Nordischer Krimi mit Herz, Nebel und einer Leiche
Gerächt sein sollst duGanz ehrlich, Idylle an der Schärenküste? Klingt erstmal nach Ferienhaus, Sauna und Rentier-Selfies. Stattdessen liegt da ein toter Teenager am Strand und plötzlich ist Schluss mit Urlaubsromantik. Und ...
Ganz ehrlich, Idylle an der Schärenküste? Klingt erstmal nach Ferienhaus, Sauna und Rentier-Selfies. Stattdessen liegt da ein toter Teenager am Strand und plötzlich ist Schluss mit Urlaubsromantik. Und genau da setzt Kaisu Tuokko an: Sie serviert keinen lauwarmen Sommerkrimi, sondern ein richtiges Brett mit Mord, dunklen Geheimnissen und einem Dorf, das auf einmal viel weniger harmlos wirkt.
Was mir richtig gefallen hat, ist der Mix aus nordischer Ruhe und knallharter Story. Eevi, die Journalistin, stolpert mitten hinein ins Drama und kriegt gleich noch ihre alte Jugendliebe Mats vor die Nase gesetzt. Das sorgt nicht nur für Kribbeln, sondern auch für ziemlich gute Dialoge. Manchmal dachte ich: Leute, klärt erstmal den Mord, bevor ihr Herzchen in die Luft malt! Aber das macht es menschlich – und menschlich heißt in Krimis meistens spannend.
Die Atmosphäre ist ein Traum. Oder besser gesagt: ein Albtraum. Nebel, Meer, kleine Stadt, in der jeder jeden kennt – nur eben nicht den Mörder. Tuokko versteht es, diese Enge so zu beschreiben, dass man beim Lesen fast selbst das Gefühl hat, gleich beim Bäcker gefragt zu werden, wo man gestern Abend war.
Warum „nur“ vier Sterne? Ganz einfach: Manchmal zieht es sich. Ein bisschen weniger Wiederholung in den Beschreibungen und die Story hätte noch mehr Punch gehabt. Und ich hätte mir gewünscht, dass die Auflösung am Ende ein bisschen wilder knallt. So bleibt’s eher ein „Aha“ statt ein „WTF?!“. Trotzdem: spannend, atmosphärisch, mit einer Prise Nostalgie und ordentlich Herzblut.
Unterm Strich: Wer auf nordische Krimis mit düsterem Setting steht, bekommt hier einen richtig guten Fang. Kein Möwen-Geplapper, sondern echtes Kopfkino mit Schockmomenten.