Cover-Bild Die Scheinheiligen
(3)
  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
25,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Klett-Cotta
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 240
  • Ersterscheinung: 11.04.2026
  • ISBN: 9783608967074
Jo Hamya

Die Scheinheiligen

Roman
Nicolai von Schweder-Schreiner (Übersetzer)

»Brillant! Sprachlich präzise und voller Zärtlichkeit« The Atlantic

Jo Hamya erzählt auf kluge und unterhaltsame Weise von Vätern und Töchtern, von allem, was sie trennt und verbindet, von Generationenunterschieden und großen gesellschaftlichen Fragen, die in der Familie ausgetragen werden.

Sizilien, 2010. Sophia, ein Teenager an der Schwelle zum Erwachsenwerden, verbringt einen Sommer mit ihrem Vater. Er ist ein erfolgreicher Schriftsteller, der sich mehr für seine eigenen Worte als für seine Tochter interessiert. Im Laufe dieses Urlaubs wird ihre Beziehung Risse bekommen, die nicht mehr so leicht zu kitten sind. London, 2020. Sophias Vater sitzt in einem großen Theater. Er ist aufgeregt, denn er sieht sich das erste Theaterstück seiner Tochter im Westend an. Er wünscht ihr und dem Stück den größtmöglichen Erfolg und hofft, dass sie nun in seine schriftstellerischen Fußstapfen tritt. Doch dann stellt sich heraus, dass das Stück den schicksalhaften sizilianischen Familienurlaub zum Thema hat und ihn zwingen wird, sich mit der Sicht seiner eigenen Tochter auf ihn zu konfrontieren. Mit viel Humor und viel Feingefühl erzählt dieser Roman von Familie und der Frage, wieviel man sich gegenseitig verzeihen kann.

Weitere Formate

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.06.2026

Sehr interessanter Roman über familiäre Beziehungen

0

Der Roman "Die Scheinheiligen" ist ein scharfsinnig erzählter, vielschichtiger und tiefgründiger Roman über die Eltern-Kind Beziehung. Sophia verbringt 2010 gemeinsam mit ihrem Vater einen vierwöchigen ...

Der Roman "Die Scheinheiligen" ist ein scharfsinnig erzählter, vielschichtiger und tiefgründiger Roman über die Eltern-Kind Beziehung. Sophia verbringt 2010 gemeinsam mit ihrem Vater einen vierwöchigen Urlaub auf Sizilien. Die Eltern sind getrennt, der Vater erfolgreicher Autor und die damals 17-jährige Sophia muss im Urlaub seinen Roman als Assistentin niederschreiben. Im Jahr 2020 während der Pandemie lädt Sophia ihren Vater ein, ihr erstes Theaterstück in London, Covent Garden, auf der Bühne zu sehen, während sie auf der Dachterrasse des Theaters im Restaurant mit ihrer Mutter den Nachmittag verbringt und gespannt auf die Reaktion ihres Vaters wartet. Der Vater ist sehr überrascht, dass das Theaterstück von ihm (und seinen weiblichen Eroberungen) im Sizilienurlaub handelt. Während des Stücks und danach entladen sich viele über Jahrzehnte verdrängte Emotionen zwischen Sophia, ihrem Vater und ihrer Mutter wie ein lange brodelnder Vulkan.

Ich finde das Buch sehr spannend. Der Schreibstil der Autorin ist eindringlich, manchmal brutal ehrlich und teilweise wirklich mitreißend. Die Beschreibung des Theaters und des Sizilienurlaubs sind wunderbar bildhaft und atmosphärisch. Die Autorin springt zwischen den einzelnen Zeitebenen 2010 und 2020 und diversen Perspektiven hin und her. Wir haben als Leser die Gelegenheit, tief in die Gedanken und Gefühle des Vaters, der sich während des Theaterstücks gekränkt und bloßgestellt fühlt, sich aber auch selbst reflektiert, einzutauchen. Auch Sophia, die sich immer noch nach Liebe und Anerkennung ihrer Eltern seht, ihnen aber auch brutal den Spiegel vorhält, lernen wir tiefgehend kennen. Auch die Sichtweise der Mutter, die frustriert ist, so viele gute Jahre mit dem Vater verschwendet zu haben und es als Alleinerziehende nicht leicht hatte, ist sehr interessant dargestellt. Familiäre Bande werden scharfsinnug beobachtet und hervorragend seziert, sodass man sich als Leser gut identifizieren kann.

Das Ganze ist wie ein Theaterstück in vier Teile aufgebaut und sehr interessant sowie spannend erzählt. Besonders gut gefallen hat mir, dass das Buch feine Gesellschaftskritik übt und soviele Themen beinhaltet. Die Themen reichen von der Pandemie und ihre Empfehlungen zur Distanz, über die Revolution der 70er Jahre, die Probleme der Millennials, dem harten Los alleinerziehender Mütter bis hin zu nazisstischen, selbstverliebten Vätern und einer unglücklichen Ehe. Es geht auch um Selbstreflexion, die eigene Wahrnehmung und die Wahrnehmung der Kinder und unterdrückte Emotionen, die sich Bahn brechen, benannt, gefühlt, gelebt und kommuniziert werden möchten. Außerdem geht es auch um Liebe und Verzeihung.

Fazit: Ein eindringliches, vielschichtiges, tiefgründiges und scharfsinnig beobachtetes Werk voller leiser Zwischentöne, das einen zum Nachdenken anregt und noch lange nachhallt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.05.2026

Wenn Familie zur Bühne wird

0

Manchmal reicht ein Familienurlaub, um Jahre später noch ordentlich Sand im Getriebe zu haben. Die Scheinheiligen klingt erst mal nach Vater-Tochter-Roman, aber da steckt deutlich mehr drin. Familie, Kunst, ...

Manchmal reicht ein Familienurlaub, um Jahre später noch ordentlich Sand im Getriebe zu haben. Die Scheinheiligen klingt erst mal nach Vater-Tochter-Roman, aber da steckt deutlich mehr drin. Familie, Kunst, Erinnerung, verletzter Stolz und diese herrlich unangenehme Frage: Wer darf eigentlich wessen Geschichte erzählen?

Sophia verbringt 2010 einen Sommer mit ihrem Vater auf Sizilien. Er ist Schriftsteller, erfolgreich, wortgewandt und offenbar ziemlich verliebt in die eigene Wichtigkeit. Autsch. Zehn Jahre später sitzt genau dieser Vater im Theater und schaut sich das Stück seiner Tochter an. Blöd nur, dass er ziemlich schnell merkt: Moment mal, das bin ja ich. Und zwar nicht gerade in der schmeichelhaften Version.

Was mir daran gefällt: Der Roman scheint nicht plump mit dem Finger zu zeigen. Es geht nicht nur darum, wer recht hat und wer danebenlag. Viel spannender ist dieses leise Knirschen zwischen den Perspektiven. Der Vater sieht sich anders, Sophia sieht ihn anders, und irgendwo dazwischen liegt vermutlich die Wahrheit und trinkt genervt einen Espresso.

Jo Hamya erzählt das mit Witz, Schärfe und Feingefühl. Nicht alles wirkt nach großer Kuscheldecke, eher nach einem elegant gedeckten Tisch, an dem plötzlich jemand die alten Rechnungen rausholt. Genau das macht den Reiz aus.

Für mich ist Die Scheinheiligen ein kluger, leicht bissiger Roman über Familie, Kunst und Vergebung. Kein Buch, das laut schreit, sondern eines, das einem später noch im Kopf herumspukt. Und ja, manchmal sind die scheinheiligsten Menschen eben die, die am schönsten über Wahrheit reden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.05.2026

Nicht das, was ich erwartet habe

0

Sophias Vater ist ein bekannter Schriftsteller. Die Eltern hatten sich früh getrennt. Am meisten erinnert sie sich an seine gedankliche Abwesenheit. Die Mutter weiß noch, wie Sophia ihn damals bei der ...

Sophias Vater ist ein bekannter Schriftsteller. Die Eltern hatten sich früh getrennt. Am meisten erinnert sie sich an seine gedankliche Abwesenheit. Die Mutter weiß noch, wie Sophia ihn damals bei der Hand nahm, im Sommer 2010 im Sizilienurlaub. Wir gehen jetzt, sagte sie zu ihm. Und die Vehemenz, die sie ausstrahlte, mit ihrem pfirsischfleisch verschmierten Mund und ihren klebrigen Händen, ließ ihn sofort vom Sofa aufstehen und ihr folgen. Am Strand setzte sie sich ins Wasser, ihr Vater stellte sie wieder auf die Füße. Sophia hob die Schultern, tippelte weiter und setzte sich wieder. Sophias Mutter beobachtete ihre Tochter. Sie kannte ihre Launen und überlegte, ob sie ihr den Hut würde aufsetzen können oder ob ihre Geduld schon nachließ, aber Sophia lächelte. Sie hatte Spaß am Zerstören der Sandburg ihres Vaters, der sie nicht mitspielen ließ.

Am Abend dann waren sie in einem Restaurant, in das ein Freund Sophias Vaters eingeladen hatte. Sie musste Sophia in die Obhut eines jungen Mädchens geben. Als sie ankamen, saßen weitere vier Paare am Tisch. Sie kannte niemanden und sprach kein Italienisch. Man platzierte sie weit weg von ihrem Mann, am anderen Ende des Tisches.

Viel Jahre später hat Sophia ihre erste Theateraufführung. Sie ist nervös, weil sie ihren Vater eingeladen hat. Was er nicht weiß, das Stück handelt von ihm und einem ihrer gemeinsamen Urlaube im Haus seines Freundes. Die Aufführung stellt ihren Vater nicht so dar, wie er sich gerne sieht und Sophia weiß nicht, wie er reagieren wird.

Fazit: Jo Hamya, Autorin und Journalistin, hat eine Vater-Tochter-Geschichte erzählt. Nachdem sie sich von ihm während Kindheit und Jugend vielfach vernachlässigt fühlte, hat sie ihn in ihrer ersten Theatervorführung auf die Bühne geholt. Das Stück erzählt seine ausschweifenden Liebesabenteuer und seinen Hang, Sophia als Schreibkraft zu missbrauchen, um ihr seine Texte näherzubringen. Greift also sein Alter ego auf und karikiert ihn. Sophia, natürlich von ihrer Mutter gebrieft, die die Trennung nie so recht verwunden hat, hat es damit, ihren Vater an die Öffentlichkeit zu zerren, weit getrieben. Ich mache es kurz. Ich konnte der Geschichte nicht viel abgewinnen. Zu Anfang kam ich schlecht rein, dann fand ich die Rückblicke interessant und dann habe ich nicht verstanden, worum es Sophia eigentlich geht. Ich habe einen mittelalten Mann kennengelernt, der seine Profilneurose lebt, sich selbst zu wichtig nimmt und Bindungsängste kompensiert, so wie viele andere auch. Ich hatte an keiner Stelle das Gefühl, dass diese Rache? gerechtfertigt ist. Vielleicht ging es der Autorin darum zu zeigen, wie Sophia sich von ihrer Mutter manipulieren lässt, das ist aber nur mein Interpretationsversuch. Im Grunde meines Herzens fand ich die Umsetzung der Thematik „schwieriges Vater-Tochter-Verhältnis trivial. Das war nicht meins.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere