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Veröffentlicht am 02.12.2020

Wenn sich dein ganzes Leben als eine Lüge herausstellt...

H.O.M.E. - Das Erwachen
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"Du kannst dir nicht vorstellen, wie das ist. Dein ganzes Leben ist in Ordnung, alles hat seinen Platz, du weißt, wer du bist, wo dein Zuhause ist und wer deine Freunde sind. Du hast einen Platz in der ...

"Du kannst dir nicht vorstellen, wie das ist. Dein ganzes Leben ist in Ordnung, alles hat seinen Platz, du weißt, wer du bist, wo dein Zuhause ist und wer deine Freunde sind. Du hast einen Platz in der Welt, eine Aufgabe. Und auf einmal wachst du auf, und ein Arzt mit viel zu markanten Augenbrauen erklärt dir, dass alles, was du gekannt und geliebt hast, bloß Einbildung war."

Zoë hat alles, was sie sich wünschen kann: Sie hat einen Freund, mit dem sie glücklich ist, besucht eine sehr gute Akademie mitten im Grünen, und wurde als Kapitän für die wichtige Mission ausgewählt, für die die Kinder und Jugendlichen an der Akademie augebildet werden. Ihr Leben ist wunderschön, zumindest glaubt sie das - bis sie eines Tages aufwacht und erfahren muss, dass sie die letzten zwölf Jahre im Koma gelegen hat. Mehr noch, die Welt um sie herum könnte nicht weiter von der Realität in ihrem Kopf entfernt sein. Zoë erwacht in einem Krankenhaus mitten in einem Berlin, in dem Wassermangel an der Tagesordnung ist. Und nicht nur dort, sondern auf der ganzen Welt leiden die Menschen Durst. Die politische Lage ist angespannt, täglich fallen zahlreiche Menschen ins Koma oder sterben. Dass Zoë nach all der Zeit wieder aufwacht, gleicht einem Wunder.

Von einem Tag auf den nächsten ist die Siebzehnjährige dieser für sie so fremden Welt ausgesetzt, lernt ihre Familie kennen, die für sie doch nur wildfremde Menschen sind, und muss akzeptieren, dass nichts so ist wie sie glaubte. Doch dann mehren sich die Flashbacks, immer wieder hat Zoë den Eindruck, zurück auf dem Gelände der Akademie zu sein. Und noch viel wichtiger - wie kann es sein, dass ein Mensch, der mit fünf ins Koma fiel, lesen und schreiben kann, komplexe Rechnungen im Kopf löst, mehrere Fremdsprachen fließend spricht und auch sonst über umfangreiches Wissen jeder Art verfügt? Für Zoë liegt die Erklärung auf der Hand: Ihr Koma muss mehr als das gewesen sein, die Akademie muss existieren. Dafür, dass sie kein reines Hirngespinst sein kann, spricht auch die Tatsache, dass es irgendjemand plötzlich auf Zoë abgesehen zu haben scheint und hinter ihr her ist...

Die Welt, die die Autorin entwirft, beschreibt eine gar nicht mal so unwahrscheinliche Version unserer möglichen Zukunft. Nach großen Dürrephasen klafft die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander, der Kontrast ist riesig zwischen jenen, die genug Geld haben um gleich am Anfang der Krise weiter in die Länder im Norden zu ziehen, wo es noch genügend Wasser gibt, und jenen, die jeden freien Quadratzentimeter ihrer Wohnung mit Schüsseln und Schalen verstellen, um jeden Tropfen Wasser recyceln zu können. Oder jenen, die längst kein Dach mehr über den Kopf haben und für die auch die "günstigeren" Flaschen Wasser, die es für 15 Euro pro Liter noch zu kaufen gibt, vollkommen unerschwinglich sind.

Ich bin sehr positiv überrascht. Ich hatte nichts Bestimmtes erwartet, habe dann aber schon nach wenigen Seiten den Sog verspürt, den dieses Buch ausübt. Es hat mich schlicht in seinen Bann gezogen und ich konnte es kaum mehr weglegen. Zoë, ihr Bruder Tom und dessen Kumpel Kip sind sympathische Protagonisten, in Zoë konnte ich mich zu jeder Zeit gut hineinversetzen. Das Buch ist sehr spannend geschrieben, gleich zu Beginn werden viele Fragen aufgeworfen, die man als Leser genauso sehr lösen möchte wie Zoë. Die Spannung wird auch bis zum Ende aufrecht erhalten und steigert sich im Laufe der Zeit noch, auch wenn man natürlich nach einer Weile gewisse Theorien im Kopf hat, wie alles zusammenhängen könnte.

Der Schreibstil ist sehr ansprechend, die Thematik spannend und gut umgesetzt. Insgesamt hat mir das Buch unerwartet sehr gut gefallen und ich bin gespannt auf den zweiten Teil!

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Veröffentlicht am 22.11.2020

Eine realitätsnah geschilderte Reise in die 1920er Jahre

Fräulein Gold: Schatten und Licht
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Hulda Gold ist Hebamme rund um den Winterfeldplatz in Berlin. Als ganz in der Nähe die Leiche von Rita Schönbrunn im Landwehrkanal gefunden wird und die Polizei von Selbstmord ausgeht, beginnt Hulda nachzuforschen. ...

Hulda Gold ist Hebamme rund um den Winterfeldplatz in Berlin. Als ganz in der Nähe die Leiche von Rita Schönbrunn im Landwehrkanal gefunden wird und die Polizei von Selbstmord ausgeht, beginnt Hulda nachzuforschen. Denn eine Nachbarin der Verstorbenen, die Hulda bei der Geburt ihres Sohnes betreut, ist sich sicher, dass das nicht stimmen kann. Und schon bald merkt Hulda, dass sie das Schicksal Ritas nicht mehr loslässt und ihr ihre Geschichte seltsam nahegeht. Wer war diese Frau, wer hat sie ermordet? Und warum will Komissar North den Fall so schnell wie möglich zu den Akten legen?

Bei ihren Nachforschungen gerät Hulda jedoch zunehmend sebst in Gefahr, denn nicht jeder im Bülowbogen ist einverstanden damit, dass sie Fragen stellt und Licht ins Dunkel der Vergangenheit zu bringen versucht...


Das Buch hat mich sehr positiv überrascht. Der Autorin gelingt es sehr gut, die Stimmung des Berlins der 1920er Jahre einzufangen und den Kontrast zwischen Arm und Reich hervorzuheben. Die Not und das Elend der ärmeren Bevölkerungsschichten wird beinahe greifbar. Die Grundstimmung schwankt zwischen dem Bedrückenden des offiziell überstandenen Krieges, der noch immer riesige Auswirkungen auf die Bevölkerung hat, und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Gleichzeitig zeichnen sich erste nationalsozialistische Tendenzen ab.

Besonders der geschilderte Umgang mit vom Krieg traumatisierten Soldaten, aber auch mit davon unabhängig psychisch Beeinträchtigten und Menschen mit geistiger Behinderung sind erschreckend - umso mehr wenn man bedenkt, dass dies leider nicht bloß Fiktion ist.

Dank des Schreibstils, der sich wirklich wunderbar flüssig liest und das Bild des Winterfeldplatzes mit all seinen Bewohnern fast wie nebenbei vor dem inneren Auge des Lesers entwirft, konnte ich direkt in diese Geschichte eintauchen. Nicht nur Hulda hat einen interessanten Charakter, auch die Nebenfiguren wie etwa der Zeitungsverkäufer Bert oder Huldas Wirtin Frau Wunderlich sind interressant und liebevoll skizziert.

Mit dem Kommissar Karl North hingegen konnte ich mich nicht so ganz anfreunden, alles in allem finde ich das Buch aber wirklich gelungen. Ich bin gespannt auf den zweiten Band!

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Veröffentlicht am 19.11.2020

Ein Fluch aus der Vergangenheit

Wenn die Nebel flüstern, erwacht mein Herz
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Fünf Jahre ist es her, dass Jessas ältere Schwester Alice verschwunden ist. Seit dem Tod ihrer Eltern leben die Mädchen im Heim, eine tiefe Verbundenheit zeichnet die beiden aus. Doch dann kommt Alice ...

Fünf Jahre ist es her, dass Jessas ältere Schwester Alice verschwunden ist. Seit dem Tod ihrer Eltern leben die Mädchen im Heim, eine tiefe Verbundenheit zeichnet die beiden aus. Doch dann kommt Alice von einem Rechercheausflug nicht zurück und wird wenig später für tot erklärt - verschollen im Moor rund um High Moor Grange. Jahre später findet eine Bibliothekarin Alice´s Ausgabe von "Sturmhöhe" im Regal der Bibliothek. Weshalb hat Alice es dort zurückgelassen? Jessa macht sich auf die Suche, denn auch nach all der Zeit kann sie sich nicht damit abfinden, dass ihre Schwester einfach so spurlos verschwunden sein soll. Als sie in High Moor Grange ankommt, wird bald klar, dass dort nichts so ist wie es scheint. Warum sieht Jessa in der alten, verfallenen Ruine plötzlich das Bild eines vollkommen intakten Herrenhauses vor sich? Warum wollen Christopher und Adrian, die auf dem Grundstück zu leben scheinen, mit allen Mitteln verhindern, dass Jessa weiter dort herumschnüffelt? Und warum verbirgt Adrian stets sein Gesicht vor ihr?

Jessas Misstrauen ist geweckt, und so schlittert sie mitten hinein in den Bann eines uralten Fluches...


Das Buch lässt sich angenehm und leicht lesen. Mit der Protagonistin bin ich leider eine ganze Weile nicht wirklich warmgeworden, sie war mir insgesamt zu sehr darauf bedacht, sich gegen alle möglichen Regeln aufzulehnen. Gerade zu Anfang des Buches empfand ich das als störend, mit der Zeit wurde es aber besser. Oft hatte ich das Gefühl, dass sie hauptsächlich aus Trotz handelt, auch wenn sie mit ihrer Schlagfertigkeit punkten kann. Ein langweiliger Charakter ist sie definitiv nicht, und auch die Zwillinge Adrian und Christopher sind wunderbar geheimnisvoll und lassen Jessa und den Leser lange über ihre Vergangenheit im Dunkeln, sodass man sehr gut miträtseln kann. Im Mittelteil stagnierte die Handlung für meinen Geschmack etwas zu lange, über weite Strecken gibt es nicht wirklich einen Fortschritt. Sind diese Längen aber ersteinmal überstanden, wird es richtig spannend und man will das Buch wirklich kaum mehr aus der Hand legen. Die ein oder andere unerwartete Wendung überrascht gegen Ende und lässt einen richtig mit den Protagonisten mitfiebern.


Das Buch konnte mich nicht zu 100% überzeugen, trotzdem hatte ich viel Spaß beim Lesen und einige spannende Lesestunden!

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Veröffentlicht am 15.11.2020

Eine herausagende Fortsetzung

Askeria: Hüter des Seelenfeuers
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Auch in Band 2 der Dark-Fantasy-Reihe um Piara, ihre Brüder Souta und Ineas und ihre Freunde geht es spannend weiter. Denn noch besteht die Hoffnung, dass Ineas gerettet und der Macht Lycenars ein Ende ...

Auch in Band 2 der Dark-Fantasy-Reihe um Piara, ihre Brüder Souta und Ineas und ihre Freunde geht es spannend weiter. Denn noch besteht die Hoffnung, dass Ineas gerettet und der Macht Lycenars ein Ende gesetzt werden kann, um gleichzeitig das Volk der Ceri aus der Unterdrückung zu befreien. Doch ihren Plan in die Tat umzusetzen ist schwieriger, als irgendjemand erwartet hätte. Während Piara und Souta sich vorbereiten und ihre Kräfte sammeln, muss Rigoras um das Leben seines Vaters fürchten, der des Hochverrats verdächtigt wird. Lycenars Kontrolle über Ineas´ Gedanken und Gefühle wächst weiter an, und die drei Geschwister müssen sich den offenen Fragen ihrer Vergangenheit stellen und erkennen, dass Vieles, was sie jahrelang zu wissen glaubten, auf Lügen basierte. Ihre letzte Hoffnung, um all dies endlich zu beenden, liegt nun im Seelenfeuer - einer uralten Kraft, die die Seelen Soutas und Lias aneinander binden soll...

Es ist faszinierend, welchen Sog diese Buchreihe ausübt. Mit Band 2 ist es genau wie mit seinem Vorgänger: Kaum nimmt man das Buch zur Hand, taucht man ein in diese komplexe und so wunderbar interessant gestaltete Welt. Die ganz besondere Atmosphäre, die bereits der erste Teil erzeugt hat, wird hier weiterhin aufrecht erhalten, während die Geschichte nahtlos an das Ende des ersten Bandes anknüpft. Dabei hat man als Leser keinerlei Schwierigkeiten, wieder in die Handlung hineinzufinden, obwohl man gleich wieder mitten in das Geschehen hineingeworfen wird.

Von Anfang an wird man in den Bann gezogen von Juliet Mays fesselndem Schreibstil, den vielschichtigen und authentischen Protagonisten, der facettenreichen, anspruchsvoll gestalteten Welt und der mitreißenden Handlung. Oft ist es keine leichte Kost, die dem Leser hier vorgesetzt wird, doch genau das ist das Spannende an diesem Buch und bringt einem die Figuren so nahe - Juliet May scheut nicht davor zurück, einen tiefen Einblick in ihre Charaktere zu gewähren und gibt ihnen die Möglichkeit, auch ihre Schattenseiten zu zeigen und sich so voll zu entfalten. Das macht sowohl die Haupt- als auch die Nebenfiguren unglaublich realistisch und ermöglicht natürlich auch eine riesige charakterliche Entwicklung.

Die düstere Grundstimmung, die den Leser um die Zukunft Mitaerias und Mallumas bangen lässt, die kontinuierlich bestehende und immer weiter anwachsende Spannung, das extrem gut gelungene Worldbuilding und die bemerkenswert detailliert ausgearbeiteten Figuren machen Askeria zu einem absoluten Highlight. Ich wüsste wirklich nicht, was ich da bemängeln sollte, und freue mich sehr auf die Fortsetzung!

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Veröffentlicht am 05.11.2020

Gut, aber mit viel Luft nach oben

Splitter aus Silber und Eis
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Seit Jahrhunderten schon müssen die Menschen aus Aurum, dem Reich des Ewigen Frühlings, jährlich dem Prinzen des Winters das hübscheste Mädchen ihres Landes entsenden. Nevan, der Winterprinz, ist ein Fae ...

Seit Jahrhunderten schon müssen die Menschen aus Aurum, dem Reich des Ewigen Frühlings, jährlich dem Prinzen des Winters das hübscheste Mädchen ihres Landes entsenden. Nevan, der Winterprinz, ist ein Fae und herrscht über das von endlosen Schneelandschaften bedeckte Rhîgos. Er ist im Reich der Menschen für seine Grausamkeit bekannt, und so werden die potenziellen nächsten Sakrale schon früh auf ihre spätere Aufgabe vorbereitet. Denn ihr Ziel soll es sein, das uralte Abkommen, dass zu ihren Ungunsten geschlossen wurde, zu brechen - und das erfordert den Tod des Prinzen. Die besten Aussichten auf Erfolg haben dabei die Verfluchten, also jene Mädchen, die mit der seltenen Fähigkeit geboren werden, mit ihrem Kuss zu töten. Einmal in zehn Jahren wird ein solches Mädchen geboren, und in dem Jahr, in dem sie zwanzig wird, begibt sie sich an der Stelle des hübschesten Mädchens ins Winterreich, um den Prinzen zu töten. Bisher jedoch ist keine der jungen Frauen jemals zurückgekehrt, und der Prinz herrscht mit unverminderter Macht.

Dieses Jahr nun fällt die Wahl auf Prinzessin Veris als Sakral. Tatsächlich gelingt es ihr auch, dem Prinzen nicht sofort zu unterliegen, sondern sich gewisse Rechte zu erkämpfen. Nach und nach stellt sie fest, dass sich einige Dinge ganz anders verhalten, als die Menschen glauben. Und dann scheinen sich erste zarte Gefühle zwischen Veris und Nevan zu entwickeln, dabei besteht ihre Aufgabe doch darin, ihn zu ermorden und Aurum von seiner Last zu befreien...


Veris ist eine recht sympathische Protagonistin; sie ist nicht das typisch-naive, verzogene kleine Mädchen, sondern überrascht mit einigen unerwarteten Fähigkeiten. Auszeichnend für sie ist wohl, dass sie kaum einmal um eine Antwort verlegen ist und wirklich jedem Widerworte bieten kann, was stellenweise wirklich sehr unterhaltsam ist. Und sie ist auch dazu in der Lage, den Leser zu überraschen, wenn man eigentlich längst ein festes Bild von ihr hat - dafür gibt es definitiv Pluspunkte. Die Nebencharaktere blieben mir dafür - größtenteils, hier gibt es Ausnahmen - zu blass; wo Veris durch Wortgewandheit glänzt, verhalten sich die meisten anderen Figuren in ihrem Umfeld zu oft so, wie man es erwartet und entwickeln kaum eine eigene Persönlichkeit. Abgesehen von Sif, einer Fae, die Veris als Zofe zur Seite gestellt wird und die im Laufe des Buches von einer unterwürfigen, leicht aus der Fassung zu bringenden Frau zu einer starken, tapferen Kämpferin wird, die Veris als Freundin zur Seite steht, machen sie kaum eine wirkliche Entwicklung durch.

Die erste Spannung zu Beginn des Buches, die durch die neue Welt und die Ausgangssituation ersteinmal aufkommt, flaut recht schnell ab; der folgende Teil hat sich für mich etwas in die Länge gezogen, ab der Hälfte nimmt das Buch aber nochmal ordentlich an Fahrt auf und gegen Ende wird es auch wirklich spannend. Die Plottwists haben mich weitestgehend wenig überraschen können, da die meisten von ihnen einigermaßen vorhersehbar waren.

Die Welt, in der Veris sich jenseits der magischen Grenze zwischen Aurum und Rhîgos wiederfindet, bietet viel Potenzial, das aber nicht vollkommen ausgeschöpft wurde; man erfährt ein wenig zur Geschichte, zur Landschaft, zu anderen Völkern, die dort neben den Fae leben - aber eben nur ein wenig. Da hätte ich persönlich mir noch deutlich mehr Details gewünscht, gerade was die anderen Lebewesen und ihre Kulturen betrifft.

Die Liebesgeschichte Nevans und Veris´ ist relativ ungewöhnlich - denn Veris hat die unmissverständliche Aufgabe, Nevan zu töten, und behält dieses Ziel stets im Auge. Nevan wiederum ist aus verschiedenen Gründen schlichtweg gar nicht erst dazu in der Lage, freundschaftliche Gefühle für jemanden zu empfinden - oder sonst etwas Positives. Es ist aber wohl keine große Überraschung, dass sich auch hier Mittel und Wege finden lassen...


Die Idee hinter dem Buch gefällt mir, die Umsetzung hat mich aber nicht vollkommen überzeugt. Da wäre noch deutlich mehr Luft nach oben gewesen, was den Detailreichtum in der Beschreibung des Landes und seiner Völker angeht; die - übrigens sehr gelungene - Karte im Einband zeugt von interessanten Landschaften und vielen Orten, die entweder gar nicht angesprochen oder nur ganz am Rande erwähnt wurden; auch zu den Fae selbst hätte sicher noch mehr gesagt werden können. Die Geschichte ist gut und stimmig und es macht zweifellos Spaß sie zu lesen, durch eine etwas komplexere Welt und ausgereiftere Nebencharaktere wäre sie aber noch deutlich besser gewesen. Ich bin insgesamt zufrieden und vergebe in der Hoffung auf eine Steigerung in einem möglichen zweiten Band 3 Sterne.

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