Viel Potenzial zwischen Schmerz und Alchemie
AlchemisedDüstere Fantasy, alchemistische Gewalt, große Gefühle und jede Menge innere Abgründe – Alchemised kommt mit ordentlich Wucht daher. So ein Buch, das schon vom Gewicht her sagt: Setz dich hin, das dauert ...
Düstere Fantasy, alchemistische Gewalt, große Gefühle und jede Menge innere Abgründe – Alchemised kommt mit ordentlich Wucht daher. So ein Buch, das schon vom Gewicht her sagt: Setz dich hin, das dauert jetzt. Dieser dicke Klopper wurde mir vom Frauchen in die Hand gedrückt, mit dem Auftrag: Lies das mal und sag ehrlich, wie es ist.
Der Einstieg zieht sich wie kalter Sirup. Viele Namen, viel Weltenbau, viel Leid – aber wenig Sog. Seiten fliegen hier keine, eher schleichen sie. Helena bleibt lange auf Abstand, Kaine wirkt mehr Drohkulisse als Figur. Gedanklich war der Kaffee öfter spannender als die Handlung.
Im Mittelteil klickt es dann plötzlich. Die Dynamik zwischen Gefangener und Peiniger wird komplexer, die alchemistischen Spielchen kriegen Biss und moralische Grauzonen tun endlich weh. Enemies to Lovers funktioniert hier genau dann, wenn es weh tut und nicht geschniegelt daherkommt. Da war echtes Kopfkino am Start.
Und dann das Ende. Hm. Große Gefühle, große Gesten – aber wenig Nachhall. Wirkte aufgesetzt, fast so, als hätte man das Finale aus Pflichtgefühl drangeschraubt. Weniger wäre mehr gewesen, ein früherer Schnitt sogar stärker.
Unterm Strich bleibt eine düstere Fantasy mit starkem Kern, ordentlichem Mittelteil und einem Anfang, der Geduld frisst. Drei Sterne, weil das Potenzial riesig ist, der Weg dahin aber holpert. Kein Reinfall, kein Highlight – eher so ein Buch, über das man beim Kaffee länger redet, als man es wirklich fühlt.