Die Königin des literarischen Horrors erzählt uns Geschichten
Grelles Licht für darke LeuteVielleicht brennt man Orte, die Schauplatz außergewöhnlichen Leids waren, entweder bis auf die Grundmauern nieder oder wandelt sie in Tempel um. (Frei nach Cormac McCarthy, vor den „Hyänen“.) Ich habe ...
Vielleicht brennt man Orte, die Schauplatz außergewöhnlichen Leids waren, entweder bis auf die Grundmauern nieder oder wandelt sie in Tempel um. (Frei nach Cormac McCarthy, vor den „Hyänen“.) Ich habe übrigens nicht gewusst, dass Hyänen so außergewöhnliche Tiere sind, die sich mit dem Gebären so unglaublich schwertun.
Die Toten gehen um, in der Nachbarschaft, einzeln oder in Gruppen. Manche können sogar sprechen und an Türen oder Fenster klopfen. Sie wissen nicht, dass sie tot sind, obwohl sie auffällige Wunden haben. Man kann sie beruhigen oder Angst vor ihnen haben, je nach Charakter. Einige erweisen den Lebenden sexuelle Gefälligkeiten über längere Zeiträume. Erwünscht wohlgemerkt. Aber das ist in einer anderen Geschichte. „Julie“, die Geschichte, die für mich mit einem Fragezeichen endet, wo ich mir die Konsequenzen, wie es mit Julie weitergeht, lieber nicht so genau vorstellen möchte.
Bei Mariana Enriquez erzeugt sogar ein Haufen Kleider in einem zerstörten Gemäuer furchteinflößende Gefühle beim Leser und beim Betrachter, wenn das Kopfkino anspringt. Während in einer anderen Geschichte die Kleider verletzen können und Wunden zufügen, wenn frau sie anzieht. Was der Sadist im selben Raum so gerne möchte.
Religiöser Wahn lässt Menschen furchtbare Dinge veranlassen, leider erleben wir das auch gerade in der realen Welt. Wo manchmal fraglich ist, ob der Angebetete so anbetungswürdig ist. Hier nicht und in der realen Welt auch nicht. Siehe: „Ein lokaler Künstler“.
Verwandlungen finden statt, einmal quasi Schrumpfungen als Folge vererbter Traumata und ein anderes Mal sind es Verwesungen, Auflösungen, Ablösungen.
Manche Menschen ahnen, was Schreckliches auf sie zukommen könnte, können aber ihre Mitmenschen nicht warnen, weil diese sich nicht warnen lassen. In „Schwarze Augen“. Das müssen sie dann teuer bezahlen. Hier gilt wieder: Man muss schon einverstanden sein, in gewisser Weise, mit dem was geschieht, sonst kann es nicht geschehen. Nennt sich das „freier Wille“? Oder ist es die Kraft der Vorstellung, die sich auch widersetzen kann?
In ein einsames Haus würde ich diese Geschichten lieber nicht mitnehmen oder beim wilden Zelten des nachts mit Taschenlampe. Wenn wir die „Hymnen der Hyänen“ hören könnten, je nachdem, wo wir sind.
Fazit: Sie kann es und ich bin jedes Mal aufs Neue begeistert. Wann gibt es endlich wieder einen Roman von Mariana Enriquez? Denn „Unser Teil der Nacht“ war das Beste, was ich je gelesen habe. Unvergesslich für mich – für immer.