Cover-Bild Radio Sarajevo
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14,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Nagel & Kimche
  • Themenbereich: Belletristik
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 208
  • Ersterscheinung: 25.03.2025
  • ISBN: 9783312013920
Tijan Sila

Radio Sarajevo

Roman | Vom Leben und Überleben im belagerten Sarajevo | Tragisch, aufwühlend und ehrlich | Vom Ingeborg-Bachmann-Preisträger 2024 | Coming-of-Age

»Dies ist die Geschichte meiner Kindheit und meines Kriegs.«

Als im April 1992 der Krieg beginnt, ist Tijan Sila nur zehn Jahre alt, doch bis heute kann er sich an den Geruch von gezündetem Sprengstoff erinnern. Während Sarajevo in Flammen steht, wird aus dem Jungen, der er damals war, ein junger Mann. Er streift durch die Ruinen der ausgebombten Stadt und sammelt Dinge, die von den Geflohenen und Gestorbenen zurückgeblieben sind, um sie auf dem Schwarzmarkt gegen Essen zu tauschen. Er lernt zu überleben, und er akzeptiert die grausame neue Normalität, doch zu welchem Preis?

Seine Geschichte ist eine Geschichte des Unerwarteten. Sie erzählt davon, wie Dichter zu Mördern werden und Mörder zu Helden. Sie erzählt von Menschen, denen jede Menschlichkeit jäh genommen wurde, und von den Spreißeln, die der Krieg im Hirn jedes Überlebenden hinterlässt.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.01.2026

Kindheit im Krieg

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Es ist einfach alles genauso passiert, wie Tijan Sila es in „Radio Sarajevo“ erzählt. 1992 beginnt der Bosnienkrieg und Tijan ist zehn Jahre alt. Gemeinsam mit seinem kleinen Bruder und den anderen Kindern ...

Es ist einfach alles genauso passiert, wie Tijan Sila es in „Radio Sarajevo“ erzählt. 1992 beginnt der Bosnienkrieg und Tijan ist zehn Jahre alt. Gemeinsam mit seinem kleinen Bruder und den anderen Kindern des Mehrfamilienhauses schläft er nachts zwischen den Keller-Verschlägen, während die Wände von einschlagenden Granaten beben.

Wochen, Monate und Jahre vergehen - Tijan, seine Familie, seine Freunde, seine Heimat durchleben den Krieg. Bis sie schließlich nach Deutschland fliehen.

Was ich nicht begreifen kann: Es ist alles genauso passiert. Es ist unbegreiflich.

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Manche Passagen sind so schlimm, dass man es kaum ertragen kann. Auf 208 Seiten rauschen wir durch knapp zwei Jahre Kindheit, die nicht Kindheit genannt werden können. Wirklich schonungslos erleben wir mit, was Tijan zu dieser Zeit im Bosnienkrieg aushalten muss.

(Das sage ich so daher als Person, die niemals einen Krieg erleben musste. Denn ich kann mir denken, dass wir Lesenden vielleicht doch geschont werden - dass die ganz schlimmen Passagen vielleicht gar nicht abgedruckt sind.)

Lesen kann ich diese Geschichte überhaupt nur, weil Tijan seinen Humor irgendwie behalten, retten konnte. Es ist beeindruckend und beruhigend zugleich, dass eine Kinderstimme erklingt und mir die Geschichte vorliest. Vielleicht wäre es eben doch zu schlimm, wenn ich es alleine lesen müsste.

Tröstend möchte ich noch ergänzen, was Thea Dorn auf dem Klappentext sagt. Denn wie schön ist es, dass es Tijan gibt und dass er uns von seinem Leben erzählen kann, dass er diesen Horror überlebt hat, dass er uns warnen kann, dass er mahnen und erinnern kann, dass er uns vor dem Vergessen bewahrt.

Es ist alles genauso passiert, ich kann das nicht begreifen.

Ganz große Leseempfehlung. Es ist schlimm, aber da müssen wir durch. Es ist wichtig - und unbegreiflich.

Veröffentlicht am 03.06.2025

Sehr bewegend

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Tijan Sila ist zehn, als im April 1992 der Krieg beginnt. In einem Plattenbau in Sarajevo gewöhnt sich die Familie nach und nach an tägliche Bombeneinschläge und Gewehrfeuer. Sie verbringen Tage im Keller, ...

Tijan Sila ist zehn, als im April 1992 der Krieg beginnt. In einem Plattenbau in Sarajevo gewöhnt sich die Familie nach und nach an tägliche Bombeneinschläge und Gewehrfeuer. Sie verbringen Tage im Keller, irgendwann wird alles "normal" und die Schule fängt wieder an. Das Essen ist knapp, genauso wie warme Kleidung oder Feuerholz. Die Familie schlägt sich irgendwie durch. Tijan wächst in der Kriegszeit auf, kommt in die Pubertät, streunt mit seinen beiden Freunden herum. Und schliesslich verlässt die Familie Sarajevo und flüchtet nach Deutschland. Hier hätte ich gerne noch mehr erfahren, der Autor deutet nur an, dass es dort für die Eltern sehr schwer war. Auch die Flucht wird nur kurz angerissen. Vielleicht gibt es irgendwann einen weiteren Teil? Jahre später kehrt der Autor zurück nach Sarajevo, wo er alte Kindheitsfreunde wiedertrifft. Dieses Treffen hat mich sehr berührt.

"Am Ende ist das Leben im Sumpf dem Tod in den Flammen vorzuziehen - es klingt so selbstverständlich, aber dennoch muss man auch das erst begreifen. Als der Krieg nämlich ausbrach, ging es allen wie mir. Wir hatten keine Ahnung."

Der Autor schafft es, die Kindheit im Krieg sehr anschaulich darzustellen. Das ist nichts, was man erleben möchte, aber ich finde es sinnvoll, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und kann dieses Buch jedem empfehlen. Die Erzählung hat mich nachhaltig berührt.

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Veröffentlicht am 26.01.2025

Frieden auf Erden - unser aller Ziel

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“ Zivilisierte Menschen gedeihen im Frieden, Idioten gedeihen im Krieg.” (S. 66)
Wer Krieg verstehen will in einer sehr persönlichen Dimension, wenig Kontakt zu Menschen hat, die bereits im Krieg gelitten ...

“ Zivilisierte Menschen gedeihen im Frieden, Idioten gedeihen im Krieg.” (S. 66)
Wer Krieg verstehen will in einer sehr persönlichen Dimension, wenig Kontakt zu Menschen hat, die bereits im Krieg gelitten haben, dann bitte unbedingt dieses Buch lesen!
Radio Sarajevo ist kein Roman, es ist ein romanartiger Text, der sich aus den vielen Kindheitserinnerung von Tijan Sila speist. Wer es nicht weiß, hält es gerne mal für einen Roman. Weniger als 200 Seiten und doch so oft ein Hieb in die Magengrube, weil das epische Ausmaß an Leid deutlich wird, dass Menschen und vor allem unschuldige Kinder in Kriegen erleiden müssen. Ein Leben lang psychisch gezeichnet vom Erlebten.
“Die Geschichte ist über Jugoslawien hinweggefegt, als seien die Landesgrenzen nur eine Spur im Sand gewesen und das kommunistische Ethos mit Kreide auf Asphalt geschrieben.” (S. 41)
Tijan Sila beschreibt wie der Alltag im Krieg in Sarajevo in den 90er Jahren war, wer gegen wen kämpfte und wie jeder sein Überleben sicherte, wo geschlafen werden konnte, ohne Schule, wenig Essen. Immer wieder musste ich bei den Beschreibungen an die Ukraine denken und so viele andere Teile der Erde, wo Gewalt und Krieg leider zum Alltag wurden.
“Meine Eltern hatten den Krieg zwar überlebt, und doch vernichtete er sie am Ende.” (S. 75)
Wenn man nun glaubt, die Lektüre wäre durchweg grausam. Bei weitem nicht, es liest sich gut, da Tijan Sila ein enormes Gespür für die deutsche Sprache hat und er gibt der Leserschaft Lichtblicke mit an die Hand, an denen man sich festklammert. Aber ja, auch die Verzweiflung und die Ohnmacht ist zu spüren, wenn Jugendliche anfangen Klebstoff zu schnüffeln, weil die Langeweile und Aussichtslosigkeit so groß wurden.
Fazit: Für alle die Frieden auf Erden nicht für das größte Ziel der Menschheit halten. Unbedingt lesen.

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Veröffentlicht am 09.06.2025

Ein starkes literarisches Zeugnis über Verlust und Überleben

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„Radio Sarajevo“ ist ein bewegender Debütroman, der den Krieg, die Flucht und den Neuanfang eines Kindes im zerfallenden Jugoslawien erzählt. Tijan Sila, geboren 1981 in Sarajevo, emigrierte Mitte der ...

„Radio Sarajevo“ ist ein bewegender Debütroman, der den Krieg, die Flucht und den Neuanfang eines Kindes im zerfallenden Jugoslawien erzählt. Tijan Sila, geboren 1981 in Sarajevo, emigrierte Mitte der 90er Jahre mit seiner Familie nach Deutschland und verarbeitet in seinem literarischen Debüt eigene Erfahrungen seiner Kindheit und Jugend während des Bosnienkriegs. Heute lebt er in Kaiserslautern und arbeitet als Lehrer.

Worum geht’s genau?
Der Roman erzählt aus der Sicht des 10-jährigen Tijan, der den Ausbruch des Bosnienkriegs miterlebt. Sarajevo wird bombardiert, die Stadt versinkt in Chaos und Zerstörung. Der Junge wächst zwischen Ruinen auf, lernt, sich in einer Welt zu behaupten, die von Gewalt und Verlust geprägt ist. Er handelt auf dem Schwarzmarkt, um zu überleben, erlebt, wie Freundschaften zerbrechen, wie Menschen zu Tätern und Opfern werden. „Radio Sarajevo“ schildert die brutale Realität eines Bürgerkriegs, der nicht nur politische, sondern tief menschliche Abgründe offenlegt. Es ist zugleich eine Geschichte vom Überleben, von Traumata und von der Suche nach einem neuen Leben.

Meine Meinung
Das Buch lange jetzt seeehr lange auf meinem SuB. Ein Wellnesswochenende hat jetzt dazu geführt, dass ich es endlich lesen konnte. Eine gute Entscheidung, denn Tijans Schilderungen haben mich emotional echt gepackt. Die Sprache ist roh und authentisch, die Darstellung des Kriegsalltags und der psychischen Belastung ist eindringlich und unverblümt. Man spürt den Geruch von verbranntem Material, die Angst und Verzweiflung eines Kindes, das zwischen Verlust und Überlebenswillen gefangen ist. Besonders stark fand ich, wie der Autor die Ambivalenz menschlichen Handelns darstellt: Dichter werden zu Mördern, Täter zu Helden – das ist eine erschütternde Realität, die hier ohne Beschönigung gezeigt wird.

Die Erzählweise ist dabei sehr persönlich und emotional, ohne ins Kitschige abzurutschen. Die Darstellung der Kriegstraumata und die Mechanismen, wie Menschen sich an das Unvorstellbare gewöhnen, sind nachvollziehbar und nachdenklich stimmend. Gleichzeitig vermittelt das Buch immer wieder die Hoffnung auf Heilung und Neuanfang, auch wenn die Narben tief sitzen.

Der Umgang mit der Sprache und den kulturellen Eigenheiten, wie etwa der besonderen bosnischen Fluchformeln, verleiht dem Buch eine besondere Authentizität. Manche Szenen sind brutal und verstörend, etwa die Schilderungen von Gewalt gegen Frauen oder die Armut, die aus Mangel an Nahrung resultiert. Diese ungeschönte Darstellung ist wichtig und macht die Geschichte umso kraftvoller.

Einzig die Komplexität des Krieges, mit seinen vielen Fronten und wechselnden Loyalitäten, war für mich nicht immer leicht nachvollziehbar und hätte noch detaillierter beschrieben werden können. Etwa mit einem Nach- oder Vorwort. Insgesamt ist „Radio Sarajevo“ ein sehr gelungenes Debüt, das Krieg und Flucht mit großer Empathie und sprachlicher Kraft erzählt.

Fazit
„Radio Sarajevo“ von Tijan Sila ist ein eindringliches und emotional packendes Buch über die Schrecken des Krieges und die Kraft des Überlebens. Die Authentizität und Tiefe der Erzählung verdienen 4 von 5 Sternen. Es ist ein wichtiges Buch, das Geschichte und Menschlichkeit lebendig werden lässt. Ich danke dem Hanser Berlin Verlag und Netgalley herzlich für das Rezensionsexemplar.

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