Memoir einer mutigen jungen Frau
I'm Glad My Mom DiedJennette ist 6, als ihre Mutter sie zum ersten Schauspiel-Casting bringt. Ihre Tochter soll es einmal besser haben als sie selbst.
Von nun an tut sie alles, um aus ihrer Tochter einen Star zu machen.
Dabei ...
Jennette ist 6, als ihre Mutter sie zum ersten Schauspiel-Casting bringt. Ihre Tochter soll es einmal besser haben als sie selbst.
Von nun an tut sie alles, um aus ihrer Tochter einen Star zu machen.
Dabei nimmt sie keine Rücksicht auf Jennettes Gefühle, Träume und Gesundheit.
Viele kennen Jennette McCurdy als Sam aus der Nickelodeon-Serie “iCarly”. Auch ich habe sie damals gern gesehen und war Fan der eigensinnigen Sam. Umso erschrockener war ich, als ich Jahre später erfahren musste, dass “Sam” nie freiwillig vor der Kamera stand und welchen Leidensweg die junge Jennette damals schon hinter sich hatte.
In ihrem Memoir “I'm Glad My Mom Died” erzählt sie von ihrer toxischen Beziehung zu ihrer Mutter, die ohne Rücksicht auf Verluste einen Star aus ihrer Tochter machen wollte - was ihr eigener Traum war, nicht der Jennettes.
Die Erzählung ist unglaublich erschütternd. Obwohl der Ton sehr humorvoll und locker klingt, ist der Inhalt wirklich keine leichte Kost. Ich musste mir öfter bewusst machen, dass dies keine Fiktion, sondern eine Biografie ist.
Aus kindlicher Perspektive berichtet Jennette wie toll sich ihre Mum um sie kümmert, was sie alles für ihre Karriere opfert - als erwachsener Leserin hat man leider mehr Wissen und einen anderen Blick auf die Handlung. Genau diesen Unterschied zwischen damaliger und jetziger Wahrnehmung bringt sie gut auf den Punkt. Interessant ist auch zu verfolgen, wie Jennette nach und nach bewusst wird, dass ihr eigenes Glück nie Priorität hatte, sondern immer nur das ihrer Mum. Und wie schwierig es für sie war/ ist, sich selbst vorne anzustellen.
Es macht auch deutlich, welchen Einfluss emotionaler und körperlicher Missbrauch auf Kinder hat, welche psychischen Krankheiten sie noch jahrelang verfolgen und wie schwierig es ist, alte Muster zu durchbrechen, selbst wenn der/ die Peinigerin keinen direkten Einfluss mehr hat.
Oft habe ich als Kritik gelesen, dass dies ja ein sehr einseitiger Bericht sei, die kindliche Wahrnehmung selektiv und die Mutter nicht mehr befragt werden kann, um das Geschriebene zu verifizieren. Aber wie wäre es denn, wenn wir einfach mal Opfern Glauben schenkten? Und ja, es ist ein einseitiger Bericht, aber das hat eine Biografie oft so an sich. Schließlich möchte Jennette ihre Mutter nicht vor Gericht verurteilen, sondern einfach ihre Geschichte und ihren Weg der Heilung erzählen. Und das ist ihr gelungen. Ich bewundere ihren Mut, ihre Ehrlichkeit und ihren Umgang damit und hoffe, sie ist heute da, wo sie sein möchte. ⭐️5/5⭐️
Übersetzt von Henriette Zeltner-Shane und Sylvia Bieker