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Veröffentlicht am 16.08.2018

Einfühlsame Geschichte aus einer neuen Perspektive

Liebe und der erste Blick
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„Liebe und der erste Blick“ von Josh Sundquist handelt von dem sechzehnjährigen William – Will –, der von Geburt an blind ist. Zum ersten Mal geht er auf eine Schule für sehende Kinder, nachdem er ausschließlich ...

„Liebe und der erste Blick“ von Josh Sundquist handelt von dem sechzehnjährigen William – Will –, der von Geburt an blind ist. Zum ersten Mal geht er auf eine Schule für sehende Kinder, nachdem er ausschließlich auf einem Internat für Blinde war. Er bewältigt daraus resultierende Probleme, findet Freunde und lernt ein Mädchen kennen: Cecily. Als er mittels einer experimentellen Operation, wieder Sehen lernt, stellt er sich die Frage, ob sein Leben nicht vorher besser war.

Die Geschichte ist komplett aus Wills Perspektive geschrieben, was ich sehr gelungen finde. Sein ehrlicher und trockener Humor hat mich direkt begeistert. Er geht mit seinem Handicap sehr natürlich um, hat aber auch Spaß daran, andere in unangenehme Situationen zu bringen. Vorurteile nimmt er mit Witz und kämpft dagegen an. Das ist sehr inspirierend zu lesen und auch als Sehende erhoffe ich mir, etwas von Wills Selbstvertrauen mitzunehmen.

Vielmehr hat mich allerdings nachhaltig beeindruckt, wie die Alltagsprobleme einer sehbehinderten Person erklärt werden. Vor allem Aspekte wie die Extrema von zu viel oder zu wenig Unterstützung durch andere waren beklemmend zu lesen. Hier ist der Leser gezwungen, sich und sein Verhalten gegenüber Blinden zu reflektieren. Dies stimmt nachdenklich und hat auch Auswirkungen auf das reale Leben nach der Lektüre, was mir bei einem Buch immer gut gefällt.

Besonders interessant war es auch, von Situationen zu erfahren, die man sich als sehende Person vielleicht spontan gar nicht als besonders problematisch für Sehbehinderte vorstellt: Elektroautos, Aufzüge oder Drehtüren beispielsweise. Der sehende Leser wird hier in eine Welt eingeführt, die zwar vollkommen unsere ist, aber aus einer ganz neuen Betrachtungsweise geschildert.

Es wird sehr gefühlvoll beschrieben, wie Will hin und her schwankt zwischen seinem Wunsch, sehen können und den möglichen Nebenwirkungen einer Operation. Auch als sehender Mensch stellt man sich die Frage, wie man sich entscheiden würde, kann dies naturgemäß aber niemals vollständig beantworten.

Absolut faszinierend waren die Beschreibungen dessen, was Will dann nach der Operation tatsächlich sieht. Farben und Formen, Tiefenwahrnehmung und den Begriff der Perspektive sind für sehende Menschen absolut natürlich und es erscheint unvorstellbar, dass man dies einmal lernen musste (außer Farben und Formen als Kleinkind). Hier merkt der Leser, wie umfassend Josh Sundquist recherchiert hat. Dies hat mich positiv überrascht, denn bei einem Jugendbuch habe ich so etwas nicht erwartet.

Zusammenfassend ist es dem Autor gelungen, diese fremde Welt für den sehenden Leser absolut greifbar zu machen. Will ist in seinen Wünschen und Gedanken immer sehr authentisch. Eine inspirierende Geschichte darüber, keine Vorurteile zu haben, sich zu akzeptieren, wie man ist und niemals aufzugeben. Daher 5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 11.08.2018

Ende offenkundig, Spannung fehlt – für mich ist hier Ende

Post Mortem - Spur der Angst
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Mit „Post Mortem – Spur der Angst“ liefert Mark Roderick den vierten Teil seiner Post Mortem - Reihe über die Interpolagentin Emilia Ness und den Auftragskiller Avram Kuyper.
Im Unterschied zu den ersten ...

Mit „Post Mortem – Spur der Angst“ liefert Mark Roderick den vierten Teil seiner Post Mortem - Reihe über die Interpolagentin Emilia Ness und den Auftragskiller Avram Kuyper.
Im Unterschied zu den ersten drei Teilen, wird hier allerdings noch eine weitere Protagonistin eingeführt: Lina Sattler kann sich an nichts erinnern, was vor ihrem achten Lebensjahr passiert ist. Sie weiß nur, dass ihre Eltern tot sind. Ihre einzige Spur auf der Suche nach den Gründen führt zu Avram.

Zu Beginn wechselt die Erzählperspektive zwischen Emilia und Lina, später stößt auch Avram dazu. Wie er in die Geschehnisse hineinpasst, wäre eine gut platzierte Überraschung gewesen, doch leider verrät uns das der Klappentext schon vorher.

Emilia wird mit jedem Teil der Reihe immer weniger authentisch. Ihre Liebesgeschichte mit Mikka beschränkt sich in diesem Teil auf ein erträgliches Maß, aber ihre Gefühle sind nicht nachzuvollziehen und ihre Gedanken klingen wie aus einem Frauenmagazin. Mehr als einmal habe ich die Augen verdreht, weil ich keine Frau kenne, die in diesen Phrasen denkt. Der Leser bleibt dadurch stets distanziert zu ihr und ihrer Beziehung und spürt einfach keinen Funkenschlag zwischen den beiden.

Avram ist nicht so tough, wie man ihn aus früheren Teilen kennt. Er zweifelt an sich, seinen Fähigkeiten und Zukunftsplänen. Das macht ihn einerseits sehr menschlich, andererseits ist es nicht unbedingt das, was man über einen Auftragsmörder lesen will.

Lina als neuen Charakter vorzustellen, braucht seine Zeit und auf den ersten ca. 200 Seiten ist von Action und Spannung keine Spur. Dass Lina als Geldeintreiberin arbeitet, empfand ich als sehr vielversprechend für einen spannenden Handlungsstrang, da es ein gefährlicher und untypischer Beruf ist. „Leider“ nimmt sie sich davon einfach Urlaub (!) und schon ist es für die restliche Geschichte komplett irrelevant. Schade! Wieder verschenktes Potenzial.

Ein über mehrere Kapitel geschilderter Rückblick Emilias auf einen alten Fall ist im Gegensatz dazu sehr mitreißend. Ein perfektes Finale für einen Thriller. Leider wurde dies nur als Rückblick verwertet– diese Geschichte hätte ich gerne in Gänze gelesen.

Danach kommt die Handlung zwar langsam ins Rollen, es fehlt allerdings wieder an Spannung. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, unbedingt weiterlesen zu wollen. Es ist für mich kein Pageturner.

Während der Ermittlung werden für Emilia (und somit auch den Leser) Hinweise und falsche Fährten gestreut, aber das erfolgt etwas plump. Vielen Lesern wird sofort klar gewesen sein, wo die Geschichte hingeht und was nur eine Täuschung ist.

Das ist wirklich schade. Im dritten Teil hatte sich sowohl der Spannungsgehalt stark verbessert, als auch die Fähigkeit des Autors, den Leser hinters Licht zu führen. Davon ist scheinbar nichts übriggeblieben. Daher kehre ich wieder zu 2 von 5 Sternen zurück. Langsam sollte ich diese Reihe wirklich abbrechen, so wie es bereits nach Teil 1 mein Plan war.

Veröffentlicht am 02.07.2018

Interessante Idee, aber keine überzeugende Liebesgeschichte

Wild Games - In einer heißen Nacht
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„Wild Games – In einer heißen Nacht“ ist der erste Teil von Jessica Clares „Wild Games“ – Reihe. Da der Folgeband aber andere Protagonisten hat, die aus Teil 1 nicht bekannt sind, können die Romane auch ...

„Wild Games – In einer heißen Nacht“ ist der erste Teil von Jessica Clares „Wild Games“ – Reihe. Da der Folgeband aber andere Protagonisten hat, die aus Teil 1 nicht bekannt sind, können die Romane auch unabhängig voneinander gelesen werden.

Die Protagonistin ist Abby, Buchrezensentin für ein großes Medienunternehmen. Dieses produziert auch die Reality Show „Endurance Island“, bei der 24 Kandidaten auf einer Insel mehrere Wochen lang gegeneinander antreten, um 2 Millionen Dollar zu gewinnen. Abby soll auf Wunsch ihrer Chefin dort als Insiderin mitmachen. Kaum geht es los, trifft sie mit Dean aufeinander: gut aussehend, aber auch wahnsinnig arrogant. Er ist ihr erklärter Feind, doch dann funkt es zwischen den beiden auf eine andere Art.

Der Roman ist komplett aus Abbys Perspektive geschrieben. Jedes Kapitel startet aber mit ein bis zwei Sätzen aus Interviews, die zwischendurch mit Dean geführt werden. Das gibt einen kleinen Einblick in seine Gefühlswelt, kann Abby doch immer nur spekulieren, was er empfindet.

Abby fand ich am Anfang sehr sympathisch. Sie ist clever, witzig, frech, sagt, was sie denkt und lässt sich nichts gefallen. Doch circa in der Mitte des Buches vollzieht sie eine Wendung, die ich absolut nicht nachvollziehen kann. Es ist toll, wenn sich Charaktere entwickeln und auch Wendungen sind in Ordnung, aber diese müssen glaubhaft sein. Abby hat für mich in dem Zeitpunkt total an Authentizität verloren – es war, als wäre sie eine ganz andere Person als vorher.

Es gibt zwei Teilnehmer, die Abby etwas näher kennenlernt und auch mit diesen werde ich leider nicht richtig warm. Was sie sagen und tun soll vermutlich nett und freundlich erscheinen, aber auf mich wirken sie nur wie Roboter, die Sätze vorlesen und nichts dabei empfinden.

Ein weiterer großer Störfaktor für mich ist, dass alles so wahnsinnig schnell geht. Dass die Story bis zur Anreise auf der Insel gestrafft wird, finde ich super, geht es doch dann erst richtig los. Aber auch danach bleibt das Tempo sehr hoch. Die Beziehung zwischen Abby und Dean verändert sich rasend schnell und auch die einzelnen Tage auf der Insel werden von der Autorin zügig, fast schon oberflächlich, abgehandelt, teilweise auch mit sehr großen Sprüngen dazwischen. Die Probleme, denen die Kandidaten auf der Insel gegenüberstehen werden kurz angerissen, aber das ganze daraus erwachsende Konfliktpotenzial geht verloren.
Die Idee der Reality Show auf der Insel fand ich hervorragend, weil gerade das lange und entbehrungsreiche Miteinander zu großen Spannungen führen kann. Hier wurde sehr viel Potenzial verschenkt. Abby, beziehungsweise der Leser, trifft kaum auf andere Teilnehmer, geschweige denn, dass er sie gut genug kennenlernt, um sich eine Meinung zu bilden.

Die entstehende Liebesgeschichte hat mich zudem einfach nicht überzeugt. Es wurde alles irgendwie zurechtgebogen, um am Ende einen Deckel draufsetzen zu können. Abbys Charakter wurde komplett verändert, Dean war charakterlich für mich ganz distanziert und zu jeder Zeit austauschbar. Wendungen in der Geschichte wirkten total konstruiert und auch am Ende erscheinen mir einige Schlussfolgerungen unlogisch und ich bleibe mit vielen Fragen zurück.

Im Ergebnis komme ich somit leider zu 2 von 5 Sternen. Die Idee war wahnsinnig interessant und auch der Charakter von Abby anfänglich gelungen. Alles was folgt, wirkt entwurfsweise aufgeschrieben und die Story fühlt sich roh und unfertig an. Da hätte man sehr viel mehr draus machen können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erotik
  • Charaktere
  • Lebendigkeit
  • Lesespaß
Veröffentlicht am 25.06.2018

Interessantes und wichtiges Thema – spannend verpackt

Eden Academy - Du kannst dich nicht verstecken
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„Eden Academy“ von Lauren Miller scheint auf den ersten Blick, wie eine typische Internatsgeschichte mit ein bisschen Romanze und einem Geheimnis, das zu klären ist. Aber es ist noch viel mehr!

Aurora ...

„Eden Academy“ von Lauren Miller scheint auf den ersten Blick, wie eine typische Internatsgeschichte mit ein bisschen Romanze und einem Geheimnis, das zu klären ist. Aber es ist noch viel mehr!

Aurora „Rory“ Vaughn kann ihr Glück nicht fassen, als sie die Zusage für die Eden Academy erhält, eine hervorragende Privatschule für besonders begabte Schüler. Kurz nach ihrer Ankunft erfährt sie von einem Geheimbund an der Schule. Die Geheimnisse mehren sich weiter als sie North kennenlernt, der anscheinend etwas verbirgt, aber auch sehr anziehend auf Rory wirkt.

Mit der Inhaltsangabe habe ich mich bereits sehr schwer getan. Der erste Teil des Buches ist allerdings auch tatsächlich so, wie der Klappentext vermuten lässt: ein Mädchen kommt auf ein Internat und abgesehen von einem großen Geheimnis dort, will sie auch mehr über einen Jungen herausfinden, der ihr gefällt. Dies ist gar keine schlechte Geschichte. Die große Stärke und Einmaligkeit des Buches liegt allerdings in einem anderen Thema.

Es ist das Jahr 2030 und neben vielen anderen technischen Neuerungen ist es für die meisten Menschen völlig normal, alle Entscheidungen ihres Lebens von der Smartphone-App „Lux“ treffen zu lassen. Das beginnt bei der Essensauswahl im Restaurant, über die Entscheidung an welcher Universität man sich bewirbt, oder sogar, ob man mit einer bestimmten Person eine romantische Beziehung eingeht. Die App bestimmt, wann man das Haus verlässt, sodass man nie zu spät kommt und „optimiert“ so das Leben der User. Eine innere Stimme zu hören, „der Zweifel“ genannt, und entsprechend dieser zu handeln, gilt als ernste psychische Erkrankung.

Der Leser schwenkt von dem Gedanken, wie praktisch dies ist, sehr schnell dazu um, dystopische Merkmale in der gesellschaftlichen Situation zu erkennen. Man reflektiert nicht nur kritisch, wie abhängig man sich selbst von elektronischen Geräten und vor allem sozialen Medien macht, sondern hinterfragt auch, ob man nicht sensibler mit seinen Daten umgehen sollte - und ich bin bislang niemand gewesen, der hierum großes Aufheben machte. Gerade weil ich aber dazu animiert wurde, mich damit auseinanderzusetzen, bin ich sehr beeindruckt davon, wie das Buch das Thema behandelt, ohne den mahnenden Zeigefinger zu erheben.

Neben diesem fesselnden Aspekt, sollten aber auch die anderen positiven Merkmale des Romans nicht vernachlässigt werden.

Die Charaktere, die die Autorin vorstellt, sind alle sehr interessant und vielschichtig. Bei vielen gibt es so viel mehr zu entdecken, als auf den ersten Blick vermutet: Stärken und Schwächen gleichermaßen. Ohne zu viel auf optische Beschreibungen einzugehen, hat die Autorin zu jedem ein ausdrucksstarkes Bild im Kopf des Lesers entstehen lassen. Rory als Protagonistin ist sehr sympathisch. Sie ist intelligent, aber auch clever, zu eigenem Denken fähig und hat einen sehr ehrenhaften moralischen Kodex – fast schon zu stark für ihr Alter. Auf der anderen Seite ist sie aber auch voller Selbstzweifel, hat Ängste und lässt sich, ihrem Alter entsprechend, von ihren Gefühlen mitreißen. Die Kombination macht sie für mich absolut authentisch und zu einer richtigen Heldin der Geschichte.

Mit North wurde ein Charakter geschaffen, der wunderbar untypisch für derartige Teenager-Liebesgeschichten ist. Er schwimmt nicht mit dem Storm, sowohl optisch als auch charakterlich, ist selbstständig und vor allem vernünftig. Auch wenn er nicht mein Fall wäre, passt er hervorragend in diese Geschichte und ist nicht, wie viele andere Jungs in dem Genre, farblos und austauschbar.

Die Story ist von vorne bis hinten spannend. Es gibt sehr viele Geheimnisse zu ergründen und da der Leser nur Rorys Gedanken und Gefühle kennt und nicht mehr Informationen als sie besitzt, kann er gleichzeitig mit ihr Vermutungen anstellen, sowie richtige und falsche Schlüsse ziehen. Natürlich ist der Einstieg in die Geschichte etwas sanfter, aber spätestens nach dem ersten Drittel konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen, da sich ein Ereignis an das andere reihte.

Es fällt mir schwer, auch noch die anderen positiven Aspekte des Romans angemessen zu würdigen, denn vor allem das Gefühl, mit dem der Leser zurückgelassen wird, macht es für mich ausgeschlossen, weniger als das Maximum an Sternen zu vergeben (nein, das hat mir nicht Lux vorgegeben). Selten findet man noch ein Buch, was den Leser nachhaltig beschäftigt und mit so vielen interessanten Gedanken zurücklässt. Dennoch stimmt auch der Rest des Romans, sodass meine Bewertung mit 5 von 5 Sternen in allen Aspekten gerechtfertigt ist.

Veröffentlicht am 23.06.2018

Ungewöhnliche Ermittlerin – Fokus weniger auf der Kriminalgeschichte

Fiona: Den Toten verpflichtet
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„Fiona – Den Toten verpflichtet“ ist der erste Teil der Reihe um die Polizistin Fiona Griffith von Harry Bingham. Während sie an einem Fall von Unterschlagung ermittelt, wird die Kreditkarte eines Verstorbenen ...

„Fiona – Den Toten verpflichtet“ ist der erste Teil der Reihe um die Polizistin Fiona Griffith von Harry Bingham. Während sie an einem Fall von Unterschlagung ermittelt, wird die Kreditkarte eines Verstorbenen am Tatort eines Doppelmordes gefunden. Eigentlich ist dies nicht ihr Fall, doch die Opfer lassen sie nicht mehr los und sie beginnt selbstständig zu ermitteln.

Fiona Griffith ist ganz zweifellos eine Ermittlerin, wie es keine zweite gibt. Sie leidet unter psychischen Problemen, aber keinesfalls trifft hier das Klischee des alkoholabhängigen Polizisten zu. Es handelt sich vielmehr um eine schwere Erkrankung, mit der der Leser nach und nach bekannt gemacht wird. Diese nimmt den größten Teil in Fionas Leben ein, bestimmt fortwährend ihre Gedanken und Handlungen. Es ist also festzuhalten, dass dieses Buch den Fokus sehr viel mehr auf die Persönlichkeit der Protagonistin lenkt, als auf die Kriminalgeschichte.
Man könnte jetzt meinen Fiona wäre stets depressiv, traurig und nach innen gekehrt. Doch in Wirklichkeit sind ihre Gedanken zum Teil wahnsinnig lustig. So mildern sie auch immer mal wieder den Schrecken des brutalen Mordes und der anderen kriminellen Handlungen die im Verlauf des Romans auftauchen. Bingham lässt den Leser nicht vollständig in diesen Schrecken abtauchen und das empfinde ich als eine sehr angenehme Abwechslung in diesem Genre.

Auch viele andere Charaktere in dem Buch bestechen durch ihre ungewöhnliche Art oder durch ihren Charme. Neben so einer herausgehobenen Protagonistin ist es immer schwer, Nebencharaktere zu erschaffen, die nicht nur zu einer Randnotiz verblassen. Das ist dem Autor hier gut gelungen.

Im ersten Teil des Buches ist die Kriminalgeschichte wirklich spannend. Der Leser erstellt seine eigenen Theorien, es gibt laufend neue Informationen und Hinweise. Spätestens im letzten Drittel steht aber Fionas Persönlichkeit sehr im Vordergrund und die Ermittlungen werden nur noch zu einem Ende geführt. Das fand ich sehr schade, da der Fall so viel versprechend begann. Bereits zu Beginn fragt sich der Leser, worunter Fiona wohl leidet, aber ab diesem Zeitpunkt werden ihre Handlungen und Gedanken zum Teil sehr absurd und der Leser kann nur noch darüber nachdenken, was mit ihr wohl los ist. Während des Lesens schwankte ich häufig, ob ich die Passagen, in denen Fionas Gedanken ausführlich dargestellt wurden, als Leser verworren und ermüdend fand, oder genial, wie ein Autor so aus dem Kopf einer psychisch kranken Person schreiben kann.

Am Ende gibt es allerdings doch noch den erhofften Showdown, aber eher plötzlich und kurz. Recht kurz danach fokussiert sich die Erzählung wieder auf die angebahnte Liebesgeschichte, sowie die Auflösung Fionas Erkrankung betreffend. Nachdem der Leser über 400 Seiten darauf gewartet hat, zu erfahren, was sie hat, fand ich die Art und Weise wie man es erfuhr zugegebenermaßen etwas lahm. Nicht die Krankheit als solche, sondern nur, wie es dem Leser übermittelt wurde. Hier hätte ich doch einen etwas größeren Knall erwartet.

Einen unerwarteten Knall gab es dann doch noch am Ende, den ich so nicht kommen sah – etwas, was ich immer positiv beurteile, vor allem wenn es sich, wie hier, schlüssig in das Gesamtkonzept einfügt.

Zusammenfassend bin ich von diesem ersten Band der Reihe nicht sonderlich begeistert. Vielleicht auch, weil ich weiß, dass es besser geht. Teil 3 hatte ich bereits vor einem dreiviertel Jahr gelesen und fand hier das Zusammenspiel zwischen der Persönlichkeitsdarstellung von Fiona und dem Krimi selbst sehr viel gelungener. Ich kann mir daher vorstellen, Fiona noch eine Chance zu geben und würde das auch jedem empfehlen, dem dieser Start ebenfalls nicht so gut gefallen hat.

Insgesamt komme ich zu 3 von 5 Sternen, weil Fiona eine großartige Persönlichkeit ist und auch alle anderen Charaktere mit viel Liebe gestaltet wurden. Nur im Bezug auf die Krimi-Aspekte wurde nicht genug geliefert.