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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.10.2017

Picoult hat sich wieder einmal selbst übertroffen

Kleine große Schritte
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Meine Rezension bezieht sich auf die Englische Ausgabe dieses Buchs (Small Great Things).

Picoult hat sich mit diesem Buch erstmals in ein neues, sehr umstrittenes Feld getraut: Rassismus in Amerika. ...

Meine Rezension bezieht sich auf die Englische Ausgabe dieses Buchs (Small Great Things).

Picoult hat sich mit diesem Buch erstmals in ein neues, sehr umstrittenes Feld getraut: Rassismus in Amerika. Manche mögen sagen, dies sei nicht ihr Recht, da sie weiss ist. Das Buch ist (wie immer bei Picoult) ausserordentlich gut recherchiert. Sie erzählt die Geschichte von mehreren Perspektiven und schafft es, dass man sich in alle Protagonisten hineinversetzen kann, obwohl diese extrem unterschiedlich sind. Ruth, eine schwarze Krankenschwester in NYC, hat ihr ganzes Leben versucht, niemanden vor den Kopf zu stossen und alles richtig zu machen. Sie hat gute Noten, bemüht sich in der Schule, bekommt ein Stipendium und geht schliesslich zur Yale Nursing School, um Krankenschwester zu werden. Sie hat sich ihren Traum erfüllt. Ihren Sohn erzieht sie ebenfalls auf diese Weise. Eines Tages passiert jedoch etwas, was sie spüren lässt, wie sie als Schwarze in einer Weissen Welt von allen anders behandelt wird - sie ist nicht so akzeptiert, wie sie bisher geglaubt hat.
Wahnsinning spannend und gut geschrieben, eines der besten Werke Picoults bis jetzt.

Veröffentlicht am 13.08.2018

Nette Geschichte, ich kann den Hype jedoch nicht nachvollziehen

Das weibliche Prinzip
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Nach nur wenigen Wochen am College lernt die schüchterne Greer bei einer Veranstaltung Faith Frank kennen, eine berühmte Feministin. Bis kurz zuvor hatte sie sich weder mit Feminismus beschäftigt noch ...

Nach nur wenigen Wochen am College lernt die schüchterne Greer bei einer Veranstaltung Faith Frank kennen, eine berühmte Feministin. Bis kurz zuvor hatte sie sich weder mit Feminismus beschäftigt noch sonst politisch irgendwie engagiert. Mehr zufällig scheint sie, gelenkt von Freundin Zee, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Das Treffen mit Faith beeindruckt sie sehr; sodass sie von nun an neue Pläne schmiedet: sie möchte etwas bewirken; mithelfen, um Frauenrechte zu fördern und zu fordern. Und so begleiten wir Greer durch die Jahre am College und wenige Jahre danach. Schon zu Beginn erfahren wir, dass Greer später berühmt werden wird. Auch Faith Franks Leben und das Leben der besten Freundin Zee und Greers Freund Cory werden in dem Buch über mehrere Kapitel abgehandelt.

Ich hatte hohe Erwartungen an das Buch, da es vor dem Erscheinen ziemlich vom Verlag „ge-hype-t“ wurde. Das Buch wird als Roman zur „Me too“-Ära beschrieben. Dies kann man nach dem Lesen des Buches nicht nachvollziehen. Der Roman behandelt im Prinzip die Lebensgeschichte von Greer, Faith Frank und in kleineren Teilen auch die von Greers Freundin Zee und Freund Cory. Jedoch ist dieser Roman weit entfernt von einer Offenbarung zu Frauenrechten oder zur „Me too“ Bewegung. Greer ist eine eher blande Protagonistin, die bis zum Schluss nie wirklich über sich hinauswächst. Für mich hat Greer fast keine Entscheidung ihres Lebens wirklich selbst getroffen, sie scheint stets das zu machen was sich eben ergibt. Eine blühende Frauenrechtlerin? Fehlanzeige. Der Schreibstil ist nicht schlecht, jedoch passiert gemessen an der Seitenzahl erstaunlich wenig in diesem Roman. Einzig die Geschichte von Cory fand ich wirklich interessant. Dieser muss kurz nach dem College eine furchtbare Tragödie miterleben und braucht Jahre, um damit zurecht zu kommen. Dies war wirklich realistisch und auch interessant zu lesen. Die Szene, in der Greer nach Jahren nach Hause zurückkehrt und plötzlich merkt, dass ihre Eltern klüger sind als gedacht und gute Ratschläge geben können, fand ich ebenfalls sehr aufschlussreich. Fazit: nett zu lesen aber weit entfernt von einem Roman über Frauenrechte der heutigen Zeit.

Veröffentlicht am 06.08.2018

Wunderschöne und hochinteressante Zeitreise

Ida
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Katharina Adler hat mit diesem Buch die Geschichte ihrer Urgroßmutter Ida Adler-Bauer aufgearbeitet, die 1882 in Wien geboren ist. Ida Adler wurde als „Fall Dora“ in Sigmund Freuds Psychoanalyse bekannt. ...

Katharina Adler hat mit diesem Buch die Geschichte ihrer Urgroßmutter Ida Adler-Bauer aufgearbeitet, die 1882 in Wien geboren ist. Ida Adler wurde als „Fall Dora“ in Sigmund Freuds Psychoanalyse bekannt. Das Buch umfasst ein halbes Jahrhundert an Idas Lebensgeschichte, beginnend im späten 19.Jahrhundert mit der ungefähr zwölfjährigen Ida. Äußerst gekonnt spannt Adler den Bogen bis 1945. So erzählt sie Idas Lebensgeschichte als junges Mädchen, mit knapp achtzehn als die bekannte Patientin von Sigmund Freud, als Ehefrau und Mutter, und schließlich als Witwe, die während dem 2. Weltkrieg in die USA flüchtet.

Das Buch hat mich sofort ins Österreich vor dem ersten Weltkrieg versetzt. Ida wächst in Wien und Meran auf. Die Autorin verwendet häufig österreichische Ausdrücke, welche beim Lesen zur Authentizität beitragen. Das Leben von Ida hat mich gefesselt. Als Österreicherin und Ärztin fand ich das Buch von vielen Aspekten betrachtet hochinteressant. Der Schreibstil war sehr flüssig und fesselnd, allerdings umspannt das Buch knapp 500 Seiten und ist somit keine leichte Kost. Insgesamt habe ich es sehr gerne gelesen und fand es hochinteressant. Die Sitzungen bei Freud wurden sehr ausführlich beschrieben, was sich manchmal etwas langatmig hervortat. Ich habe nach diesem Roman auch vor, mich weiter mit Freud zu beschäftigen, und mich durch die Quellenangaben des Buches zu arbeiten. Ich kann dieses Buch für interessierte der genannten Themen sehr empfehlen, von mir gibt es 4.5 Sterne.

Veröffentlicht am 04.08.2018

Ein Wirbelwind

Blanca
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„Ich möchte, dass einmal im Leben ein Gedankengang nicht mit einer Frage, sondern mit einer Antwort endet.“

Blanca ist erst fünfzehn als sie beschließt, abzuhauen. Weg von ihrer Mutter, die es nie länger ...

„Ich möchte, dass einmal im Leben ein Gedankengang nicht mit einer Frage, sondern mit einer Antwort endet.“

Blanca ist erst fünfzehn als sie beschließt, abzuhauen. Weg von ihrer Mutter, die es nie länger als ein paar Wochen an einem Ort aushält. Weg von ihrem bisherigen Leben, das aus genau einer kleinen Tasche bestand. Aus wechselnden WG-Zimmern, Essenresten, neuen Schulen. Und sie möchte fort aus Deutschland. Zurück an den einzigen Ort, der für sie je eine heile Kindheit bedeutet hat – zu Karl und dessen Sohn Toni in Italien, mit denen sie und ihre Mutter sechs Jahre zuvor einen Sommer verbracht haben. Und so startet Blanca allein mit nur ihrer kleinen Tasche im Gepäck auf einen Roadtrip, auf der Suche nach einem Zuhause.

Ich konnte dieses Buch kaum aus der Hand legen. Aus Blancas Sicht geschrieben, liest es sich nicht immer wie von einer fünfzehnjährigen geschrieben, bleibt aber noch im realistischen Rahmen. Der Schreibstil ist vielfältig und bunt, teils auch etwas sarkastisch. Mir gefielen die verschiedenen Begegnungen, die Blanca auf ihrer Reise hatte. Sowohl negative als auch positive sind dabei, wobei ich keine davon unrealistisch fand. Sie wird über den Tisch gezogen und gezwungen, früh erwachsen zu werden. Man merkt, wie Blanca sich dadurch im Laufe ihrer Reise weiterentwickelt und einen Teil ihrer Naivität ablegt. Mit der Zeit scheint sie trotz allem auch eine Art Sympathie für ihre Mutter und deren innere Kämpfe zu entwickeln. Das Ende bleibt offen, mit der nötigen Portion an Zuversicht – und hat mir gerade deswegen sehr zugesagt.

Veröffentlicht am 30.07.2018

Ein wunderbarer, teilweise etwas (zu) kitschiger historischer Roman

Der englische Liebhaber
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„Heute weiß ich auch, dass wir Frauen nie mehr diejenigen geworden sind, die wir vor dem Krieg waren. Frauen, die sich wochenlang mit Schwielen an den Händen, Blasen an den Füssen und steifen Gelenken ...

„Heute weiß ich auch, dass wir Frauen nie mehr diejenigen geworden sind, die wir vor dem Krieg waren. Frauen, die sich wochenlang mit Schwielen an den Händen, Blasen an den Füssen und steifen Gelenken einen Weg durch den Schutt freigeschaufelt hatten, die sich Lumpen statt Monatsbinden in den Schlüpfer stopfen mussten – solche Frauen lassen sich nicht mehr bevormunden. Es gibt eine Redensart: Der Krieg stärkt die Nylonstrümpfe und die Frauen. Und sollten wir dir am Ende noch danken, Adolf, du Hurensohn?“

Ich habe dieses Buch förmlich verschlungen. Federica de Cesco führt uns ins Münster der Nachkriegszeit: eine zerstörte, zerbombte Stadt. Die junge Anna arbeitet als Übersetzerin bei der britischen Besatzungsmacht. So lernt sie Jeremy kennen, einen englischen Spion. Die beiden kommen sich näher. Doch eines Tages verlässt Jeremy Münster, und Anna hört nichts mehr von ihm. Sie bleibt fortan alleine zurück, doch sie erwartet ein Kind. Und so nimmt die Geschichte seinen Lauf. Anna, die „Britenschlampe“ mit einem unehelichen Kind. Ihr Leben alles andere als einfach. Charlotte, ihre Tochter, wächst als Schlüsselkind auf und erfährt viel Hass und Zurückweisung.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und das Buch ist spannend geschrieben. Die Beschreibungen der Nachkriegszeit und auch des zweiten Weltkriegs fand ich wirklich einprägsam. Anna ist eine starke Frau, die im Leben viel einstecken musste. Besonders ihre Liebe und die Geduld zu der störrischen, vom Leben enttäuschten Tochter fand ich sehr eindrucksvoll beschrieben. Die Liebesgeschichte war mir zum Teil etwas zu kitschig geraten, deshalb gibt es von mir einen halben Punkt Abzug. Dennoch ein wirklich gutes Buch, das ich sehr empfehlen kann.