Die zweite Chance?
Die MitternachtsreiseEs trifft doch immer wieder zu, das allseits bekannte Zitat "Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden." - doch was tut man mit dieser Erkenntnis in der Retrospektive? So einfach ...
Es trifft doch immer wieder zu, das allseits bekannte Zitat "Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden." - doch was tut man mit dieser Erkenntnis in der Retrospektive? So einfach geht im normalen Leben natürlich nicht, aber Matt Haig hat da eine bessere Idee - der Mitternachtszug - Sterben, Einsteigen, Losfahren, Revue passieren lassen, Verstehen. Und verändern? Nein, so ist das eigentlich nicht gedacht, aber der Wilbur sieht das etwas anders, hadert er doch mit so mancher Entscheidung in seinem Leben, die am Ende zum Verlust seiner großen Liebe Maggie geführt haben.
Mit Agnes, der ehemaligen Besitzerin seines später eigenen Buchladens macht er sich nach seinem plötzlichen Tod auf die Reise durch sein Leben, der Zug hat sein eigenes Tempo und verweilt auch in Szenen seines Lebens, die Wilbur eigentlich nicht noch einmal durchleben möchte. Es muss ein seltsames Gefühl sein, sich selbst dabei zu beobachten, wie man auf die großen Fehler seines Lebens zusteuert. Jeder kennt wohl das Gefühl, dass man irgendwas hätte besser machen können im Leben oder an manch einer Stelle anders hätte abbiegen sollen. Aber ist das nicht irgendwie auch ein wichtiger Teil unseres Lebens mit all seinen Lernprozessen? Gibt es denn wirklich diese eine Entscheidung im Leben, mit der alles gut geworden wäre?
Ich habe während des Lesens immer ein wenig auf die entscheidende Quintessenz gewartet, die ich in "Die Mitternachtsbibliothek" so wunderbar fand, leider hat sich diese für mich in dem Buch nicht aufgetan, so dass es in diesem Roman eher der von Matt Haig gewohnte wunderbare Schreibstil war, der mich abgeholt hat, die Story dafür nicht ganz so sehr. Ich habe noch Fragen und die Auflösung brachte leider nicht den erwarteten Aha-Effekt zum Schluss bzw. war mir das Ende schlussendlich ehrlicherweise auch zu platt und zu kurz gedacht.