Profilbild von Alrik

Alrik

Lesejury Star
offline

Alrik ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Alrik über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.10.2025

Chaos, Krümel, Campingglück

Entführung im Himmelreich
0

Kaum klappt man das Buch auf, riecht man förmlich den Grill, hört das Klappern von Klappstühlen und das leise „Plopp“ einer Bierflasche – willkommen zurück im Himmelreich! Andreas Winkelmann serviert wieder ...

Kaum klappt man das Buch auf, riecht man förmlich den Grill, hört das Klappern von Klappstühlen und das leise „Plopp“ einer Bierflasche – willkommen zurück im Himmelreich! Andreas Winkelmann serviert wieder eine urkomische Campingkrimi-Kombi aus Chaos, Currywurst und cleverem Kopfkino. Unser grummelig-sympathischer Ex-Schauspieler Björn Kupernikus stolpert zusammen mit der quirligen Annabelle in eine verschwundene-Bäcker-Affäre, die mehr Krümel aufwirbelt, als man erwartet.

Was diesen zweiten Band so lesenswert macht, ist die Mischung aus klassischem Krimi-Spürsinn und schrägem Humor. Während die Polizei noch über Selbstmord sinniert, haben Kupernikus’ Stirnfalten längst einen Verdacht. Und was für ein Spaß, ihm dabei zuzusehen, wie er mit seiner brummigen Art alle in den Wahnsinn treibt – und trotzdem immer richtig liegt. Annabelle sorgt derweil für Farbe, Chaos und eine gute Portion Lebensfreude. Diese Kombi ist Gold wert!

Winkelmann zeigt, dass er nicht nur Thrill, sondern auch Humor kann – und zwar ohne Klamauk. Der Fall bleibt spannend, die Charaktere echt, und der Campingplatz wird fast zur Bühne für ein sommerliches Theaterstück aus Verdacht, Verwirrung und Verzweiflung. Einziger kleiner Wermutstropfen: Gegen Ende hätte ich mir noch einen Tick mehr Tempo gewünscht. Aber hey, auf dem Campingplatz darf’s auch mal gemütlich sein.

Unterm Strich: Ein wunderbar verrücktes Lesevergnügen mit Witz, Herz und Brötchenduft. Ich pack schon mal meine Klappstühle – Band 3 kann kommen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.10.2025

Zwischen Sushi, Shinkansen und stillem Staunen

DUMONT Bildband Entdeckungsreise Japan
0

Reisen ist ja bekanntlich die beste Art, die eigene Komfortzone zu demolieren – und dieser Bildband macht das schon beim Durchblättern. Die beiden Autorinnen nehmen einen mit auf Touren, die so gar nichts ...

Reisen ist ja bekanntlich die beste Art, die eigene Komfortzone zu demolieren – und dieser Bildband macht das schon beim Durchblättern. Die beiden Autorinnen nehmen einen mit auf Touren, die so gar nichts mit dem üblichen Tokio-Kyoto-Klischee zu tun haben. Stattdessen geht’s auf Fahrräder, in Züge und auf Wanderpfade, die man sonst wohl nie gefunden hätte – es sei denn, man verirrt sich absichtlich (was hier gar keine schlechte Idee wäre).

Der Mix aus Infos, persönlichen Erlebnissen und richtig starken Bildern funktioniert erstaunlich gut. Man bekommt sofort Lust, die Sneakers zu schnüren, den Railpass zu zücken und einfach loszufahren – selbst wenn man eigentlich nur auf der Couch sitzt und Sushi aus der Plastikschale isst. Besonders schön: Die kleinen, ehrlichen Tipps zwischen den Zeilen. Da merkt man, dass Isa Ducke und Natascha Thoma das Land nicht nur kennen, sondern wirklich lieben.

Ein paar Stellen wirken ein bisschen wie Reiseleiterinnen-Sprech – da wäre etwas mehr Lockerheit schön gewesen. Und wer nach einem reinen Fotoband sucht, wird mit dem vielen Text vielleicht überrascht. Aber unterm Strich ist das hier eine herrlich inspirierende Entdeckungstour durch Japan, die zeigt, dass echte Abenteuer oft da warten, wo kein Touristenbus hält.

Fazit: Perfekt für alle, die Japan abseits der Neonlichter erleben wollen – und sich dabei gerne ein bisschen verlieren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.10.2025

Wenn der Schnee die Schatten nicht vertreibt

Holly – Eine Belladonna-Novelle (Belladonna 4)
0

Zwischen glitzerndem Schnee und flüsternden Schatten entfaltet sich eine Geschichte, die zugleich verzaubert und erschüttert. Die winterliche Kulisse von Wisteria Gardens wirkt wie ein funkelnder Traum, ...

Zwischen glitzerndem Schnee und flüsternden Schatten entfaltet sich eine Geschichte, die zugleich verzaubert und erschüttert. Die winterliche Kulisse von Wisteria Gardens wirkt wie ein funkelnder Traum, doch unter der glatten Oberfläche lauert etwas Kaltes, Altes – und zutiefst Trauriges. Blythe und Aris, deren Liebe in den vergangenen Bänden bereits auf die Probe gestellt wurde, suchen nach Frieden, doch die rastlosen Geister des Hauses lassen sie nicht los. Jede Seite trägt das Knistern vergangener Geheimnisse, das Flimmern von Sehnsucht und die bittersüße Nähe des Todes.

Adalyn Grace versteht es meisterhaft, Licht und Dunkelheit ineinander zu verweben. Ihre Sprache ist betörend, manchmal fast poetisch, und man spürt den Hauch von Frost auf der Haut, während man liest. Besonders gelungen ist, wie sie das Übernatürliche nicht als bloßen Effekt nutzt, sondern als Spiegel für die tiefsten menschlichen Emotionen – Verlust, Liebe, Reue. Holly ist keine bloße Ergänzung, sondern ein feines, atmosphärisches Zwischenspiel, das den Zyklus der Belladonna-Reihe mit zarter Melancholie abrundet.

Es ist eine Geschichte, die leise beginnt und mit einem Sturm endet – ein Tanz zwischen Leben und Tod, Schuld und Vergebung. Für mich ein winterlicher Nachhall, der noch lange im Herzen bleibt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.10.2025

Albtraum auf der Ostsee – bitte nicht ans Deck gehen!

Die Überfahrt
0

Wer hätte gedacht, dass eine gemütliche Fährfahrt so rasant in die Hölle abbiegen kann? Anfangs schwappt hier noch die typische Ostsee-Partystimmung über – laute Musik, billiger Alkohol, peinliche Karaoke-Einlagen ...

Wer hätte gedacht, dass eine gemütliche Fährfahrt so rasant in die Hölle abbiegen kann? Anfangs schwappt hier noch die typische Ostsee-Partystimmung über – laute Musik, billiger Alkohol, peinliche Karaoke-Einlagen – man riecht fast den Bierdunst zwischen den Seiten. Doch dann schleichen Mutter und Kind an Bord, und plötzlich kippt die Stimmung schneller als ein Tablett Schnaps bei Seegang.

Mats Strandberg hat’s drauf, die scheinbar harmlosen Szenen mit so einer unterschwelligen Unruhe aufzuladen, dass einem schon mulmig wird, bevor das Grauen überhaupt richtig losgeht. Und wenn es dann losgeht, dann aber volle Breitseite: blutig, fies, überraschend emotional. Ich hatte Gänsehaut, Schweißhände und kurzzeitig ernsthaft den Gedanken, alle Fährreisen für die nächsten 20 Jahre abzusagen.

Was Strandberg besonders gut kann, ist diese Mischung aus Gesellschaftsstudie und Horror. Jeder Charakter ist glaubwürdig – von der müden Barkeeperin über den prolligen Junggesellen bis hin zum kleinen Kind, das eigentlich nur schlafen will, während draußen die Hölle losbricht. Der Horror ist nicht nur im Übernatürlichen zu finden, sondern auch in den Menschen selbst.

Ein paar Längen schleichen sich zwischendurch ein, und der Horror hätte zum Ende hin noch eine Spur mehr Wumms vertragen können. Trotzdem: „Die Überfahrt“ ist wie eine Nacht auf See mit bösem Erwachen – beklemmend, intensiv und mit einem literarischen Wellengang, der ordentlich nachschwingt. Wer Fitzek zu brav findet und King zu langatmig, wird hier glücklich – oder zumindest herrlich verstört.

Fazit: Skandinavischer Horror mit Gänsehautgarantie und überraschend viel Herz. Danach trinkt man lieber an Land.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.10.2025

Wenn Liebe die Welt retten – oder zerstören – will

Till the End of the Moon 1
0

Wer hätte gedacht, dass Zeitreisen, Dämonen und toxische Hofintrigen so unterhaltsam sein können? Dieses Buch hat mich mit Anlauf in ein Fantasy-Chaos katapultiert, das irgendwo zwischen Herzklopfen, Schwertgeklirr ...

Wer hätte gedacht, dass Zeitreisen, Dämonen und toxische Hofintrigen so unterhaltsam sein können? Dieses Buch hat mich mit Anlauf in ein Fantasy-Chaos katapultiert, das irgendwo zwischen Herzklopfen, Schwertgeklirr und „Was zur Hölle passiert hier eigentlich?“ oszilliert. Li Susu reist 500 Jahre zurück, um die Welt zu retten – und natürlich läuft alles komplett anders, als geplant. Klassischer Montag, nur mit mehr Magie.

Tantai Jin, der spätere Dämonengott, ist so tragisch, dass man ihm am liebsten eine Tasse Tee und eine Therapie spendieren würde. Seine Entwicklung ist bitter, grausam, herzzerreißend – und trotzdem kann man nicht aufhören, ihn zu mögen. Li Susu alias Ye Xiwu ist der perfekte Gegenpart: stark, bissig, mit einem Schuss Drama-Queen, der jedem K-Drama Konkurrenz macht.

Die Dynamik zwischen den beiden? Pure Folter in Buchform. Enemies to Lovers at its finest – mit so vielen Blicken, Gesten und unterschwelliger Spannung, dass man beim Lesen fast vergisst zu atmen. Das Worldbuilding ist komplex, manchmal etwas überwältigend, aber wunderschön bildhaft. Und wer asiatische Romantasy mag, bekommt hier die volle Dröhnung Emotionen, Mythen und Plot-Twists.

Klar, das Buch nimmt sich zwischendurch etwas zu ernst, und manche Dialoge schreien geradezu nach einer Prise Selbstironie. Aber hey – es ist eine epische Liebestragödie mit Zeitreise und Dämonengott, keine WG-Komödie in Berlin-Mitte.

Unterm Strich: Dramatisch, poetisch, emotional – mit genug Schmerz, Magie und Romantik, um mich völlig zu versenken. Und jetzt will ich sofort Band zwei, bevor ich selbst zum Dämon werde.

Bewertung: 4,5 von 5 Sternen

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere