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Veröffentlicht am 12.09.2018

Eine Fortsetzung, die es in sich hat

Die Bibliothek der flüsternden Schatten - Bücherkönig
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„Bücherkönig“, der zweite Band aus Akram El-Bahays Reihe um die Bibliothek der flüsternden Schatten, entführt den Leser erneut in die fantastischen Welten von Mythia und die in den Tiefen von Paramythia ...

„Bücherkönig“, der zweite Band aus Akram El-Bahays Reihe um die Bibliothek der flüsternden Schatten, entführt den Leser erneut in die fantastischen Welten von Mythia und die in den Tiefen von Paramythia verborgenen Geheimnisse. Die Handlung knüpft nahtlos an die Ereignisse des ersten Bandes an, den man zum Verständnis der Geschichte kennen sollte, um die Ereignisse und Entwicklungen zu verstehen. Während der Band „Bücherstadt“ in großen Teilen eine Einführung in die Besonderheiten der Stadt und ihrer riesigen unterirdischen Bibliothek darstellt, werden in der Fortsetzung einige der Geheimnisse enthüllt und die Charaktere in zum Teil gefährliche Abenteuer verwickelt.
Dieser Band beginnt nach einem kurzen Prolog gleich mit einer spannenden Szene, dennoch kam beim Lesen bei mir schnell die Erinnerung an die Hauptfiguren Samir und Kani zurück wie an einige der fantastischen Wesen, die sie aus Paramythia befreit hatten. Schnell entstanden wieder leuchtende Bilder vor meinem inneren Auge und ich war erneut von der Geschichte in den Bann gezogen. Auch hier begeistert mich wieder Akram El-Bahays Erzählstil, der sich der Szenerie und den unterschiedlichen Charakteren anpasst.
Die Rolle Kanis gewinnt zunehmend an Bedeutung, einige Szenen werden aus ihrer Sichtweise geschildert, die wechselnden Erzählperspektiven generieren zusätzliche Tiefe. Auch die Rollen anderer Figuren wurden ausgebaut und sorgen bei aller Dramatik für Situationen zum Schmunzeln. Insgesamt gefällt es mir an dem Buch gut, dass nach Momenten mit viel Action die Spannung mit ruhigeren Situationen und nachdenklich stimmenden Dialogen etwas heruntergeschraubt wird, auch der Humor kommt nicht zu kurz.
Gegen Ende dieses Bandes entwickelt sich die Geschichte jedoch in eine sehr von Kampfszenen dominierte Richtung, die ich persönlich nicht mag. Die Entscheidungen und Aktionen mögen zwar wichtig sein für den Verlauf der Trilogie, mir als Leser erschienen sie zu überstürzt und nicht passend zu den Charakteren Kanis und Samirs, die eher von Besonnenheit und Rücksichtnahme auf das Leben anderer geprägt war, zumindest nach meinem Eindruck. Samir wirkte im Laufe der Zeit reifer, verantwortungsbewusster, gegen Ende scheinen die Leben einzelner zunehmend bedeutungsloser zu werden, gleichzeitig mit der wachsenden Brutalität verliert die Geschichte ihren märchenhaften Charme. Ich werde mir genau ansehen, was der Klappentext des dritten Bandes verheißt, wenn dieser so weiter geht, wie der zweite Band endet, dann ist das kein Buch mehr für mich. Inzwischen hat mein 16-jähriger Sohn begonnen die Reihe zu lesen, vielleicht ist das eher nach seinem Geschmack.

Veröffentlicht am 25.09.2016

Der "Stein de Weisen" und die Frage nach dem Sinn des Lebens

Teufelsgold
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“Teufelsgold“ ist kein reißerischer oder blutiger Thriller wie es die Kennzeichnung auf dem Cover suggerieren könnte, sondern eher eine Mischung aus Wissenschafts- und Fantasy-Roman. Er ist weniger actionreich ...

“Teufelsgold“ ist kein reißerischer oder blutiger Thriller wie es die Kennzeichnung auf dem Cover suggerieren könnte, sondern eher eine Mischung aus Wissenschafts- und Fantasy-Roman. Er ist weniger actionreich als die bekannteren Bücher Eschbachs wie „Das Jesus-Video“ oder „Der Jesus-Deal“, aber wie vom Autor gewohnt sehr gut recherchiert und in seiner Aussage durchaus provokant.
In vielen Romanen Andreas Eschbachs werden auf die eine oder andere Art wissenschaftliche Utopien thematisiert, in diesem Fall geht es unter anderem um die Überwindung der Alterungsprozesse des menschlichen Körpers und die Erreichung ewigen Lebens. Aber daneben greift Eschbach auch ethische und gesellschaftliche Themen auf wie die Frage nach dem Sinn des Lebens und den Zielen, die wir uns in unserem Leben setzen. Aufhänger ist der Mythos um den „Stein der Weisen“, ein in der Literatur vielfältig erwähntes Phänomen, dessen Vielschichtigkeit auch in „Teufelsgold“ mit allen Facetten zum Tragen kommt. So wird ihm zum einen nachgesagt, man könne mit seiner Hilfe unedle Metalle zu Gold umwandeln und so zu unendlichem Reichtum gelangen. Zum anderen soll der Stein ein heilende und verjüngende Wirkung besitzen und wird so zum Sinnbild für das ewige Leben, noch weiter gehend soll er den Menschen dazu verhelfen können ein vollkommenes Selbst zu erreichen.
In Teufelsgold stehen verschiedene Charaktere für diese verschiedenen Ausrichtungen des Steins. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Hendrik Busske, dem durch Zufall während einer Seminarreise nach Zürich ein antiquares Buch in die Hände fällt, in dem eine im 14. Jahrhundert angesiedelte Anekdote um den „Stein der Weisen“ geschildert ist. Für Hendrik stellt die Begegnung mit dem Buch eine Art Meilenstein dar, da die Geschichte in ihm zum einen Begeisterung für das Thema Alchemie weckt, ihn zum anderen dazu antreibt die Ziele seines Lebens neu auszurichten, um zu mehr beruflichem und finanziellen Erfolg zu gelangen. Beim Verständnis der alchemistischen Hintergründe ist zunächst sein älterer Bruder Adalbert Ansprechpartner, der als Physiker im Genfer CERN arbeitet. Die Brüder haben kein besonders gutes Verhältnis, im Verlauf der Geschichte und der Suche nach dem Geheimnis des „Stein der Weisen“ ergibt sich jedoch ein engerer Austausch. Adalbert gibt sich zunächst skeptisch, anders als Hendrik liegt ihm nichts an materiellem Reichtum, jedoch ist er an der Verlängerung des Lebens interessiert und lässt sich schließlich ebenfalls von der Magie des Steins in den Bann ziehen, steht somit für diese Seite von dessen Wirkung.
Für das Streben nach Vollkommenheit steht eine Figur aus dem mittelalterlichen Teil der Geschichte, der Alchemist John Scoro. Im Laufe der Zeit wird Hendrik Busske mit verschiedenen Büchern um die Geschichte des Steins der Weisen und John Scoro konfrontiert. Diese Kapitel mit Ausschnitten aus der mittelalterlichen Erzählung ziehen sich durch den Roman und vermitteln gemeinsam mit geschickt eingebauten historischen Erläuterungen auch dem Leser nach und nach die Hintergründe um den „Stein der Weisen“ und dessen geschichtliche Bedeutung.
Ich habe beim Lesen viel gelernt und an einigen Stellen Anregungen gefunden, auch meine Lebenseinstellung zu hinterfragen. Insbesondere die geschichtlichen und philosophischen Exkurse haben mir sehr gefallen. Der Roman beginnt eher ruhig und mit einem langen Einführungsteil, wird dann jedoch zunehmend spannender und interessanter. Die Charaktere sind glaubhaft wenn auch nicht unbedingt sympathisch, die Geschichte ist rätselhaft und lässt viel Raum für Spekulationen. Ich habe schon viele Romane von Eschbach gelesen und weiß somit, dass er in seinen Geschichten ab und an die Grenzen der Naturgesetzte überschreitet. In diesem Fall ist er für meinen Geschmack am Ende etwas zu weit gegangen, als eher rationalem Menschen fällt es mir schwer, die Schilderungen im Schlussteil hinzunehmen, auch wenn sie für den Abschluss der Geschichte wichtig sind.
Insgesamt hat mich beim Lesen jedoch wieder einmal die Vielschichtigkeit des Romans begeistert, „Teufelsgold“ ist eine Geschichte, die mich noch länger in Gedanken beschäftigen wird.

Veröffentlicht am 03.09.2018

eine bewegende Reise durch eine besondere Lebensgeschichte

Das rote Adressbuch
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Mit ihrem Debütroman „Das rote Adressbuch“ hat die schwedische Autorin Sofia Lundgberg nicht nur eine Hommage an ihre verstorbene Großtante veröffentlicht, sondern auch ein sehr persönliches Buch, in das ...

Mit ihrem Debütroman „Das rote Adressbuch“ hat die schwedische Autorin Sofia Lundgberg nicht nur eine Hommage an ihre verstorbene Großtante veröffentlicht, sondern auch ein sehr persönliches Buch, in das viele ihrer eigenen Erfahrungen und Gedanken eingeflossen sind. Man merkt der Geschichte an, dass ihr die Hauptfiguren sehr am Herzen liegen, so liebevoll, wie dieses gezeichnet sind. Sie schildert die Ereignisse, wie sie gewesen sein könnten und hält sich dabei mit Wertungen sehr zurück, was dem Leser Raum gibt, sich seinen eigenen Gedanken zu machen.
Als Rahmen der Geschichte dient das Titelgebende in rotes Leder gebundene Adressbuch von Doris Alm. Inzwischen 96 Jahre alt, hat sie dieses Adressbuch, das sie 1928 von ihrem Vater zu ihrem 10 Geburtstag geschenkt bekam, viele Jahre lang begleitet. Inzwischen sind die meisten Menschen, die hier ihren Eintrag gefunden hatten, verstorben, so dass ihr Name von Doris durchgestrichen und mit dem Zusatz „tot“ versehen wurde. Nach einem bewegten Leben ist Doris als einizig nahestehende Person die Enkeltochter ihrer Schwester verblieben, die mit ihrer Familie auf der anderen Seite der Weltkugel in Kalifornien lebt und mit der sie in erster Linie über Skype in Kontakt steht. Die Einträge in ihrem roten Adressbuch wecken bei Doris viele Erinnerungen und Geschichten, die sie für Jenny aufschreibt, damit ihre Erlebnisse nicht völlig in Vergessenheit geraten. Während Doris in der Gegenwart zunehmend an Kraft verliert, nimmt sie in ihren Erinnerungen den Leser mit auf die Reise durch ihr teils aufregendes, teils entbehrungsreiches Leben. Kapitel aus Gegenwart und Vergangenheit wechseln sich ab, da die Geschichte in chronologisch erzählt wird und die Abschnitte aus der Vergangenheit meist mit dem Namen der im Mittelpunkt stehenden Person betitelt sind, verliert man beim Lesen nie den Überblick.
Es gab im Leben der Autorin eine Großtante mit Namen Doris, die ihr unter anderem ein Adressbuch mit vielen durchgestrichenen Namen hinterlassen hat. Das Leben von Doris aus dem Buch wurde deutlich ausgeschmückt und erzählt so eine bewegende Geschichte, die mit großer Intensität die Lebenserfahrung einer älteren Person darstellt und darauf aufmerksam machen möchte, dass wir eben diese deutlich mehr wertschätzen sollten.

Veröffentlicht am 19.08.2018

Nur 100 Worte pro Tag? Erschreckend und gleichzeitig sehr realistisch

Vox
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In ihrem Debütroman „Vox“ entwirft die Autorin Christina Dalcher ein unglaubliches und erschreckendes Szenario, das sich bei näherem Hinsehen als beängstigend realistisch entpuppt.
In den USA haben sich ...

In ihrem Debütroman „Vox“ entwirft die Autorin Christina Dalcher ein unglaubliches und erschreckendes Szenario, das sich bei näherem Hinsehen als beängstigend realistisch entpuppt.
In den USA haben sich die Republikaner und christlichen Fundamentalisten an die Spitze der Regierung gesetzt. Um die Gesellschaft nach ihren Vorstellungen umformen zu können, wird für die weibliche Bevölkerung angeordnet, dass sie pro Tag nicht mehr als 100 Wörter sprechen dürfen. Aber auch die schriftliche Kommunikation über Computer, Handy oder auch Papier wird verboten für alle Frauen egal ob jung oder alt.
Als sich die ersten Anzeichen eines zunehmend totalitären Systems abzeichnen, kann die Neurolinguistin Jean McClellan nicht glauben, dass dies größeren Einfluss auf ihr Leben nehmen könnte. Doch schon bald wird sie an der Ausübung ihres Berufes gehindert, ihre Tochter Sonia, die auf einer Mädchenschule nicht mehr im Lesen und Schreiben unterrichtet wird, verkümmert, und Jean ist zunehmend verzweifelt über ihre isolierte Lage und die Veränderungen in ihrer Familie. Doch dann werden Jeans Kenntnisse für ein Forschungsprojekt gebraucht und sie bekommt die Chance, sich gegen das System aufzulehnen.
Dies ist der erste Roman der Autorin, die bislang mit Kurzgeschichten und Flash Fiction Ansehen erlangt hat. Man merkt dem Buch an, dass sie geübt darin ist, mit wenigen präzisen Worten eindringliche Stimmungen zu schaffen. Die Wut und Hilflosigkeit der Hauptfigur war oft bedrückend greifbar und hat mich beim Lesen in eine gereizte Stimmung versetzt gegenüber diesen selbstgerechten Machtmenschen und totalitären Systemen. Es ist ebenso erschreckend wie leider auch glaubhaft über die Veränderungen im Denken der Menschen und die geschickte Manipulation der Kinder und Jugendlichen zu lesen. Im Roman sind die Maßnahmen und ihre Folgen sehr drastisch geschildert, machen aber auch bewußt, wie viele Frauen weltweit von Männern beherrscht und dominiert werden.
Trotz einiger Schwarz-Weiß- Malerei und zum Teil klischeehaften Charakteren beeindruckt dieses Buch. Es macht bewußt, wie wichtig für uns unsere Sprache und eine Meinungsfreiheit sind, und wie wichtig es ist, für die Wahrung seiner Rechte einzutreten. Mit seinem beklemmenden Szenario zeigt es auf, wie sehr wir es schätzen können, in einer Demokratie leben zu dürfen nach den Prinzipien der Gewaltenteilung, was für viel zu viele Menschen weltweit heutzutage nicht zutrifft.

Veröffentlicht am 05.08.2018

gelungene actionreiche Fortsetzung

Pheromon 2: Sie sehen dich
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"Pheromon -Sie sehen dich" ist meiner Meinung nach eine gelungene Fortsetzung beziehungsweise Weiterführung des ersten Bandes. Die Reihe ist konzipiert als Science-Fiction-Geschichte für Jugendliche ab ...

"Pheromon -Sie sehen dich" ist meiner Meinung nach eine gelungene Fortsetzung beziehungsweise Weiterführung des ersten Bandes. Die Reihe ist konzipiert als Science-Fiction-Geschichte für Jugendliche ab 14 Jahren, bietet aber auch Erwachsenen spannende Unterhaltung.
Wie schon im ersten Teil wechseln sich zwei Handlungsstränge ab, einer aus der Gegenwart, der andere aus der Zukunft.
Im Jahr 2018 setzt die Geschichte unmittelbar dort an, wo der erste Teil endet, kurz nach dem Anschlag auf die New Yorker HFP-Zentrale. Jakes Begegnung mit Lee und Skagen enthält ein paar wichtige Details aus der Vorgeschichte, auch wenn die Lektüre bei mir schon eine Weile her ist, waren die Ereignisse schnell wieder präsent.
Während seine Freundin Amy unerkannt bleibt und nach Hause zurück kehren kann, wo sie zunächst in Sicherheit ist, gerät Jake auf die Fahndungsliste des FBI. Auf seiner Flucht trifft Jake neben Skagen auf weitere der von Lee geretteten Hunter-Kinder, die ähnlich wie er besondere, wenn auch andere, Fähigkeiten besitzen.
Im zweiten Handlungsstrang im Jahr 2118 steht diesmal die Juristin Giovanella Muscat im Mittelpunkt, die von einem Mandanten auf die Spur von Jake Merdon angesetzt wird und damit ebenfalls ins Visier des FBI gerät. Durch Giovannas Recherchen erhält der Leser Einblicke in die Zusammenhänge der Zeitschienen und die Gefahren des drohenden Krieges. Beide Handlungsstränge werden dabei geschickt miteinander verknüpft, Personen und Ereignisse aus dem ersten Band erschließen sich aus einem anderen Blickwinkel.
Das Buch ist durchgehend spannend, auch wenn es insgesamt wie eine Zwischensequenz wirkt, Höhepunkt und Auflösung der Geschichte folgen augenscheinlich im Abschluss der Trilogie.
Die Idee hinter der Geschichte ist interessant, das Thema Zeitreise bedingt, dass nicht alle Ereignisse logisch erklärbar sind. Insbesondere bei der Figur von Carl bin ich gespannt, ob es eine schlüssige Auflösung geben kann. Mir hat auch in diesem zweiten Band die Mischung aus actionreichen Szenen und humorvollen Details sehr gut gefallen, ich freue mich schon auf die Fortsetzung und vermutlichen Höhepunkt des Abenteuers im dritten Teil. Den Preis von 17,- Euro für einen Band von nur 384 Seiten empfinde ich allerdings als unangemessen hoch.