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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.10.2024

Langweilig

Der Tausch – Zwei Frauen. Zwei Tickets. Und nur ein Ausweg.
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“Der Tausch” beginnt mit der Beleuchtung von Claires prekären Situation: sie ist die Frau eines einflussreichen und beliebten Politikers, wirkt nach außen wie die perfekte, glückliche Ehefrau, doch hinter ...

“Der Tausch” beginnt mit der Beleuchtung von Claires prekären Situation: sie ist die Frau eines einflussreichen und beliebten Politikers, wirkt nach außen wie die perfekte, glückliche Ehefrau, doch hinter verschlossenen Türen herrscht genau das Gegenteil: ihr Mann ist kontrollsüchtig und gewalttätig. Eine Scheidung unmöglich.
So plant sie heimlich ihre Flucht.
Und ich bin ehrlich: spannender wirds nicht mehr. Julie Clarke hat alles in den Anfang gesteckt, die ganze weitere Geschichte plätschert vor sich hin, steckt voller kleiner Logikfehler und hat mich so gar nicht gepackt. Als ich auf den letzten hundert Seiten kurz einmal dachte, nun ginge es richtig rund, wurde ich jäh enttäuscht; alles läuft viel zu glatt, es gibt keinen Showdown, kein überraschendes Ende, keine Dramatik.
Der Schreibstil ist recht einfach gehalten, was ich bei einem Thriller absolut in Ordnung finde, jedoch fand ich einige Sätze sehr holprig - dies kann jedoch auch der Übersetzung geschuldet sein. Das hat das Lesevergnügen noch weiter geschmälert.
Ich finde die Idee, zwei Frauen in den Mittelpunkt zu stellen, die sich aus der Opferrolle rauskämpfen, um ihr eigenes selbstbestimmtes Leben zu führen, überaus ansprechend. Die Umsetzung hat mir in diesem Fall leider überhaupt nicht gefallen, vor allem fehlt diesem Thriller jeglicher Thrill. ⭐️2/5⭐️

*Ins Deutsche übersetzt von Gabriele Burkhardt und Astrid Gravert

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Veröffentlicht am 26.10.2024

Aktuelle Themen, künstlerischer Schreibstil

Hey guten Morgen, wie geht es dir?
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“Hey guten Morgen, wie geht es dir?” hat einen sehr eigenen Stil; er ist szenisch, fast lyrisch und lässt sich leicht lesen. Damit passt er gut zur Protagonistin Juno, die selbst Theater spielt und Stücke ...

“Hey guten Morgen, wie geht es dir?” hat einen sehr eigenen Stil; er ist szenisch, fast lyrisch und lässt sich leicht lesen. Damit passt er gut zur Protagonistin Juno, die selbst Theater spielt und Stücke schreibt.
Der Roman behandelt viele aktuelle Themen, darunter Ableismus, Rassismus, Care-Arbeit, das Altern und natürlich Love-Scamming. Wobei letzteres für Betroffene schwierig zu lesen sein könnte, da Opfern mehr oder weniger die Schuld selbst zugeschoben wird.
Außerdem wird mit vielen Gegensätzen gearbeitet, das fängt schon damit an, dass jegliche Charaktere göttliche Namen aus verschiedenen Mythen bekommen haben, aber mit irdischen Problemen und ihrer eigenen Sterblichkeit klarkommen müssen. Auch dass Juno auf der Bühne als Schauspielerin in Pailletten strahlt, abseits ihrer Rollen aber wochenlang von Haferflocken leben muss, ist ein solcher Gegensatz.
Ich hatte leider so meine Probleme mit der Protagonistin, bin nicht warmgeworden mit ihr. Auch die Beziehung zu Jupiter habe ich nicht ganz verstanden, manchmal liest es sich so, als hätten sie kaum Kontakt (obwohl sie in einer Wohnung leben und er auf sie angewiesen ist) und als ginge es ihr nur um sein Pflegegeld, doch wenn er mal vorkommt, sind ihre Gedanken stets liebevoll, der Umgang warmherzig und vertraut.
Die vielen angesprochenen Handlungs- und Themenstränge verlaufen eher nebeneinander statt miteinander und am Ende ins Nichts.
Ich habe für mich persönlich gemerkt, dass mir ein klassischer Roman, der eine klare Geschichte erzählt, lieber ist. Für alle, die offen für einen experimentellen, künstlerischen Schreibstil sind, ist das Buch sicherlich empfehlenswerter.
Dennoch freue ich mich, dass Martina Hefter so viele begeisterte Leser*innen gefunden hat und gratuliere herzlich zum Gewinn des Deutschen Buchpreises 2024.

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Veröffentlicht am 23.10.2024

Sehr sachlich, aber interessant

Das Igel-Tagebuch
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In “Das Igel-Tagebuch” schreibt die Journalistin Sarah Sands ihre persönlichen Erfahrungen nieder. Anlass dazu gegeben haben ihr kranker Vater, der kleine Igel Peggy und wie sie darauf hofft, dass beide ...

In “Das Igel-Tagebuch” schreibt die Journalistin Sarah Sands ihre persönlichen Erfahrungen nieder. Anlass dazu gegeben haben ihr kranker Vater, der kleine Igel Peggy und wie sie darauf hofft, dass beide den Winter überstehen.
Sie berichtet aber hauptsächlich von den Ergebnissen ihrer Recherche, sodass viele Fakten und Zitate von Dichtern und Philosophen zusammenkommen - denn die unscheinbaren Tierchen begeistern uns Menschen seit jeher.
Aus dem kurzen Büchlein kann man also viel Neues lernen und die Igel-Obsession, die manche Personen darin haben, auf jeden Fall nachvollziehen. Ich fand gerade den Schluss sehr interessant, bei dem noch einmal die Rolle des Igels in Bezug auf die Umwelt im engeren und weiteren Sinne beleuchtet wird.
Generell ist es sehr schön zu lesen, mit welchem Respekt und welcher Anerkennung die Natur beschrieben wird - denn sie ist definitiv schützens- und liebenswert, etwas absolut Einzigartiges.
Leider war der Schreibstil sehr nüchtern. Auch wenn es ein Sachbuch ist, hatte ich durch die vielen persönlichen Passagen einen etwas romanhafteren Erzählstil erwartet (ähnlich wie in “Das Evangelium der Aale”). So hat es sich eher wie eine Analyse gelesen, zwischendurch ist es einfach nur eine Aneinanderreihung von Fakten und Zitaten und es fällt dadurch schwer, am Ball zu bleiben.
Wer sich für die Lebensweise von Igeln in England interessiert, wie sie dort geschützt werden und was man selbst als Gartenbesitzer*in tun kann, sollte das Buch lesen. Wer eine warmherzige Geschichte über die Pflege eines jungen Igelweibchens lesen möchte, eher nicht - denn dieser Part kommt recht kurz.

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Veröffentlicht am 21.10.2024

Atmosphärischer Heide-Roman

Von Norden rollt ein Donner
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Jannes ist 19 und Schäfer in der Lüneburger Heide.
Doch die Idylle wird nicht nur von der Rückkehr des Wolfes getrübt, sondern auch die Sorge um Jannes’ demenzkranken Vater macht ihm zu schaffen.
Als er ...

Jannes ist 19 und Schäfer in der Lüneburger Heide.
Doch die Idylle wird nicht nur von der Rückkehr des Wolfes getrübt, sondern auch die Sorge um Jannes’ demenzkranken Vater macht ihm zu schaffen.
Als er dann noch eine mysteriöse Frauengestalt im Wald sieht, beginnt er, an seinem eigenen Verstand zu zweifeln.

“Von Norden rollt ein Donner” ist vor allem eins: eine Desillusionierung der Heiden-Idylle. Denn der Roman zeigt auf, mit welchen Problemen die Schäferinnen zu kämpfen haben, dass der Ton und die Arbeit hart sind, dass es aus wirtschaftlicher Sicht schon lange nicht mehr reicht, einfach Schafe durch die Landschaft zu treiben.

Hinzu kommt die Wolfsproblematik: in der Gegend gab es schon die ersten Risse, nun wollen die Anwohner
innen ihr Vieh schützen und diskutieren über geeignete Maßnahmen, fühlen sich alleingelassen von der Politik.
Besonders anhand dieses Beispiels behandelt der Autor hier sehr anschaulich ein weiteres Thema: Generationskonflikte. Jannes’ Opa hat noch mitbekommen, wie auf Wölfe geschossen wurde, er sieht dies als die einzig vernünftige Lösung. Aber rechtfertigt Heimatschutz das Töten des gefährdeten Tieres?
Auch bei der Behandlung anderer Schwierigkeiten sieht man die unterschiedlichen Lösungsansätze verschiedener Generationen, z. B. im Rückblick, als Jannes’ Großmutter an Demenz erkrankt.

Außerdem behandelt der Roman die Themen Identität, Herkunft, die Schatten der (NS-)Vergangenheit, den Umgang mit dem immer mehr aufkommendem Tourismus und sogar eine Geistergeschichte findet ihren Platz.
Trotz der ruhigen Erzählweise erschafft Markus Thielemann unterschwellig Spannung, die hohe Dichte an Themen lässt die Stimmung immer düsterer werden.
Ich mochte außerdem die Landschaftsbeschreibungen und die wörtliche Rede sehr gern, durch die regionale Mundart sorgen die Anwohner ganz automatisch für ein atmosphärisches Lokalkolorit.

Am Ende bleiben einige Fragen offen, das Wolfsproblem ungelöst. Viele Erzählstränge werden nicht auserzählt und man muss sie selbst verbinden, um auf eine eigene Lösung zu kommen. ⭐️5/5⭐️

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Kindgerechtes Sachbuch

Kuscheln
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"Kuscheln" ist ein Kindersachbuch, welches in elf Kapiteln verschiedene Tierarten beleuchtet. Im Mittelpunkt steht stets das Thema Kuscheln: Warum und auf welche Weise die jeweilige Tierart dies tut. Im ...

"Kuscheln" ist ein Kindersachbuch, welches in elf Kapiteln verschiedene Tierarten beleuchtet. Im Mittelpunkt steht stets das Thema Kuscheln: Warum und auf welche Weise die jeweilige Tierart dies tut. Im letzten Kapitel wird dann darauf eingegangen, warum wir Menschen kuscheln, so haben Kinder noch einen besseren Bezug zu dem zuvor Gelesenen.
Neben dem Thema Kuscheln lernt man aber auch noch ganz viele andere Fakten über Tiere, teilweise waren sie sogar mir neu. Sehr angenehm ist dabei, dass es keinen langen Fließtext gibt, sondern immer nur kleine Textfelder.
Die Informationen werden aus der Sicht eines Jungtiers der jeweiligen Art erzählt, ebenfalls eine sehr schöne Idee. Die Texte sind dabei einfach formuliert und meiner Meinung nach auch schon für jüngere Kinder gut verständlich.
Sehr positiv hervorheben möchte ich noch die wunderschönen und naturnahen Illustrationen von Maria Over. Highlight ist natürlich das kuschelig-weiche Fühlelement auf dem Cover.

"Kuscheln" ist ein absolut gelungenes Kindersachbuch mit vielen spannenden Informationen, tollen Bildern und mit dem man sich lange beschäftigen kann. ⭐️5/5⭐️

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