Ein Funke Menschlichkeit
Solange ein Streichholz brenntChristian Huber gelingt mit „Solange ein Streichholz brennt“ ein Roman, der zugleich berührt, aufrüttelt und mit einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte überrascht. Im Mittelpunkt stehen zwei Menschen, deren ...
Christian Huber gelingt mit „Solange ein Streichholz brennt“ ein Roman, der zugleich berührt, aufrüttelt und mit einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte überrascht. Im Mittelpunkt stehen zwei Menschen, deren Lebensrealitäten kaum weiter voneinander entfernt sein könnten: Bohm, der seit Jahren auf der Straße lebt, und Alina, eine junge Journalistin, die in der Medienwelt Kölns um berufliche Anerkennung kämpft.
Schon früh wird deutlich, wie feinfühlig Huber seine Figuren zeichnet. Die wechselnden Perspektiven ermöglichen einen unmittelbaren Zugang zu ihren Gedanken und Verletzlichkeiten. Diese Genauigkeit macht die Annäherung der beiden glaubwürdig – leise, vorsichtig und getragen von kleinen Gesten, die mehr sagen als große Worte.
Die Metapher des Streichholzes zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung. Für Bohm ist es ein alltägliches Werkzeug, für Alina wird es zum Sinnbild dafür, Dinge aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Huber nutzt dieses Bild, um die fragile Verbindung zwischen zwei Menschen zu erzählen, die einander eigentlich nie hätten begegnen sollen.
Besonders eindrucksvoll ist die Gegenüberstellung zweier Welten: der harte, oft entwürdigende Alltag auf der Straße und der oberflächliche Druck der Medienbranche. Huber zeigt beides ohne Übertreibung, aber mit einer Klarheit, die nachhallt. Die Szenen, in denen Bohm in Mülltonnen wühlt oder Alina in der Redaktionskonferenz um ihre journalistische Haltung kämpft, sind so eindringlich erzählt, dass sie sich unmittelbar vor dem inneren Auge entfalten.
Der Roman gewinnt zunehmend an Tempo, ohne seine emotionale Tiefe zu verlieren. Spannung entsteht nicht durch künstliche Dramatik, sondern durch die Frage, wie viel Nähe zwei Menschen zulassen können, die so unterschiedliche Erfahrungen mit Vertrauen, Verlust und Verantwortung gemacht haben. Die Beziehung zwischen Bohm und Alina entwickelt sich behutsam und bleibt dabei stets glaubwürdig – fern von Kitsch, aber voller Wärme.
Huber gelingt es, schwere Themen wie Obdachlosigkeit, Sucht, gesellschaftliche Vorurteile und mediale Ausbeutung so zu erzählen, dass sie berühren, ohne zu erdrücken. Gleichzeitig bleibt Raum für Humor, Hoffnung und zarte Momente, die zeigen, wie viel Menschlichkeit selbst in den brüchigsten Lebenssituationen steckt.
„Solange ein Streichholz brennt“ ist ein Roman, der nachdenklich macht und gleichzeitig tief bewegt. Er zeigt, wie schnell ein Leben aus der Bahn geraten kann – und wie viel Mut es braucht, sich einem anderen Menschen zu öffnen. Ein Buch, das man kaum aus der Hand legt und dessen Figuren man noch lange im Kopf behält.