Eine Panne im Morgenmstern-Kosmos
ArendalDies war für mich leider eine Panne im doppelten Sinn. Nicht nur der Protagonist bleibt mit dem Auto liegen im Ort Arendal. Für mich war das auch eine Morgenstern-Panne, denn dieser Roman ist wirklich ...
Dies war für mich leider eine Panne im doppelten Sinn. Nicht nur der Protagonist bleibt mit dem Auto liegen im Ort Arendal. Für mich war das auch eine Morgenstern-Panne, denn dieser Roman ist wirklich äußerst schwach.
Syvert: Ein zutiefst unsympathischer Mensch, der raucht und säuft ohne Unterlass, überall Schnaps versteckt und dann auch noch fremdgeht – nun ja. Und ohne Philosophie kommt er nicht von A nach B. Und wir mit ihm auch nicht. „Das Gewand, das man anlegte, ehe man sich in die Dunkelheit im Vorzimmer des Todes herabsenken ließ, war der Schlafanzug.“ (S. 187)
Alles dauert ewig, ob nun in die Werkstatt für das Auto gefahren wird oder ob Syvert ein Hotelzimmer für die Nacht braucht. Er überlegt, ob er nun seine Mutter besuchen und bei ihr übernachten soll – oder eben nicht. Man könnte auch noch eine Jugendbekanntschaft in Arendal besuchen – oder eben nicht.
Warum nur durfte dieser Roman die Nachfolge der vier so göttlichen Vorgänger antreten? Ich kann das beim besten Willen nicht verstehen. Alles zieht sich endlos hin und es wird geschwafelt (in Gedanken) und noch mehr geschwafelt und als Leser wünscht man sich nur, dass endlich etwas passiert. Und seien es nur betrunkene Ausfälligkeiten im Eigenheim gegenüber zwei Besuchern und das war dann schon ein (trauriges) Highlight. Überhaupt habe ich den Protagonisten auch als extrem familienfeindlich empfunden. Das Geschenk für den Sohn isst er lieber selber auf und kauft ihm nichts Neues. Die Anstrengungen der Gattin werden ebenso wenig gewürdigt, wie die seiner Mutter. Lieber schnell raus, an die Luft, und noch einen Schnaps rein. Im Keller, im Mantel, im Auto, überall ist Schnaps versteckt. Und ja, Wodka lässt sich auch problemlos im Eisschrank verstecken.
Warum hat sich diese unglaublich schöne Russin Asja in diesen Unsympathen verliebt? Schleierhaft für mich! Über seinen Beruf wird wenig berichtet, immerhin spricht er Russisch, kann Autofahren, Holz hacken und den Kamin anzünden.
Vom Morgenstern erfährt man wenig: „Es kamen auch neue (Bilder) dazu … schöne wie das von dem gigantischen Stern am Himmel über dem Haus.“ (S. 140) Oder: „Der riesige leuchtende Stern am Himmel über unserem Haus.“ (S. 157)
Zwischendurch gibt es ein paar zauberhafte Briefe von Asja zu lesen, sorgsam verschlossen in der Aktentasche. Und natürlich führt das wieder zu endlosen Überlegungen, ob man doch lieber zu Asja geht, für immer, als zur Gattin und den zwei Kindern.
Ich habe mehrfach überlegt, abzubrechen und bin dann drangeblieben, weil eben die Vorgänger so unglaublich gut waren.
Was mir auch nicht gefiel: Der ganze Roman ist ein einziger zusammenhängender Brei, ohne Kapitel. Einzig Leerzeilen haben den Text mal unterbrochen oder ein anderer Schrifttyp, z. B. bei Asjas Briefen.
Fazit: Lieber einen der vier Morgenstern-Vorgänger lesen, oder am besten alle nacheinander, aber nicht diesen! Mehr als 2 Sterne hat er leider nicht verdient. Schade.