Starke Frauen
WachsMarie braucht Leichen. Sie will nämlich der beste Anatom von Paris werden - gendern findet sie nicht nötig, denn sie will auch besser sein als alle Männer auf diesem Gebiet. Madeleine hat als Zeichnerin ...
Marie braucht Leichen. Sie will nämlich der beste Anatom von Paris werden - gendern findet sie nicht nötig, denn sie will auch besser sein als alle Männer auf diesem Gebiet. Madeleine hat als Zeichnerin der Botanik bereits alles erreicht. Sie zeichnet im Jardin du Roi, im Königlichen Garten, und hat die männliche Konkurrenz längst hinter sich gelassen.
Wir begleiten die beiden Frauen vom Anfang des 18. Jahrhunderts bis mitten in die Französische Revolution auf ihrem Lebensweg.
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Die beiden Frauen Marie Marguerite Bihéron und Madeleine Françoise Basseporte erwachen in diesem historischen Roman zum Leben. Sie führen eine queere Liebesbeziehung und sind ihrer Zeit weit voraus. Ich finde es grandios, dass es einen wahren Hintergrund dieser Geschichte gibt. Und auch wenn die Autorin angibt, dass große Teile erfunden sind, macht es mir beim Lesen eine riesige Freude, zu spekulieren, was vielleicht doch auf diese oder jene Weise passiert sein könnte.
Der Sprachstil ist passend zum zeitlichen Bezug gewählt und wunderbar morbide. Auch das französische Flair im Zeitalter der Aufklärung sowie die stark beschriebenen Sinneseindrücke geben mir „Das Parfum“-Vibes - was ebenfalls Anfang des 18. Jahrhunderts spielt. Christine Wunnicke würzt alles noch mit subtilem Humor und unbeirrbarem Feminismus.
Ich finde zudem, dass Maries Zieh-Enkel Edmé die Handlung sehr bereichert. Über ihn musste ich immer wieder schmunzeln und er hat mich an mehreren Stellen überrascht. Da ist die Bezeichnung „Nichtsnutz“ auf dem Klappentext doch ein bisschen fies.
Die Kapitel springen kreuz und quer durchs 18. Jahrhundert, lassen sich aber nach ein paar Absätzen durch Jahreszahlen oder geschichtliche Ereignisse schnell zuordnen.
Ingesamt bin ich rundum begeistert. Ich könnte mir den Roman durch seine so aktuellen Themen und seinen gleichzeitig historischen Hintergrund ganz prima auch im Deutschunterricht vorstellen. Habe ich so gern gelesen und werde es im Regel neben „Das Parfum“ stellen. 🖤