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Veröffentlicht am 03.05.2026

Wenn aus kleinen Samen großes Staunen wird

Benny und der grüne Daumen
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Manchmal braucht es gar kein lautes Kinderbuch mit Glitzer, Krach und zehn Plot-Twists pro Seite. Manchmal reicht ein Junge, ein bisschen Erde, ein paar Samen und diese wunderbare Frage: Was passiert denn ...

Manchmal braucht es gar kein lautes Kinderbuch mit Glitzer, Krach und zehn Plot-Twists pro Seite. Manchmal reicht ein Junge, ein bisschen Erde, ein paar Samen und diese wunderbare Frage: Was passiert denn jetzt eigentlich, wenn man das da einpflanzt?

Benny und der grüne Daumen habe ich meiner Nichte ganz gemütlich auf der Couch vorgelesen, und genau dafür ist dieses Buch wie gemacht. Kein hektisches Durchblättern, kein wildes Überfordern, sondern dieses ruhige Staunen, bei dem man selbst wieder kurz denkt: Stimmt, so ein Bohnenkern ist eigentlich schon ein kleines Wunder mit Tarnkappe.

Besonders schön fand ich, wie spielerisch das Buch Wissen vermittelt. Da wird nicht mit erhobenem Zeigefinger erklärt, sondern neugierig gefragt, ausprobiert und beobachtet. Was wächst? Was wächst nicht? Warum brauchen Pflanzen Licht und Wasser? Und zack, sitzt man da mit einem Kind neben sich und merkt, wie aus einem einfachen Bilderbuch plötzlich ein kleines Naturabenteuer wird.

Tomi Ungerers Illustrationen geben dem Ganzen diesen herrlich charmanten, leicht altmodischen Zauber. Nicht glattgebügelt, nicht künstlich süß, sondern mit Charakter. Genau mein Ding. Da steckt Leben drin, kleine Schrulligkeit und ganz viel Herz.

Für ganz kleine Kinder ist manches vielleicht noch erklärungsbedürftig, aber gerade das fand ich schön. Es entstehen Gespräche. Meine Nichte hatte Fragen, ich hatte Antworten oder tat zumindest sehr überzeugend so, als hätte ich welche. Kaffee für mich, Pflanzenwissen für sie, Couchglück für uns beide.

Benny und der grüne Daumen ist ein liebevolles, kluges Kinderbuch für kleine Naturentdecker und große Vorlesemenschen. Ein Buch, das Lust macht, danach wirklich etwas einzupflanzen. Und wenn ein Kinderbuch das schafft, hat es seinen grünen Daumen absolut verdient.

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Veröffentlicht am 02.05.2026

Wenn Geschichte plötzlich die Maske fallen lässt

Schneider / Schwerte
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Manchmal liest man ein Sachbuch und merkt schon nach wenigen Seiten: Na wunderbar, jetzt wird es unbequem. Schneider / Schwerte ist genau so ein Fall. Kein netter Spaziergang durch Geschichte, sondern ...

Manchmal liest man ein Sachbuch und merkt schon nach wenigen Seiten: Na wunderbar, jetzt wird es unbequem. Schneider / Schwerte ist genau so ein Fall. Kein netter Spaziergang durch Geschichte, sondern eher ein Gang in einen Keller, in dem jemand viel zu lange das Licht ausgelassen hat.

Angelina Pils nimmt sich Hans Ernst Schneider vor, später bekannt als Hans Schwerte, und legt Schicht für Schicht frei, wie aus einem SS-Offizier ein angesehener Hochschulmensch, Rektor und Vorzeigedemokrat werden konnte. Und ganz ehrlich, beim Lesen sitzt man da teilweise mit hochgezogener Augenbraue und denkt: Das kann doch nicht einfach so funktioniert haben. Tja. Offenbar konnte es das doch.

Besonders stark ist, dass das Buch nicht nur auf diese eine Person starrt. Es geht nicht bloß um einen Mann mit falschem Namen, sondern um ein ganzes System aus Wegsehen, Mitmachen, Anpassen und sehr bequemer Erinnerungslücke. Genau da wird es spannend und auch ziemlich bitter.

Der Stil ist sachlich, aber nicht trocken wie alter Zwieback. Man merkt die wissenschaftliche Tiefe, trotzdem bleibt der Stoff greifbar. Natürlich ist das kein Buch, das man mal eben nebenbei wegatmet. Man muss schon dabei bleiben. Aber wer sich für Nachkriegsgeschichte, Erinnerungskultur und diese seltsamen Brüche in der Bundesrepublik interessiert, bekommt hier richtig viel Futter.

Für mich ist Schneider / Schwerte ein starkes, wichtiges und ziemlich nachhallendes Sachbuch. Nicht gemütlich, nicht leicht, aber genau deshalb lesenswert. Geschichte klopft hier nicht höflich an, sie tritt eher mit schmutzigen Schuhen in den Raum.

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Veröffentlicht am 02.05.2026

Wenn Zitronen nach Italien schmecken

Amore al Limone
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Sonne auf der Zunge, ein Hauch Meeresluft in der Küche und plötzlich liegt da dieses Buch, das nicht einfach nur Rezepte sammelt, sondern ein ganzes Lebensgefühl aufblättert. Amore al Limone fühlt sich ...

Sonne auf der Zunge, ein Hauch Meeresluft in der Küche und plötzlich liegt da dieses Buch, das nicht einfach nur Rezepte sammelt, sondern ein ganzes Lebensgefühl aufblättert. Amore al Limone fühlt sich an wie ein Spaziergang durch italienische Gassen, vorbei an Zitronenbäumen, gedeckten Tischen und kleinen Momenten, die nach Urlaub schmecken.

Besonders schön finde ich, dass die Zitrone hier nicht nur als kleiner Frischekick am Rand auftaucht, sondern wirklich die Hauptrolle bekommt. Mal süß, mal herzhaft, mal überraschend fein und dann wieder herrlich unkompliziert. Genau das macht das Buch für mich so reizvoll. Es zeigt, wie vielseitig diese Frucht sein kann, ohne dabei künstlich besonders wirken zu wollen.

Die Rezepte lesen sich appetitlich, sonnig und trotzdem bodenständig. Bei Garnelen-Linguine mit Chili und Zitrone, Zitronen-Zucchini-Carbonara oder Pavlova mit Zitronen-Olivenöl-Curd hatte ich direkt Bilder im Kopf und ehrlich gesagt auch ziemlich Hunger. Dazu kommen schöne Anekdoten, Tipps und diese warme italienische Stimmung, die das Buch mehr wie eine kleine Reise wirken lässt.

Für mich ist Amore al Limone ein Kochbuch zum Blättern, Träumen und Nachkochen. Nicht jedes Rezept wird vermutlich sofort im Alltag landen, aber die Inspiration sprudelt auf jeder Seite. Ein Buch, das gute Laune macht und der Küche einen gelben Sonnenstrahl schenkt.

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Veröffentlicht am 02.05.2026

Wenn Street Art plötzlich im Bücherregal rebelliert

Banksy: Prints
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Banksy auf Papier klingt erstmal fast zu brav, oder? Dieser Typ, der sonst Wände, Mauern und den Kunstmarkt gleichermaßen frech angrinst, bekommt hier ein ordentliches Nachschlagewerk. Und genau das macht ...

Banksy auf Papier klingt erstmal fast zu brav, oder? Dieser Typ, der sonst Wände, Mauern und den Kunstmarkt gleichermaßen frech angrinst, bekommt hier ein ordentliches Nachschlagewerk. Und genau das macht den Reiz aus.

Banksy: Prints ist kein wildes Blätterbuch für nebenbei, sondern eher so ein Kunstband, bei dem man plötzlich viel länger hängen bleibt als geplant. Nur mal kurz reinschauen? Ja klar. Dreißig Minuten später sitzt man da, starrt auf Ratten, Polizisten, Blumenwerfer und denkt: Dieser Mann hat mit wenigen Motiven mehr gesagt als andere mit ganzen Romanen.

Besonders spannend finde ich, dass hier nicht nur hübsche Bilder gesammelt werden. Es geht um Editionen, Drucke, Entstehungsjahre, Details und den Sammlerwert dahinter. Das hat fast etwas Detektivisches. Man blättert nicht einfach durch Kunst, man verfolgt Spuren.

Natürlich ist das Buch eher etwas für Menschen, die Banksy schon mögen oder wenigstens neugierig auf seine Druckgrafiken sind. Wer eine lockere Künstlerbiografie mit viel Drama erwartet, könnte vielleicht etwas trockener landen als gedacht. Aber als Überblick über diese 51 Editionen ist das Ding schon ziemlich stark.

Optisch macht es ebenfalls was her. Die Reproduktionen wirken wertig, die Aufmachung passt zum Thema und trotzdem bleibt dieser kleine Banksy Stachel erhalten. Schön sauber gedruckt, aber innerlich immer noch mit Spraydose in der Hand.

Für mich ein richtig starkes Kunstbuch. Informativ, hochwertig, ein bisschen nerdig und genau deshalb so reizvoll. Banksy bleibt geheimnisvoll, aber seine Drucke bekommen hier eine Bühne, die ihnen verdammt gut steht.

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Veröffentlicht am 01.05.2026

Wenn Paris plötzlich nach Verbot und Herzklopfen schmeckt

All the prices we pay - Hearts of Paris
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Paris hat in dieser Geschichte keinen glitzernden Postkartenfilter, sondern fühlt sich dunkel, verboten und gefährlich lebendig an. Zwischen alten Mauern, illegalen Partys und unausgesprochenen Wahrheiten ...

Paris hat in dieser Geschichte keinen glitzernden Postkartenfilter, sondern fühlt sich dunkel, verboten und gefährlich lebendig an. Zwischen alten Mauern, illegalen Partys und unausgesprochenen Wahrheiten entsteht eine Atmosphäre, die sofort neugierig macht und gleichzeitig dieses leise Kribbeln im Bauch auslöst.

Nicolas hat mich besonders berührt, weil er so sehr versucht, perfekt zu funktionieren. Der perfekte Sohn, der perfekte Student, der Mensch, der bloß keine Risse zeigen darf. Gerade dadurch wurde seine innere Zerrissenheit für mich spürbar. Harmony bringt mit ihren pinken Haaren, ihrer wilden Art und ihrer Energie genau das Chaos in sein Leben, das er eigentlich meiden müsste.

Die Verbindung zwischen den beiden lebt nicht nur von Anziehung, sondern auch von Verletzlichkeit. Dieses langsame Näherkommen, das Kämpfen gegen Gefühle und die Angst, gesehen zu werden, haben für mich sehr gut zum New Adult Genre gepasst.

Manchmal hätte ich mir noch etwas mehr Tiefe in einzelnen Momenten gewünscht, aber insgesamt ist es ein intensiver Reihenauftakt mit Herzklopfen, Schattenseiten und Figuren, die nicht einfach nur lieben, sondern erst lernen müssen, sich selbst auszuhalten.

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