Eine große Zugreise nach dem TOD ergibt eine wunderbare Geschichte über das LEBEN
Willbur Budd stirbt um kurz nach Mitternacht. Er ist immerhin 81 geworden und Außenstehende würden sagen: Er hatte ein erfülltes, erfolgreiches Leben: Geboren in Armut hat er es geschafft, eine große Buchhandelskette ...
Willbur Budd stirbt um kurz nach Mitternacht. Er ist immerhin 81 geworden und Außenstehende würden sagen: Er hatte ein erfülltes, erfolgreiches Leben: Geboren in Armut hat er es geschafft, eine große Buchhandelskette aufzubauen, er wurde reich, lebte in einem großen Haus. Noch im hohen Alter fängt er an, Klavier zu spielen, an seinem letzten Lebenstag verabschiedet er sich noch fröhlich von seiner Lehrerin. Er spürt einen Schmerz in der Brust, und es ist sein Gärtner der ihn findet und ins Krankenhaus bringen lässt. Nachdem er also um kurz nach Mitternacht seinen letzten Atemzug getan hat, findet er sich plötzlich an einem alten Zug, gezogen von einer Dampflokomotive mit der er als Kind gespielt hat, wieder. Im selben Waggon sitzt die längst verstorbene Buchhändlerin Agnes Bagdale, deren Laden er übernommen und die den Grundstein für seinen Erfolg gelegt hat. Agnes erklärt ihm, wie es jetzt weitergeht: Er wird eine Zugreise machen, dabei an verschiedenen Stellen aussteigen können – manchmal auch müssen -, um sein Leben noch mal Revue passieren zu lassen. Lauter wichtige Ereignisse die ihn geprägt haben, im Guten wie im Schlechten. Denn im laufe eines 81jährigen Lebens gibt es Scheitern und Erfolg, Liebe und Enttäuschung in Hülle und Fülle. Willbur sieht sich zum Beispiel an dem Abend, an dem er seinen Bruder verliert. Er sieht die große Liebe seines Lebens und den Kummer den er ihr bereitet, glückliche Stunden auf der Hochzeitsreise nach Venedig, einsame Stunden in einem viel zu großen Haus das nicht zur Heimat wird. Und plötzlich ist da noch ein zweiter Willbur: Dieser liegt träumend in einem Bett in Venedig und bekommt einen Blick in die Zukunft, der ihm eigentlich hätte verwehrt werden müssen. Kann dieser, nach dem er wieder erwacht, Willburs Leben auf ein anderes Gleis und in eine andere Bahn setzen..?
Meine Meinung: Die Bücher von Matt Haig sind allesamt zutiefst bewegend und emotional. So auch „Die Mitternachtsreise“. Die Geschichte ist wunderschön geschrieben, man freut sich und man leidet mit Willbur während er sein Leben noch einmal erleben darf. Wenn man nah am Wasser gebaut ist, mag man auch ein Tränchen vergießen. Aber immer will man weiterlesen und erfahren, was aus dem toten Willbur am Ende der Mitternachtsreise wird… Reisen Sie mit, lesen Sie mit – es lohnt sich! In Sternen ausgedrückt = sehr gerne volle fünf von fünf Sterne!