Nebenfrau des Kaisers Xianfeng, später „Kaiserinwitwe“ genannt.

2014 ist dann von Jung Chang „Kaiserinwitwe Cixi: Die Konkubine, die Chinas Weg in die Moderne ebnete“ erschienen. Und Cixi soll auch die elende Quälerei des Füße Bindens endgültig abgeschafft haben. (Siehe hier „Zwei kleine goldene Lilien“ aus Band 1.) Darunter hatte ja noch Changs Großmutter zu leiden. Deren Schwester, Jahrgang 1917, blieb dies dann erspart, weil inzwischen verboten. Zum großen Glück für die Frauen.

2020 erschien dann Jung Changs Buch über die Schwestern Soong, auch über dieses Vorhaben wird im vorliegenden Sachbuch berichtet. Alle diese Werke sind in China verboten, daher auch das Intro: „Für meine Mutter, deren Sterbebett ich nicht besuchen kann.“

Die Autorin ist eine sehr mutige Frau, denn oft genug wurde ihr die Einreise nach China nicht gestattet, bzw. mit strengen Auflagen verknüpft. Teilweise musste sie auch die ständige Reisebegleitung von Aufsehern hinnehmen. Weil sie natürlich u. a. über das Verhältnis ihrer Eltern zur Partei berichtet hatte: „Das Vertrauen meiner Eltern in ihre Partei wurde während der Großen Hungersnot, bei der zwischen 1958 und 1961 etwa vierzig Millionen Menschen verhungerten, schwer erschüttert.“ (S. 24) Des Vaters Kritik an Mao versuchte die Mutter zu verhindern und ihm das Schreiben auszureden, mit dem Argument, dass es bestenfalls sinnlos und schlimmstenfalls selbstmörderisch sei. (S. 31)

Nach Maos Tod änderte sich dann einiges im Land: „Nach Maos Tod gebot Deng Xiaoping dessen verschwenderischer Verteilung von Geld und Lebensmitteln auf Kosten des eigenen Volkes Einhalt.“ (S. 262) So hätte laut der Autorin die o. g. Große Hungersnot zumindest in ihrem riesigen Umfang vermieden werden können, wenn damals nicht so viele Lebensmittel exportiert worden wären. Nach Russland, wenn ich es richtig in Erinnerung habe. Später gibt es hierzu noch ein Zitat auf Seite 301: „Ich war davon ausgegangen, dass sie [gemeint ist hier wieder die Große Hungersnot] größtenteils das Ergebnis von Inkompetenz war, und hatte nicht erwartet, dass sie bewusst in Kauf genommen worden war. Nun fand ich heraus, dass Mao schon im Vorfeld wusste, dass sein Volk verhungern würde, da er vorhatte, die Lebensmittel, die es zum Überleben brauchte, in den Sowjetblock zu exportieren, um Geld für Rüstungstechnologie zu haben.“

Manche Textstellen erscheinen mir fragwürdig, auch wenn ich alles andere als ein Chinaexperte bin, z. B.: „Mit tatkräftiger Hilfe westlicher Apologeten [meint Ideologen] führt Xi China wieder auf den Weg in eine Hölle, wie Mao sie einst schuf – auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass er es bis dorthin schafft.“ (S. 310)

Fazit: Leicht und flüssig zu lesen, trotz der teils schweren und grausamen Inhalte, manchmal besser zu hinterfragen. Leider viel Recherche zu Mao etc. und weniger Familie Chang, andersherum wäre es mir lieber gewesen. Bedingt empfehlenswert. Vergebe 3 Sterne.


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Veröffentlicht am 14.04.2026

Die Königin des literarischen Horrors erzählt uns Geschichten

Grelles Licht für darke Leute
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Vielleicht brennt man Orte, die Schauplatz außergewöhnlichen Leids waren, entweder bis auf die Grundmauern nieder oder wandelt sie in Tempel um. (Frei nach Cormac McCarthy, vor den „Hyänen“.) Ich habe ...

Vielleicht brennt man Orte, die Schauplatz außergewöhnlichen Leids waren, entweder bis auf die Grundmauern nieder oder wandelt sie in Tempel um. (Frei nach Cormac McCarthy, vor den „Hyänen“.) Ich habe übrigens nicht gewusst, dass Hyänen so außergewöhnliche Tiere sind, die sich mit dem Gebären so unglaublich schwertun.

Die Toten gehen um, in der Nachbarschaft, einzeln oder in Gruppen. Manche können sogar sprechen und an Türen oder Fenster klopfen. Sie wissen nicht, dass sie tot sind, obwohl sie auffällige Wunden haben. Man kann sie beruhigen oder Angst vor ihnen haben, je nach Charakter. Einige erweisen den Lebenden sexuelle Gefälligkeiten über längere Zeiträume. Erwünscht wohlgemerkt. Aber das ist in einer anderen Geschichte. „Julie“, die Geschichte, die für mich mit einem Fragezeichen endet, wo ich mir die Konsequenzen, wie es mit Julie weitergeht, lieber nicht so genau vorstellen möchte.

Bei Mariana Enriquez erzeugt sogar ein Haufen Kleider in einem zerstörten Gemäuer furchteinflößende Gefühle beim Leser und beim Betrachter, wenn das Kopfkino anspringt. Während in einer anderen Geschichte die Kleider verletzen können und Wunden zufügen, wenn frau sie anzieht. Was der Sadist im selben Raum so gerne möchte.

Religiöser Wahn lässt Menschen furchtbare Dinge veranlassen, leider erleben wir das auch gerade in der realen Welt. Wo manchmal fraglich ist, ob der Angebetete so anbetungswürdig ist. Hier nicht und in der realen Welt auch nicht. Siehe: „Ein lokaler Künstler“.

Verwandlungen finden statt, einmal quasi Schrumpfungen als Folge vererbter Traumata und ein anderes Mal sind es Verwesungen, Auflösungen, Ablösungen.

Manche Menschen ahnen, was Schreckliches auf sie zukommen könnte, können aber ihre Mitmenschen nicht warnen, weil diese sich nicht warnen lassen. In „Schwarze Augen“. Das müssen sie dann teuer bezahlen. Hier gilt wieder: Man muss schon einverstanden sein, in gewisser Weise, mit dem was geschieht, sonst kann es nicht geschehen. Nennt sich das „freier Wille“? Oder ist es die Kraft der Vorstellung, die sich auch widersetzen kann?

In ein einsames Haus würde ich diese Geschichten lieber nicht mitnehmen oder beim wilden Zelten des nachts mit Taschenlampe. Wenn wir die „Hymnen der Hyänen“ hören könnten, je nachdem, wo wir sind.

Fazit: Sie kann es und ich bin jedes Mal aufs Neue begeistert. Wann gibt es endlich wieder einen Roman von Mariana Enriquez? Denn „Unser Teil der Nacht“ war das Beste, was ich je gelesen habe. Unvergesslich für mich – für immer.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Diesen Mut hätten nicht viele – eine beeindruckende Frau

Eine Hymne an das Leben
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Als ich zum ersten Mal von diesem Prozess in Frankreich erfuhr, kam dieser Roman gleich auf meine Wunschliste. Denn von solchen Vorfällen in so einer Dimension hatte ich noch nie gehört. Natürlich gibt ...

Als ich zum ersten Mal von diesem Prozess in Frankreich erfuhr, kam dieser Roman gleich auf meine Wunschliste. Denn von solchen Vorfällen in so einer Dimension hatte ich noch nie gehört. Natürlich gibt es jenseits des Atlantiks die Epstein-Files mit vielen Tätern und vielen Opfern auf Millionen von Dokumenten, aber das ist trotzdem noch etwas anderes. Und gefühlt erstmal weit weg – auch wenn dies nur eine Illusion ist.

Hier geht es um die Erlebnisse einer einzelnen, erwachsenen Französin. In Europa, also quasi in unserer Nachbarschaft. Wie ist so etwas möglich?

Gisèle Pelicot hat ihre Biographie nicht allein geschrieben, sie hatte eine Co-Autorin, die Journalistin Judith Perrignon, auch wenn diese nicht weiter erwähnt wird. Schade, darüber hätte ich gern mehr erfahren.

GP war fünfzig Jahre verheiratet, mit dem (späteren) Täter. Davon etwa vierzig Jahre ohne bemerkte (oder weiter beachtete) Zwischenfälle und in den letzten zehn Jahren passierten dann diese permanenten Eigen- und Fremdvergewaltigungen unter der Einwirkung von K.O.-Tropfen. Hier im Buch wird von chemischer Unterwerfung gesprochen. Hat der Ehemann – er wird seitdem von ihr nur noch Dominique genannt – sich während der Ehe in ein Monster verwandelt? Oder spielte sein gewalttätiger Vater eine Rolle? Wie kann ein einerseits liebender Vater und Ehemann plötzlich so gewalttätig werden?

Das Ehepaar hat drei Kinder: David, Caroline & Florian. Es gibt auch Schwiegertöchter und zahlreiche Enkelkinder – eine schöne große Familie, fast wie aus dem Bilderbuch. Und dann?

Der Psychiater Dr. Paul Bensussan charakterisierte Dominique als einen Mann „ohne jegliche Empathie, einen perversen Narzissten, bei dem etliche Formen von Paraphilie ausgeprägt waren, Voyeurismus, sexueller Sadismus, ein Hang zu dominant-devoten Beziehungen, Nekrophilie, Fetischismus und auch Candaulismus, da es ihn erregte, seine Partnerin beim Sex mit anderen zu beobachten.“ (Seite 227) – Eine gespaltene Persönlichkeit. Wäre er früher schon so gewesen, bzw. wäre das aufgefallen, hätte sie ihn bestimmt nicht geheiratet. Denn beide waren noch sehr jung – damals.

GP berichtet sehr offen über ihr Leben, ihre Kindheit, ihre Freunde und Familie und über ihren Ehemann. Sie macht eine erstaunliche Entwicklung durch und am Ende entscheidet sie sich für Öffentlichkeit und hat das nie bereut. Der Applaus vieler, vieler Frauen macht sie stark und nicht nur deshalb steht sie die Gerichtsverhandlungen samt unzähliger verstörender Videos durch. Mit diesen Menschenmassen im Saal, den fünfzig weiteren Angeklagten und ihrer ganzen Verteidigermeute.

„Jeden Tag erhalte ich Dank für meinen Mut, und dem möchte ich entgegnen, das ist kein Mut, sondern Entschlossenheit und der Wille, diese patriarchale, machistische Gesellschaft zum Besseren zu verändern.“ (Seite 223)

Mein Fazit: Der Roman liest sich sehr flüssig und sogar leicht, trotz des grausamen Themas, und er ist extrem gut aufgebaut. Ich habe für die Lektüre nur eine Woche gebraucht. Einen Stern ziehe ich ab, weil ich wirklich gern mehr über die Co-Autorin Judith Perrignon erfahren hätte.

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