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Veröffentlicht am 26.12.2017

Erster spannender Fall für Viktor von Puppe

Der Todesmeister
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Der junge Viktor von Puppe wird auf eigenen Wunsch frisch ans LKA Berlin versetzt und bekommt es gleich mit seinem ersten Fall zu tun. Ein junges Mädchen wird geschändet und tot aus einem Fluss gefischt ...

Der junge Viktor von Puppe wird auf eigenen Wunsch frisch ans LKA Berlin versetzt und bekommt es gleich mit seinem ersten Fall zu tun. Ein junges Mädchen wird geschändet und tot aus einem Fluss gefischt und sie wird nicht die Letzte sein. Doch der Fall ist noch prekärer als gedacht, denn ausgerechnet sie ist die Nichte des Justizsenators von Berlin und in den höheren Kreisen scheint man eher dem Vertuschen zugeneigt zu sein. Schnell werden Viktor und seine beiden Kollegen misstrauisch und ermitteln auf eigene Faust weiter. Dabei stoßen sie auf kriminelle Videos und einer grauenhaften Interpretation des einst französischen Theaters Grand Guignol...

Nach einem kleinen Einstieg zu den Protagonisten Viktor und seinen Kollegen, geht es gleich mit dem ersten Mord weiter und das zentrale Thema wird aufgegriffen. Ich mag es gerne, wenn es gleich zur Sache geht und die Ermittlungen nicht zu lange auf sich warten lassen. Während der Ermittlungen ist es undurchschaubar wer der Täter ist und die ganzen Informationen lassen einen bis zu einem gewissen Zeitpunkt im Dunkeln tappen. Die Passagen aus Sicht des Täters und seiner Vergangenheit sind sehr schön beschrieben und erklären ein Stück weit wie er zu dem werden konnte was er ist. Da ist bereits in der Kindheit schon viel schief gelaufen. Die Inszenierung des Theaters Grand Guignol wurde angeschnitten, aber meiner Meinung nach nicht ausführlich genug integriert und am Ende bleibt leider offen inwiefern sie etwas dagegen unternehmen werden, um diese ganzen Videos zu stoppen. Zwar ist der Haupttäter aus dem Weg, aber die Plattform besteht ja weiterhin, mit genug Schauinteressierten. Vielleicht wird dazu etwas im nächsten Band bekannt. Die Charaktere haben mir im Großen und Ganzen eher weniger gefallen. Viktor bleibt mir viel zu blass und grün hinter den Ohren, Begüm wirkt sehr tough und gibt sich gerne hart und unabhängig und will allen zeigen dass sie auch alleine gut klar kommt. Dabei ist sie sehr ruppig und unfreundlich. Ein bisschen zu sehr ein Möchtegern, dabei wirkt vieles gespielt. Kenji wirkt mit seinem oft vulgären Sprachgebrauch wie ein 15-jähriger testosterongeladener, aufmüpfiger Teenager, der sich cool geben will. Absolut unpassend für jemanden in seiner Position. Die Gerichtsmedizinerin Stella ist sehr freizügig und wirkt leicht nymphoman und ziemlich promiskuitiv auf mich. Dazu verurteilt sie andere aufgrund ihrer Verklemmtheit und wirkt insgesamt doch sehr egoistisch und ichbezogen. Die hohen Politiker sind auch eher unangenehm und versuchen viel zu vertuschen und durch Macht Druck auszuüben. Alles wie gehabt ;) am Ende bin ich dem Täter dann doch auf die Schliche gekommen und lag mit meiner Vermutung richtig.

Insgesamt ein spannender erster Krimi um Viktor von Puppe, mit einem abscheulichen Täter, vielen mir eher negativ auffallenden Charakteren und interessanten, abwechslungsreichen Ermittlungen. Ich bin gespannt auf mehr.

Veröffentlicht am 19.12.2017

Außergewöhnlicher Jugendthriller!

Penelope
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Die 16-jährige Penelope mit der fernen, verträumten, künstlerischen Mutter und dem auf dem Selbstfindungstrip irgendwo im nirgendwo lebenden Vater wirkt auf den ersten Moment wie eine ganz normale Jugendliche. ...

Die 16-jährige Penelope mit der fernen, verträumten, künstlerischen Mutter und dem auf dem Selbstfindungstrip irgendwo im nirgendwo lebenden Vater wirkt auf den ersten Moment wie eine ganz normale Jugendliche. Im Geheimen arbeitet sie bei einer unbekannten und offiziell nicht existierenden staatlichen Einheit, die alles von ihr abverlangt und sie in höchst gefährliche Situationen bringen kann. Nach ihrer Ausbildung zieht sie nach Berlin in eine eigene Wohnung und wird schon dort mit dem Verschwinden zweier junger Mädchen konfrontiert. Heimlich versucht sie zu ermitteln wer der Täter sein könnte und erfährt dabei einige Informationen, die sie am System zweifeln lassen.

Penelope ist ein besonderer Charakter, den ich in dieser Form noch nie kennen gelernt habe und keine Parallelen zu anderen Charakteren ziehen kann, eben weil sie so einzigartig ist. Am Anfang wirkte sie auf mich sehr kühl und distanziert. Auch die Atmosphäre zwischen ihr und ihrer Mutter , wie auch allgemein in vielen zwischenmenschlichen Beziehungen, wirkt entfremdet und mir fehlte da die familiäre Wärme und Liebe. Sie selbst tut sich schwer damit neue Kontakte zu knüpfen, was aufgrund ihrer Tätigkeit logisch erscheint, aber da ist noch eine gewisse Abneigung gegen sich selbst, die sich auch auf Beziehungen zu anderen Menschen auswirkt. Fast so als, wäre sie es nicht wert, dass andere sie mögen und echtes Interesse an ihr haben könnten. Ihre Gedankengänge sind sehr ausführlich beschrieben und nach einer Weile konnte ich sie besser verstehen, auch wenn ich eine Barriere zwischen mit als Leserin und ihr als Protagonist bemerkt habe.
Das GJK war mir sofort suspekt und ich misstraute ihnen, da ich finde, sie nutzen junge begabte Menschen aus und rechtfertigen dies mit dem Retten von unschuldigen minderjährigen Opfern. Irgendetwas haben sie zu verbergen.
Man erfährt viel über Penelope und ihr Leben. Die richtige Spannung im Fall der beiden verschwundenen Mädchen kommt erst gegen Ende auf und dann auch ziemlich plötzlich und unerwartet. Genauso schnell geht alles über die Bühne und der Fall ist gelöst. Das wirkte auf mich so gewollt, als müsse es zum Ende kommen, optimalerweise mit einem gelösten Fall für Penelope.
Besonders interessant fand ich den unbekannten Mann Toni und inwiefern er in allem involviert ist. Dahinter verbirgt sich noch viel und ich würde gerne im nächsten Band ergründen was dahinter steckt.
Die Atmosphäre des Buches wirkte auf mich oft befremdlich, etwas Bedrückend und unnahbar, bedingt durch Penelopes trübe Gedanken und Ansichten, wenn sie auch teilweise verständlich waren. Aufgrund der einzigartigen Protagonistin und der Atmosphäre betrachte ich das ganze Buch als außergewöhnlich und wirklich einmalig. Eindeutig als Unikat - wobei das ja eigentlich alle Bücher sind ;)

Veröffentlicht am 05.12.2017

Viel Persönliches, wenig Krimi

Wenn die Rache erwacht
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Kaum sind Sam und Nick aus den Flitterwochen zurück, warten auch schon die nächsten Morde auf Sam und nicht nur das, scheinbar hat es eine alte Bekannte auf sie abgesehen und schreibt Karten mit unverholenen ...

Kaum sind Sam und Nick aus den Flitterwochen zurück, warten auch schon die nächsten Morde auf Sam und nicht nur das, scheinbar hat es eine alte Bekannte auf sie abgesehen und schreibt Karten mit unverholenen Drohungen. Zusätzlich muss sich Sam mit familiären Problemen rumschlagen und alles und jeder zehrt an ihren Nerven. Kann sie den Täter finden und allen Herausforderungen trotzen?

Dies ist mein erstes Buch aus der Reihe und obwohl ich die Vorgeschichte nicht kenne, kam ich gut rein, weil wichtige vergangene Ereignisse kurz angerissen und erklärt werden, sodass daraus keine Nachteile entstehen. Es wird viel über Sams und Nicks Privatleben berichtet, bis hin zu familiären und kollegialen Beziehungen, die sehr schön beschrieben sind und Spaß beim Lesen machen, da sie abwechslungsreich, unerwartet und sympathisch sind - zumindest die meisten Personen. Dadurch verlieren die Morde allerdings erheblich an Gewichtung und treten in den Hintergrund, die dann und wann es mal nicht um Sams Leben geht, wieder nach vorne rücken, wobei es streng genommen auch um Sams Leben geht, da ein persönlicher, aber längst vergessener Freund/Feind auftaucht. Da dies erst gegen Ende geschieht, hat der Leser keine Möglichkeit den Täter zu erraten oder selbst Verdächtigungen vorzunehmen, da der/die Täter(in) der Geschichte gänzlich unbekannt ist. Die Auflösung war dann doch eher enttäuschend, weil das alles in wenigen Seiten abgespeist wurde, so als müsse die Autorin endlich zum Schluss kommen, wurden die ganzen Ermittlungen und Festnahmen auf ein paar Seiten gequetscht und gut ist.

Die zwischenmenschlichen Beziehungen werden sehr gut geschildert und beschrieben, ebenso die Charaktere. Dahingegen leiden die Mordfälle und Ermittlungen sehr darunter und die eigentliche Krimigeschichte staucht sich dadurch und wird dem Genre Thriller/Krimi nicht ausreichend gerecht.

Veröffentlicht am 27.11.2017

Ein berührende Geschichte durchsetzt mit aufregenden Liebesszenen

Sugar & Spice - Glühende Leidenschaft
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Nadia hat in ihrem jungen Leben viel durchstehen müssen. Nach dem ersten Erfolg in einer Realityshow, in der es rund um das Backen ging, bekam sie eine eigene Sendung, dadurch hat sie viel gewonnen aber ...

Nadia hat in ihrem jungen Leben viel durchstehen müssen. Nach dem ersten Erfolg in einer Realityshow, in der es rund um das Backen ging, bekam sie eine eigene Sendung, dadurch hat sie viel gewonnen aber noch mehr verloren. So beginnt sie nach ihrem Zusammenbruch und einer Entziehungskur ein neues Leben in einer Kleinstadt. Mit einer guten Freundin und ehemals Abhängigen eröffnet sie das Café Spice & Sugar und verkauft dort ihre wertvollen Kreationen. Nach einiger Zeit fällt ihr ein gut aussehender Mann auf, der stets ihr Café aufsucht und in ihr eine längst vernachlässigte Lust weckt. Doch kann sie über ihren Schatten springen, sich ganz dem hingeben, was ihr Herz begehrt, und die Kontrolle abgeben, die sie sich so mühsam zurück erkämpft hat?

Der Leser wird gleich mit Nadias Vergangenheit und die ihrer Freundinnen konfrontiert und man bemerkt schnell, dass die Mädels besonders sind, dadurch dass sie vieles durchgestanden haben, sich gegenseitig unterstützen und halt geben. Das entspricht eher weniger dem typischen Stereotyp eines Protagonisten in solchen Erotik-, Liebesromanen. Genau das hat mir sehr gut gefallen. Nadias Geschichte ist berührend und hoffnungsvoll. Es zeigt einen Weg sich zurück in das Leben zu kämpfen und nicht aufzugeben, auch wenn es schwierig erscheint und dafür bewundere ich sie und ihre Freundinnen. Natürlich ergeben sich dadurch Spannungen und aufgeladene Situationen, aber Kane geht nach anfänglichem Hapern souverän damit um und verurteilt Nadia nicht, wie viele andere. Er sieht sie wie sie heute ist und bestärkt sie in ihrem Handeln. Dadurch wird eine andere Facette von Liebe gezeigt, die ich so nicht in anderen Liebesromanen gesehen habe. Bis auf eine kleine schwierige Phase bleibt die Stimmung heiß und wird durch viele erotische Szenen ergänzt, die bezüglich des Duftenden Gartens eine originelle Idee mit einbringen. Alles in allem hat das Buch mich durch innovative Ideen und das Involvieren anderer Facetten einer Beziehung überzeugen und überraschen können. Ich freue mich schon auf die anderen Bände und Nadias Freundinnen.

Veröffentlicht am 20.11.2017

Spannender Einstieg, schwaches Ende

Crimson Lake
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Der einst geschätzte Polizist Ted Conkaffey hat alles verloren. Seinen Job, Frau und Tochter und sein Image. Nach einem bedauerlichen Zwischenfall wurde er verdächtigt ein junges Mädchen missbraucht und ...

Der einst geschätzte Polizist Ted Conkaffey hat alles verloren. Seinen Job, Frau und Tochter und sein Image. Nach einem bedauerlichen Zwischenfall wurde er verdächtigt ein junges Mädchen missbraucht und beinahe zu Tode gewürgt zu haben, weil er für wenige Minuten kein Alibi hat. Als Kinderschänder verschrien - trotz Einstellung des Verfahrens - beginnt er sein neues Leben in Crimson Lake. Dort trifft er auf die verschrobene und eigenartige Amanda, die als Mörderin ihrer ehemaligen Mitschülerin bekannt ist. Wie die Ironie des Schicksals es will, gründen sie eine Detektei und ihr erster Fall führt sie in das Leben eines renommierten Autors, der verschollen scheint...

Der Einstieg ist besonders spannend gestaltet, weil die Glaubhaftigkeit der angeblichen Tat Teds zweifelhaft erscheint und man ihn gleich als unschuldig betrachten möchte. In diesem Zusammenhang finde ich es erschreckend wie schnell und skrupellos sich alle seine Kollegen von ihm abgewandt haben und ihn als schuldig betrachten. Zu diesem mysteriös und unglaubwürdig scheinenden Fall gesellt sich noch die außergewöhnliche Amanda, die als verurteilte Mörderin auf die irrwitzige Idee kommt als Detektivin zu arbeiten. Ihr Humor und ihre direkte Art sind erfrischend anders zu lesen, weil sie sich nicht bei anderen einschleimt, sondern direkt sagt was sie meint und denkt, auch wenn es manchmal an schwarzen Humor grenzt. Etwas paradox und gegenteilig sind einige Phasen, in denen sie geradezu kindlich und verletzlich erscheint und sich komplett einkapselt. Der Leser schwankt zwischen Mitleid und Erstaunen bei Amanda, die eine vielschichtige Persönlichkeit darstellt. Ich habe die Vermutung, dass sie möglicherweise autistisch sein könnte, da ihre Taktlosigkeit in vielen sozialen Situationen darauf hindeuten könnte. Gerade deshalb hat sie mir umso mehr gefallen. Das Schicksal der beiden wird einfühlsam erzählt und man leidet richtig mit. Gerade bei Ted ist es so: Er ist schuldig, nicht weil sich ernsthafte Beweise finden ließen, sondern weil die Gesellschaft beschlossen hat, dass er ein Kinderschänder ist. Das ist umso trauriger, je mehr man von seiner Vergangenheit erfährt. Amandas Verurteilung scheint auch löchrig und Ted setzt alles daran heraus zu finden was damals geschehen ist und das erfolgreich. Eine Mischung der beiden Personen ist höchst unterhaltsam und bereitet viel Freude. Der Mordfall der beiden wirkt nicht sehr besonders, und wenngleich mich die Auflösung des Falls verwundert hat, hat sie mir nicht gefallen, weil sie zu weit hergeholt und nicht sehr realistisch ist.

Eine explosive Mischung zweier besonderer Protagonisten mit schwierigen Vergangenheiten in einem eher mittelmäßigen Mordfall, dessen Ermittlungen und Ausgang es an Authentizität, Spannung und Abwechslung mangelt.