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Veröffentlicht am 10.08.2020

Provokativ

Während wir feiern
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Es war die Kurzbeschreibung, die mich total neugierig auf dieses Buch gemacht hat. Bei diesen packenden aktuellen Themen wie Flüchtlingspolitik, Einbürgerung oder Homosexualität habe ich auf eine hoch ...

Es war die Kurzbeschreibung, die mich total neugierig auf dieses Buch gemacht hat. Bei diesen packenden aktuellen Themen wie Flüchtlingspolitik, Einbürgerung oder Homosexualität habe ich auf eine hoch brisante Lektüre gehofft.

Leider, hat dieses Buch meine Erwartungen nicht erfüllt. Diese packenden Themen fand ich nur am Rande des Geschehens behandelt. Zwar ist eins von den Themen das Schicksal von Kamal, eines tunesischen Flüchtlings, der aufgrund irgendwelches Verschuldens abgeschoben werden soll und vor der Schweizer Polizei flüchtet. Sein Deutschlehrer, mit dem er befreundet ist, verweigert ihm die Hilfe und fühlt sich dann für all das, was später geschieht, verantwortlich. Der Grund für Zoltans Hilfeabsage finde ich paradox. Normalerweise müsste er in dieser Situation genau umgekehrt handeln.
Dieser Roman setzt sich aus vielen kurzen Abschnitten zusammen, in denen unterschiedliche Personen an unterschiedlichen Orten und zu verschiedenen Zeitpunkten zu Wort kommen. Es gibt nur wenige Dialoge; oft nur in chaotischen Gedanken verraten die Protagonisten ihre Probleme und Ängste. Diese Form des Buches war für mich sehr ermüdend, da der Lesefluss ständig unterbrochen wurde. Auch viele von den alltäglichen Problemen, die hier angesprochen wurden, fand ich nur banal.
Fazit: hochinteressante Themen oberflächlich, zu kurz behandelt.

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Veröffentlicht am 02.08.2020

Ein fesselnder Auftakt der Reykjavik-Trilogie

Das Netz
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Nach der Scheidung von Adam bleibt Sonja mittellos und kann nicht für ihren Sohn Tómas sorgen. Deswegen bekommt Adam das Sorgerecht für Tomas und bestimmt den Umgang mit ihm. Sonja will unbedingt ihren ...

Nach der Scheidung von Adam bleibt Sonja mittellos und kann nicht für ihren Sohn Tómas sorgen. Deswegen bekommt Adam das Sorgerecht für Tomas und bestimmt den Umgang mit ihm. Sonja will unbedingt ihren Sohn zurückgewinnen; dafür müsste sie aber genug Geld verdienen. Aus diesem Grund lässt sie sich auf Drogenschmuggel ein. Sie will unabhängig sein; deswegen nimmt sie auch kein Geld von ihrer Freundin Agla, mit der sie seit kurzem eine Liebesbeziehung hat.

Auch Agla, eine Bankangestellte in gehobener Position, befindet sich in Schwierigkeiten. Zwar mangelt es ihr an Geld nicht, aber es wurde gegen sie wegen kriminellen Bankgeschäften ermittelt. Von Anfang an ist es klar, dass sie in die illegalen Machenschaften verwickelt ist.

Der erfahrene Zollbeamte Bragi verdächtigt bald Sonja des Drogenschmuggels. Bisher konnte er sich immer auf seine Intuition verlassen und die perfekte Sonja kommt ihm sehr verdächtig vor.


Die Handlung dieses Romans wurde aus der Sicht der jeweiligen Hauptperson fortgeführt. Sonja, Agla und der Zollbeamter Bragi erzählen im Wechsel über die bedeutenden Geschehnisse aus ihren Leben.
Häppchenweise erfährt man, wie die Protagonisten straffällig geworden sind und welch drastische Konsequenzen dies für ihr Leben habe.

Lilja Sigurdardottir versteht es, die emotionalen Bilder des Geschehens anschaulich dem Leser zu vermitteln. Zwar gibt es in diesem Krimi keinen brutalen, blutigen Mord, aber an der Brutalität und dem Verbrechen selbst mangelt es hier nicht. Es ist schon erstaunlich, wie schnell man in das Netz der Kriminalität gelangen kann und wie schwer es ist, sich daraus zu befreien.

Die Krimikapitel sind kurz, temporeich, spannend. Sie verleiten förmlich zum Weiterlesen, denn auch die Cliffhänger am Ende der vielen Abschnitte erhöhen enorm die Spannung.

Ich habe mich bei dieser Lektüre sehr gut unterhalten gefühlt. Sonjas Geschichte fand ich besonders spannend; sogar für ihre Straftaten könnte ich etwas Verständnis aufbringen. Agla dagegen erscheint mir noch sehr blass, was vor allem an ihrer Vergangenheit und ihrer unklaren Rolle in dem ganzen Komplott liegt. Eine richtige Überraschung ist der Zollbeamter Bragi, den ich trotz seiner Rolle sympathisch fand.

„Das Netz“ ist das erste Buch aus der 3-teiligen Krimireihe. Sehr gelungen und völlig überraschend ist das Finale des ersten Teils. Auf die Fortsetzung, die voraussichtlich im Oktober 2020 erscheint, freue ich mich jetzt schon.

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Veröffentlicht am 31.07.2020

Fast wie ein Märchen

Margherita
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Der Roman „Margherita“ von Jana Revedin beginnt wie ein Märchen. Bisher kennt die wissbegierige Margherita die Welt und das Leben nur aus den Zeitungen, die sie täglich austragen muss. Sie liebt Musik ...

Der Roman „Margherita“ von Jana Revedin beginnt wie ein Märchen. Bisher kennt die wissbegierige Margherita die Welt und das Leben nur aus den Zeitungen, die sie täglich austragen muss. Sie liebt Musik und Beethoven, würde gerne selbst Geige spielen, aber davon kann sie nur träumen.

Ihr Leben ändert sich total, als sie den Grafen Antonio Revedin heiratet, der von der belesenen „panterina“, wie er sie nennt, verzaubert ist. Margherita verlässt das Gesindehaus, in dem sie mit ihrer Mutter und zwei Schwestern gelebt hat; verbringt zuerst ein halbes Jahr in Paris. Dort lernt sie solche Persönlichkeiten wie Eugenia Errazuriz, Coco Chanel, Pablo Picasso, Jean Patou, Jean-Michel Frank kennen.

Zurück in Venedig wurden der Kultur- und Naturtourismus zur ihrer und Ninos Lebensaufgabe. Venedig und Lido sollten für Künstler, Filmproduzenten, Filmstars, Presseleuten, aber auch für Menschen mit Geld und Einfluss zum Magnet werden.


In dem Buch „Margherita“ schreibt Jana Revedin ausführlich über das Leben der Großmutter ihres Mannes. Für das Mädchen aus armen Verhältnissen und ihre beiden Schwestern waren „Musik, Literatur oder fremde Sprachen, feine Küche oder gar Haute Couture … ein Luxus, der für sie unerreichbar war. In ihrem Leben blieben diese Feinheiten ferne Sterne, die sie nie entdecken und nie besitzen würden.“ (Zitat Seite 12)

Doch durch die Ehe mit dem Conte Antonio Revedin wurden für Margherita diese „fernen Sterne“ greifbar. Ab sofort führt sie ein Leben, von dem sie nicht mal zu träumen wagte. Es ist ein ausgefülltes und aufregendes Leben, das von der unendlichen Liebe zu ihrem Mann gekrönt wurde.

Anders aber als in einem Märchen wurde Margheritas Leben nicht von den tragischen Schicksalsschlägen verschont bleiben. Diese bewegende Lebensgeschichte zeichnet die Autorin nach der Recherche und den Gesprächen in der Familie mit viel Einfühlungsvermögen und viel Fantasie nach. Denn wie sie selbst in ihrem Nachwort zum Buch erwähnt: „Alle im Buch beschriebenen Begegnungen und Gespräche können sich selbstverständlich so, aber auch anders zugetragen haben.“ (Zitat)

Margheritas persönliches Schicksal, ihre interessante Lebensgeschichte haben mich tief berührt. Mit großem Interesse habe ich die einzelnen Etappen ihres bewegten Lebens verfolgt.

Auch ihr Engagement und Interesse für das kulturelle Leben, für Tourismus und Sport in Venedig sind bewundernswert. Schade nur, dass die Autorin keine Quellenachweise dafür liefert. Auch Fotos von Venedig, die Margheritas Mann Nino so gerne gemacht hat, hätten das Buch unheimlich bereichert.

Fazit: eine aufregende Lebensgeschichte eines einfachen Mädchens, das zu einer bewundernswerten Contessa von Venedig wurde.

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Veröffentlicht am 26.07.2020

Spannende und lehrreiche Lektüre

Goldjunge (Ira Schwarz ermittelt 1)
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Ein grausamer Mord an einem 16-Jährigen erschüttert im September 1967 die Stadt Köln. Sofort beginnt die Polizei mit den Ermittlungen, auch die hiesige Presse interessiert sich brennend für den Fall. Die ...

Ein grausamer Mord an einem 16-Jährigen erschüttert im September 1967 die Stadt Köln. Sofort beginnt die Polizei mit den Ermittlungen, auch die hiesige Presse interessiert sich brennend für den Fall. Die Kriminalhauptmeisterin Ira Schwarz von der Weiblichen Kriminalpolizei unterstützt die Mordkommission bei der Ermittlungsarbeit. Auch der Journalist Ben Weber ist sofort am Ort des Geschehens und versucht auf eigene Faust weiteren Erkenntnisse zu gewinnen. Als Ira Schwarz merkt, dass die polizeilichen Ermittlungen in falsche Richtung gehen, versucht auch sie eigenmächtig die ganze Wahrheit herauszufinden.

Die Kurzbeschreibung und das Cover haben mich neugierig auf dieses Buch gemacht. Die Lektüre dieses Buches hat meine Erwartungen weit übertroffen; sie hat mir viele spannende und lehrreiche Lesestunden beschert.
Es war nicht nur der aufregende Krimiplot, der mich sofort in seinen Bann gezogen hat. Es geht bei diesem spektakulären Mordfall um viel mehr als nur um ein Tötungsdelikt, das aufgeklärt werden muss. Denn hinter diesem Verbrechen verbergen sich dramatische Menschenschicksale, die in der Vergangenheit ihre Wurzeln haben.
In diesem Buch spricht die Autorin über tragische Ereignisse aus der Kriegszeit und den Jahren unmittelbar danach, über die unruhige Zeit der 1960-er Jahre, über Frauenstellung in der Gesellschaft und im Erwerbsleben und über vieles an anderes mehr. Ein reales Bild der Stadt Köln aus dieser Zeit mit den Stadtvierteln für Wohlhabende und mit den Notunterkünften für viele Arbeiterfamilien, die oft am Rande der Existenz lebten, entstand vor meinem inneren Auge. Ich fühlte mich in diese Zeit hineinversetzt.
Sehr interessant habe ich die Arbeit der Kriminalpolizei in dem Roman verfolgt. Fast unvorstellbar erscheint es heutzutage, dass sie damals ohne Handys und ohne moderne Technik arbeiten mussten. Damals wurden dringende Anrufe in einer Telefonzelle an einer Straßenecke getätigt, es gab Münzapparate und den VW-Käfer als polizeilichen Dienstwagen. Hervorragend vermittelt dieser Krimi die Realität der vergangenen Zeit.
„Goldjunge“ bietet alles, was das Herz eines Krimi-Fans begehrt: das spektakuläre Verbrechen, spannende Ermittlung, starke, glaubwürdige Charaktere, falsche Fährten und die überraschende dennoch logische Auflösung. Auch die gut recherchierten Bilder der damaligen Umbruchszeit bereichern diese Geschichte unheimlich. MEINE EMPFEHLUNG: unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 14.07.2020

Verwirrende Ermittlungen

Der Fahrer
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„Der Fahrer“ von Andreas Winkelmann ist das dritte Band aus der Reihe mit dem Kommissar Jens Kerner und Rebecca Oswald. Schon am Anfang wurde enorme Spannung aufgebaut; eine junge attraktive Frau wurde ...

„Der Fahrer“ von Andreas Winkelmann ist das dritte Band aus der Reihe mit dem Kommissar Jens Kerner und Rebecca Oswald. Schon am Anfang wurde enorme Spannung aufgebaut; eine junge attraktive Frau wurde auf dem Nachhauseweg entführt. Am Straßenrand bleibt ihr verlassenes Auto stehen; auf der Motorhaube leuchtet in einer leuchtenden Farbe ein Hashtag #finde mich. Dann verschwinden weitere Frauen und es gibt immer mehr Indizien dafür, dass der Täter die Hamburger Polizei bloßstellen will, und dass er besonders auf Jens Kerner abgesehen hat.


Der Thriller hat mich von Anfang an in Atem gehalten. Die Tatsache, dass der Täter immer weiter sein Unwesen treiben konnte und die Polizei im Dunkeln tappte, war für mich nervenzerreißend. Es hat mich aber auch irritiert, dass es Spuren und Indizien gab, die Ermittler außer Acht gelassen haben. Das hat jedoch nur bewirkt, dass ich auf die Auflösung sehr gespannt war und unbedingt weiterlesen musste.

Der MyDriver-Plot ist für mich nicht ganz stichhaltig. Hier gab es meines Erachtens zu viele Verwirrungen und Unklarheiten, bis zum Schluss ist manches unklar geblieben. Ich kann an dieser Stelle leider keine Details nennen, weil ich nichts von der Handlung verraten möchte. Ich frage mich nur: hätte es ohne MyDriver diese Mordfälle nicht gegeben?

Obwohl ich die zwei ersten Bücher aus dieser Reihe nicht gelesen habe, konnte ich gut in die Handlung einsteigen. Der Autor erwähnt zwar einige Ereignisse aus der Vergangenheit, ohne jedoch zu viel zu verraten. Das Ermittlerduo und die übrigen Charaktere fand ich authentisch und realistisch dargestellt. Viele von ihnen wurden mir sympathisch und ich würde gerne mehr über sie erfahren.

Das Buch wurde ich jedem Thriller-Fan empfehlen. Die spannenden Ereignisse, interessante Charaktere und die überraschende Auflösung des Falles – all das, fesselnd dargestellt, hat mir gut gefallen.

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