Cover-Bild Frauenprobleme
(3)
  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 224
  • Ersterscheinung: 27.01.2026
  • ISBN: 9783446285873
Lina Muzur

Frauenprobleme

33 neue Nachrichten
Lina Muzur erhält 33 Sprachnachrichten von Frauen, die in der Mitte des Lebens stehen – eine moderne Bestandsaufnahme einer ganzen Generation und ein kollektives Porträt weiblicher Realität.

Wie leben Frauen heute? Wie gehen sie um mit Schicksalsschlägen, dem gesellschaftlichen Wandel, dem Älterwerden, der Erschöpfung? Dies ist der Versuch einer Bestandsaufnahme, in der die Frauen selbst zu Wort kommen. Frauen, die wütend sind, die alleinerziehend sind, die ihre Heimat verloren haben, ihre Eltern, ihre Nerven. Sie haben kleine oder große Kinder, die sie lieben, aber sie sind zerrissen. Es geht ihnen gut, sagen sie. Sie hatten Glück im Leben, sagen sie. Sie brauchen ihre Freundinnen mehr denn je, sagen sie. 33 Sprachnachrichten von Frauen, die in der Mitte des Lebens stehen, in denen sie offen, intim und halb anonym über all das sprechen, was man mal abfällig Frauenprobleme nannte. Ein Chor weiblicher Stimmen, der unbeschönigt und radikal zeigt, wo eine ganze Generation steht.

Weitere Formate

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.03.2026

33 Stimmen – und plötzlich fühlt man sich nicht mehr allein

0

Frauenprobleme ist keine klassische Erzählung. Kein Roman mit Plot, kein Sachbuch mit Analyse. Es ist ein Chor. Ein kollektives Porträt. 33 Sprachnachrichten von Frauen in der Mitte des Lebens – roh, ehrlich, ...

Frauenprobleme ist keine klassische Erzählung. Kein Roman mit Plot, kein Sachbuch mit Analyse. Es ist ein Chor. Ein kollektives Porträt. 33 Sprachnachrichten von Frauen in der Mitte des Lebens – roh, ehrlich, wütend, müde, hoffnungsvoll.

Und ja: Es ist krass.

Ich habe das Buch gehört – und es war eine unglaublich bereichernde Erfahrung. Diese Stimmen. Diese Offenheit. Dieses halb anonyme, intime Erzählen über das, was man früher abfällig „Frauenprobleme“ nannte. Vereinbarkeit. Erschöpfung. Verlust. Älterwerden. Heimat. Mutterschaft. Wut. Schuld. Sehnsucht. Freundschaft.

Was dieses Buch so besonders macht, ist die Vielstimmigkeit. Unterschiedliche Biografien, unterschiedliche Hintergründe – und doch ziehen sich verbindende Linien durch alles:
Das Gefühl, zerrissen zu sein.
Das Funktionieren.
Das „Es geht mir gut“, obwohl es nicht immer stimmt.
Das Bedürfnis nach Freundinnen, mehr denn je.

Man fühlt sich beim Hören immer wieder verstanden. Man nickt. Man schluckt. Man denkt: Ja. Genau so ist es.
Und das über Generationen hinweg. Es ist, als säße man mit Freundinnen am Tisch. Keine Filter. Kein Schönreden. Aber auch kein Selbstmitleid.

Der Ton ist direkt, ungeschönt, radikal ehrlich – und gerade dadurch tröstlich. Weil er zeigt: Du bist nicht allein mit deinen Gedanken. Nicht allein mit deiner Erschöpfung. Nicht allein mit deiner Wut oder deinem Zweifel.

Es ist eine moderne Bestandsaufnahme – nicht theoretisch, sondern emotional. Kein Manifest, kein Ratgeber, sondern ein Raum. Ein Raum, in dem weibliche Realität nebeneinanderstehen darf.

Fazit:
Ein starkes, kluges, berührendes Projekt.
Wie ein langes Gespräch mit Freundinnen.
Wie ein Spiegel.
Wie ein kollektives Ausatmen.

Ein Buch – oder besser: ein Stimmenchor – der bleibt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.02.2026

33 Sprachnachrichten von Frauen aus dem journalistisch-künstlerischen Milieu

0

Lina Muzur ist Journalistin, Autorin und Verlagsleiterin von Hanser Berlin. Für dieses Buch hat sie Frauen aus ihrem Umfeld gebeten, Sprachnachrichten in der Länge von etwa 15 Minuten aufzunehmen, in denen ...

Lina Muzur ist Journalistin, Autorin und Verlagsleiterin von Hanser Berlin. Für dieses Buch hat sie Frauen aus ihrem Umfeld gebeten, Sprachnachrichten in der Länge von etwa 15 Minuten aufzunehmen, in denen sie von ihren Leben und ihren Herausforderungen erzählen. Es handelt sich dabei um Frauen etwa zwischen Mitte 30 und Mitte 50, alle gut ausgebildet und in anspruchsvollen Berufen im journalistischen, literarischen und künstlerischen Umfeld. Somit ist es sicher kein repräsentativer Schnitt der Frauen dieser Generation in der deutschen Bevölkerung. Dafür handelt es sich um sehr reflektierte Frauen, die sich schon viele Gedanken über ihre Lebensumstände gemacht haben und sich verbal sehr gut ausdrücken können. Manche der Frauen haben Kinder, andere nicht. Alle eint aber die Zerrissenheit und ein Stück weit Überforderung von all den Ansprüchen, die an sie gestellt werden, in einer Zeit der wachsenden Unsicherheit und der multiplen Krisen.

Es geht beispielsweise darum, was sich in uns ändert, wenn wir uns der Mitte des Lebens nähern oder diese überschreiten:

"Meistens finde ich es gut, dass dieses Nicht-mehr-dreißig-Sein, Nicht-mehr-so-emotionsgetrieben-Sein, Nicht-mehr-so-leichtsinnig-Sein, Nicht-mehr-so-impulsiv-Handeln, wie ich das immer gemacht habe, dass das zurückgegangen ist. Und manchmal sehne ich mich doch danach, mal wieder so richtig intensiv fühlen zu können in irgendeiner Art, vielleicht auch mal wieder zu weinen. Vielleicht auch mal wieder verliebt zu sein. Andererseits kann ich mir überhaupt nicht mehr vorstellen, dass mir das passiert." (S. 55)

Ein ganz großes Thema in vielen der Sprachnachrichten ist die schwierige bis fast unmögliche Vereinbarkeit von Familie und einem anspruchsvollen Beruf, die speziell dieser Frauengeneration vermittelte Illusion, man könne alles schaffen, wenn man sich nur genug anstrenge, und die Dauerbelastung und starke Erschöpfung, die damit einhergeht, wie viele Zitate zeigen, von denen ich hier drei exemplarisch ausgewählt habe:

"Aber es ist natürlich auch der Preis der Erschöpfung. Wenn sich jeden Tag Care- und Erwerbsarbeit die Klinke in die Hand geben, wenn der Tag nur funktioniert, wenn wirklich alles klappt, wie es geplant ist, das widerspricht dem Leben von kleinen Kindern. Planung ist der absolute Tod mit kleinen Kindern. Und ich glaube, dass das eine Wirklichkeit ist, die viele leben, darüber spricht man mutmaßlich nicht so viel. Aber es ist kaum zu schaffen nervlich, diese Dauerbelastung ohne Pausen mit kleinen Kindern..." (S. 60)

"Irgendjemand meinte, das Leben sei so ein bisschen wie ein Herd mit vier Flammen. Eine Flamme stände für die Familie, eine für die Karriere, eine für Freundschaft und eine für Gesundheit. Und dass man niemals alle vier Flammen am Laufen halten könne, sondern dass immer eine entweder ganz aus oder auf Sparflamme laufen würde." (S. 91)

"All das kann mir heute zwar keiner mehr nehmen, aber das meiste davon habe ich nur gemacht, weil ich dem Ruf meiner Eltern oder den Vätern der BRD gefolgt bin, die mir gesagt haben, man muss Leistung erbringen. Was ja auch ein Paradox ist. Weil auf der anderen Seite sollst du Kinder haben und eine Familie und eine möglichst gute Ehefrau sein, die ganz viel Care-Arbeit leistet." (S. 141)

Dabei ist auch Thema, dass nach wie vor oft an Frauen ganz andere Erwartungen gestellt werden als an Männer und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für sie damit noch einmal schwieriger ist, wie sich an diesem Zitat zeigt, bei dem eine Frau im beruflichen Kontext dafür angegriffen wird, schwanger zu sein, obwohl sie doch eine verantwortungsvolle Rolle habe:

"Er schaute mich ganz erstaunt an und meinte: "Wie ist das passiert?" Was er damit vermutlich meinte, ist: Wie kannst du es wagen, als Direktorin einer Institution, für die man Verantwortung trägt, auch noch Mutter sein zu wollen?" (S. 91)

Neben diesen Themen geht es auch ein bisschen um Migration, Integration und Heimat-Finden. Lina selbst hat Wurzeln in Bosnien-Herzegowina, die sie in diesem Buch nicht thematisiert, die aber implizit von manchen ihrer Gesprächspartnerinnen angesprochen werden. Außerdem hat sie ein international geprägtes Umfeld, in dem sich einige Frauen finden, die aus anderen Ländern nach Deutschland gezogen sind. Manche der Sprachnachrichten waren ursprünglich sogar auf Englisch und wurden für dieses Buch übersetzt.

Da es sich bei der Auswahl der Befragten um Frauen handelt, die sich in sozialen Milieus bewegen, die meinem (und vermutlich dem vieler Leserinnen solcher Bücher) recht ähnlich sind, habe ich mich mit vielen der Aussagen sehr identifizieren können und mich verstanden und gesehen gefühlt. Dennoch ist mir klar, dass, wie eingangs erwähnt, es sich bei so einem Buch um kein komplettes oder repräsentatives weibliches Generationenporträt handeln kann: dafür stammen die interviewten Frauen zu sehr aus derselben sozialen Blase. Das ist eine kleine Einschränkung in der Bewertung eines sonst sehr lesenswerten und interessanten Buches, das ich insbesondere Frauen in einem ähnlichen Alter, die sich mit dem beschriebenen Sozialmilieu identifizieren können, zur Bestärkung und Erweiterung der eigenen Perspektive sehr empfehlen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.01.2026

Feministische Sozialstudie: Verschiedene Frauenleben im Jahr 2025

0

"Frauenprobleme: 33 neue Nachrichten", herausgegeben von Lina Muzur, lässt 27 unterschiedliche Frauen zu Wort kommen zu den Fragen, wie Frauen heute leben, wie sie mit Mutterschaft, Wechseljahren, dem ...

"Frauenprobleme: 33 neue Nachrichten", herausgegeben von Lina Muzur, lässt 27 unterschiedliche Frauen zu Wort kommen zu den Fragen, wie Frauen heute leben, wie sie mit Mutterschaft, Wechseljahren, dem Älterwerden und den täglichen Belastungen klarkommen.
Diese Frauen sind zwischen 35 und 55 Jahren alt, kinderlos oder Mütter, alleinerziehend oder in einer Partnerschaft. Dadurch sind ganz individuelle Texte herausgekommen, die sehr offen und persönlich sind. Zum Beispiel zum Thema „Erschöpfung“ sehr eindrückliche Worte:

„Aber man spürt ja viel. Die Gefahr beim Spüren ist natürlich, dass man Dinge unterstellt, die vielleicht so nicht sind. Aber ich spüre, dass dadurch, dass ich jetzt seit fast vierzehn Jahren in einem zeitlichen Korsett lebe, das seinesgleichen sucht, und nie zur Ruhe komme, weil die Care-Arbeit die Erwerbsarbeit ablöst und dann wieder die Erwerbsarbeit die Care-Arbeit und alles ineinander übergeht und es einfach keine Pause gibt. Es fällt mir schwer, zu lamentieren, weil ich habe mir das ja gewünscht — und genau das ist die Stimme meiner Mutter. In diesen vierzehn Jahren hat sie nicht ein einziges Mal gesagt: Krass, was du alles machst, kann ich dir irgendwie helfen? Oder mich einfach mal in den Arm genommen oder in irgendeiner Weise Signale des Verständnisses gezeigt für dieses absolute Limit, an dem man läuft. Und ich glaube, dass sie dabei so eine innere Haltung hat, dass sie sich denkt, du hast es dir doch gewünscht mit den Kindern und dem Arbeiten. Und, was wahrscheinlich noch wichtiger ist, dass das Leben von intensiv berufstätigen, well-educated Frauen in den Augen der Mütter als Angriff auf das eigene Lebensmodell empfunden wird. Das ist zumindest meine These, warum meine Mutter meine Erschöpfung so wenig auffangen möchte.“

Die aktuellen Zeiten, die kapitalistische Gesellschaft mit ihrer Hektik und Vereinzelung ist sehr gut getroffen in diesen Worten einer anderen Frau:
„Ich glaube, dass unsere heutige Gesellschaft mit ihrem obersten Herrscher, dem Kapitalismus, und dessen treuestem Soldaten, der Arbeit, aktiv zu unserer Einsamkeit beiträgt. Wir mögen hypervernetzt sein. Sind wir. Wir haben unendlich viele Möglichkeiten, miteinander zu kommunizieren, das Gefühl zu haben, mit anderen in Kontakt zu sein, und doch steht das Tempo unseres Lebens, die Bewegung, die Geschwindigkeit von Informationen, die ständig an uns vorbeiziehen und durch uns hindurchfließen, in krassem Gegensatz zu dem, was wir als Frauen in unseren Körpern erleben — sei es im Alltag oder, in größerem Maßstab. Eigentlich bräuchten solche Ereignisse Zeit, Langsamkeit, Stille. Doch die gibt es heutzutage nicht. Es gibt keine Zeit, keine Langsamkeit, keine Stille.“

Viele Worte haben mich sehr berührt:
„Ich bin jetzt wieder dahin gekommen, was ich am Anfang meines Schreibens für mich ganz natürlich entdeckt hatte, nämlich ohne Eile zu arbeiten, ohne Eile Dinge zu erledigen, ohne Eile durch die Straße zu gehen, ohne Eile schon den Schlüssel irgendwie zehn Minuten vor meiner Tür aus der Tasche zu holen, sondern mir zu sagen: Da, wo ich bin, da bin ich richtig, und da muss ich mich nicht beeilen. Und ich denke, das ist sehr wichtig, auch, das meinem Kind vorzuleben, denn das ist für mich seismografisch sozusagen einsehbar, dass mein Körper und meine inneren Haltungen, wenn sie auch nicht ausgesprochen werden, sich als ein großer Spiegel in mein Kind einschreiben. Mein Kind ist die Fortsetzung meiner inneren Haltungen, und darin fühle ich eine große Verantwortung und auch eine große Liebe und eine große Freude, mich in diesem neuen Sehen, in dieser neuen Haltung, in dieser neuen Langsamkeit zu üben. Und wenn ich es vergesse, denke ich ein bisschen zurück an Ilse Aichinger, die diesen wunderschönen Satz gesagt hat: ‚Die Langsamkeit ist die Freundin.‘ Und wenn ich ganz heftig unter Druck stehe und alles unerreichbar scheint, denke ich mir: Die Langsamkeit ist die Freundin. Und dann mache ich mir einen Kaffee und denke, erst einmal trinke ich bitte diesen Kaffee und dann schaue ich, was ich heute meistern kann und was nicht, denn dann wird heute nur das Mögliche möglich gewesen sein.“

Ein sehr vielschichtiges Buch mit vielen Denkanstößen. Ich vergebe hier 4/5 Sterne und eine eindeutige Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Hanser Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere