Zwischen Begehren und Kontrolle
In ihrem Debütroman Große Gefallen erzählt Lillian Fishman die Geschichte von Eve, einer jungen, queeren Frau, die in Brooklyn lebt. Obwohl sie in einer festen Beziehung mit Romi ist, verspürt sie den ...
In ihrem Debütroman Große Gefallen erzählt Lillian Fishman die Geschichte von Eve, einer jungen, queeren Frau, die in Brooklyn lebt. Obwohl sie in einer festen Beziehung mit Romi ist, verspürt sie den Drang, ihre sexuellen Grenzen zu erkunden. Eines Abends veröffentlicht sie anonyme Nacktfotos von sich im Internet, was zu einer Begegnung mit Olivia und deren Partner Nathan führt. Schnell entwickelt sich eine Dreiecksbeziehung, die zunächst als aufregendes Abenteuer beginnt, jedoch bald in ein komplexes Machtspiel mündet. Nathan beginnt, die beiden Frauen gegeneinander auszuspielen, und Eve findet sich in einem Strudel aus Begehren, Scham und Selbstfindung wieder. Der Roman wirft dabei Fragen über Identität, Lust und die feinen Grenzen zwischen Freiheit und Manipulation auf.
Fishmans Schreibstil ist präzise und schonungslos, wodurch sie die inneren Konflikte der Protagonistin eindringlich darstellt. Die Erzählung aus Eves Perspektive ermöglicht einen tiefen Einblick in ihre Gedankenwelt und ihre Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Erwartungen und persönlichen Wünschen. Die Autorin lotet souverän die Grauzonen zwischen Unterwürfigkeit und Freizügigkeit aus und schafft ein fesselndes Kammerspiel um Grenzüberschreitungen, Lust, Verrat und sexuelle Identität.
Manche Passagen sind sehr detailliert und verlangsamten für mich stellenweise das Tempo der Geschichte. Dennoch bleibt Große Gefallen ein mutiges und provokantes Buch, das dazu anregt, über die Komplexität von Begehren, Macht und Identität nachzudenken. Der Roman hallt noch lange nach und macht neugierig auf weitere Werke von Lillian Fishman.