Profilbild von ASK_1212

ASK_1212

Lesejury Star
offline

ASK_1212 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit ASK_1212 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.10.2023

Neues von der Mordslady

Frau Morgenstern und der Abgrund
0

"Sterben ist selten schön. Schon gar nicht mit heruntergelassenen Hose." Mit dieser herrlichen Erkenntnis starten wir in den 5. Teil der Frau Morgenstern-Reihe von Marcel Huwyler. Der Eingangssatz zeigt, ...

"Sterben ist selten schön. Schon gar nicht mit heruntergelassenen Hose." Mit dieser herrlichen Erkenntnis starten wir in den 5. Teil der Frau Morgenstern-Reihe von Marcel Huwyler. Der Eingangssatz zeigt, wohin die Reise geht. Die Leserinnen können sich auf gewaltigen Wortwitz und eine etwas abgedrehte Handlung einstellen. Genau damit stechen die Bücher aus dem üblichen Krimi-Allerlei heraus.

.

Darum geht’s: Das Killer-Gespann im staatlichen Auftrag ist auf der Flucht vor dem eigenen Arbeitgeber. Morgenstern & Schlunegger haben ihr bisheriges Leben hinter sich gelassen. Eliminiert wird mittlerweile in Eigenverantwortung. Diesmal werden sie zudem beauftragt, den mysteriösen Tod eines Journalisten aufzuklären.

.

"Frau Morgenstern und der Abgrund" ist der bisher schlankste Band in der Krimireihe und umfasst gerade mal 250 Seiten. Das fand ich zwar etwas schade, aber die Seiten sind umso mehr vollgepackt mit allem, was ich an der Reihe mag. Skurrile Ideen und feinsinniger Humor gehören ebenso dazu, wie die unverwechselbare Wortakrobatik des Autors, die das Lesen wieder zu einem wahren Vergnügen macht. Die Leser
innen erwartet ein sprachlicher Genuss, bei dem einem die Wörter regelrecht auf der Zunge zergehen.

.

Die Geschichte ist aberwitzig und gleichzeitig spannend. Huwyler hat da seine ganz eigene und unverwechselbare Art. Zu seinen Protagonisten ist dem Autor auch wieder Neues eingefallen, um die Weiterentwicklung interessant zu gestalten. Soviel spoilere ich hier einfach mal: Das Dreamteam droht diesmal auseinanderzubrechen. Spannend bleibt es bis zum Schluss. Der Fall wird mit einem Showdown in bester Morgenstern-Manier aufgelöst. Und das Finale wird dann nochmal mit einer dicken Überraschung zelebriert.

.

Fazit: "Frau Morgenstern und der Abgrund" setzt die Reihe gewohnt gut fort. Es ist kein Krimi, wie jeder andere. Ich empfehle die Reihe allen, die gerne mal etwas anderes und ungewöhnliches in dem Genre lesen möchten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.10.2023

Nordisch pur. Typisch Sten.

Tief im Schatten
0

Viveca Sten gehört schon lange zu meinen Lieblingsautorinnen, wenn es um Schwedenkrimis geht. Ihre Mittsommer-Reihe um Thomas Andreason habe ich in Buch und Film regelmäßig und stets auch sehr gerne verfolgt. ...

Viveca Sten gehört schon lange zu meinen Lieblingsautorinnen, wenn es um Schwedenkrimis geht. Ihre Mittsommer-Reihe um Thomas Andreason habe ich in Buch und Film regelmäßig und stets auch sehr gerne verfolgt. Logisch, dass ich im vergangenen Jahr auch dabei war, als bei dtv ihre neue Polarkreis-Krimireihe an den Start gegangen ist. Davon liegt jetzt mit "Tief im Schatten" der 2. Band vor.
.
Darum geht’s: Der ehemalige Weltklasse-Skifahrer Johan Anderson wird brutal ermordet aufgefunden. Der Mann war überall beliebt. Wer also könnte ihn getötet haben und warum? Als auch noch eine junge Frau aus einer freikirchlichen Gemeinde verschwindet, werden die Ermittlungen für Hanna Ahlander und Daniel Lindskog zum Wettrennen gegen die Zeit…
.
Ein toller Krimi in gewohnter Sten-Qualität. Die Autorin liefert einfach immer ab. Auch diesmal. Als Fan bin ich wieder voll und ganz auf meine Kosten gekommen. Sten schreibt so toll, dass sich die Seiten fast von selbst umblättern. "Tief im Schatten" zeichnet sich durch einen klassischen Krimi-Aufbau, gute Charaktere und eine gehörige Portion Spannung aus.
.
Die Geschichte geht ohne Schnickschnack in medias res. Direkt war ich mittendrin im Geschehen. Spannung wird mit zwei Handlungssträngen erzeugt, die zunächst gar nichts miteinander zu tun zu haben scheinen. Nach etwa 150 Seiten laufen die Fäden zusammen. Das heißt aber nicht, dass das Spannungspotential schon erschöpft wäre. Nein. Ab diesem Punkt legt Sten erst richtig los und peitscht ihre Leser*innen förmlich voran. Dabei besticht der Krimi mit seiner nordischen Klarheit. Pur und aufs Wesentliche bedacht und dabei so unfassbar gut. Ein Highlight sind für mich immer Stens Ermittler-Charaktere. Hanna, Daniel und auch ihr Kollege Anton haben mir hier richtig gut gefallen, gerade auch auf privater Ebene. Allein wegen ihnen würde ich die Reihe schon weiterlesen wollen.
.
Fazit: Wer mich nach Krimi-Empfehlungen fragt, bekommt von mir regelmäßig auch die Bücher von Viveca Sten genannt. Für mich ist sie einfach ein Garant für gute Qualität im Krimi-Genre. "Tief im Schatten" ist ein weiterer Beweis dafür.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.10.2023

Da wäre mehr drin gewesen

Nur eine Lüge – Zwei Familien, eine tödliche Verbindung
0

"Nur eine Lüge" von Malin Stehn hat mich eher ernüchtert. Der Klappentext klingt gut. Der vielversprechende Plot ist aber ziemlich saft- und kraftlos umgesetzt.
.
Darum geht's: Erik sitzt seit einer schicksalhaften ...

"Nur eine Lüge" von Malin Stehn hat mich eher ernüchtert. Der Klappentext klingt gut. Der vielversprechende Plot ist aber ziemlich saft- und kraftlos umgesetzt.
.
Darum geht's: Erik sitzt seit einer schicksalhaften Nacht vor acht Jahren im Rollstuhl. Die genauen Hintergründe des Unfalls bleiben ungeklärt. Als Eriks Schwester Emily seinen damals besten Freund William heiratet, drängt die Wahrheit ans Licht. Und plötzlich wird ein Toter gefunden…
.
Ich vergebe Sterne für den Schreibstil, die Plotidee und die Erzählweise. Soweit so gut. Allerdings hapert es an der tatsächlichen Umsetzung der Story. Die Story ist nicht sehr verzwickt und trotz verschiedener Zeitebenen und Perspektiven doch recht geradlinig angelegt. Es gilt einem lang gehüteten Geheimnis auf den Grund zu kommen, dass zwei Familien seit fast einem Jahrzehnt nachhaltig belastet. Leider bleiben die agierenden Personen blass. Das gilt auch für das Szenario, das ruhig düsterer und mysteriöser hätte sein können. Die Geschichte hat sich für mein Empfinden einfach nur im Kreis gedreht. Spannend wird es kaum. Höchstens in Momentaufnahmen. Und da verpufft es dann schnell wieder. Ich fand alles und jeden viel zu oberflächlich und blutleer dargestellt. So bin ich Zaungast des Geschehens geblieben, statt mich mitten ins Getümmel zu stürzen.
.
Fazit: Kein totaler Flop. Aber ich hatte mir mehr erwartet. "Nur eine Lüge" ist ein psychologischer Spannungsroman mit einem guten Ansatz. Allerdings ist die Story nicht wirklich raffiniert konstruiert und auch nicht wirklich packend. Hier hätte man viel mehr draus machen können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.10.2023

Schöner als schön

Jedes Jahr im Winter
0

Emily Stones Debüt "Für immer im Dezember" war vergangenes Jahr ein Lesehighlight für mich. Ihr zweiter Roman "Jedes Jahr im Winter" steht dem in nichts nach. Ich habe das Buch innerhalb von 24 Stunden ...

Emily Stones Debüt "Für immer im Dezember" war vergangenes Jahr ein Lesehighlight für mich. Ihr zweiter Roman "Jedes Jahr im Winter" steht dem in nichts nach. Ich habe das Buch innerhalb von 24 Stunden verschlungen und es war mir ein Fest!

.

Darum geht’s: Cassie ist fast schon ihr ganzes Leben in Sam verknallt. Der scheint ihre Gefühle zu erwidern. Als sie sich ihm aber öffnet, wird sie bitter enttäuscht. Fortan ist das Verhältnis zum besten Freund ihres Bruders Tom schwierig. Als Tom dann bei einem Unfall ums Leben kommt, bricht Cassies Welt völlig in sich zusammen…

.

Starke Gefühle spielen hier die Hauptrolle. Freundschaft, Liebe, Trauer, Hass und Schuldgefühle. Das volle Programm. Man könnte angesichts der Themen eine schwere, belastende und düstere Geschichte erwarten. Emily Stone verquickt das alles hingegen zu einem bezaubernden, emotionalen und berührenden Roman. Und damit hat sie mich von Anfang bis Ende rundum begeistert. Die Handlung kommt mitten aus dem Leben und offenbart, wie unterschiedlich Menschen mit Gefühlen verschiedenster Couleur umgehen. Der eine lässt sie zu, der andere läuft vor ihnen weg. Und genau da liegt das zwischenmenschliche Problem zwischen Cassie und Sam.

.

Der Roman beginnt mit der Vergangenheit und man lernt die Protagonisten und ihre besondere Verbindung zueinander kennen. Der Hauptteil der Geschichte dreht sich dann um die Zeit und Geschehnisse nach Toms Tod. Die Handlung hat "P.S. Ich liebe dich"-Vibes. Nachrichten, die Tom seiner Schwester hinterlassen hat, spielen eine wichtige Rolle für Cassies Persönlichkeitsentwicklung und Zukunft. Diesen Weg mitzuverfolgen ist einfach herzerwärmend. Und über Sam müssen wir gar nicht weiter reden. In ihn bin ich schlichtweg schockverliebt.

.

Dieses Buch ist Liebe pur! Schreibstil, Handlung, Charaktere - hier ist alles perfekt. Ich hatte zauberhafte Lesestunden zwischen Lachen und Weinen. Herzklopfen und Bauchkribbeln inklusive. Ich habe die Geschichte und die Emotionen der Personen so dermaßen verinnerlicht. Hört sich bestimmt blöd an, aber nach dem Zuklappen habe ich das Buch im Arm gehalten und bin so eingeschlafen. Ich konnte und wollte die Story und die damit verbundenen Gefühle einfach nicht so schnell loslassen. Sie haben sich zu tief in mein Herz geschlichen.

.

Fazit: Highlight! Herzensbuch! Eine der schönsten Geschichten, die ich je gelesen habe. Eigentlich filmreif. Wobei eine Verfilmung nie an mein persönliches Kopf- und Herzkino heranreichen könnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.10.2023

Spannend und geheimnisvoll

Die Witwe
0

Gilly MacMillan hat mit "Die Witwe" einen weiteren ihrer psychologischen Spannungsroman vorgelegt. Die Autorin bleibt ihrem Stil treu. In typisch ruhiger aber sehr einnehmender Erzählweise lässt sie die ...

Gilly MacMillan hat mit "Die Witwe" einen weiteren ihrer psychologischen Spannungsroman vorgelegt. Die Autorin bleibt ihrem Stil treu. In typisch ruhiger aber sehr einnehmender Erzählweise lässt sie die Leser*innen in die menschlichen Abgründe blicken.
.
Darum geht’s: Die Lottogewinner Nicole und Tom leben in einem abgeschiedenen, hochmodernen Glashaus. Eines Tages findet Nicole ihren Mann tot im Pool. Ermordet. In der Nachbarschaft gibt es nur ein nettes Ehepaar samt Haushälterin. Haben sie etwas mit der Tat zu tun? Oder kommt die Bedrohung von Außen?
.
Das Setting und die Atmosphäre haben mich direkt in den Bann gezogen. Ich habe mich gefühlt, als würde ich selbst im Glashaus auf dem Präsentierteller sitzen. Alles wirkt mysteriös und bedrohlich. Schnell merkt man, dass hier jeder Charakter etwas zu verbergen hat. Die Fassade bröckelt und man stößt Stück für Stück auf unglaubliche Geheimnisse.
.
Mir gefällt der feinsinnige, packende und intensive Schreibstil. Ich bin mitten in einem Geschehen gelandet, das mich sofort in den Bann gezogen hat. Die Geschichte wird im ständigen Wechsel aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Das ist dynamisch und abwechslungsreich. Immer wieder erfährt man neue Details. Hier kann man scheinbar niemandem trauen. Viele kleine und große Geheimnisse sorgen für eine subtil-mysteriöse Grundspannung, die sich durch das gesamte Buch zieht. Allein die Auflösung hätte für meinen Geschmack etwas mehr Wumms haben können. Sie ist zwar stimmig, kommt aber etwas unspektakulär rüber. Gut, aber ohne den großen und alles erschütternden Knalleffekt, den ich angesichts der vorangegangenen Ereignisse doch irgendwie erwartet hatte.
.
Fazit: "Die Witwe" ist gut geschrieben und ausgeklügelt aufgebaut. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und wollte ständig wissen, wie es weitergeht. Ich empfehle den Roman allen, die Bücher mit mysteriöser Atmosphäre und feinen, psychologischen Spannungsmomenten mögen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere