Zwischen Pandemie, Politik und privatem Wahnsinn
Manchmal fühlt es sich an, als würde man in einen Mixer steigen, auf Stufe „Weltuntergang“ gestellt, und trotzdem noch hoffen, dass am Ende ein Smoothie rauskommt. Genau so liest sich „Auflösungen.“ – ...
Manchmal fühlt es sich an, als würde man in einen Mixer steigen, auf Stufe „Weltuntergang“ gestellt, und trotzdem noch hoffen, dass am Ende ein Smoothie rauskommt. Genau so liest sich „Auflösungen.“ – nur dass der Mixer hier New York ist und der Smoothie eher ein Cocktail aus Pandemie, Politik und privaten Katastrophen. Marlene Streeruwitz schickt uns mitten hinein in die Großstadthitze, den Wahnsinn einer zerfledderten Gesellschaft und das Kopfchaos einer Frau, die eigentlich nur Literatur lehren will, aber plötzlich mit den Absurditäten des Lebens jongliert.
Nina Wagner stolpert von Alltagskrisen in philosophische Gedankenspiralen, und das alles mit einer Mischung aus Verzweiflung, Scharfsinn und lakonischem Humor. Manchmal habe ich gedacht: „Mensch, entspann dich doch mal!“ – aber gleichzeitig konnte ich nicht aufhören, weiterzulesen, weil ihre Perspektive so gnadenlos ehrlich ist. Da werden nicht nur politische Zustände zerpflückt, sondern auch zwischenmenschliche Beziehungen mit chirurgischer Präzision seziert.
Natürlich ist das Ganze nicht leichte Kost. Streeruwitz schreibt so, dass man ständig das Gefühl hat, zwischen den Zeilen lauert noch ein zweiter, dritter, zehnter Text. Wer hier eine flauschige Feel-Good-Story erwartet, hat die falsche U-Bahn erwischt. Aber gerade dieses sperrige, ungeschönte Erzählen macht den Reiz aus.
Am Ende bleibt ein schräger Mix aus Melancholie, Wut, Hoffnung und dieser Art von Lachen, das man raushaut, obwohl einem eigentlich gar nicht danach ist. Vier Sterne von mir, weil es manchmal zu verkopft und verkünstelt daherkommt – aber hey, wenn Literatur nicht auch mal Kopfgymnastik sein darf, was dann?