Autonom sein bis zum Lebensende
Nicht tot zu sein, ist noch kein LebenDieser Roman handelt vom Sterben und feiert das Leben. Die Bedeutung dieses Satzes zieht sich durch die gesamte Geschichte, die uns die Ärztin und Autorin " Lou Bihl " erzählt.
Liest man die Inhaltsangabe, ...
Dieser Roman handelt vom Sterben und feiert das Leben. Die Bedeutung dieses Satzes zieht sich durch die gesamte Geschichte, die uns die Ärztin und Autorin " Lou Bihl " erzählt.
Liest man die Inhaltsangabe, dann wird bewusst, dass es sich hier um keinen klassischen Wohlfühlroman handelt, vielmehr geht es um das immer wieder heiß diskutierte Thema des Selbstbestimmten Sterbens und der Sterbenshilfe. Anhand zweier Freundinnen schildert uns die Schriftstellerin wie stark, belastend und dennoch glücklich eine Lebens-Freundschaft verläuft, auch wenn eine unheilbare Krankheit die Unbeschwertheit des Lebens zerstört.
Marlene und Helena sind seit der Studienzeit Freundinnen. Marlene erkrankt unheilbar an Krebs, und Helena wird ihre begleitende Ärztin. Es bleibt nicht aus, dass innere Konflikte zu Tage treten, denn einerseits beste Freundinnen zu sein, und andererseits um assistierte Sterbehilfe gebeten zu werden, erfordert von Helena einen Spagat, der zu einer inneren Zerreißprobe wird. Der Roman ist fiktiv, aber die rechtlichen, medizinischen und ethischen Probleme und Fakten entsprechen der Realität.
Es ist sehr wichtig sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Ich bewundere die Autorin wie pietätvoll sie diese Geschichte geschrieben hat, sodass alles in allem eine Geschichte entstanden ist, die starke Emotionen erzeugt, die aber auch deutlich macht, dass bestimmte Schreckensvorstellungen vom Tod relativiert werden können.
Dieser Roman zeigt, wie stark eine Freundschaft bis zum letzten Atemzug sein kann, und wie sich in Ausnahmesituationen Meinungen zu diesem Thema immer wieder ändern können. Sterbehilfe, Ja oder Nein, vermag ich auch nach dieser außergewöhnlichen Lektüre nicht zu beantworten. Es kommt immer auf die jeweilige Krankheitssituation an, und auf die Schwelle des Ertragbaren. Die ist bei jedem Menschen unterschiedlich, so wie auch das Leben der Menschen ganz individuell ist.
Verständlicherweise haben viele Szenen auf meine Tränendrüse gedrückt, aber es gab auch kleine Momente des Schmunzelns, die der gesamten Geschichte die Schwere nehmen konnten. Emotionen begleiteten mich von Anfang bis zum Ende. Ich war traurig, gerührt, nachdenklich, aber auch glücklich über das Ende, welches ich mir im Vorfeld belastender vorgestellt hatte. Die Autorin hat mich mit ihrer angenehmen Schreibweise und mit ihrer präzisen Wortwahl sehr beeindruckt. Die Kombination einer fiktiven Geschichte mit realen Informationen ist ihr ausgezeichnet gelungen. Auf diese außergewöhnliche Art und Weise hat sie mich mit dieser Literatur sehr nachdenklich gemacht, und sie hat dafür gesorgt, dass dieses Buch aufgrund der Thematik nicht zu einen reinen Trauerbuch geworden ist.
Diese Geschichte zeigt mehr als deutlich, dass die schlimmste Diagnose und damit der traurigste Sterbeprozess den Himmel nicht komplett verdunkeln muss, sondern dass es der Sonne gelingen kann, dass Dunkel mit leuchtenden und wärmenden Strahlen zu durchdringen.
Ich möchte dieses Buch jedem empfehlen, der sich mit diesem sensiblen und wichtigem Thema auseinandersetzen möchte. Der Roman kann durchaus auch etwas die Angst vorm Tod nehmen, wenn das Grausame schon Besitz vom Körper ergriffen hat.
Ich vergebe 5 wohlverdiente Sterne, verbunden mit einem herzlichen Danke an Lou Bihl