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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.12.2017

Unverhofftes Wiedersehen

Abschied in Prag
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Es gibt nichts Wichtigeres auf der Welt als Bücher gegen das Vergessen. Gerade in der heutigen Zeit, in der wir wieder tagtäglich mit antisemitischen Äußerungen konfrontiert werden, kommt dem Roman "Abschied ...

Es gibt nichts Wichtigeres auf der Welt als Bücher gegen das Vergessen. Gerade in der heutigen Zeit, in der wir wieder tagtäglich mit antisemitischen Äußerungen konfrontiert werden, kommt dem Roman "Abschied in Prag" von Alyson Richman eine ganz besondere Rolle zu. Lenkas und Josefs Geschichte beginnt im Prag der 1930er Jahre. Kurz nach ihrer Heirat werden die jungen Liebenden beim Einmarsch der Deutschen auseinandergerissen. Josef emigriert, arbeitet als Arzt in New York, heiratet. Lenka entrinnt im Konzentrationslager dem Tod nur knapp und beginnt nach dem Krieg ein neues Leben in den USA. Obwohl sie glauben, einander nie wiederzusehen, vergessen sie ihre Liebe nie. Bis sie sich sechs Jahrzehnte später in New York zufällig begegnen...

Das Cover ist sehr ansprechend gestaltet. Im Mittelpunkt steht ein gepackter Koffer, der in einer Signalfarbe (Rot) gehalten ist und die Blicke des Betrachters auf sich zieht. Er symbolisiert den Abschied von der vertrauten Heimat und die Reise in eine ungewisse Zukunft. Im Hintergrund erkennt man die Silhouette der weltberühmten Stadt an der Moldau. Auch der Titel des Roman ist kurz und prägnant und spiegelt das Romangeschehen auf eine subtile Weise wider.

Das Geschehen wird aus zwei Perspektiven, nämlich von Lenka und Josef, geschildert. Sie verbindet eine große Liebe, die aufgrund von tragischen Umständen nicht gelebt werden konnte. Als Leser entwickelt man eine enge Bindung an diese zwei starken Protagonisten, deren Lebensweg wir über eine lange Zeitspanne von der ersten zufälligen Begegnung über die tragische Trennung in den Wirren des Krieges und das unverhoffte Wiedersehen auf einer Hochzeit in den USA verfolgen.

In diesem vielschichtigen Roman werden viele wichtige Themen wie die Bedeutung von Familie, Freundschaft und Liebe angesprochen. Hierbei kommt der Kunst eine entscheidende Rolle zu. Sie ist ein Zeichen des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus, aber auch eine Flamme der Hoffnung, die alle Verfolgten am Leben erhält. Auch Lenka hat sie die Kraft zum Weiterleben in den Konzentrationslagern gegeben, nachdem sie ihre Angehörigen verloren hatte.

Alyson Richman schreibt in einer schlichten, aber sehr ausdrucksstarken Sprache. Man spürt das Grauen, wenn sie das Unsagbare schildert, was Lenka in den Konzentrationslagern mitansehen, erleben und erleiden muss. Nach ihrer Befreiung ist ihr Leidensweg längst nicht zu Ende. Auch wenn es ihr gelingt, sich ein neues glückliches Leben aufzubauen, kämpft sie zeitlebens gegen das Trauma, den Holocaust überlebt zu haben, während alle ihre nahestehenden Menschen gestorben sind.

Auch Josef kennt diese zwiespältigen Gefühle. Zeitlebens lässt ihn die Erinnerung an Lenka nicht los. Er fühlt sich schuldig, weil er seine Heimat rechtzeitig verlassen und in die USA emigrieren konnte, während er seine geliebte Frau schutzlos zurücklassen musste und nicht in Erfahrung bringen konnte, was mit ihr nach dem Abschied in Prag geschehen ist.

Dieses Buch hat mich sehr aufgewühlt zurückgelassen. Heute vergebe ich 5 Sterne für ein ergreifendes Buch über eine tragische Lebens- und Liebesgeschichte in dunkelster Zeit, die noch lang ein mir nachhallen wird.

Veröffentlicht am 21.12.2017

Auf der Suche nach Mr. Right

Liebesglück für Anfänger
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Liebe – lieber nicht! Auf diese Idee kann man leicht kommen, wenn man den Roman "Liebesglück für Anfänger" von Katharina Siebert in die Hände nimmt.

Hier geht es um die Journalistin Fanny, die - als Single ...

Liebe – lieber nicht! Auf diese Idee kann man leicht kommen, wenn man den Roman "Liebesglück für Anfänger" von Katharina Siebert in die Hände nimmt.

Hier geht es um die Journalistin Fanny, die - als Single aus Überzeugung - eine Artikelreihe über die verschiedenen Möglichkeiten der Partnersuche verfassen soll. Der Haken an dieser Sache ist, dass ihr Chef mehr als nur ein bisschen Internetrecherche erwartet. Er verlangt Erfahrungen aus erster Hand.
Der Selbstversuch führt Fanny nicht nur in ein Seminar mit dem schönen Titel »Liebesglück für Anfänger – In vier Schritten zum Traumpartner«, sie erlebt auch allerlei weitere Skurrilitäten.
Nachdem sie die ganze Bandbreite so gar nicht liebenswerter Männertypen kennengelernt hat, fühlt sie sich bestätigt:
Partnersuche lohnt sich nicht! Zumal der einzige interessante Mann bestens versorgt zu sein scheint. Denkt sie zumindest ...

Das Cover wirkt hübsch. Dem literarischen Genre entsprechend ist es in zarten Pastelltönen gehalten worden. Der Betrachter schaut direkt auf einen Teller mit köstlichen Macarons, die das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Sie sind kleine Appetithäppchen für eine Food Bloggerin, die sich Mut für die Prinzenjagd holen will. Eine pinkfarbene Sonnenbrille vervollständigt das Barbie-Ambiente, das nicht allzu ernst gemeint ist. Auch der eingängige Titel ist gut in Szene gesetzt worden. Er prangt in pastellfarbenen Großbuchstaben auf einem Kalenderblatt und gibt gewissermaßen die Marschrichtung vor.

Der Plot des Buches ist aus vielen Büchern bekannt; auch das Setting in einer Redaktion bietet keine großen Überraschungen. Katharina Siebert schreibt in einem flüssigen, locker-flockigen Ton, und man kann ihr Buch mühelos in wenigen Stunden lesen. Leider sind ihr einige dramaturgische Fehler unterlaufen. In der Tat begleiten wir die Protagonistin Fanny durch den Dating-Dschungel und lernen haarsträubende Männer-Typen kennen. Die grenzwertigen Begegnungen in verschiedenen Locations sind gut beschrieben worden, und man kann sich häufig das Lächeln nicht verkneifen.

Trotzdem erinnert mich der Roman von Katharina Siebert mehr an einen witzigen Ratgeber für die Suche nach Mr. Perfect. Die versprochene romantische Liebeskomödie ist für meinen persönlichen Geschmack eindeutig zu kurz gekommen. Aus diesem Grunde reicht es heute nur für 3,5 Sterne für ein amüsantes, kurzweiliges Buch.

Veröffentlicht am 15.12.2017

Eine neue Chance für die Liebe

Taste of Love - Mit Sehnsucht verfeinert
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Kochen ist Liebe!

Poppy J. Anderson legt mit ihrem Roman "Mit Sehnsucht verfeinert" bereits den vierten (und letzten) Teil ihrer "Taste-of-Love - die Köche von Boston"-Reihe vor. In diesem Buch stehen ...

Kochen ist Liebe!

Poppy J. Anderson legt mit ihrem Roman "Mit Sehnsucht verfeinert" bereits den vierten (und letzten) Teil ihrer "Taste-of-Love - die Köche von Boston"-Reihe vor. In diesem Buch stehen Hayley und Scott im Mittelpunkt, die bereits ihre Traumhochzeit planen - und plötzlich ihre Trennung bekannt geben. Während Freunde und Familie noch über die Gründe rätseln, sucht Hayley ihr Heil in der Flucht: Sie nimmt im weit entfernten Kalifornien eine Stelle als Gourmetköchin an. Doch sie kann Scott nicht vergessen, und so kehrt sie zurück in ihre Heimat Boston. Er hat mittlerweile eine steile Karriere hingelegt, gilt nun als einer der begehrtesten Junggesellen der Ostküste. Bekommt ihre Liebe trotzdem eine zweite Chance?

In das wunderschöne Cover habe ich mich spontan verliebt. Mit seinen liebevoll gezeichneten Motiven ist es ein richtiger Hingucker, der in jeder Buchhandlung das Interesse der Kunden auf sich ziehen wird. Ganz klar steht die Kochkunst im Mittelpunkt. Man glaubt fast den Duft der feinen Gewürze zu spüren, die in der rechten unteren Ecke gekonnt in Szene gesetzt worden sind. Auf dem Umschlag erkennt man einige Gegenstände, die in jeder Küche eine große Rolle spielen. Auch das Motiv der Liebe ist durch ein filigranes silbernes Herz eingefangen, zu dem ein winziger Schlüssel passt. Auch der aussagekräftige Titel ist ein Versprechen an den Leser und regt seine Phantasie an. Die kurvie Schrift lässt auf eine schwungvolle, turbulente Liebesgeschichte schliessen, die nicht eine einzige Sekunde lang langweilig wird.

Der Plot des Romans ist nicht neu und schnell erzählt, das Setting in Boston perfekt gewählt. Die Liebesgeschichte wird aus zwei verschiedenen Perspektiven vermittelt. Auf diese weise kann man sich gut in die einzelnen Personen einfühlen und ihre Verhaltensweisen genau nachvollziehen. Mit Hilfe von Rückbenden erfahren wir von dem traumatischen Erlebnis, das zu einem krassen Missverständnis und zur überraschenden Trennung von Hayley und Scott geführt hat.

Poppy J. Anderson versteht ihr literarisches Handwerk. Sie schreibt in einem angenehmen, ungekünstelten Stil, erweckt alle Schauplätze ihres Buches zum Leben und findet die richtige Balance zwischen Drama, Erotik und Liebe. Ihre Sprache ist einfach und klar, und das Buch besticht durch die schlagfertigen, witzigen Dialoge ihrer Protagonisten.

Hayley und Scott sind eigenwillige, selbstbewusste Charaktere, die alles andere als pflegeleicht sind. Dies gilt vor allem für Hayley, die aus reichem Hause stammt und ein temperamentvolles Geschöpf ist, das lieber aus seinem Bauchgefühl heraus handelt, als seinen Verstand einzuschalten. Man kann ihre spontanen Reaktionen nicht immer nachvollziehen, geschweige denn billigen, aber sie hat definitiv ein gutes Herz, ist sehr hilfsbereit, drückt sich vor keiner Arbeit, zieht keinen Nutzen aus ihren guten Beziehungen und kümmert sich fürsorglich um ihren kranken Vater. Auch Scott besitzt einen ausgeprägten Dickkopf. Er ist ein bodenständiger, ehrgeiziger Mann, der sich niemals in ein gemachtes Nest setzen wollte, sondern lieber aus eigener Kräften ein angesehenes Unternehmen aufgebaut hat.

Wenn man so will, hat dieser Roman meinen Appetit auf die Reihe "Taste of Love" angeregt. Die vorangegangenen Bücher werde ich mir in der Buchhandlung meines Vertrauens kaufen. Besonders schön finde ich die köstlichen Rezepte, die den Leser zum Nachkochen anregen. Vielleicht habt ihr auch mal Lust, eure/n Liebste/n zu verwöhnen? Nicht vergessen: Liebe geht durch den Magen!

Gern vergebe ich heute 4,5 Sterne und spreche eine klare Lese-Empfehlung aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Charaktere
  • Humor
  • Gefühl
  • Lesespaß
Veröffentlicht am 28.11.2017

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Leuchtturmtage (Ein Nordsee-Roman 2)
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Manchmal kann ein trauriges Ende ein neuer Anfang sein. Im Mittelpunkt des Romans "Leuchtturmtage" von Anni Deckner steht Stella Engel, die seit fünfzehn Jahren mehr oder weniger glücklich mit Holger verheiratet ...

Manchmal kann ein trauriges Ende ein neuer Anfang sein. Im Mittelpunkt des Romans "Leuchtturmtage" von Anni Deckner steht Stella Engel, die seit fünfzehn Jahren mehr oder weniger glücklich mit Holger verheiratet ist. Aus der einstigen Schönheitskönigin ist eine zufriedene, rundliche Hausfrau geworden. Als Holger Stella kurz vor Weihnachten von einem Tag auf den anderen verlässt, fällt sie aus allen Wolken. Offenbar legt er doch mehr Wert auf Äußerlichkeiten, als sie wahrhaben wollte. Um wieder einen klaren Kopf zu bekommen, macht sich Stella kurzentschlossen auf den Weg zu ihrem Bruder, der in Westerhever den alten Bauernhof der Familie betreibt. Auf der abenteuerlichen Fahrt über verschneite Straßen nimmt sie den Anhalter Hauke mit, und die beiden kommen sich näher. Im Norden angekommen packt Stella bei der Stallarbeit mit an und trifft so den charmanten Tierarzt Michael wieder, mit dem sie sich schon zur Schulzeit gut verstanden hatte. Doch dann taucht plötzlich Hauke wieder auf. Stellas Gefühlschaos ist perfekt und sie muss sich entscheiden – wen will sie bei ihrem Neuanfang an der Nordseeküste an ihrer Seite haben?

Als Nordsee-Fan fühlte ich mich von dem schönen Cover des Romans gleich angezogen. Es ist in hellen, warmen Farben gehalten und zeigt eine Frau, die einen Spaziergang am Strand unternommen und sich gegen die Kälte warm eingemummelt hat. Sie trägt einen modischen hellen Wintermantel und eine blaue Mütze und schaut gedankenverloren auf die Nordsee hinaus. Im Hintergrund kann man das Wahrzeichen von Sankt-Peter-Ording erkennen, das im kurzen und präganten Titel des Romans mit aufgenommen wurde.

Der Plot des Romans begegnet uns in vielen Romanen, ist aber gut umgesetzt worden. Auch das Setting ist gut gewählt. Das Buch von Anni Deckner atmet viel Lokalkolorit und man spürt bei jeder Zeile die enge Verbindung der Autorin zu ihrer Heimat. Anni Deckner schreibt in einem einfachen, gut lesbaren Stil, hin und wieder wirken manche Formulierungen etwas altmodisch, gestelzt und unbeholfen.

Ihre Heldin Stella Engel ist eine durchaus sympathische Frau, mit der sich der Leser leicht identifizieren kann. Im Laufe des Geschehens durchlebt sie eine starke (positive) Veränderung von einer abhängigen, verlassenen Ehefrau zu einer erfolgreichen, selbstbewussten Geschäftsfrau, die auf eigenen Füßen steht und - ganz nebenbei - eine neue Liebe findet.

Leider hat Anni Deckner den Fehler begangen, zu viele Informationen in diese interessante (Entwicklungs-)Geschichte pressen zu wollen. Die meisten Protagonisten bleiben flach und oberflächlich, weil sie nicht genug Raum und Zeit für ihre charakterliche Entwicklung bekommen. Für mein Empfinden nutzt die Autorin zu viele gängige Klischees, hastet durch ihren literarischen Text und hakt alle vorgesehenen Punkte auf ihrer Liste ab. Auch das permanente Streben nach Harmonie hat mich gestört. Sämtliche Probleme werden zunächst aufgebauscht und dann im Handumdrehen gelöst, es kommt nicht ein einziges Mal zu einer handfesten Auseinandersetzung, was ich für nicht nachvollziehbar und sehr unglaubwürdig halte.

Aus diesem Grunde kann ich heute nur 3 Sterne für einen unterhaltsamen Roman vergeben, der sich vor allem für einen erholsamen Urlaub in St. Peter-Ording anbietet.

Veröffentlicht am 24.11.2017

Halali...

Katz und Mord
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"Katz und Mord" ist nicht nur der erste Fall für Anne Kirsch, sondern auch das literarische Debüt von Mareika Albracht. Die junge Kommissarin ist gerade von ihrem Freund für eine Jüngere verlassen worden. ...

"Katz und Mord" ist nicht nur der erste Fall für Anne Kirsch, sondern auch das literarische Debüt von Mareika Albracht. Die junge Kommissarin ist gerade von ihrem Freund für eine Jüngere verlassen worden. In dieser schwierigen Situation kommt ihr ein ein Mordfall gut gelegen: In Bontkirchen im Sauerland wird Jürgen Gruber erschossen aufgefunden. Bereits wenige Wochen zuvor war im selben Dorf die Rentnerin Luise Steinmetz an einer Knollenblätterpilzvergiftung gestorben. Gibt es eine Verbindung zwischen den Mordfällen? Und wo ist Luises Katze? Anne beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und begibt sich dabei unwissentlich in Lebensgefahr ...

Das Cover ist gut auf den Inhalt des Krimis abgestimmt worden. Optisch gesehen ist es nicht unbedingt ein Hingucker, aber es spiegelt die herbe ländliche Kulisse des Sauerlandes wieder. Auf den ersten Blick scheint auf dem Lande die Welt noch in Ordnung zu sein, aber man spürt eine latente Bedrohung. Wenn man genau hinschaut, erkennt man viele symbolkräftige Motive wie ein Gewehr und eine Katze, die bereits im Klappentext des Buches erwähnt werden. Der Titel des Krimis ist kurz und prägnant und macht auf die Handlung neugierig. Auch hier wird der Katze eine entscheidende Rolle für den Verlauf der Handlung zugestanden.

Der Plot des Krimis ist nicht neu, aber gut umgesetzt worden. Auch das Setting in einer relativ unbedeutenden Kleinstadt im Sauerland ist perfekt gewählt. Auf dem heimatverbundenen Dorf scheint die Welt noch in Ordnung zu sein, aber hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Nichts ist so wie es scheint.

Mareike Albracht hat sich zwar eine real existierende Kleinstadt zum Vorbild für ihre Handlung erwählt, aber die geschilderte Handlung ist reine Fiktion. Ihr Krimi atmet viel Lokalkolorit, man glaubt die verschiedenen Schauplätze direkt vor sich zu sehen. Ihre Protagonistin Anne Kirsch ist eine toughe, durchaus unbequeme Frau, die sich nichts sagen lässt und berulich gesehen durchaus eigene Wege geht, auch wenn sie sich als Kommissarin lieber an die Spielregeln halten sollte. Auch die anderen Figuren haben viele Ecken und Kanten. Dies gilt vor allem für die Bewohner des Dorfes, die keineswegs eine weiße Weste, sondern so einiges auf dem Kerbholz haben. Man begegnet nervtötenden Spießern, unangenehmen Tratschliesen, kiffenden Jugendlichen, brutalen Schlägern und trinkfesten Jägern, die sich selbstherrlich über geltende Rechtsvorschriften hinwegsetzen.

Mareike Albracht schreibt in einem klaren, gut lesbaren Stil. Sie hält ihren Spannungsbogen bis zur letzten Seite, legt einige falsche Fährten, baut einige überraschende Wendungen ein und präsentiert eine Lösung, die man nicht unbedingt auf dem Schirm hatte. Was mich persönlich beeindruckt hat, ist die Professionalität, mit der die Autorin Mareike Albracht für ihren ersten Krimi recherchiert hat. Sie verfügt über gute Kenntnisse auf dem Gebiet der Pathologie und schildert realistisch den grauen Alltag in einer Behörde, die kaum Spielraum für individuelles Handeln lässt.

Gern vergebe ich heute 4 Sterne für ein gelungenes Krimi-Debüt einer Autorin, die man im Auge behalten sollt