Cover-Bild Striker
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23,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 192
  • Ersterscheinung: 13.03.2025
  • ISBN: 9783462005950
Helene Hegemann

Striker

Roman

»Striker« ist ein elektrisierender Roman über eine Gegenwart, in der die Grenzen zwischen Verschwörungsmythen, Klassenkampf und roher Gewalt zunehmend verschwimmen. Mit Wucht und Tempo erzählt Helene Hegemann von Kampfsport und Obdachlosigkeit, von Reichtum und Verdrängung. Von dem Moment, in dem die Angst vor Unterdrückung zu Gewalt führt, und der Schwäche, die man zulassen muss, um diese Gewalt zu verhindern.

N wohnt an einer Bahnlinie, die einen Problembezirk mit dem Villenviertel am anderen Ende der Stadt verbindet. Zwei Welten. N kennt beide. Und eine dritte in der Mitte: die Kampfsportschule, in der sie unterrichtet, sich auf Wettkämpfe vorbereitet und eine Affäre mit einer Politikerin aus dem Verteidigungsausschuss beginnt. Gegensätze prägen ihre Existenz: Arm und Reich, Ohnmacht und Muskelaufbau, größte Disziplin und maßlose Aggression gegen sich selbst.

Eines Morgens entdeckt N rätselhafte Zeichen an der Brandmauer gegenüber ihrer Wohnung. Keine Buchstaben, keine Hieroglyphen, keine Bilder. Doch, dass sie etwas bedeuten, spürt sie sofort. Es treibt sie um.

Und dann stehen plötzlich Koffer und Tüten vor ihrer Tür. Sie gehören einer jungen Frau, die im Treppenhaus übernachtet und behauptet, mit den Zeichen in Verbindung zu stehen. Wer ist sie? Was will sie von ihr? Und warum beschleicht N bei jeder ihrer Begegnungen das kaum zu bewältigende Gefühl, sich selbst gegenüberzustehen?

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.01.2026

Insomnia

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I can’t get no sleep

Je länger sie in der U-Bahn sitzt, desto mehr verändern sich Ns Mitfahrende - von reich zu arm oder umgekehrt innerhalb von fünf Stadtteilen, je nachdem, in welche Richtung sie fährt.

N ...

I can’t get no sleep

Je länger sie in der U-Bahn sitzt, desto mehr verändern sich Ns Mitfahrende - von reich zu arm oder umgekehrt innerhalb von fünf Stadtteilen, je nachdem, in welche Richtung sie fährt.

N ist Kampfsportlerin und Trainerin, knapp unter 30 und bereitet sich auf einen Kampf gegen ihre Angstgegnerin vor.

Erst verwaschen, dann immer klarer kritzelt sich Striker mit gigantischen Zeichen an der Hausfassade in ihr Leben - gefolgt von Ivy, die mit ihrem Hab und Gut beinahe Ns Tür einrennt. Wie und ob das alles zusammenhängt, erfahren wir in Helene Hegemanns neuem Roman.

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But there′s no release, no peace

Eine so große Angst im Inneren zu fühlen, dass die Welt mitten in der Nacht in Berlins Problembezirk sicherer erscheint. Das klingt zunächst absurd, doch wenn wir ganz tief in uns hineinhorchen, in die dunkelsten Nischen lauschen, dann ging es uns vielleicht selbst schon einmal so.

Auf eine drängende und umklammernde Weise können wir spüren, wie es N ergeht, wenn sie die Schritte vom Dachboden hört, wenn sie das Geheimnis der Zeichen lüftet, wenn sie sich davor fürchtet, dass Ivy in ihre Wohnung eindringt, wenn sie den Schrecken im Flur zurücklässt und stattdessen in ihr eigenes Spiegelbild blickt und wenn sie ihren Schlaf gegen die kalte Nacht auf der Straße eintauscht.

Insomnia

„Striker“ ist auf eine sehr körperliche Weise emotional geschrieben und spielt ganz bewusst mit Ekel, Grenzerfahrungen und deren Überschreitung. Während der Lektüre fühlt man sich selbst irgendwie gehetzt und verfolgt. Zwischen den Zeilen lichtet sich mit der Zeit das ein oder andere Geheimnis, aber manches bleibt verborgen.

Für mich war es eine geniale und außergewöhnliche Leseerfahrung, die mit Tabus bricht, vorschnelle Rückschlüsse ausräumt und Klassenunterschiede deplatziert. Große Empfehlung!

Veröffentlicht am 23.04.2025

Melancholische Geschichte ohne Licht am Horizont

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N. soll in Tiflis die ganzen zu Tode gebotoxten Gayas umhauen.

Ihr Trainer Jürgen ist sechsundfünfzig, hat ein Jagdgewehr und eine Zweitwohnung in Kapstadt. Er würde besser in einen japanischen Tempel ...

N. soll in Tiflis die ganzen zu Tode gebotoxten Gayas umhauen.

Ihr Trainer Jürgen ist sechsundfünfzig, hat ein Jagdgewehr und eine Zweitwohnung in Kapstadt. Er würde besser in einen japanischen Tempel passen. Stattdessen steht er in dieser Ostberliner Turnierhalle zwischen Tapeziertischen und Wasserspendern rum. Er hat sich Videos von Ronda Shephards aktuellen Verfassung angesehen. Sie hat N. das letzte Mal auf die Bretter geschickt und die ist nicht mehr aufgestanden.

N. wird wach, weil sie Schritte über sich hört. Dort ist ein leerer Dachboden, in dem man nicht aufrecht stehen kann, deshalb fällt sie in einen lauen Halbschlaf. Beim Aufwachen sieht sie das gewohnte Bild aus ihrem Küchenfenster. Die Brandmauer. Nein, etwas ist anders. Sie springt aus dem Bett, stürzt ans Fenster und zündet sich eine Zigarette an. An die Mauer vor ihr hat jemand runenförmige Zeichen gemalt. Die Hieroglyphen, deren Sinn sie nicht versteht, sind höher als jede Leiter. Ihr Kopf startet, wie so oft den Panikmodus, wühlt ihr Inneres auf und versetzt sie zielsicher in Todesangst. Sie probiert verschiedene Strategien, um den Cortisolspiegel zu senken, atmet vier Mal ein und sechs Mal aus, sagt sich mantraartig vor: „Es geht hier nicht um mich!“.

Sie ist so gut wie allein, hat zu ihrer Familie im Sauerland keinen Kontakt mehr. Manchmal fährt sie zur Politikerin des Verteidigungsausschusses ans andere Ende der Stadt. Sie lebt dort, wo die teuersten Villen stehen. N. lebt in dem Teil der Stadt mit der höchsten Bebauungsdichte. Sie treffen sich nie bei N. Sie gehen zusammen ins Bett, tauschen unaufgeregte Körperlichkeiten aus und gehen danach vielleicht noch was essen.

Fazit: Helene Hegemann hat eine düstere Story geschaffen. Ihre Protagonistin ist Kampfsportlerin und fristet ein einsames Dasein. Sie hat diverse Ängste und wirkt traumatisiert, das geht aber nirgendwo aus der Geschichte hervor. Sie bereitet sich auf den Kampf mit ihrer Endgegnerin vor. Ihr dabei zuzusehen gefällt mir, das hat die Autorin gut ausgearbeitet. Die Beziehung zur Politikerin ist lieblos und kann eigentlich nicht erstrebenswert sein, dennoch hält sie sich an den schönen Anfangszeiten fest. Die äußeren Umstände, Hieroglyphen und eine fremde Frau, in der sie sich wiedererkennt, nimmt sie als unkontrollierbare Bedrohung wahr. Das Denken dieser fremden Obdachlosen ist wirr und voller mystischer Gedanken, die N. an die Weltverschwörungstheorien der Impfgegner erinnern. Die Hauptakteurin fühlt sich nicht zugehörig und dümpelt identitätsschwach vor sich hin. Die melancholische düstere Stimmung zieht sich konsequent durch die ganze Geschichte und ist gut gemacht. Weniger gut fand ich das Klischee, das bedient wurde. Reiche tragen Poloshirts und Rolex, reden dummes Zeug und haben durchgeknallte Kinder. Ich bin der Geschichte gerne gefolgt, weil sie textsicher erzählt wird. Der tiefere Sinn allerdings, sollte es einen geben, hat sich mir nicht gezeigt.

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