Cover-Bild Das kunstseidene Mädchen
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12,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Klassisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 256
  • Ersterscheinung: 16.06.2017
  • ISBN: 9783548288765
Irmgard Keun

Das kunstseidene Mädchen

Der große Klassiker über eine Frau in den Berliner 20er-Jahren: „naiv und brilliant, witzig und verzweifelt, volkstümlich und feurig“ Hermann Kesten

Der herausragende literarische Klassiker, der Irmgard Keun 1932 zum Literaturstar und eine der wichtigsten deutschsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts machte: fesselnd, eindringlich, zeitkritisch und humorvoll!

»Irmgard Keun war die erfolgreichste deutsche Autorin der dreißiger Jahre, und die Lektüre lohnt noch heute.« Thomas Karlauf, FAZ

»Ich will ein Glanz werden«

Doris, das kunstseidene Mädchen, ist Sekretärin bei einem zudringlichen Rechtsanwalt. Sie will nicht mehr tagein, tagaus Briefe tippen, sondern ein Star werden, will die große Welt erobern. Die große Welt, das ist für die Achtzehnjährige Berlin. Dort stürzt sie sich in das Leben der Tanzhallen, Bars und Literatencafés, lässt sich in vornehme Lokale einladen, goutiert die »gute Gesellschaft«– und bleibt doch allein. Ihre Affären mit Männern aus »besseren Kreisen« sind kurzlebig, die erträumte Karriere bleibt eine Illusion.

Doch Doris weiß sich zu trösten ...  

Irmgard Keun hat Doris' kunstseidene Abenteuer »naiv und brilliant, witzig und verzweifelt, volkstümlich und feurig« beschrieben (Hermann Kesten). Bunte Unterhaltung in Verbindung mit satirischer Zeitkritik – eine seltene Einheit und ein wahrer Klassiker der Literatur.

»Ich bin so begeistert von der Sprache dieser Autorin, dass ich beim Lesen immer schwanke zwischen Faszination und Neid. Sie hat Menschen und Zeiten beschrieben, die zugleich weit weg sind und denen ich mich trotzdem eigentümlich nah fühle. Ja, so gut wie sie würde ich gern schreiben können.« Christian Baron

*** Diesen Klassiker muss man gelesen haben! ***

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.02.2023

Weibliche Satire der 1920er Jahre

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„Das kunstseidene Mädchen“, das ist Doris; jung, lebenshungrig, und ihr steht die Welt offen, meint sie, nachdem sie ihre Stelle im ihr provinziell anmutenden Köln im Büro kündigt, nachdem ihr Chef ihr ...

„Das kunstseidene Mädchen“, das ist Doris; jung, lebenshungrig, und ihr steht die Welt offen, meint sie, nachdem sie ihre Stelle im ihr provinziell anmutenden Köln im Büro kündigt, nachdem ihr Chef ihr sexuelle Avancen angetragen hat. Doris möchte aber nicht das Liebchen eines alten Knackers sein, sondern sich ihre Liebschaften selbst aussuchen. Und vor allem eins: Ein Glanz sein und als Star gefeiert werden.
Durch ihre Mutter erhält sie eine Stelle in einem Theater, und durch die Flunkerei, sie hätte ein Verhältnis mit dem Regisseur, wird ihr ein wenig Respekt der Theatergruppe zuteil. Einen Auftritt ergattert sie sich dadurch, dass sie eine Konkurrentin im Theater auf der Toilette einsperrt und fortan ihren Satz sprechen darf. Dass sich ihre Daseinsberechtigung im Theater einzig auf die Annahme stützt, sie sei dem Regisseur nahe, ist sich Doris im klaren darüber, dass ihre Zeit dort begrenzt ist. Als sich dann ihre verflossene Liebe Hubert ausgerechnet an dem Tag für ein Treffen ankündigt, als sie nur in einem nicht vorzeigbaren Regenmantel im Theater ist, stiehlt sie kurzerhand einen Pelzmantel, den Feh, der sie ab sofort immer begleiten wird, und trifft sich mit Hubert. Die Zusammenkunft der beiden ist ernüchternd, und da sich Doris mit dem Diebstahl die Rückkehr ins Theater verbaut hat, entscheidet sie sich nach Berlin zu gehen, das für sie der Inbegriff eines aufregenden Lebens und ihre größte Chance ein Glanz zu werden, darstellt.

In Berlin wohnt sie zunächst bei einer Bekannten, und durch ihre offene und laszive Art ergeben sich auch dort schnell erste Kontakte zu Männern, die Doris aber leider nie dorthin führen, wo sie hin will. Sie kann die Männer sehr gut einschätzen und durchschauen, und dies kommentiert sie oftmals so, dass es dem Leser etwas zwischen einem Grinsen und einem lauten Lachen entlockt. Als Beispiel:“Er hätte auch Geist. Und Grundsätze: Männer dürfen und Frauen dürfen nicht. Nun frage ich mich nur, wie Männer ihr Dürfen ausleben können ohne Frauen? Idiot.“ Trotz dieser Raffinesse in Sachen Männer fehlt es ihr an wirklicher Bildung, sie kommt über die Wahrnehmung als junges, liebenswertes Dummchen mit viel Erotik nicht hinaus. Weil Doris in Berlin nicht arbeiten kann, da sie fürchten mus bei einer Anmeldung von der Polizei für den gestohlenen Feh zur Verantwortung gezogen zu werden, ist sie immer auf Hilfe von außen angewiesen. Sie lebt erst bei einer Bekannten, freundet sich mit einer Prostituierten an, hat wechselnde Männerbekanntschaften und verliert irgendwann das Dach überm Kopf und ist obdachlos. Die Annäherungen Karls, der obdachlos ist und in einer Gartenlaube wohnt, lehnt sie in ihrem restlichen Stolz ab. Da wird sie von Ernst aufgelesen, der die müde und unterernährte Doris mit zu sich nach Hause nimmt. In der Nacht und den ersten Tagen vermutet Doris einen Perversen, der sich an ihr vergehen will, aber Ernst macht keine Anstalten ihr sexuell näher zu kommen, obgleich er sich Doris ansonsten nahe fühlt. Es stellt sich heraus, dass er seiner einstigen Liebe nachtrauert und schlicht nicht alleine sein will. Doris, die sich bietende Situation erst zu ihren Vorteilen nutzend, überwindet ihre anfängliche Abneigung gegen ihn, den sie erst als Waschlappen wahrnimmt, und entwickelt irgendwann Gefühle für Ernst, die jedoch nicht erwidert werden. Durch einen Umstand wird ihr klar, dass sie Ernst nie komplett für sich gewinnen können wird. Sie hat für sich aber gelernt, dass es keinen Glanz braucht, um sich gut und geliebt zu fühlen. Sie ergreift ihre letzte Chance nach Karl, der sie doch früher schon gewollt hat, und macht sich auf die Suche nach ihm.

Der Roman verwendet eine sehr anschauliche und blumige Sprache. Ernst beispielsweise betitelt sie als ihr Grünes Moos, weil er eine Stimme hat, die sie an ein solches erinnert. Irmgard Keuns Wortschaffungen sind aber immer aufschlussreich und erzeugen in ihrem Leser ein unverwechselbares Bild. Keun hat mit Doris einen komplizierten Charakter geschaffen, da sie in Männerdingen so bewandert zu sein scheint, in tieferer Ebene die Männer jedoch nicht für sich halten kann. Ihre Gewitztheit, so bewundernswert sie auch scheint, ist letzten Endes eine Bauernschläue, die vor wirklicher Bildung nicht standhalten kann. Es ist eben nur Kunstseide, keine echte Seide.

Zur Ausstattung des Ullstein-Hardcovers möchte ich gerne noch anmerken, dass es ein wunderschönes Bändchen ist. Das Format ist in der Länge kleiner als eine ausgestreckte Hand und fand daher sogar in meiner Jackentasche platz. Das schwarz-weiße Cover entfaltet seine ganze reizende Wirkung erst mit dem pinkfarbenen Schriftzug. Die Ausstattung beinhaltet ein Lesebändchen in tiefrosa, ebenso ist das Kapitalband in derselben Farbe gehalten. Es handelt sich hierbei wirklich um eine schicke kleine Ausgabe!

Veröffentlicht am 14.02.2025

"Ob man wohl ein Glanz werden kann, wenn man es nicht von Geburt ist?"

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Einen sogenannten "Klassiker" zu beurteilen, ist nie ganz einfach. Man muss sich ein bisschen einlassen auf die damalige Zeit und deren Besonderheiten. Aber nachdem ich "Nach Mitternacht" von Irmgard Keun ...

Einen sogenannten "Klassiker" zu beurteilen, ist nie ganz einfach. Man muss sich ein bisschen einlassen auf die damalige Zeit und deren Besonderheiten. Aber nachdem ich "Nach Mitternacht" von Irmgard Keun sehr lesenswert fand, wollte ich nun ihr berühmtes Werk "Das kunstseidene Mädchen" lesen. Auch hier ist der Schreibstil einigermaßen gewöhnungsbedürftig, passt jetzt doch letztlich zum Buch und zu der Protagonistin sehr gut.
In diesem Buch geht es um die junge Doris. Sie arbeitet bei einem aufdringlichen Rechtsanwalt und erzählt von ihrem Leben, sie hat ihre ganz eigene Art zu sprechen und zu schreiben:

"Und ich denke, das ist gut ist, wenn ich alles beschreibe, weil ich ein ungewöhnlicher Mensch bin. Ich denke nicht an Tagebuch - das ist lächerlich für ein Mädchen von 18 und auch sonst auf der Höhe. Aber ich will schreiben wie im Film, denn so ist mein Leben und wird noch mehr so sein."

Doris ist es leid, täglich Briefe zu tippen, sie will ein Star werden, „ein Glanz“:

"Ich will eine werden. Ich will so ein Glanz werden, der oben ist."

"Ich werde ein Glanz, und was ich dann mache, ist richtig - nie mehr brauche ich mich in acht nehmen und nicht mehr meine Worte ausrechnen und meine Vorhabungen ausrechnen."

Sie flieht nach Berlin, was für sie die große weite Welt bedeutet. Sie hat kein Geld, keine Arbeit, aber jede Menge Träume. Sie stürzt sich ins Leben der Bars und Cafés und lässt sich auf Affären mit Männern ein, die Geld haben. Diese Affären sind meist nur von kurzer Dauer und mit der erträumten Karriere klappt es nicht wie erhofft ...

"Und er bot mir eine Wohnung und Geld - mir kam die Gelegenheit zu einem Glanz, und es ist leicht mit Alten, wenn man jung ist - sie tun, als könnte man was dafür, und als hätte man es geleistet. Und ich wollte, ich wollte."

"Liebe Mutter, du hast ein schönes Gesicht gehabt, du hast Augen, die gucken, wie sie Lust haben, du bist arm gewesen, wie ich arm bin, du hast mit Männern geschlafen, weil du sie mochtest, oder weil du Geld brauchtest - das tue ich auch. Wenn man mich schimpft, schimpft man dich... Ich hasse alle, ich hasse alle - schlag doch die Welt tot, Mutter, schlag doch die Welt tot."

Doris wirkt bisweilen vielleicht etwas naiv durch ihre Art zu reden, doch betrachtet man ihr Leben und wie sie sich durchgeschlagen hat im Berlin der 30er Jahre, war sie bewundernswert gewieft und klug auf ihre Art. Dazu noch sehr eigenständig und selbstbewusst. Viele ihrer Gedankengänge fand ich sehr reflektiert für so ein junges Mädchen.

"Ich bin ihr dankbar, und wir haben dieselbe Art und machen uns keine böse Luft. Wenn ich ihr Gesicht sehe, wenn es schläft, habe ich gute Gedanken um sie. Und darauf kommt es an, wie man zu einem steht, wenn er schläft und keinen Einfluss auf einen nimmt."

Das Buch ist nicht ganz einfach zu lesen, auch aufgrund des doch recht speziellen Schreibstils, der bestimmt nicht allen Leser*innen gefällt. Dass der Roman nicht in Kapitel, sondern lediglich in drei große Abschnitte eingeteilt ist, erschwert das Lesen ebenfalls ein wenig. Stellenweise fand ich das Buch auch etwas zu langatmig (manche Passagen), doch insgesamt ist es sprachlich und literarisch wirklich wert, es zu lesen. Irmgard Keun gilt zu Recht als eine der wichtigsten deutschsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts!
Auch das Nachwort, indem man viel über ihr Leben erfährt, fand ich überaus lesenswert.

"Ob man wohl ein Glanz werden kann, wenn man es nicht von Geburt ist?"

"Das ist so furchtbar viel, wenn einem einer gefällt - Liebe ist noch so ungeheuer viel mehr, dass es sie wohl gar nicht, vielleicht kaum gibt."

"Und da fragt er mich: wie siehst du aus? Das war mir ganz komisch, ich wollte mich selber sehen von außen und nicht wie ein Mann sonst mich beschreibt zu mir, was ja doch immer nur halb stimmt."

"Ich hatte in eine Materie zu dringen. Und habe mir eine Liste gemacht mit Fremdworten, daneben schrieb ich, was sie heißen, ich musste mir die Erklärungen manchmal selber suchen. Die Worte machen sich gut, wenn man sie anwendet."

"Ich mag ihn gar nicht so furchtbar, aber ich bin bei ihm, weil daß jeder Mensch ein Ofen ist für mein Herz, was Heimweh hat und nicht immer nach Hause, sondern nach was wmWirklichem zu Hause - das sind Gedanken in mir, die wälzen sich. Was mache ich wohl falsch mit meinem Leben?
Aber vielleicht verdiene es gar nicht es gar nicht anders."

"Vater Unser, mach mir noch mit einem Wunder eine feine Bildung - das übrige kann ich ja selbst machen mit Schminke."

"Ich glaube nicht eher, daß ich tot sein kann, als bis ich tot bin - und dann ist es zu spät und nichts mehr zu wollen - aber bis dahin ... da lebe ich eben."

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Veröffentlicht am 13.11.2017

Wenn ich Doris doch umtauschen könnte...

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Meine Meinung: Das kunstseidene Mädchen ist erstmals 1932 erschienen. Es spielt jedoch in den 20er Jahren. Hier in Deutschland. Wir befinden uns in der Weimarer Republik. Der erste Weltkrieg ist vorbei ...

Meine Meinung: Das kunstseidene Mädchen ist erstmals 1932 erschienen. Es spielt jedoch in den 20er Jahren. Hier in Deutschland. Wir befinden uns in der Weimarer Republik. Der erste Weltkrieg ist vorbei und die Niederlage sitzt noch tief in den Knochen. Außerdem erwartet die Weimarer Republik mit all ihren Problemen tagtäglich und Arbeitslosigkeit steht ganz oben auf der Problemliste. Mitten in diesem ganzen Chaos befindet sich Doris und, wie es zu dieser Zeit üblich war, sind Politik und das aktuelle Zeitgeschehen im Bürgertum in Vergessenheit geraten. Man will sich nicht mit all den politischen Problemen belasten. Man hat schon wirtschaftliche Sorgen genug. Außerdem boomen gerade Theater, Film und Kultur und das ist die Art, wie man sich zu dieser Zeit amüsiert und versucht die Sorgen zu vergessen. Genauso ist auch der Roman geschrieben. Doris möchte ein Glanz werden und groß herauskommen. Ihr Tagebuch, das wir in Form des Romans lesen, nutzt sie, um alle ihre Erlebnisse und ihren Weg nach ganz oben zu dokumentieren. Schreiben wie Film will sie und so ist der Schreibstil sehr szenisch und wird so interessant zu lesen. Ich würde sogar so weit gehen, dass ich das Buch als ein Jugendbuch bewerten würde. Auch, wenn hinter dem kunstseidenen Mädchen mehr steckt als nur ein Unterhaltungsroman. Aber welche Botschaft steckt dahinter?
In den 20er Jahren gibt es DEN Trend. Er heißt „Die neue Frau“. Viele von euch haben jetzt sicher das Bild einer erfolgreichen Karrierefrau im Kopf, die Familie, Job und Freizeit perfekt unter einen Hut bekommt und dabei auch noch sehr erfolgreich ist. Dieses Frauenbild stand in den 20ern aber noch nicht stellvertretend für die neue Frau sondern eher die Sekretärin. Einfache Mädchen aus der unteren Mittelschicht. Mit der neuen Frau war ein Aufleben der Frau in Kultur und Medien gemeint. Man trug die Haare kurz, zog Hosen an, ging arbeiten und zeigte Interessen an kulturellen Dingen. So wurde die Frau recht schnell zu Werbezwecken genutzt und die konsumorientiere Seite von uns Mädels direkt angesprochen. Allerdings blieb die neue Frau nur ein Modetrend und viel sind an diesem Idel gescheitert. Spätestens mit den Nationalsozialisten ist das Bild völlig verschwunden. Anhand von Doris wird der Versuch eine neue Frau zu sein geschildert. Allerdings auf eine sehr satirische Art denn man könnte nicht mehr scheitern, als Doris es tut. Um ein Ganz zu werden und reich und berühmt zu sein will sie nämlich gar nichts tun. Sie will nicht dafür arbeiten sondern versucht es mit den Mitteln, die Frauen seit jeher benutzen um das zu bekommen, was sie wollen: Männer und Intrigen. Hier kommen wir dadurch auch zu dem Punkt, der mir an dem kunstseidenen Mädchen so gar nicht gefallen hat. Und dieser Punkt ist Doris. Wirklich, satirisch hin oder her, ich habe Doris wirklich gehasst und mal ganz ehrlich: Man will Doris auch einfach nicht als beste Freundin haben. Sie ist intrigant, hat komische Moralvorstellungen und weder Anstand noch Bildung. Aber genau mit Doris wird eben jenes Scheitern der neuen Frau gezeigt und das macht die Botschaft dahinter, die Verzweiflung, die mit diesem Scheitern einhergeht so deutlich.
Irmgard Keuns Roman trifft die Mentalität und den Zeitgeist der 20er Jahre also auf den Punkt und stellt die Gesellschaft in dieser Zeit sehr gut nach. Verpackt in einem Roman in Tagebuch-Form kann man Das kunstseidene Mädchen darüber hinaus sehr gut lesen und durch das filmische Schreiben wird das Geschehen sehr lebhaft und szenisch dargestellt. Die Protagonistin Doris war nicht meins und genau das hat mir den Roman sehr verdorben. Dennoch trifft sie genau mit Doris den Zeitgeist und stellt diesen auch sehr satirisch dar. Wenn ihr euch also für die Gesellschaft der 30er Jahre interessiert und über die Protagonistin hinwegsehen könnt bzw. ihr eher negative Charaktere sogar liebt, solltet ihr euch am kunstseidenen Mädchen versuchen.
Bewertung: Eigentlich sträube ich mich ein bisschen gegen das Bewerten von Klassikern. Ehrlich. Ich will euch mit schlechten Bewertungen nicht abschrecken noch sind die Bücher, die ich mit 5 Füchschen bewerte für euch auch immer Highlights. Und was für Belletristik gilt, das gilt erst recht für die Klassiker. Dennoch habe ich mich entschieden Füchschen zu vergeben obwohl ich euch dennoch sagen muss: alle Klassiker sind lesenswert! Wagt euch ruhig mal dran und werft einen Blick über den Tellerrand. Es tut gut. Obwohl es im letzten Abschnitt oben den Anschein hat, als hätte mir das Buch sehr gut gefallen und als sei Doris mein einziger Kritikpunkt muss ich sagen, dass genau dieser Kritikpunkt eine sehr große Wirkung auf meinen Lesespaß hatte und ich in dieser Hinsicht wirklich enttäuscht vom Buch war. Deshalb bekommt Das kunstseidene Mädchen von mir nur 3 von 5 Füchschen, da ich mit Doris einfach so gar nicht klar kam.