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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.05.2026

Die zweite Chance?

Die Mitternachtsreise
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Es trifft doch immer wieder zu, das allseits bekannte Zitat "Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden." - doch was tut man mit dieser Erkenntnis in der Retrospektive? So einfach ...

Es trifft doch immer wieder zu, das allseits bekannte Zitat "Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden." - doch was tut man mit dieser Erkenntnis in der Retrospektive? So einfach geht im normalen Leben natürlich nicht, aber Matt Haig hat da eine bessere Idee - der Mitternachtszug - Sterben, Einsteigen, Losfahren, Revue passieren lassen, Verstehen. Und verändern? Nein, so ist das eigentlich nicht gedacht, aber der Wilbur sieht das etwas anders, hadert er doch mit so mancher Entscheidung in seinem Leben, die am Ende zum Verlust seiner großen Liebe Maggie geführt haben.

Mit Agnes, der ehemaligen Besitzerin seines später eigenen Buchladens macht er sich nach seinem plötzlichen Tod auf die Reise durch sein Leben, der Zug hat sein eigenes Tempo und verweilt auch in Szenen seines Lebens, die Wilbur eigentlich nicht noch einmal durchleben möchte. Es muss ein seltsames Gefühl sein, sich selbst dabei zu beobachten, wie man auf die großen Fehler seines Lebens zusteuert. Jeder kennt wohl das Gefühl, dass man irgendwas hätte besser machen können im Leben oder an manch einer Stelle anders hätte abbiegen sollen. Aber ist das nicht irgendwie auch ein wichtiger Teil unseres Lebens mit all seinen Lernprozessen? Gibt es denn wirklich diese eine Entscheidung im Leben, mit der alles gut geworden wäre?

Ich habe während des Lesens immer ein wenig auf die entscheidende Quintessenz gewartet, die ich in "Die Mitternachtsbibliothek" so wunderbar fand, leider hat sich diese für mich in dem Buch nicht aufgetan, so dass es in diesem Roman eher der von Matt Haig gewohnte wunderbare Schreibstil war, der mich abgeholt hat, die Story dafür nicht ganz so sehr. Ich habe noch Fragen und die Auflösung brachte leider nicht den erwarteten Aha-Effekt zum Schluss bzw. war mir das Ende schlussendlich ehrlicherweise auch zu platt und zu kurz gedacht.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

Ergreifend

Das Jahr voller Bücher und Wunder
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Es gibt Bücher, die ziehen einen in ihren Bann, obwohl man zwischendurch überlegt, ob man weiterlesen kann, weil einen der Herzschmerz so packt. Eigentlich sind Bücher für mich Fiktion und ich nehme das ...

Es gibt Bücher, die ziehen einen in ihren Bann, obwohl man zwischendurch überlegt, ob man weiterlesen kann, weil einen der Herzschmerz so packt. Eigentlich sind Bücher für mich Fiktion und ich nehme das auch bewusst so war, jedoch gibt es Themen, die wenig an einem abprallen können und der Verlust des Partners gehört dazu. Man stellt sich unweigerlich die Frage, wie und ob überhaupt man nach so einem Schicksalsschlag weitermachen kann und da ist die Erwartungshaltung und der Umgang des eigenen Umfelds noch gar nicht einkalkuliert. Libby Page schaffte es, mir Tillys Gedankenwelt so offen zu legen, dass ich einfach völlig in diesem Buch versunken bin. Es ist einfach ohne Schnickschnack und mitten aus dem Leben. Ich war skeptisch, wie ich die Entwicklung zwischen Alfie und Tilly sehen soll, Liebesromane sind halt so gar nicht mein Ding, aber es passte gut in die ganze Story, auch wenn sowas natürlich nicht komplett ohne Kitsch auskommt.

Aber am Ende geht es um Bücher und das lässt mein Herz höher schlagen. Der Stil ist sehr angenehm zu lesen, durch die einzelnen (Buch)-Monate hat das Buch im Prinzip zwölf Kapitel, an jedem befinden sich noch ein paar Buchtipps (wirklich schöne Idee), Chatnachrichten stehen als Chatnachrichten im Text (keine Angst, das kommt gar nicht so oft und wenn dann passend vor) und so ist man am Ende selbst immer gespannt, welches Buch Joe für Tilly als nächstes ausgesucht hat und in der Bücherei auf sie wartet.

Ich habe es wirklich verschlungen und werde mir dann wohl auch weitere Bücher der Autorin mal genauer anschauen.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Gelungene Auferstehung!

Die Auferstehung
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Ich muss ja gestehen, dass ich die Drei ??? früher tatsächlich nie gehört habe. Mein Mann ist großer Fan von Ihnen und jetzt verstehe ich auch wieso! Ich hatte ein wenig Angst, dass ich die Vorgeschichte ...

Ich muss ja gestehen, dass ich die Drei ??? früher tatsächlich nie gehört habe. Mein Mann ist großer Fan von Ihnen und jetzt verstehe ich auch wieso! Ich hatte ein wenig Angst, dass ich die Vorgeschichte für das Buch benötige, diese wurde mir jedoch genommen und das zu Recht. Man kann da Buch beruhigt auch so lesen.

Von Beginn an hat mich allein schon die Frage in Beschlag genommen, warum die Drei ??? nicht mehr zusammen ermittelt haben, was ist passiert, dass dieses eingeschworene Trio getrennte Wege ging? Zeitgleich galt es natürlich auch herauszufinden, ob die (un)bekannte Frau aus dem brasilianischen Dschungel wirklich die ist, die sie vorgibt zu sein. Wer erzählt die Wahrheit und wer lügt? Und wer verfolgt welche Interessen? Es ist zwischendurch gar nicht so einfach zu entscheiden, wem man jetzt Glauben schenkt.

So rast man förmlich durch das Buch und bei jedem Kapitel denkt man sich "Oh, na gut, eins lese ich noch vor dem Schlafengehen." Der Schreibstil ist typisch Eschbach locker fluffig und entspannt, es hat Spaß gemacht, das Buch zu lesen und vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung, jetzt wo Justus, Peter und Bob wieder zusammengefunden haben.

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Veröffentlicht am 05.08.2025

Sturm und inneres Chaos

Windstärke 17
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Nach 22 Bahnen wartet Caroline Wahl nun mit dem Fortsetzungsroman auf, der sich diesmal um das Leben von Tildas Schwester Ida dreht.
Diese verlässt nach dem Tod der Mutter das gemeinsame Zuhause nur mit ...

Nach 22 Bahnen wartet Caroline Wahl nun mit dem Fortsetzungsroman auf, der sich diesmal um das Leben von Tildas Schwester Ida dreht.
Diese verlässt nach dem Tod der Mutter das gemeinsame Zuhause nur mit einem kaputten Koffer und ihrem MacBook ohne Plan, wohin die Reise gehen soll.

Wie so oft im Buch kommen bereits bei Abreise die zwiespältigen Gefühle Idas zum Vorschein. Sie will zu ihrer Schwester, aber eigentlich auch nicht und so findet sie sich am Ende auf der Insel Rügen wieder, ergattert mehr zufällig einen Job in der Robbe und lernt dort Knut und seine Frau Marianne kennen, die sich im Laufe des Buchs fast ein wenig als die vielleicht insgeheim ersehnten Ersatzeltern herausstellen.

Caroline Wahl hat es geschafft, mich mit diesem Buch zu verzaubern. Der eigentlich eigenwillige, abgehackte Schreibstil mit teils gar nicht so leicht zu lesenden Übergängen zwischen Gedanken und gesprochenem Wort, Erinnerungen und Gegenwart machen das Buch aber am Ende aus und vermitteln so auf unfassbar passende Weise Idas Zerrissenheit und ließen mich die Gefühle förmlich spüren. Zwischendurch hätte ich Ida immer gern mal geschüttelt und sie aufgefordert, einfach das zu tun, was sie wirklich möchte, ohne sich immerzu wieder geplagt vom eigenen Schmerz selbst zu geiseln und für die Vergangenheit zu bestrafen.

Windstärke 17 ist ein mehr als treffender Titel für dieses teilweise orkanartige Leben von Ida, ich hätte so gern noch weitergelesen und fast traurig als das Buch fast schon abrupt endete.

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Veröffentlicht am 17.07.2025

Das verlassene Dorf

Der dunkle Sommer
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Das Buch habe ich tatsächlich erst nach einer Empfehlung begonnen zu lesen, klang mir der Klappentext doch gar zu klischeehaft und abgedroschen. Zum Glück habe ich mich anders entschieden.

Tilda kauft ...

Das Buch habe ich tatsächlich erst nach einer Empfehlung begonnen zu lesen, klang mir der Klappentext doch gar zu klischeehaft und abgedroschen. Zum Glück habe ich mich anders entschieden.

Tilda kauft in einem verlassenen italienischen Dorf ein Haus für einen Euro, um es restaurieren zu lassen. Warum das Haus so günstig zu haben und Dorf verlassen ist, stellt sich bald heraus und man erkennt, dass es schlussendlich um die Aufklärung des damals stattgefundenen Massakers geht.

Hier kann man bald gar nicht mehr schreiben, ohne zwangsläufig zu spoilern. Das Buch ist seit langem mal wieder eines mit wirklich gelungenen Plot Twists, die nicht zwanghaft konstruiert sondern wirklich überraschend wirken. So ist man beim Lesen jedes Kapitels gespannt, was nun wieder an's Licht kommt und welche Rolle die wenigen, aber dafür intensiv beteiligten Personen spielen. Am Ende ist alles anders, als es scheint und die Überraschung ist zumindest mir gegenüber sehr gelungen. Danke an Vera Buck für diese unterhaltsame, kurzweilige Sommerlektüre mit Spannungsgarantie!

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