Kann man lesen, muss man aber nicht!
Die Tribute von Panem X. Das Lied von Vogel und SchlangeMit „Die Tribute von Panem X“ hat mein Jahr 2022 begonnen. Und ich kann euch sagen, es ist mir noch nie so schwergefallen, eine klare Meinung zu einem Buch zu formulieren. Suzanne Collins beginnt die Geschichte ...
Mit „Die Tribute von Panem X“ hat mein Jahr 2022 begonnen. Und ich kann euch sagen, es ist mir noch nie so schwergefallen, eine klare Meinung zu einem Buch zu formulieren. Suzanne Collins beginnt die Geschichte um Coriolanus Snow gewohnt stark. Man sieht das Kapitol gleich wieder vor sich und verfolgt gespannt die Vorbereitungen auf die 10. Hungerspiele. Es ist eine andere Zeit, ein anderes Panem, ein anderes Kapitol, was das Ganze besonders interessant macht.
Bis zum Beginn der Hungerspiele...
Was dann folgt, sind ca. 300 Seiten pure Langeweile, in denen wir einen Protagonisten erleben, deren einzige Entwicklung darin besteht, wie ein Fähnchen im Wind hin und her zu schwanken. Coriolanos Gefühlswelt und seine damit verbundenen Entscheidungen sind nur schwer nachvollziehbar und wirken fast willkürlich. Weder zu ihm noch zu den anderen Charakteren lässt sich eine Verbindung aufbauen. Dafür wird zu viel an der Oberfläche gekratzt. Weniger Charaktere und weniger nebensächliche Handlungsstränge, dafür mehr Tiefe, hätten der Geschichte sicherlich gutgetan. Zu viele Seiten wurden mit belanglosen Nichtigkeiten und Liedertexten gefüllt, um wirklich Spannung aufzubauen.
Unabhängig von der Story an sich, hat die Autorin, meiner Meinung nach, aufs falsche Pferd gesetzt. Natürlich macht es Sinn, die Geschichte von Coriolanus Snow zu erzählen. Blöd ist nur, dass die weitaus interessantere Figur, die seines Freundes Sejanus ist. Er macht die größte Entwicklung durch, vom unterdrückten Mitläufer zum Rebellen, der für seine Überzeugung eintritt.
Dennoch hat es sich gelohnt, durchzuhalten. Niemals hätte ich gedacht, dass Suzanne Collins zum Ende nochmal die Kurve kriegen könnte. Aber die letzten Seiten hatten nochmal richtig Tempo und haben damit so einiges wieder gut gemacht. Für die Glaubhaftigkeit von Coriolanus kam es zu abrupt, für die gesamte Geschichte viel zu spät, aber es hat geknallt.
Kurz: „Snow landet immer oben.“ In diesem Fall leider nicht. Er hatte seine Momente, kann Katniss aber nicht mal ansatzweise das Wasser reichen.
Aber, wer kann das schon?!