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AndyRiedl

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.06.2025

Mehr-Generationen-Geschichte rund um den römischen Garten in Hamburg

Flusslinien
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Ich war sehr unvoreingenommen, was dieses Buch angeht. Ich hatte von Katherina Hagena noch keine Werke gelesen und mich auch vorher nicht informiert. Das Buch ist dann schon mal rein äußerlich ein Schmuckstück. ...

Ich war sehr unvoreingenommen, was dieses Buch angeht. Ich hatte von Katherina Hagena noch keine Werke gelesen und mich auch vorher nicht informiert. Das Buch ist dann schon mal rein äußerlich ein Schmuckstück. Das Cover ist schön und die Farbkombination auch mit dem Lesebändchen sind ästhetisch schön anzuschauen.
Bei der Lektüre musste ich mich dann erstmal einfinden. Das Buch spielt mit drei und einer halben Erzählperspektiven und hat dadurch auch einen lyrischen Einschlag. Es ist in jedem Fall kein Werk, in dem sich die Handlungsstränge überschlagen. Die Erzählgeschwindigkeit ist gering und die Detailtiefe groß. Das hat einen beruhigenden Effekt und lässt sich sehr gut lesen.
Die Hauptpersonen, die in der Mehrzahl weiblich sind (für mich ein Plus), bringen die unterschiedlichsten Themen mit in die Geschichte ein. Einerseits haben alle vergangene Erlebnisse zu bewältigen. Andererseits besteht eine große Unsicherheit über zukünftige Geschehnisse. Dies sorgt für Spannung in diesem, in Blankenese verorteten, Roman.
Flusslinien kommt insgesamt mit ruhiger Gangart, Spannungsbögen aber vor allem mit liebenswerten Charakteren daher, denen man gerne folgt. Eine etwas unscheinbarere, aber umso ansprechendere Frühjahrserscheinung, die ich gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 29.05.2025

Ein wilder Ritt durch unterschiedliche Zeiten

Lila Eule
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Lila Eule ist definitiv eine außergewöhnliche Produktion. Dies liegt alleine schon an den Kapitelillustrationen, die dem ganzen einen sehr modernen Auftritt verpassen. Auf der anderen Seite ist der Roman ...

Lila Eule ist definitiv eine außergewöhnliche Produktion. Dies liegt alleine schon an den Kapitelillustrationen, die dem ganzen einen sehr modernen Auftritt verpassen. Auf der anderen Seite ist der Roman von Cordt Schnibben ein ganz schöner Klopper mit 528 Seiten. Man bekommt für sein Geld richtig etwas geboten. Warum ist das Werk aber so umfangreich? Das Buch verwebt drei Erzählstränge miteinander. Es geht zwar immer um die gleich Hauptfigur, aber auf drei unterschiedlichen zeitlichen Ebenen.
Damit öffnet der Autor die Tore gleich zu drei unterschiedlichen Lebenswelten sehr weit. Einerseits nimmt er den Leser mit ins Deutschland der 60er und 70er Jahre. Andererseits gibt er dem Leser einen Einblick in die DDR in einem ähnlichen zeitlichen Fenster. Zusätzlich versucht er die unterschiedlichen Perspektiven in einem Erzählstrang zusammenzuführen, der in Ostberlin kurz nach dem Mauerfall spielt. Alle drei Perspektiven sind irrsinnig interessant. Auf der anderen Seite fehlt dem Buch damit die letzte Geradlinigkeit und man fragt sich, ob es die Stoßrichtung war, ein Monumentalwerk anstatt einer netten Trilogie zu schaffen.
Abschließend mag ich feststellen, dass ich etwas erschrocken bin über die Buchlänge. Die Lektüre hat dann aber deutlich mehr Spaß gemacht als gedacht. Der Roman ist originell und detailreich. Ich mag ihn gerne für den Sommer empfehlen, gerade wenn man den Mut hat über die ein oder andere Länge wegzublättern.

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Eine gelungene Zeitreise ins Asien des frühen 20. Jahrhunderts

Das Haus der Türen
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Ich bin wahrlich kein Asien-Experte und gerade mit der neuesten Geschichte in dieser Region der Welt habe ich mich bewusst sehr lange bis gar nicht beschäftigt. Das Setting von Twan Eng Tans Roman ist ...

Ich bin wahrlich kein Asien-Experte und gerade mit der neuesten Geschichte in dieser Region der Welt habe ich mich bewusst sehr lange bis gar nicht beschäftigt. Das Setting von Twan Eng Tans Roman ist somit keines, mit dem ich mich direkt von Beginn an wohl fühle. Dazu kommen die Handlungsstränge. Der Roman springt zwischen zwei Zeitebenen und entwickelt jeweils mehrere Handlungsstränge auf diesen Zeitebenen. Diesen Handlungssträngen ist gemein, dass sich viel auf der emotionalen Gefühlsebene abspielt und sich eher subtil entwickelt. Alles in allem bringt der Roman somit aus meiner Sicht ein enormes Potential für Langeweile mit. Und mit dieser Grunderwartung bin ich die Lektüre auch angegangen und wurde richtiggehend positiv überrascht.
Denn ich hatte das Buch aus mehreren Gründen trotzdem gelesen. Einerseits ist Twan Eng Tans Sprache in der vorliegenden Übersetzung klar und bildreich. Alle Komplimente über seine bildliche und klare Sprache sind absolut berechtigt. Dazu ist der Roman auf Grund der Zeitebenen und Handlungsstränge überaus abwechslungsreich. Dies liegt auch daran, dass Tan die ein oder andere Überraschung eingebaut hat und den Leser zumindest nicht platt bedient (auch wenn man nicht von „in die Irre führen“ sprechen kann). Dies macht das Buch nicht zu einem Thriller, aber doch zu einem recht kurzweiligen Lesevergnügen. Dass sich Tan dabei dann aber dennoch mit tiefgreifenden Themen, allen voran mit unglücklichen Ehen, beschäftigt und hier durch den Roman auch einiges zu sagen hat, kommt als Kirsche auf die Sahne. Insgesamt ist dieser Roman ein klares Lesevergnügen, in einem spannenden und vielfältigen Setting. Ich empfehle ihn gerne weiter.

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Veröffentlicht am 27.04.2025

Genreübergreifend beurteilt: Das ist großartig!

Lyneham
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Irgendwie ist das mit den Genres etwas Schwieriges. Nils Westerboers „Lyneham“ wird als Science Fiction eingeordnet. Und mir ist das in diesem speziellen Fall deutlich zu einschränkend. Lyneham hat einen ...

Irgendwie ist das mit den Genres etwas Schwieriges. Nils Westerboers „Lyneham“ wird als Science Fiction eingeordnet. Und mir ist das in diesem speziellen Fall deutlich zu einschränkend. Lyneham hat einen dystopischen Hintergrund, der mit den besten Dystopien mithalten kann. Klar ausgearbeitet sowohl im wissenschaftlichen Verlauf als auch in den Konsequenzen für die Menschheit. Vor diesem Hintergrund geht es ins Weltall. In der neuen Heimat gibt es zwei unterschiedliche Erzählstränge, deren Zusammenhang sich erst im Verlauf aufklärt. Die erzählerische Konstruktion ist sehr geschickt ausgearbeitet und befördert den Spanungsverlauf der Handlung entscheidend.
Und Spannung gibt es genügend, genau wie spannende wissenschaftliche Hintergründe (Entropie!). Lyneham nimmt einen mit, in eine perfekt konstruierte Welt in der Fremde, in der menschliche Expeditionen sowohl mit ihren alten gesellschaftlichen und moralischen Problemen konfrontiert werden, als auch die Frage aufgeworfen wird, was es über die Menschheit hinaus noch gibt. Am Ende geht es in Lyneham aber um familiäre Zusammenhänge, Zusammenhalt und eingeschränkte eigene Fähigkeiten. Lyneham ist vielschichtig und komplex. Ich kann gut zugeben, dass ich nicht alles in diesem Buch verstanden habe. Trotzdem hat mir bisher in 2025 kein Buch soviel Spaß bereitet und mich so berührt. Dieses Buch sollte ein internationaler Bestseller sein und von Christopher Nolan verfilmt werden. Es ist nicht nur so gut, es ist besser.

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Veröffentlicht am 19.04.2025

Thomas Mann als Orientierung in komplexen Zeiten

Heimweh im Paradies
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homas Mann ist einer der großen Literaten, die Deutschland hervorgebracht hat. 1875 geboren, war er schon älter, als er sich durch die Nazis zuerst gezwungen sah, in die Schweiz und von dort aus dann in ...

homas Mann ist einer der großen Literaten, die Deutschland hervorgebracht hat. 1875 geboren, war er schon älter, als er sich durch die Nazis zuerst gezwungen sah, in die Schweiz und von dort aus dann in die USA zu emigrieren. Martin Mittelmeier hat sich mit seinem Roman „Heimweh im Paradies“ mit Manns Jahren in den USA auseinandergesetzt. Wie erging es diesem – auch in den USA – berühmten Schriftsteller? Was hat ihn umgetrieben? Wie hat er sich eingebracht und was waren seine Beweggründe?
Ich hatte zuerst die Befürchtung, dass die Angelegenheit der Lektüre dieses Buchs eher eine trockene werden würde. Zur Lektüre entscheid ich mich dann erst, als das Buch von einem von mir geschätzten Bookstagramer hoch bewertet wurde. Hat es sich gelohnt dieser Empfehlung zu folgen? Ich hatte mich mit Thomas Mann schon seit längerem nicht mehr beschäftigt und werde dies in Zukunft wieder vermehrt tun. Ich mochte die Buddenbrooks damals und Mann hat ein Gespür für den Zeitgeist, aber auch für zeitlose Entwicklungen. Mittelmeiers Roman hatte in diesem Zusammenhang viele interessante Nuggets auf Lager. Diese passen sogar überaus passend in diese Zeiten, in denen wir uns befinden und mache historische und heutige Entwicklungen begreifbarer. Der Wert des Buchs in diesem Zusammenhang ist unschätzbar. Was nun erleichternd dazu kommt: man muss für die Nuggets nun auch nicht tief graben. Sprachliche präzise, nicht ausschweifend, ist die Lektüre als sachlich aber nicht trocken zu bewerten. Ich habe das Buch auf Reisen gelesen und mir scheint dies ein perfekter Anlass zu sein, weil auch Mann einige Reisen unternimmt. Insgesamt sehr passend und empfehlenswert.

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