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Veröffentlicht am 23.11.2020

diesen überdreht wirkenden Stil muss man mögen

Die Romanfabrik von Paris
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Der historischen Roman „Die Romanfabrik von Paris“ spielt im Jahr 1850 und stellt den damals sehr bekannten Autor Alexandre Dumas in den Mittelpunkt. Dumas hat mit seinen Abenteuerromanen wie „Die drei ...

Der historischen Roman „Die Romanfabrik von Paris“ spielt im Jahr 1850 und stellt den damals sehr bekannten Autor Alexandre Dumas in den Mittelpunkt. Dumas hat mit seinen Abenteuerromanen wie „Die drei Musketiere“ oder „Der Graf von Monte Christo“ einen ungewöhnlichen Weg der Veröffentlichung gewählt, denn diese sind zunächst nicht in Buchform veröffentlicht worden, sondern als Fortsetzungsgeschichten in der Zeitung und errichten damit ein breites Publikum. Dumas ist kreativer Kopf hinter den Geschichten, hat jedoch einige Lohnschreiber beschäftigt, die für die Ausarbeitung der Geschichten zuständig waren. Der Stil seiner oft sehr freizügigen Geschichten trifft allerdings nicht jedermanns Geschmack, im Roman ist es die junge Deutsche Witwe Anna Moll, die mit allen Mitteln die weitere Veröffentlichung von Dumas anstößigen Geschichten zu verhindern sucht.
Doch der umtriebige Dumas wird zur selben Zeit in politische Machenschaften verstrickt und muss außer Landes fliehen. Unversehens finden sich Dumas und Anna Moll in der Situation wieder, dass sie gegen die selben Mächte kämpfen, die ungleichen Charaktere verbünden sich und geraten in ein Abenteuer, das gut Dumas Fantasie entsprungen sein könnte.
Dirk Husemann bedient sich nicht nur des Mittels seiner Hauptfigur, fiktive Charaktere mit historischen Ereignissen und Figuren zu verknüpfen, auch sprachlich und inhaltlich ist seine Roman an die Abenteuergeschichten Dumas angelehnt. Das passt zwar gut zu der Geschichte, trifft aber wie das Original nicht jedermanns Geschmack. So ist die Erzählung oft überspitzt, es gibt viele Zufälle, die Anzahl der auftretenden Charaktere ist begrenzt, ihre Wege kreuzen sich auf wundersame Weise immer wieder. Die Figur Alexandre Dumas’ kommt in meinen Augen nicht besonders gut weg, er wird als sehr egozentrisch geschildert, agiert teils sehr manisch und wirr.
Auch wenn der Erzählstil authentisch wirkt, konnte ich mit der Geschichte nicht wirklich warm werden, mir ist vieles zu dick aufgetragen, zu unrealistisch und konstruiert. Man findet durchaus spannende Szenen, diese leiden jedoch daran, dass sie zu sehr überzeichnet sind und die Handlungen zu sehr ins Lächerliche gezogen werden.
Handwerklich ist der Roman gut gemacht, mein Fall ist er nicht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.11.2020

eine schöne Mischung aus klassischen Weihnachtsrezepten und neuen Ideen

Rachs Rezepte für Weihnachten
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Das Weihnachtsfest und die Adventszeit sind für viele geprägt durch Rituale und Traditionen. Christian Rach vereint in seinem Kochbuch „Rachs Rezepte für Weihnachten“ aus der Reihe der Autoren-Kochbücher ...

Das Weihnachtsfest und die Adventszeit sind für viele geprägt durch Rituale und Traditionen. Christian Rach vereint in seinem Kochbuch „Rachs Rezepte für Weihnachten“ aus der Reihe der Autoren-Kochbücher des GU-Verlags, traditionelle Rezepte für Plätzchen, Weihnachtsmenüs und kulinarische Geschenke mit neuen Ideen für festliche leibliche Genüsse. So findet man Rezepte für den weihnachtlichen Karpfen oder „Königinpastetchen mit Ragout fin“, die mich sofort an Heilig Abende meiner Kindheit erinnert haben, und einen Entenbraten als Alternative für die klassische Gans, die eher für die Großfamilie taugt. Wem das zu traditionell ist, der findet vielleicht an den exotischen Menüs gefallen, die asiatische inspiriert sind und nicht nur zu Weihnachten an einer festlichen Tafel etwas hermachen. Dazu findet man Ideen für ein vegetarisches Menü und auch eine Variante für den Abend zu zweit, während der Großteil der Rezepte für eine gesellige Runde mit 6 Personen ausgelegt sind.
Für mich kommt diese Rezeptsammlung genau zur rechten Zeit, da bei uns in der Familie gerade ein Generationswechsel stattfindet. Bislang war es zumeist meine Mutter, die uns zu Weihnachten festlich bewirtet hat, nun bin ich es, die für meine Familie eigene Traditionen schaffen möchte, gerne mit einer Mischung aus Altbewährtem und der heutigen Zeit angepassten Variationen.
Neben der übersichtlichen Gestaltung der Rezepte gefallen mir die Tipps zur Zeitplanung besonders gut. Als berufstätige Mutter ist es eine Herausforderung, neben den üblichen Weihnachtsvorbereitungen ein Drei-Gänge-Menu auf den Tisch zu zaubern, hier kann ich mich gut an den Angeben orientieren, was schon 1-2 Tage vorher vorbereitet werden kann, und was an den Festtagen in welcher Reihenfolge zu erledigen ist.
Angaben zu den Nährwerten finden man nicht, aber an Festtagen sollte man auch lieber unbeschwert genießen, Kalorienzählen kann man in den restlichen Tagen des Jahres. In den Zutatenlisten findet man erfreulicherweise vieles, das zumindest bei mir zum üblichen Kochsortiment gehört, als Exoten sind mir in erster Linie schwarzer Wintertrüffel und Wachteleier aufgefallen.
Ich habe noch nicht viel ausprobieren können, das Kochbuch aber mit einigen Lesezeichen gespickt und schon ein Menü für Weihnachten zusammen gestellt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.11.2020

ein grandioser skandinavischer Krimi, spannend, skurril und unterhaltsam

Wolfssommer
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Haparanda ist eine beschauliche Stadt im Norden Schwedens unweit der finnischen Grenze. Mit der Ruhe ist es vorbei, als in der Nähe der Stadt zwei Tote Wölfe gefunden werden, die offenbar Menschenfleisch ...

Haparanda ist eine beschauliche Stadt im Norden Schwedens unweit der finnischen Grenze. Mit der Ruhe ist es vorbei, als in der Nähe der Stadt zwei Tote Wölfe gefunden werden, die offenbar Menschenfleisch gefressen haben. Das Opfer ist schnell gefunden, es handelt sich um einen Mann, der den Spuren nach zu urteilen bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Aber wie konnte das in dieser einsamen Gegend passieren?
Dieser auf den ersten Blick unscheinbare Mord offenbart bald seine Verbindung zum organisierten Verbrechen und führt nicht nur zu unerwarteten Verwicklungen, sondern auch schnell zu mehr Toten, als die Polizei von Haparanda zu handhaben vermag.
Wechselnde Perspektiven sorgen für eine Nähe zu den Charakteren, die oft mit ganz eigenen Sorgen und Problemen zu kämpfen haben. Die persönlichen Geschichten verschiedener Personen spielen eine nicht unerhebliche Rolle, was jedoch der Spannung nicht schadet, sondern für eine besondere Atmosphäre und große Authentizität sorgt trotz der in ihrer Entwicklung skurril anmutenden Geschichte. Dazu trägt auch bei, dass der Krimi trotz einiger brutalen Szenen oft wie mit einem Augenzwinkern erzählt.
Sehr schön fand ich die Zwischensequenzen, In denen wie in einer Art Kameraschwenk in kleinen Szenen das Leben des Ortes beleuchtet wird. Auf sehr spitzfindige Art wird die Stimmung des Ortes eingefangen, aber auch aufgezeigt, dass sich hinter den idyllischen Fassaden viele kleine Geheimnisse verbergen.
Auch in anderen Szenen merkt man dem Krimi an, dass der Autor Erfahrung im Schreiben von Drehbüchern gesammelt hat; die Geschichte ist in vielen lebendigen Bildern erzählt, es gibt immer wieder überraschende Wendungen, viele kleine Details runden die Geschichte ab, der Schreibstil ist spannend und unterhaltsam zugleich.
Bei der Hörbuchfassung des Audiobuch-Verlags gelingt es des Sprecherin Vera Teltz großartig, die Stimmungen des Buches einzufangen und die Szenen mit passendem Tempo und Betonungen lebendig werden zu lassen.
Dieser Krimi ist mit seiner subtilen Geschichte genau nach meinem Geschmack, so dass ich mich auf eine Fortsetzung freue und gespannt bin, was die Nachforschungen der örtlichen Polizisten Hannah Wester ergeben werden.

  • Cover
  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 09.11.2020

Brotbackbuch mit Herzblut

Lutz Geißlers Almbackbuch
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Wer sich schon einmal mit einem der Brotbackbücher von Lutz Geißler beschäftigt hat oder seinen Blog durchstöbert, der weiß, wie ansteckend seine Begeisterung fürs Brotbacken ist und wie groß seine Passion ...

Wer sich schon einmal mit einem der Brotbackbücher von Lutz Geißler beschäftigt hat oder seinen Blog durchstöbert, der weiß, wie ansteckend seine Begeisterung fürs Brotbacken ist und wie groß seine Passion dafür. Im „Almbackbuch“, erschienen im September 2020 im Verlag Eugen Ulmer, wird dies noch einmal besonders deutlich und mischt sich mit der Liebe zu einer ganz besonderen Alm in der Rauriser Alpen, auf der Lutz Geßler in Roswitha eine Seelenverwandte gefunden hat. Gemeinsam geben sie in Brotbackkursen in der Abgeschiedenheit auf der Alm die Feinheiten der Brotbackkunst weiter und entwickeln mit den Teilnehmern neue Rezepte.
Der Leser bekommt auf den ersten Seiten einen Einblick in die Faszination und Geschichte der Region, die wie geschaffen dafür ist, sich auf die in Vergessenheit zu geraten drohenden Kunst des Brotbackens zu beschäftigen.
Das Buch ist eher für Hobbybäcker mit ein wenig Erfahrung geeignet. Es gibt zwar einige grundlegende Informationen zu benötigten Geräten, Materialien und Techniken, diese sind jedoch vergleichsweise knapp gehalten. Mir haben die Informationen zum Ansetzen von Sauerteigen gut geholfen, mit denen ich bislang wenig Glück hatte, während ich nun erfolgreich je einen Roggen- und Dinkel-Sauerteig hege und pflege.
Die Rezepte sind zwar einerseits sehr exakt berechnet mit Mengen, die auch mal auf zwei Nachkommastellen genau angegeben sind, in der Praxis benötigt man dann aber doch ein wenig Gefühl und Erfahrung, um für die Teige die richtige Konsistenz einstellen zu können.
Mit seinen 460 Seiten bringt der Band nicht nur einiges Gewicht mit sich sondern auch mehr als 100 Rezepte aus verschiedenen Kategorien. Schwerpunkte liegen bei Roggen- und Roggenmischbroten, sowie Weizen- und Weizenmischbroten, aber auch Dinkel und seltene Saaten finden ihren Platz. Dazu kommt verschiedenes Klein- und Feingebäck, mal herzhaft mal süß, als Laugen- oder auch als Blätterteigvariante. Ich konnte mir zunächst nicht vorstellen, in einem süßen Hefeteig für Blechkuchen Reste eines Sauerteigs zu verwerten, doch das Ergebnis hat mich mehr als überzeugt.
Neben der übersichtlichen Gestaltung des Buches mit großen Bildern und immer wieder eingestreuten kleinen Anekdoten und Zusatzinformationen, gefallen mir die zeitlichen Planungsbeispiele für die einzelnen Rezepte besonders gut. Man kann so auf einen Blick einschätzen, welche Zubereitungsschritte notwendig sind und welche Zeitspannen man zum Reifen, Zubereiten und Backen der Teige einplanen muss. In den eingerahmten Übersichten sind zudem die Zutaten schnell ersichtlich, auch die Zubereitungsschritte sind vorbildlich übersichtlich angeordnet.
Meine bisherigen Backversuche aus dem Buch sind nicht alle auf Anhieb gelungen, doch Übung macht den Meister und der Geschmack war meist überzeugend. Bis ich mich durch die Rezepte durchgetestet habe, wird noch einige Zeit vergehen und das Backbuch mich sicher noch eine zeitlang begleiten. Das Schwarzbrot mit Sonnenblumenkernen, die Sonntags-Dinkelbrötchen, Tonis Brot und das Vierkornbrot sind aber auf Wunsch meiner Familie schon fest in mein Backsortiment mit aufgenommen worden.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.10.2020

eine komplexe, faszinierende aber auch erschreckende Zukunftsvision

Eines Menschen Flügel
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Der aktuelle Roman von Andreas Eschbach mit dem Titel „Eines Menschen Flügel“ entführt den Leser in eine sehr fremdartige Welt und verlangt mit seinen mehr als 1200 Seiten einiges an Ausdauer.
Die Geschichte ...

Der aktuelle Roman von Andreas Eschbach mit dem Titel „Eines Menschen Flügel“ entführt den Leser in eine sehr fremdartige Welt und verlangt mit seinen mehr als 1200 Seiten einiges an Ausdauer.
Die Geschichte spielt in ferner Zukunft auf einem fremden Planeten, der gut 1000 Jahre zuvor von einer kleinen Gruppe von Ahnen besiedelt wurde. Da der Boden des Planeten in weiten Teilen aufgrund eines nicht ergründbaren Phänomens beim Betreten tödlich wirkt, haben die Ahnen ihre Nachkommen genetisch so verändert, dass sie Flügel besitzen und sich in dort wachsenden Riesenbäumen ansiedeln können. Die Menschen leben in überschaubaren Gemeinschaften unter einfachen Bedingungen in teils erstaunlicher Harmonie nach den Regeln, die ihnen von den Ahnen in sorgfältig gehüteten Büchern mitgegeben wurden.
Ein Junge aus dem Stamm der Wen kann sich jedoch nicht damit anfinden, dass es den Menschen angeblich nicht möglich sein soll, die Grenze des Himmels zu durchstoßen und die Sterne zu sehen, die dahinter verborgen sind. Er beginnt mit unerschütterlichem Ehrgeiz zu trainieren und Flugtechniken zu entwicklen, die ihn bis zu den Sternen vorstoßen lassen. Er ahnt nicht, dass er damit Ereignisse in Gang setzt, die für die Existenz der Menschen auf diesem Planeten lebensbedrohlich sind.
Der Einstieg in die Geschichte ist nicht einfach, viele Begriffe sind fremd, es tauchen eine Vielzahl von Charakteren auf, deren fremdartige Namen erst einmal schwierig zu merken sind. Diese Vielfalt wird von einigen Lesern als verwirrend kritisiert, in meinen Augen macht gerade die Komplexität des Romans viel von seinem Charme und seiner Faszination aus. Zudem ergibt sich gerade in Bezug auf die Namensgebung schnell eine logisch nachvollziehbare Systematik und es kristallisieren sich einige Hauptfiguren heraus, denen die Geschichte in den einzelnen Handlungssträngen folgt.
Trotz der Länge des Romans schafft es Eschbach, den Spannungsbogen in weiten Teilen hoch zu halten und nebenbei weitere Details dieser komplexen Welt darzulegen. Den Mittelteil habe ich jedoch als etwas in die Länge gezogen empfunden, da zeitgleiche Ereignisse aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden, während spannende Szenen mit einem Cliffhanger enden und erst etliche Kapitel später wieder aufgegriffen werden.
Doch die Fäden laufen auch immer wieder zusammen, man kann es so beschreiben, dass sich aus vielen verschiedenen Bildern Schritt für Schritt ein Gesamtwerk entwickelt.
Es gab zwischendurch Momente, in denen ich die Erzählung und die Darstellung der Menschen sehr naiv fand, im Verlauf wird jedoch deutlich, wieso diese Welt so funktioniert, wie sie ist. Mich fasziniert, wie feinsinnig hier anhand einer Zukunftsvision Kritik an unserer heutigen Lebensweise und unserer Gesellschaft geübt wird.
Trotz seiner teilweise schlicht erscheinenden Sprache und Erzählweise hat mich der Roman beim Lesen immer weiter in den Bann gezogen und sind mir die Figuren immer stärker ans Herz gewachsen.

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