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Veröffentlicht am 21.12.2019

Packendes und emotionales Finale

Sturmtochter, Band 3 - Für immer vereint
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Mit "Sturmtochter - Für immer vereint" ist das Finale von Bianca Iosivonis Sturmtochter-Trilogie erschienen (Band eins: "Für immer verboten", Band zwei: "Für immer verloren"). In der folgenden Rezension ...

Mit "Sturmtochter - Für immer vereint" ist das Finale von Bianca Iosivonis Sturmtochter-Trilogie erschienen (Band eins: "Für immer verboten", Band zwei: "Für immer verloren"). In der folgenden Rezension kann es daher zu Spoilern den ersten und den zweiten Teil betreffend kommen - nicht aber bezüglich des dritten.

Während die Naturkatastrophen in Schottland immer häufiger auftreten und immer drastischere Ausmaße annehmen, steigen ebenso die Elementar-Sichtungen und die Kämpfe gegen sie werden gefährlicher. Auch die Auseinandersetzungen zwischen den Clans spitzen sich zu, während Ava, verlassen von ihren Freunden, auf ein Lebenszeichen von Lance hofft.

Gut gelungen finde ich ein kurzes "Was bisher geschah" zum Einstieg. Kurz und präzise wird das Wichtigste zusammengefasst. Das erspart es dem Leser, dass die Charaktere "zufällig" über Vergangenes reden oder daran denken, um die Erinnerungen des Lesers aufzufrischen, was doch immer künstlich wirkt.

Wie schon in Band zwei, werden auch in Teil drei die einzelnen Kapitel aus den Perspektiven vieler verschiedener Charaktere erzählt. Nach wie vor ist es interessant, in die Gedanken jedes einzelnen einzutauchen. Hier ist es allerdings noch wichtiger als zuvor, sie zu begleiten, da gerade zum Finale die Handlungsorte über ganz Schottland verteilt sind.

In meiner Rezension zu Band zwei habe ich schon positiv erwähnt, dass sich der Stil der Autorin verbessert hat. Die Dialoge wirken natürlicher und insbesondere Ava nicht mehr künstlich oder gewollt lustig. Auch in Teil drei ist nochmal eine Verbesserung des Schreibstils zu spüren. Wirklich beeindruckend, diese Entwicklung über alle drei Bücher zu verfolgen - ein großes Lob an die Autorin.

Eins bleibt jedoch über alle Bände erhalten: Am Anfang fehlt es etwas an Spannung. In diesem Teil geht es dann aber, verglichen mit Band eins und zwei, sehr schnell aufs Ganze, bis die Spannung förmlich explodiert. Schlag auf Schlag folgenden Kämpfe, Naturkatastrophen und Schicksalsschläge - der Leser wird von einem wichtigen Handlungsort zum nächsten geworfen und die Zeilen fliegen nur so dahin.

Die letzten 50 Seiten waren sehr emotional für mich: ich habe vor meinem inneren Auge so viele Charaktere sterben sehen und nicht dran gezweifelt, dass Bianca Iosivoni den Mut hierzu haben würde. Das ist ein großer Pluspunkt: ich hatte das Gefühl, dass das Ende unvorhersehbar ist. Natürlich nicht in allen Belangen, aber gerade in der Frage, welcher Charakter welches Ende nimmt, konnte ich keine konkreten Vorhersagen machen.

Die Idee der Geschichte begeistert mich nach wie vor total: Fünf Elemente, fünf Clans, jeder mit seinem eigenen Gebiet, eigener Magie mit verschiedenen Ausprägungen, eigener Spezialeinheit und das alles im Verborgenen. Die Mischung aus moderner Gegenwart und Fantasy ist gut gelungen. Es entsteht ein ausbalanciertes Gleichgewicht sowie der Eindruck einer Welt, die so theoretisch tatsächlich existieren könnte. Gerade das finde ich bei Contemporary Fantasy besonders wichtig.

Auch die einzelnen Charaktere mag ich sehr. Sie sind ganz unterschiedlich und liebevoll ausgearbeitet, jeder mit Stärken und Schwächen, sodass sich eine authentische Person ergibt. In Band zwei haben wir mehr über jeden von ihnen erfahren, sodass ich jetzt mit jedem mitfiebern konnte und um jeden gebangt habe.

Der letzte Band ist nochmal eine Verbesserung im Vergleich zu Teil zwei. Für 5 Sterne reicht es allerdings trotz allem nicht. Die Idee ist wunderbar, die Charaktere toll und auch mit der Spannung passt es größtenteils. Die Auflösung zum Ende ist allerdings etwas fad und das gewisse Etwas, um die Geschehnisse rund zu machen, fehlt. Daher komme ich zu 4 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 06.12.2019

Poetische Sprache, fade Handlung

Verführung
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Tanja Kinkels Roman "Verführung" spielt im Italien des 18. Jahrhunderts. Die Protagonisten sind zum einen Angiola Calori, eine leidenschaftliche Sängerin, die ihren Weg an die Spitze sucht, und zum anderen ...

Tanja Kinkels Roman "Verführung" spielt im Italien des 18. Jahrhunderts. Die Protagonisten sind zum einen Angiola Calori, eine leidenschaftliche Sängerin, die ihren Weg an die Spitze sucht, und zum anderen Giacomo Casanova, "eine der wenigen nicht religiösen Figuren, deren bloßer Name international den meisten Menschen bekannt ist.“ (Zitat Kinkel). Beide haben große Ziele vor Augen, doch dass die Liebe füreinander diese beiden Verführer einholt, haben sie nicht erwartet.

Der etwas vage Klappentext nimmt nach wenigen Kapiteln Kontur an: Angiola liebt die Musik und das Singen, doch für Frauen gibt es im Kirchenstaat keine Möglichkeit, dies zu ihrem Lebensinhalt zu machen. Es folgt, was man schon aus so manchem historischen Roman kennt: sie gibt sich als Mann aus - genauer gesagt, als Kastrat. Genau dies kennt man bereits zur Genüge aus dem zehn Jahre älteren Werk "Die Kastratin" von Iny Lorentz, sodass es kein neues, frisches Motiv war.

Womit ich allerdings überhaupt nicht gerechnet habe, war die Leidenschaft zur Musik und zur Liebe, die vor allem Angiola in jeder Sekunde ausstrahlt. Leidenschaft für die Liebe hat natürlich auch Giacomo. So treffen zwei stürmische Charaktere aufeinander, die sich nichts schenken und es sich gegenseitig auch gar nicht so leicht machen: ein großer Unterschied zu anderen historischen Crossdressing Romanen. Überraschend für mich war außerdem eine nicht ganz unwesentliche erotische Komponente in Kinkels Erzählung. Nicht in so expliziter Sprache, wie man es aus manchem Erotikroman kennt, aber dennoch häufig und mit intensiven Beschreibungen.

Die Geschichte wird zum Teil im personalen Erzählstil aus Casanovas Perspektive geschildert, überwiegend steht allerdings Angiola im Mittelpunkt. Dabei ist das Buch in mehrere große Abschnitte unterteilt, je nach Rolle, die Angiola einnimmt: beginnend mit ihr selbst, "Angiola", über ihre Kastratenrolle "Bellini" bis zu weiteren Persönlichkeiten, die hier noch nicht erwähnt sein sollen. Ein sehr gelungener Aufbau, der dem Leser deutlich macht, wie stark Angiola die Personen annimmt und sich zu eigenmacht, sie lebt.

Sowohl von Angiola als auch von Giacomo lernt der Leser viel über die Liebe und das Leben. Dabei werden viele, fast schon poetische, Aussprüche getätigt, die man gerne liest, aufschreiben will und sich zu Herzen nehmen sollte.

Was in der ganzen Leidenschaft etwas untergeht, ist leider die Spannung. Es gibt eigentlich nur zum Ende hin eine etwas fesselndere Situation, während alle Handlungen vorher leidglich vor sich hinfließen und mehr die Probleme des Alltags und des Lebens umschreiben.

Insgesamt ist Tanja Kinkels Roman eine Ode an Liebe und Musik und kein Roman, der durch die tatsächliche Handlung glänzt. Was ich gelesen und gelernt habe, hat mir gut gefallen, dennoch hat mir die Spannung und die Unterhaltung gefehlt, sodass ich zu 3 von 5 Sternen komme.

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Veröffentlicht am 07.11.2019

Verworrene Dystopie

Die Unvollkommenen
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"Die Unvollkommenen" ist nach "Die Optimierer" der zweite dystopische Science-Fiction Roman von Theresa Hannig. Es tauchen zwar viele Personen aus dem ersten Band wieder auf und zeitweise wird auch auf ...

"Die Unvollkommenen" ist nach "Die Optimierer" der zweite dystopische Science-Fiction Roman von Theresa Hannig. Es tauchen zwar viele Personen aus dem ersten Band wieder auf und zeitweise wird auch auf vorangegangene Ereignisse Bezug genommen, Vorkenntnisse sind aber nicht zwingend erforderlich.

Protagonistin ist Paula "Lila" Richter, die 2057, nach ihrem Versuch, das existierende System der Optimalwohlökonomie zu stürzen, aus der sogenannten "Verwahrung" (ein künstliches Koma) wieder in die Gesellschaft integriert werden soll. Das heißt nicht, in die Freiheit entlassen, sondern in einem sehr strikten Internat eine andere Art von Gefangenschaft fortzusetzen. Lila kann fliehen, doch Samson Freitag, Präsident der Bundesrepublik Europa, KI und ihr Erzfeind findet sie und macht ihr ein Angebot, das sie nicht ablehnen kann.

Der Roman ist vollständig aus Lilas Perspektive geschrieben. Das ist vor allem zu Beginn sehr interessant und praktisch, weil der Leser mit ihr zusammen alle wichtigen Ereignisse und Neuerungen seit ihrer Verwahrung kennenlernt. In diese unbegreifliche und manchmal auch komplexe Zukunft einzutauchen, wird für die Leser*innen so leichter. Außerdem kann man sich sehr gut in Lila hineinversetzen, weil ihre Verzweiflung und Trauer greifbarer werden. Hieraus leite ich aber direkt auf einen Kritikpunkt über: an vielen Stellen wirkte Lila auf mich zu abgeklärt. Ihr Leben steht permanent auf dem Spiel und die Bewusstheit dessen war teilweise nicht überzeugend. Normalerweise ist mir eine starke, rationale Protagonistin immer lieber, als eine hysterische Person, paralysiert vor Panik. Hier wurde für meinen Geschmack allerdings kein guter Mittelweg gefunden.

Die Nebencharaktere sind sehr unterschiedlich gestaltet, was mir gut gefallen hat. Bei vielen weiß man nicht, woran man ist, ob man ihnen vertrauen kann und was ihre eigenen Motive sind. Das hat einen spannenden Aspekt in die Geschichte gebracht. Der zu Beginn des Buches wichtigste Nebencharakter war in der Mitte allerdings kaum noch vorhanden, bevor er zum Finale wieder wichtig wurde. Das wirkte nicht authentisch auf mich, er war zu sehr ein Instrument des Storytelling, als dass Lilas Beziehung zu ihm glaubhaft war.

Allgemein hat mir die erste Hälfte des Buches sehr viel besser gefallen. Es werden interessante dystopische Aspekte eingebracht und die Handlungen rund um die Flucht und Samsons Angebot sind stringent. Ab einem gewissen Punkt jedoch waren viele Gespräche, die Lila geführt hat, einfach nur wirr und viele Aktionen nicht mehr nachvollziehbar oder zur Situation passend. Hier ist der rote Faden ein wenig verloren gegangen, worunter für mich auch die Spannung beim Lesen gelitten hat. Am Ende gab es allerdings nochmal ein aufregendes Finale mit dessen Ausgang ich nicht gerechnet habe. Da mich die Geschichte vorher jedoch bereits ein wenig verloren hat, konnte ich auch von den letzten Handlungen im Buch nicht mehr alle nachvollziehen.

Schade ist außerdem, dass der spannende Aspekt "Roboterrechte", also Gleichberechtigung, Freiheit, Selbstbestimmung, sowie der Kampf gegen biologische Menschen zwar angerissen, aber nicht besonders weit ausgeführt wird. Hier ist einerseits etwas Potenzial verlorengegangen, andererseits könnte man, bezugnehmend auf meine vorherige Kritik, auch darauf verzichten, weiter von der Hauptgeschichte abzuschweifen. Eventuell ein verheißungsvoller Grundstein für ein separates Buch?

Insgesamt hatte die Autorin eine wirklich vielversprechende Idee für den zweiten Teil. Insbesondere die neuen Technologien, deren praktischer Nutzen aber auch die Gefahr für unsere Privatsphäre waren interessant geschildert und haben zum Nachdenken angeregt. Leider konnte ich später aber kaum noch nachvollziehen, was wer warum tut. Durch einige Szenen, die keine Relevanz für die Hauptgeschichte hatten, ist der rote Faden zwischenzeitlich stark verschwommen. Somit komme ich zu 3 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 02.11.2019

Spannendes und emotionales Finale

Fire & Frost, Band 3: Von der Dunkelheit geliebt
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"Fire & Frost - Von der Dunkelheit geliebt" bildet den Abschluss von Elly Blakes Trilogie. Kenntnisse aus Band eins ("Vom Eis berührt") und zwei ("Vom Feuer geküsst") sind zwingend erforderlich, da es ...

"Fire & Frost - Von der Dunkelheit geliebt" bildet den Abschluss von Elly Blakes Trilogie. Kenntnisse aus Band eins ("Vom Eis berührt") und zwei ("Vom Feuer geküsst") sind zwingend erforderlich, da es sich um eine zusammenhängende Geschichte handelt. Im Folgenden können daher Spoiler zu den beiden ersten Teilen enthalten sein, nicht aber zum Abschlussband.

Ruby, Arcus und Kai sind auf dem Rückweg nach Tempesien um Eurus aufzuhalten. Der Minax in Ruby wird jedoch immer stärker und sie droht zunehmend die Kontrolle zu verlieren.

Wie auch die beiden Vorgänger, ist der Abschlussband vollständig aus der Sicht von Ruby geschrieben. Dies empfand ich als sehr angenehme Abwechslung, da aktuell viele Jugendbücher mit wechselnder Perspektive zwischen weiblichem und männlichem Protagonisten arbeiten. Hier war es sehr einfach, sich in Ruby hineinzuversetzen und die Erzählung hatte einen angenehmen Fluss ohne harte Brüche.

Im Gegensatz zu den ersten beiden Geschichten ist diesmal die Lore leider etwas in den Hintergrund gerückt. Auf der einen Seite ist dies verständlich, da die Leser*innen mittlerweile alles an Wissen angesammelt haben, was sie brauchen, um die Handlung zu verstehen. Andererseits habe ich diese schönen Mythen und Prophezeiungen etwas vermisst. Dafür steht aber der reale Hintergrund dieser Legenden nun im Mittelpunkt.

Das Spannungslevel ist durchweg hoch. Gerade zum Finale wollte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Lediglich die Vernunft, genug zu schlafen, hat mich aufgehalten. Vor allem die konstante unterschwellige Bedrohung durch den Minax in Rubys Innerem gibt den Leser/innen das Gefühl, dass jederzeit etwas passieren könnte. Dabei folgt Elly Blake einem klaren roten Faden, sodass keine Längen aufkommen.

In meiner Rezension zu Band zwei habe ich lobend erwähnt, dass die Autorin nicht zu viel Lovestory einfließen lässt, sodass der Fokus weiterhin auf der Hauptgeschichte, der "Rettung der Welt", liegt. Band drei geht etwas intensiver auf die Liebesgeschichte ein, an manchen Stellen ist es wirklich zu viel und zu repetitiv. Was dennoch nichts daran ändert, dass mir an einer Stelle die Tränen kamen. Auch die romantischen Aspekte hat Elly Blake nun mal sehr gut in Worte gekleidet, nur hätten diese Worte ruhig etwas seltener in Erscheinung treten dürfen.

Was ich aus den beiden vorherigen Bänden nicht kenne und was mich sehr gestört hat, waren Black Outs in der Story. Es gab zwei bis drei Stellen an denen ich zurückblättern musste, weil ich mir sicher war, ein Kapitel versehentlich übersprungen zu haben. Dinge (und zum Teil sehr wichtige Dinge) geschehen, ohne, dass Ruby aktiv dabei ist. Vor allem am Ende erfährt sie nur aus zweiter Hand, was sich rund um den finalen Kampf gegen den Antagonisten ereignet hat. Wirklich unschön, nachdem die Leser/innen so lange darauf gewartet haben.

Das Finale der Reihe war durchweg spannend und zum Teil sehr emotional. Trotz des etwas höheren Romantikanteils und der Black Outs komme ich dennoch zu 4 von 5 Sternen. Ich bin dankbar, dass ich in diese tolle Lore eintauchen durfte und habe seit langer Zeit mal wieder das Gefühl, dass eine Trilogie nötig war, um der Story gerecht zu werden und nicht den Portemonnaies.

Veröffentlicht am 24.10.2019

Spannender Mittelalter-Krimi

Die Tote in der Henkersgasse
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Es wird wieder spannend im mittelalterlichen Freiburg. „Die Tote in der Henkersgasse“ ist der fünfte Fall für die ehemalige Begine und jetzt angesehene Stadtarztfrau Serafina Stadlerin, erdacht von Astrid ...

Es wird wieder spannend im mittelalterlichen Freiburg. „Die Tote in der Henkersgasse“ ist der fünfte Fall für die ehemalige Begine und jetzt angesehene Stadtarztfrau Serafina Stadlerin, erdacht von Astrid Fritz.
Die Ehefrau eines reichen Kaufmanns wird nachts auf der titelgebenden Straße gefunden - mit rot bemalten Wangen und einem falschen Muttermal. Während Serafina nicht von diesem interessanten Fall lassen kann, muss sie diesmal aber auch gegen ganz persönliche Probleme kämpfen: Ihr Bruder taucht nach Jahren überraschend auf, doch seine Motive sind höchst zweifelhaft.

Es dauert tatsächlich nur wenige Seiten, bis die Leser/innen wieder vollständig in Serafinas Leben eingetaucht sind. Das etwas prophetische und definitiv mit einem zwinkernden Auge geschriebene Personenregister zu Beginn des Buches hilft dabei sehr. Doch auch, wenn man bisher keine Berührungspunkte mit Serafina und „ihrem“ Freiburg hatte, können Leser der Geschichte gut folgen. Wissen aus den vorherigen Bänden ist nicht zwingend notwendig, auch wenn es zum Teil Anspielung dahingehend gibt.
Besonders gut gefallen hat mir, dass es nicht lange dauert, bis der Mord geschieht bzw. die Leiche gefunden wird. Viele andere Krimis lassen hier Kapitel um Kapitel verstreichen in denen sie über das Leben der Protagonisten berichten. Bei Astrid Fritz hingegen, geht es nach kurzer Einleitung schnell zur Sache – perfekt, denn genau für die dadurch einsetzenden Ermittlungen nehmen wir einen Krimi doch in die Hand!

Serafina ist und bleibt eine tolle Persönlichkeit. Sie ist mutig, neugierig, sehr zielstrebig, gibt nicht auf und ist auch etwas stur. Das alles macht sie zu einer hervorragenden Ermittlerin, die – hätte es einen vergleichbaren Beruf gegeben und wäre dieser überhaupt für Frauen zugelassen gewesen – eine großartige Polizistin sein könnte. Auch ihr Mann Adalbert ist ein wunderbar gezeichneter Charakter. An ihm gefällt mir besonders, dass er nicht der perfekte Mann ist, der alles weiß und alles kann. Er ist Serafina ein liebevoller, unterstützender Partner und den Leser/innen sympathisch.

Das Spannungslevel ist durchweg hoch. Es gibt so viele Hinweise und Vermutungen, die beim Lesen angestellt werden können und immer kommt etwas Neues hinzu, was ein anderes Licht auf den Fall wirft. Die letztendliche Auflösung habe ich so allerdings nicht kommen sehen. Das gefällt mir sehr gut bei einem Krimi: ein unerwartetes, aber dennoch plausibles Ende.
Astrid Fritz garniert das noch mit einer Prise Humor, die ihren angenehmen und flüssigen Schreibstil noch lebendiger macht. Hier ist vor allem die bärbeißige Hausmagd Irmla hervorzuheben, die getreu dem Motto „Harte Schale, weicher Kern“ schnell zu meinem Lieblingsnebencharakter avanciert ist. Ihre Sprüche sind immer ein Treffer und pointieren hervorragend, was für ein Irrsinn zum Teil im Haus des Stadtarztes vor sich geht.

Den Abschluss des Buches bildet zum einen ein umfangreiches Glossar. Hierin werden die verwendeten historischen Begrifflichkeiten gut erklärt. Eine besondere Zuckerkirsche für Freiburg-Kenner*innen sind auch die Erläuterungen, welche damaligen Straßen und Gebäude, welchen heutigen Orten entsprechen. Ich persönlich konnte damit nicht so viel anfangen, aber in jedem Punkt spürt man die gründliche Recherche der Autorin. Zum anderen rundet ein historisches Nachwort die Geschichte ab. Dies ist eine gelungene Ergänzung, um das Gelesene in den richtigen historischen Kontext zu setzen und nebenbei wieder einiges über die damalige Epoche zu lernen. Astrid Fritz kann auch diese vermeintlich trockenen Fakten leicht verständlich und interessant rüberbringen.

Der fünfte Teil der Serafina-Reihe ist wieder spannend und unvorhersehbar. Die Charaktere sind wie immer wunderbar und diesmal ist das Ende auch wieder stimmiger als beim Vorgänger "Tod im Höllental". Zusammenfassend komme ich daher zu 4 von 5 Sternen und freue mich auf Band sechs!