Ein Urlaub voller Absurditäten und Ehefragen
Der Duft des WalsEin Buch, das nach tropischer Brise, Ehekrise und totem Fisch riecht. Klingt erstmal schräg, ist es auch. Die Ausgangslage: Judith und Hugo, ein Paar mit ordentlich Knacks in der Beziehung, checken in ...
Ein Buch, das nach tropischer Brise, Ehekrise und totem Fisch riecht. Klingt erstmal schräg, ist es auch. Die Ausgangslage: Judith und Hugo, ein Paar mit ordentlich Knacks in der Beziehung, checken in ein mexikanisches All-inclusive-Paradies ein, um ihre Ehe zu kitten. Spoiler: Der Wal stinkt schlimmer als ihre Probleme.
Was Paul Ruban hier abliefert, ist irgendwo zwischen Absurdität und Urlaubsprospekt geplatzt. Sprachlich fein übersetzt von Jennifer Dummer, das muss ich ihr lassen – aber manchmal war mir das Ganze zu sehr Theaterstück auf Speed. Ich mochte den schrägen Humor, die leicht klamaukige Tragik und diesen unterschwelligen Wahnsinn, der durch jede Piña Colada tropft.
Aber: Ich hatte Mühe, richtig reinzukommen. Die Figuren blieben mir irgendwie fern, als würden sie mit Sonnenbrille und Cocktail in der Hand immer ein bisschen an mir vorbeischauen. Und die ewige Metapher mit dem Walgeruch? Ja, originell, aber nach Seite 150 roch es dann auch ein bisschen nach Wiederholung.
Trotzdem: Ich musste mehr als einmal schmunzeln. Und die Idee, Verfall so charmant zu verpacken, ist originell. Es ist ein Buch wie ein verrückter Hotelgast: laut, ungewöhnlich, manchmal unangenehm – aber man erinnert sich dran. Für mich ein solider Dreier mit viel Luft nach oben. Und jetzt hab ich Lust auf Urlaub. Nur bitte ohne tote Meeressäuger.