Zwischen Leben und Letztem – Melles literarische Grenzerfahrung
Haus zur SonneZwischen Klinikflur und kosmischer Sehnsucht – Thomas Melle schickt mich in ein Gedankenkarussell, das sich irgendwo zwischen Lebensmüdigkeit und Überlebenskunst dreht. Haus zur Sonne klingt ja erstmal ...
Zwischen Klinikflur und kosmischer Sehnsucht – Thomas Melle schickt mich in ein Gedankenkarussell, das sich irgendwo zwischen Lebensmüdigkeit und Überlebenskunst dreht. Haus zur Sonne klingt ja erstmal nett – fast wie ein Kurhotel mit Frühstücksbuffet und Sonnenliege. In Wahrheit ist es aber eine literarische Todeszelle mit Wellnessprogramm. Menschen dürfen hier ihre letzten Wünsche erfüllen, bevor sie ganz legal den Stecker ziehen. Klingt makaber? Ist es auch. Aber Melle schreibt das so gnadenlos ehrlich, so schwarz-humorig und gleichzeitig so zärtlich, dass man gar nicht anders kann, als ihm zu folgen – mitten rein in die dunklen Ecken der Seele.
Ich hab gelacht, geschluckt, und mich zwischendurch gefragt, ob der Autor gerade mein Innerstes auswringt oder mir einfach nur einen Kaffee anbietet. Dieser Roman ist keine leichte Kost – eher eine bittere Praline: süß verpackt, aber mit echtem Wumms im Abgang. Es geht ums Sterben, ums Loslassen, um die Absurdität des Lebens, wenn es von Krankheit fremdgesteuert wird. Und doch steckt da so viel Liebe und Lebenshunger drin, dass man am Ende fast selbst einchecken möchte – nur um zu sehen, ob man nochmal richtig Sonne tanken kann, bevor das Licht ausgeht.
Melle schreibt, als würde er einem die Synapsen auf links drehen. Jede Seite ist ein Schlagabtausch zwischen Tod und Trost, zwischen Zynismus und zarter Hoffnung. Das ist nicht einfach ein Roman – das ist literarische Elektrotherapie mit Tiefgang.
Fazit: Düster, komisch, brillant. Wer denkt, das Leben sei zu ernst, sollte Haus zur Sonne lesen – danach sieht man selbst die Dunkelheit in einem ganz neuen Licht.