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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.01.2026

Zwei Leben, zwei Perspektiven – eine spannende Idee

Im Leben nebenan 
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In Im Leben nebenan von Anne Sauer erwacht Toni in zwei parallelen Lebensrealitäten: Einmal lebt sie mit ihrem Partner in der Stadt, wo der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, und einmal im Heimatdorf mit ihrer ...

In Im Leben nebenan von Anne Sauer erwacht Toni in zwei parallelen Lebensrealitäten: Einmal lebt sie mit ihrem Partner in der Stadt, wo der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, und einmal im Heimatdorf mit ihrer Jugendliebe und einem Baby – obwohl sie diese Entscheidung nie bewusst getroffen hat. Die Idee, ein Leben aus zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven zu zeigen, ist spannend und bietet viel Potenzial.

Die Sprecherin Chantal Busse bringt die Figuren frisch und einfühlsam zum Leben. Den Wechsel zwischen den Parallelwelten und den Szenen habe ich manchmal ein bisschen verloren, da Toni/Antonia in beiden Welten die gleiche Stimme hat. Dennoch ließ sich das Hörbuch gut verfolgen.

Inhaltlich werden wichtige Themen wie Kinderwunsch, Mutterschaft und die Überforderung frischgewordener Mütter realistisch dargestellt. Besonders interessant ist der Kontrast, wie sich für den Mann das Leben gefühlt nahezu unverändert weiterentwickelt.

Obwohl die Geschichte nachvollziehbar und spannend ist, konnte sie mich emotional nicht vollständig mitreißen – der Erzählfluss blieb eher gleichmäßig, ohne einen echten Sog zu erzeugen. Für Leserinnen, für die das Thema Kinderwunsch aktuell ist, ist das Hörbuch sehr empfehlenswert. Persönlich würde ich die Geschichte eher im Buchformat empfehlen, da man dort die beiden Welten noch klarer unterscheiden kann.

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Winterliche Second-Chance in Schottland

Weihnachten mit Tony
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„‚Weihnachten mit Tony‘ ist eine warmherzige Second-Chance-Geschichte, die in einem winterlichen Schottland spielt und die Vorweihnachtszeit dezent einbettet. Erzählt wird abwechselnd aus den Perspektiven ...

„‚Weihnachten mit Tony‘ ist eine warmherzige Second-Chance-Geschichte, die in einem winterlichen Schottland spielt und die Vorweihnachtszeit dezent einbettet. Erzählt wird abwechselnd aus den Perspektiven von Carrie und Marc, gelegentlich ergänzt durch Tierperspektiven – ein kleiner, feiner Kniff, der Freude bereitet und den Tierschutzgedanken liebevoll einbindet. Dabei erhält man auch interessante Einblicke, wie Tierrettung und der Schutz von Tieren in Schottland organisiert sind, und lernt nebenbei ein wenig über Land, Natur und Kultur.

Die Hauptcharaktere sind gutherzig, idealistisch und manchmal noch etwas unreif, sodass ihre Emotionen oft ihr Handeln bestimmen. Besonders Carrie neigt dazu, impulsiv zu reagieren, was die Kommunikation erschwert und sie zeitweise davonlaufen lässt. Gerade diese menschliche Unvollkommenheit macht die Figuren nahbar und lebendig; man spürt ihre Gefühle, Stärken und Schwächen sehr authentisch. Die Nebencharktere bleiben eher blass. Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass der ursprünglich vorhandene Humor die gesamte Geschichte hindurch etwas abnimmt und Tony selbst insgesamt etwas zu kurz kommt – hier hätte ich mir mehr Präsenz und Lebendigkeit gewünscht.

Die Beschreibungen der schottischen Landschaften, verschneiten Dörfer und stillen Seen sind besonders gelungen. Man spürt die Kälte, die Ruhe und die besondere winterliche Atmosphäre – ein echter Pluspunkt für alle, die gern in fremde Länder eintauchen. Wer ein klassisches Cozy-Weihnachtsbuch erwartet, sollte wissen, dass die Geschichte mehr um die zweite Chance von Carrie und Marc kreist als um festliche Weihnachtsstimmung.

Fazit: Unter diesen Umständen ist „Weihnachten mit Tony“ eine charmante und leichte Unterhaltung, die mit liebenswerten Figuren, stimmungsvoller Landschaftsbeschreibung sowie Einblicken in Schottland und Tierschutzthemen punktet. Auch wenn der Humor etwas nachlässt und Tony insgesamt etwas zu kurz kommt, hat das Buch seinen eigenen Reiz. Für Leser*innen, die Second-Chance-Romance mögen und neugierig auf winterliches Schottland sind, ist es daher durchaus eine Empfehlung – 3,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 11.12.2025

Ein moderner Beziehungsroman über Erwartungen und Selbstfindung

This isn't happiness
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This Isn’t Happiness lässt sich insgesamt sehr angenehm lesen. Der Schreibstil ist flüssig, die Kapitel haben die richtige Länge und die prägnanten Überschriften geben dem Buch eine schöne Struktur. Besonders ...

This Isn’t Happiness lässt sich insgesamt sehr angenehm lesen. Der Schreibstil ist flüssig, die Kapitel haben die richtige Länge und die prägnanten Überschriften geben dem Buch eine schöne Struktur. Besonders die eingestreuten Mobilfunknachrichten lockern alles auf und bringen moderne Leichtigkeit hinein.

Die Beziehung der beiden Protagonisten begleitet man bereits seit ihrer Jugend. Doch die Handlung setzt ein, als beide längst Ende zwanzig sind – in einer Lebensphase, in der große Entscheidungen wie Hochzeit und Hauskauf anstehen. Genau hier zeigt sich, dass ihre Partnerschaft zwar lange besteht, aber nicht unbedingt auf Augenhöhe funktioniert. Oft wirken sie eher wie ein eingespieltes Team aus alten Zeiten, ohne sich wirklich gemeinsam weiterentwickelt zu haben.

Vor allem Josh kommt unreif rüber: Er verlässt sich stark auf die Frauen in seinem Leben und scheut Verantwortung, was besonders herausfordernd ist, da die beiden auch beruflich miteinander verbunden sind. Amy dagegen gibt häufig nach und stellt ihre eigenen Bedürfnisse hinten an – was beim Lesen manchmal frustriert. Umso wichtiger wird die Rolle von Lace, die frischen Wind bringt, neue Perspektiven eröffnet und Amy ermutigt, sich stärker mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Einige Nebenfiguren – wie der übergriffige Verwandte oder Eltern, die die Hochzeit dominieren wollen – verstärken zusätzlich den Eindruck festgefahrener, unreifer Strukturen, aus denen sich Amy erst lösen muss.
Im Verlauf des Buches zeigt Amy eine deutlich spürbare Entwicklung. Sie beginnt, für ihre Wünsche einzustehen und sich von Erwartungen zu lösen. Das hätte für meinen Geschmack gerne früher passieren dürfen, wirkt aber glaubhaft. Josh hingegen bleibt in seiner Entwicklung eher stehen, was die Distanz zwischen den beiden immer sichtbarer macht. Die Kommunikation zwischen ihnen ist lange Zeit geprägt von unausgesprochenen Dingen und Missverständnissen, was das Lesen streckenweise anstrengend macht.
Die Auflösung kommt an einigen Stellen etwas abrupt und wirkt nicht vollständig schlüssig – ohne dass man hier inhaltlich spoilern kann. Positiv hingegen ist, dass die weiblichen Figuren am Ende sehr selbstbestimmt und stark dargestellt werden und ihren eigenen Weg gehen.

Insgesamt ist This Isn’t Happiness ein leicht zu lesender Roman, der besonders Leser*innen ansprechen dürfte, die selbst vor großen Entscheidungen stehen oder sich in den Themen Beziehung, Zukunftsplanung und Erwachsenwerden wiederfinden. Für mich war es eine solide Lektüre mit guten Momenten, aber kein Buch, das langfristig im Gedächtnis bleibt.

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Veröffentlicht am 27.10.2025

Wenn Wut Flügel bekommt – Jugendbuch, das bewegt

Der Scherbenpalast
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Als Lou ungefragt mit ihrer Familie von Hamburg nach Mannheim zieht, fühlt sie sich völlig entwurzelt. Ihre Wut auf die Welt und die provokanten Ausbrüche gegen alles und jeden spiegeln eindrucksvoll die ...

Als Lou ungefragt mit ihrer Familie von Hamburg nach Mannheim zieht, fühlt sie sich völlig entwurzelt. Ihre Wut auf die Welt und die provokanten Ausbrüche gegen alles und jeden spiegeln eindrucksvoll die Gefühle vieler Jugendlicher wider, die plötzlich vor Veränderungen stehen. Scherbenpalast von Annette Mierswa zeigt dabei sehr authentisch, wie Lou langsam erkennt, dass sie selbst Verantwortung für ihr Glück übernehmen kann.

Besonders beeindruckend ist, dass das Buch aus der Sicht eines Mädchens erzählt wird. Es behandelt verschiedene Familienkonstellationen und Kulturen und verbindet so Generationen und Lebensrealitäten miteinander. Themen wie Verlust, Verlustängste und der Umgang mit schwierigen Gefühlen werden feinfühlig vermittelt. Ein weiterer, sehr wertvoller Aspekt ist die Kraft der Natur: Lou schöpft daraus Halt und Stärke, was gerade für Jugendliche, die sich unverstanden fühlen oder düstere Gedanken haben, ein wichtiger Bezug ist.

Scherbenpalast ist ein Jugendbuch, das man auch als Erwachsener gerne liest. Es regt zum Nachdenken an, schafft Verständnis für junge Menschen und zeigt, wie man auf Veränderungen reagieren kann. Eine klare Empfehlung!

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Ein warmherziges Coming-of-Age über Freundschaft und Mut

Helle Sommer
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Helle Sommer ist ein wunderbar einfühlsames Coming-of-Age, das das Aufwachsen und die Herausforderungen des Erwachsenwerdens authentisch und berührend schildert. Im Mittelpunkt steht eine tiefe Freundschaft, ...

Helle Sommer ist ein wunderbar einfühlsames Coming-of-Age, das das Aufwachsen und die Herausforderungen des Erwachsenwerdens authentisch und berührend schildert. Im Mittelpunkt steht eine tiefe Freundschaft, die trotz großer Unterschiede vieles überdauert – eine Freundschaft, die Mut macht, trägt und Halt gibt.
Die weibliche Hauptfigur beeindruckt durch ihre Tapferkeit: Sie erträgt viel, kämpft sich durch schwierige Zeiten und hält dabei stets den Kopf hoch. Es ist schön und zugleich tragisch, mitzuerleben, wie sie und ihre Freundin gemeinsam wachsen, sich entwickeln und ihren Platz in der Welt finden.
Die Geschichte verbindet bekannte Motive des Coming-of-Age-Genres – Selbstfindung, Freundschaft, Mut und das Überwinden von Widrigkeiten – auf eine sehr authentische und tiefgründige Weise. Sophie Astrabie gelingt es, mit viel Herz und Fingerspitzengefühl eine Geschichte zu erzählen, die nachklingt und zum Nachdenken anregt.
Für alle, die Geschichten über Freundschaft, Mut und das Erwachsenwerden lieben, ist Helle Sommer eine sehr große Leseempfehlung.

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