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Veröffentlicht am 17.09.2019

grandios erzählter Krimi voll schwarzem Humor

Achtsam morden
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Wieso habe ich um „Achtsam Morden“ von Karsten Dusse eigentlich so lange einen Bogen gemacht? Das frage ich mich, nachdem ich das grandiose Hörbuch dazu gerade beendet habe. Mich hat in erster Linie der ...

Wieso habe ich um „Achtsam Morden“ von Karsten Dusse eigentlich so lange einen Bogen gemacht? Das frage ich mich, nachdem ich das grandiose Hörbuch dazu gerade beendet habe. Mich hat in erster Linie der Titel abgeschreckt und in die Irre geführt, Achtsamkeit war mir zu esoterisch, hier wird das Thema jedoch ausgesprochen humorvoll neu interpretiert.
Björn Diemel ist ein hochbezahlter Anwalt in einer renommierten Kanzlei, sein Job nimmt ihn derart mit Beschlag, dass wenig Zeit für seine Frau Katharina und die kleine Tochter Emily bleiben. Björn wird deshalb von seiner Frau ein Achtsamkeits-Seminar aufgezwungen, um seine innere Balance wiederzufinden und sich wieder mehr auf seine Familie besinnen zu können. Nach anfänglichen Vorbehalten bekommt Björn immer mehr Gefallen an den Prinzipien der Achtsamkeit, er fühlt sich entspannt und genießt die intensiven „Zeitinseln“ mit seiner Tochter. Gerade will er mit Emily zu einem Wochenendausflug starten, als sein Hauptmandant, ein brutaler Mafiaboss, in einer dringenden Angelegenheit seine Dienste benötigt. Nach 12 Wochen Achtsamkeitstraining ist Björn in der Lage, den aufkommenden Stress einfach weg zu atmen und sich ebenso ruhig wie selbstbewusst des Problems anzunehmen.
Es ist grandios, wie Karsten Dusse, selbst von Haus aus Jurist, hier seinen eigenen Berufsstand aufs Korn nimmt, aber auch andere Bevölkerungsgruppen bekommen ihr Fett weg.
Als roter Faden ziehen sich durch den Krimi einige Tipps zum Thema Achtsamkeit in Form von Zitaten aus dem Ratgeber von Björn Diemels Coach Joschka Breitner, die hier auf amüsante Weise sehr frei ausgelegt werden und in konsequenter Auslegung im Zweifelsfall auch zu einen Mord als logische Lösung eines Problems führen.
Björns innere Ruhe und bedächtige Handlungsweise steht im Kontrast zu den eskalierenden Umständen, es ergeben sich groteske und zum Teil brutale Szenen, der schwarze Humor hat mich an vielen Stellen an Filme von den Brüdern Ethan und Joel Cohen erinnert.
Matthias Matschke liest das Buch und insbesondere die Figur Björn Diemels überzeugend ruhig und tiefenentspannt, aber auch den anderen Figuren verleiht er glaubhafte Stimmen und Akzente, so dass das Hören der Geschichte zum Genuss wird. Ich habe mich so köstlich amüsiert, dass ich meinem Mann und meinem 17-jährigen Sohn unbedingt ein paar Stellen habe vorspielen müssen und sie davon überzeugen, sich den Krimi ebenfalls anzuhören. Die Geschichte ist nichts für zartbesaitete Seelen, Liebhabern schwarzen Humors kann ich insbesondere das Hörbuch wärmstens empfehlen.

Veröffentlicht am 16.09.2019

interessantes Kochbuchkonzept für Generation Z

Kochen? Läuft!
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Bei „Kochen? Läuft!“ ist im GU-Verlag, der bekannt ist für seine gut strukturierten Koch- und Backbücher, ein Kochbuch für Anfänger mit einem tollen Konzept erschienen.
Mit seinem Aufbau eignet er sich ...

Bei „Kochen? Läuft!“ ist im GU-Verlag, der bekannt ist für seine gut strukturierten Koch- und Backbücher, ein Kochbuch für Anfänger mit einem tollen Konzept erschienen.
Mit seinem Aufbau eignet er sich gut für die junge App-affine Generation, denn zum einen ist das Buch so aufgebaut, dass sich die Schwierigkeit der Rezepte im Verlauf steigert ( mit wachsender Übung kann der Kochneuling in höhere Level aufsteigen), zum anderen sind zu jedem Gericht Video-Anleitungen verlinkt und kinderleicht über einen QR-Code abrufbar.
Ich habe selbst drei Teenagerkinder zu Hause, die deutlich weniger Zeit in der Küche verbringen, als es in meiner Kindheit noch der Fall war. Meine Mutter war nicht berufstätig, ich war wesentlich früher von der Schule zu Hause und konnte ihr bei der Essenzubereitung über die Schulter schauen. Kochbücher finden meine Kids langweilig, Videos gehen da schon eher.
Hier überzeugt mich der spielerische Ansatz und die praktische Anleitung. Man bekommt eine schöne Auswahl an Gerichten von Salaten über Eintöpfe, vegetarische Frikadellen und Pizza bis zu Roastbeef ist in den 60 Rezepten eine bunte Mischung vorhanden, auch Desserts kommen nicht zu kurz. Für meinen Geschmack gibt es etwas viel Fetthaltiges und Frittiertes, die jungen Männer der Zielgruppe werden das Deftige mögen, und es gibt kaum ein Kochbuch, das Jedermanns Geschmack treffen wird. Dieses Buch hätte mein Sohn im letzten Jahr gut gebrauchen können, als er mit seiner Klasse in der Schulküche war und sich mit mäßigem Erfolg an einem Flammkuchen versucht hat. Mit „Kochen? Läuft!“ wäre das ein Selbstgänger gewesen.

Veröffentlicht am 15.09.2019

eine wirr erzählte Familiengeschichte, ebenso oberflächlich wie ihre Charaktere

Otto
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Wenn mir ein Buch gut gefällt, sprudeln bei mir beim Verfassen der Rezension die Worte. Bei Dana von Suffrins Romandebüt „Otto“ fällt es mir selten schwer, meinen Eindruck und meine Enttäuschung über diese ...

Wenn mir ein Buch gut gefällt, sprudeln bei mir beim Verfassen der Rezension die Worte. Bei Dana von Suffrins Romandebüt „Otto“ fällt es mir selten schwer, meinen Eindruck und meine Enttäuschung über diese Geschichte in Worte zu fassen.
Im Mittelpunkt des Romans steht die Titelfigur Otto, seine Tochter Timna erzählt aus ihrer Sicht die Familiengeschichte, die geprägt ist von der dominanten Vaterfigur. Otto ist mit rund 80 Jahren schwer erkrankt, woran er konkret leidet, erfährt der Leser nicht. Er fordert von seinen Töchtern, dass sie sich um ihn kümmern. Er formuliert seine Forderungen als Bitten, macht aber unmissverständlich klar, dass es keinen Widerspruch gegen seine Erwartung geben kann, dass seine Töchter uneingeschränkt für ihn da sind. Timna und ihre Schwester Babi haben von klein auf der manipulativen Art ihres Vaters nichts entgegen zu setzen, ihre Mutter zerbricht an der lieblosen Atmosphäre, der rüde Umgangston wirkt zumeist erschreckend.
Otto legt großen Wert auf seine jüdische Abstammung, geboren 1938 in Siebenbürgen lebt er einige Jahre in Israel, kehrt dann aber später nach Deutschland zurück. Ottos Beweggründe bleiben im Dunkeln, es ist in meinen Augen eine große Schwäche des Romans, dass er zu sehr an der Oberfläche bleibt. Möglicherweise ist es so gewollt, die Charaktere ebenso oberflächlich darzustellen wie ihre Beziehungen zu einander. In meinem Fall führt das dazu, dass mir die Figuren unsympathisch bleiben, ich ihre Handlungen einerseits zum Teil verstörend empfinde andererseits als belanglos. Es fehlt dem Roman an Emotionen, neben Verachtung den anderen Familienmitgliedern gegenüber scheint es nur Desinteresse an deren Befindlichkeiten zu geben. Die Schwestern verbringen Zeit bei ihrem Vater aber nicht wirklich mit ihm.
Bei mir konnte der Roman kein Interesse wecken, es gibt keine wirkliche Handlung, die Episoden aus der Familiengeschichte wirken insbesondere zu Beginn sehr wirr. Timna widmet sich sehr halbherzig dem Wunsch ihres Vaters, seine Geschichten zu Papier zu bringen, entsprechend schweifen ihre Gedanken immer wieder ab und machen es schwer, einen greifbaren Eidruck von der Familie zu bekommen.
Der Schreibstil gefällt mir gut, er passt sich der Handlung und seinen Figuren an, inhaltlich spricht der Roman mich absolut nicht an.

Veröffentlicht am 03.09.2019

10 Jahre Eberhofer - das Buch ist kein Grund zum Feiern

Guglhupfgeschwader
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„Guglhupfgeschwader“ ist der inzwischen 10. Band um den bayrischen Dorfpolizisten Franz Eberhofer, der bei seinen Fans einen gewissen Kultcharakter errungen hat. Autorin Rita Falk lässt dieses Jubiläum ...

„Guglhupfgeschwader“ ist der inzwischen 10. Band um den bayrischen Dorfpolizisten Franz Eberhofer, der bei seinen Fans einen gewissen Kultcharakter errungen hat. Autorin Rita Falk lässt dieses Jubiläum auch innerhalb der Geschichte lebendig werden, so wird in Franz‘ Heimatort Niederkaltenkirchen der Kreisverkahr ihm zu Ehren mit großem Tamtam auf den Namen „Eberhofer-Kreisel“ getauft. Doch dem Namensgeber bleibt nicht viel Zeit für entspannte Feierlichkeiten, da sich Oskar, der als „Lotto-Otto“ im Dorf gemeinsam mit seiner Mutter den Lottoladen betreibt, vertrauensvoll an Eberhofer wendet. Er wird von gefährlichen Verfolgern bedroht, auch das Leben seiner Mutter steht auf dem Spiel. Franz nimmt sich beherzt und gewohnt unkonventionell der Sache an, auch sein Spezi Birkenberger ist natürlich wieder mit von der Partie.
Für mich war dieser Jubiläumsband leider eine Enttäuschung. In der Reihe war es schon immer so, dass ein Großteil ihres Charmes in den besonderen Charakteren lag, neben Franz Eberhofer und seiner teils kauzigen Familie gehören dazu auch der Birkenberger Rudi und Richter Moratschek. Diesmal ist jedoch noch weniger vom Krimicharakter finden als bei den letzten Bänden. Die Dorf- und Familiengeschichten überwiegen, wobei es wenig Neues gibt. Rudi ist vielleicht etwas zickiger als üblich, ansonsten gibt es die gewohnten Sticheleien, Eberhofer schlemmt sich wie gewohnt durch das Sortiment beim Simmerl oder schaut bei der Oma in die Töpfe.
Die Geschichte zieht sich in die Länge, von Ermittlungen ist kaum etwas zu spüren, Spannung baut sich gar nicht auf. Man bekommt den Eindruck, als sollten alle bekannten Figuren zumindest eine Erwähnung finden, der rote Faden fehlt, die Handlung wirkt zu sehr aus Altbewährtem zusammengebraut.
Einziger Lichtblick beim Hörbuch ist Christian Tramitz als Sprecher, der in meinen Augen Franz Eberhofer wunderbar verkörpert und der Geschichte das I-Tüpfelchen aufsetzt, dennoch wird für mich der 10.Band auch der letzte sein.

Veröffentlicht am 28.08.2019

Milieustudie aus München im Jahr 1950 mit Einblicken in kriminelle Machenschaften

Die im Dunkeln sieht man nicht
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Der aktuelle Roman von Andreas Götz mit dem Titel „Die im Dunkeln sieht man nicht“ ist angesiedelt im München des Jahres 1950. Er ist kein klassischer Kriminalroman, im Vordergrund steht vielmehr die Stimmung ...

Der aktuelle Roman von Andreas Götz mit dem Titel „Die im Dunkeln sieht man nicht“ ist angesiedelt im München des Jahres 1950. Er ist kein klassischer Kriminalroman, im Vordergrund steht vielmehr die Stimmung der damaligen Zeit, in der von der Aufbruchstimmung der 50-er Jahre noch wenig zu spüren ist. Die Gesellschaft ist geprägt durch die Entbehrungen der Kriegs- und Nachkriegsjahre. Es fällt den Menschen schwer, nach der von Denunzierungen geprägten Zeit den Mitmenschen zu vertrauen und nach Schicksalsschlägen einen Neuanfang zu wagen.
Ein typischer Vertreter ist der ehemalige Schriftsteller Karl Wieners, der nach dem Verlust von Frau und Kindern aus Berlin nach langem Zögern in seine Geburtsstadt München zurückkehrt. Ein ehemaliger Schulfreund, der gerade dabei ist, eine neue Zeitschrift auf den Markt zu bringen, bietet ihm die Chance einer Anstellung als Journalist und schickt ihn auf Recherche zu aus dem Führerbau verschwundenen Kunstschätzen. Unterstützt wird Karl dabei von seiner Nichte Magda, die schon als Kind für ihn geschwärmt hat und inzwischen zu einer jungen und attraktiven Frau herangewachsen ist. Magda verkörpert eine neue Generation Frau, die selbstbewusst auftritt und den eingestaubten gesellschaftlichen Zwängen den Rücken kehren will.
Es gibt mehrere Parteien, die an dem verschwundenen Kunstschatz interessiert sind, darunter auch zum Teil zwielichtige Gestalten oder auch die Münchner Polizei. Die beteiligten Personen kreisen lange umeinander, es dauert bis gut zur Hälfte des Buches, bevor die Geschichte Fahrt aufnimmt und Spannung aufbaut. Die Vielzahl an Personen ist zunächst verwirrend, das Personenregister am Anhang des Buches zeigt sich hier sehr hilfreich.
Das Buch überzeugt in erster Linie durch seine Milieustudie und die ausgefeilte Charakterisierung der Hauptpersonen. Die Stimmung in der damaligen Zeit, die Spannungen zwischen innerhalb der Bevölkerung und die schwierigen Bedingungen für den Neuaufbau der Wirtschaft sind sehr gut eingefangen, man spürt die gründliche Recherche, die dem Roman zugrunde liegt. Für meinen Geschmack waren die teilweise sehr detaillierte geschilderten Liebesakte für einen Kriminalroman deplatziert. Den Liebesgeschichten wird sehr viel Platz eingeräumt, was zu Lasten der Spannung gerät.
Wenn man sich erst einmal eingelesen hat, bietet der Kriminalroman eine interessante Mischung und ein paar unterhaltsame Lesestunden.