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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.05.2026

Ein notwendiger Roman über Macht, Einsamkeit und weibliche Solidarität

Die Liebeshungrigen
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„Die Liebeshungrigen“ von Karin Tuil ist ein eindringlicher Roman, der sich mit harten, aber hochaktuellen Themen auseinandersetzt. Im Zentrum steht Macht und ihr Missbrauch – ein Thema, das erschreckend ...

„Die Liebeshungrigen“ von Karin Tuil ist ein eindringlicher Roman, der sich mit harten, aber hochaktuellen Themen auseinandersetzt. Im Zentrum steht Macht und ihr Missbrauch – ein Thema, das erschreckend zeitlos ist und auch heute noch, etwa in der Filmbranche, große Relevanz hat. Der Roman zeigt eindrucksvoll, wie Macht nicht nur andere verletzt, sondern auch vereinsamt und die Selbstwahrnehmung verzerrt, besonders bei selbstzentrierten Persönlichkeiten, die für eine Gemeinschaft schwer tragbar sind.

Karin Tuil schreibt klug, präzise und mit viel psychologischem Feingefühl. Ihre Sprache ist durchzogen von Weisheit und Denkanstößen, die lange nachwirken. Besonders stark fand ich die Darstellung weiblicher Solidarität: Frauen, die zusammenhalten, sich gegenseitig stärken und einander Raum geben. Diese Aspekte verleihen dem Roman eine klare feministische Haltung, ohne belehrend zu wirken.

Die Entwicklung der weiblichen Figur ist glaubwürdig und berührend. An manchen Stellen hätte das Buch etwas kürzer sein können, doch gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass diese Themen genau diese Zeit brauchen – man muss sie aushalten dürfen. Das Ende ist schlüssig und rund. Ein wichtiges Buch, das zum Nachdenken anregt und Lust auf mehr von der Autorin macht.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Ein leiser Roman über Trauer und das Zulassen von Gefühlen

Unter Wasser
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„Unter Wasser“ ist ein sehr ruhiger, intensiver Roman, der sich stark mit Trauer und inneren Prozessen beschäftigt. Besonders schön fand ich, wie deutlich wird, dass Trauer Zeit und Raum braucht.

Die ...

„Unter Wasser“ ist ein sehr ruhiger, intensiver Roman, der sich stark mit Trauer und inneren Prozessen beschäftigt. Besonders schön fand ich, wie deutlich wird, dass Trauer Zeit und Raum braucht.

Die Geschichte bewegt sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart und verbindet viele Themen wie Freundschaft, Familie und Natur. Dadurch entsteht ein dichter Eindruck, der aber manchmal etwas überladen wirkt.

Die Sprecherin des Hörbuchs liest angenehm ruhig und gut verständlich, was zur Stimmung passt. Trotzdem hätte ich mir an manchen Stellen mehr emotionale Tiefe gewünscht.

Fazit: Emotionaler, ruhiger Roman mit wichtigen Themen, der im Hörbuch etwas an Tiefe verliert.

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Veröffentlicht am 30.04.2026

Schönes Setting, aber wenig, was hängen bleibt

Die Touristin
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Die Grundidee von Die Touristin hat mich sofort angesprochen: eine junge Frau auf der Suche nach ihrer Herkunft, eingebettet in ein vermeintliches Inselparadies mit dunklen Seiten. Gerade diese Mischung ...

Die Grundidee von Die Touristin hat mich sofort angesprochen: eine junge Frau auf der Suche nach ihrer Herkunft, eingebettet in ein vermeintliches Inselparadies mit dunklen Seiten. Gerade diese Mischung aus persönlicher Suche und unterschwelliger Bedrohung klang vielversprechend.

Das Hörbuch selbst ist solide umgesetzt. Die Sprecherin hat eine angenehme, ruhige Stimme, die gut verständlich ist und die Figuren klar voneinander trennt. Auch das Tempo empfand ich als passend – weder zu schnell noch zu langsam, sodass man der Handlung gut folgen kann.

Inhaltlich bleibt die Geschichte für mich jedoch hinter ihren Möglichkeiten zurück. Das Setting auf der griechischen Insel ist atmosphärisch beschrieben und konnte mich stellenweise wirklich abholen. Auch die Einblicke in gesellschaftliche Strukturen, insbesondere die Rolle von Frauen und familiäre Abhängigkeiten, fand ich interessant und teilweise erschreckend aktuell.

Trotzdem fehlte mir insgesamt die Spannung. Viele Entwicklungen wirken vorhersehbar, echte Wendungen bleiben aus und emotional konnte mich die Geschichte nicht richtig erreichen. Die Protagonistin ist zwar greifbar, bekommt aber nicht genug Tiefe, um nachhaltig Eindruck zu hinterlassen.

Am Ende bleibt ein Hörbuch, das sich gut nebenbei hören lässt, aber wenig nachwirkt. Ich hatte mir deutlich mehr Intensität und Überraschungsmomente erhofft.

Fazit: Schön erzählt und angenehm gesprochen, aber ohne große Spannung oder emotionale Tiefe – solide, aber nicht herausragend.

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Was trägt, auch wenn es ins Wanken gerät

Schon schwankte die Welt
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Leise, aber eindringlich erzählt Felicitas Prokopetz in „Schon schwankte die Welt“ von Verbindungen, die tragen – und ins Wanken geraten können. Im Zentrum steht die langjährige Freundschaft zwischen Viktoria ...

Leise, aber eindringlich erzählt Felicitas Prokopetz in „Schon schwankte die Welt“ von Verbindungen, die tragen – und ins Wanken geraten können. Im Zentrum steht die langjährige Freundschaft zwischen Viktoria und Helene, deren Stärke gerade darin liegt, dass sie nicht frei von Reibung ist. Unterschiedliche Lebensentwürfe und Prägungen schwingen dabei spürbar mit, ohne je plakativ erklärt zu werden.


Der Roman lebt von seinen Perspektivwechseln, die den Figuren nach und nach mehr Tiefe verleihen. Besonders gelungen ist, wie innere Prozesse sichtbar werden, ohne dass sie ausformuliert werden müssen. Auch Themen wie Kommunikation und das Ausweichen vor unangenehmen Wahrheiten sind fein eingewoben und wirken lange nach.


Zwischenmenschliche Dynamiken werden differenziert dargestellt – gerade dort, wo erste Gefühle der Realität standhalten müssen. Dabei zeigt der Text ein sensibles Gespür für Ungleichgewichte, ohne sie zu stark zu bewerten.


Eine besondere, fast leise zweite Ebene bringt das Motiv rund um die Raben hinein, das Fragen nach Verantwortung und Wahrnehmung aufwirft und dem Roman eine eigene Note verleiht.

Der Schreibstil ist ruhig, klar und stellenweise beinahe poetisch, die Kapitel angenehm strukturiert. Auch die Gestaltung mit den warmen Farbtönen und dem zunächst unscheinbaren Raben fügt sich stimmig ins Gesamtbild.


In der Kürze des Romans wird eine Vielzahl an Themen angedeutet – nicht alles wird ausgeleuchtet, manches bleibt bewusst offen. Gerade darin liegt jedoch auch eine Stärke: Vieles wirkt über die Lektüre hinaus nach.


Ein stiller, vielschichtiger Roman, der zeigt, wie viel auf wenigen Seiten entstehen kann – und der noch eine Weile im Kopf bleibt.


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Veröffentlicht am 26.04.2026

Ruhig erzählt, aber sehr nahbar

The Sea Sisters
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The Sea Sisters von Lucy Clarke hat mich vor allem durch seine Atmosphäre und die emotionale Tiefe überzeugt. Ich bin schnell in die Geschichte reingekommen und konnte gut dranbleiben.

Die beiden Sprecherinnen ...

The Sea Sisters von Lucy Clarke hat mich vor allem durch seine Atmosphäre und die emotionale Tiefe überzeugt. Ich bin schnell in die Geschichte reingekommen und konnte gut dranbleiben.

Die beiden Sprecherinnen Pia-Rhona Saxe und Ann-Kathrin Hinz machen das wirklich gut – die Perspektiven sind klar getrennt und gleichzeitig sehr nahbar erzählt. Gerade die leisen Momente zwischen den Schwestern kommen dadurch gut rüber.

Die Geschichte selbst ist eher ruhig, lebt aber von ihren Emotionen und den Themen rund um Familie, Erwartungen und das, was oft unausgesprochen bleibt.

An ein paar Stellen hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht, aber insgesamt hat mich das nicht gestört. Für mich ein stimmiges Hörbuch, das vor allem durch seine Atmosphäre und die starke Sprecherleistung überzeugt.

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