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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.08.2025

Unter Tradwives

Heimat
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Als Jana mit ihrem Mann Clemens und ihren beiden Kleinkindern in ihr eigenes Häuschen auf dem Land ziehen, hadert sie mit ihrem Leben. Sie ist wieder schwanger, hat aus einem Impuls heraus ihren Job gekündigt ...

Als Jana mit ihrem Mann Clemens und ihren beiden Kleinkindern in ihr eigenes Häuschen auf dem Land ziehen, hadert sie mit ihrem Leben. Sie ist wieder schwanger, hat aus einem Impuls heraus ihren Job gekündigt und in der Ehe beginnt es zu kriseln. Das Leben auf dem Land erscheint ihr langweilig, bis sie die faszinierende Karolin kennenlernt. Sie ist mit Hingabe Mutter und Influencerin, eine sogenannte „Tradwife“, die sich im traditionellen Frauen- und Familienbild wohl fühlt. Kinder werden nicht in die Kita gegeben, die Ernährung ist natürlich und die Kinder spielen im Wald. Und natürlich unterstützen Karolin und ihre Freundinnen die AfD.

In vielen kleinen alltäglichen Episoden erzählt Hannah Lühmann von der Wesens- und Verhaltensveränderung, die Jana um Lauf der Zeit durchmacht. Unter all diesen gutsituierten Bildungsbürgern, denen die politische und gesellschaftliche Situation zu schaffen macht und die ihre Hoffnungen in die blaue Parte setzen, wird Jana schleichend immer mehr und immer tiefer in die Ideologie hereingezogen. Dabei sind alle Personen sehr authentisch beschrieben, die Atmosphäre stimmig, die Gedanken- und Gefühlswelt von Jana gut nachvollziehbar. Der Schluss lässt Raum für Interpretationen, zeigt aber auch, dass auch in Karolins „heiler Welt“ nicht alles gut ist. Ich habe diesen Roman fast als Warnung empfunden vor dem, was auf uns zukommen kann.

Mein Fazit: gut geschriebener Roman über ein brandaktuelles und gefährliches Thema. Sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 16.08.2025

Das Ritz, die Deutschen und der jüdische Barmann

Der Barmann des Ritz
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Frank Meier war zu seiner Zeit der wohl berühmteste Barkeeper der Welt. Geboren in Österreich, erlernte in New York die hohe Kunst der Cocktailzubereitung und erlangte durch seine Eigenkreationen einen ...

Frank Meier war zu seiner Zeit der wohl berühmteste Barkeeper der Welt. Geboren in Österreich, erlernte in New York die hohe Kunst der Cocktailzubereitung und erlangte durch seine Eigenkreationen einen einzigartigen Ruf. Große Namen wie Hemingway oder Fitzgerald zählte Meier nicht nur zu seinen Kunden, sondern auch zu seinen Freunden. 1921 kehrte er nach Europa zurück und wurde Barmann des Hotel Ritz in Paris. Und so kam es, dass er während der Besetzung Frankreichs durch die Deutsche Wehrmacht auch deutsche Offiziere und Generäle bediente. Doch Frank Meier hatte ein Geheimnis: er war Jude.

In ruhiger Sprache erzählt Philippe Collin die Geschichte eines Überlebenden, eines Mannes, der mitten in den Reihen der Feinde steht, der als Barmann manchmal fast unsichtbar wirkt und daher alles mitbekommt, was um ihn gesprochen wird. Ein Kriegsgewinnler, der während Paris in Stille, Hunger und Verzweiflung versinkt, im steten Überfluss des Hotel Ritz lebt. Und ein Mensch, der ohne es zu ahnen eine Rolle in der berüchtigten Operation Walküre spielte. Dieser Roman hat mich von Anfang an gefesselt und berührt, immer wieder zum Nachdenken gebracht.

Mein Fazit: fesselnder Roman über eine düstere Zeit, heute wichtiger denn je.

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Camping-Platz des Grauens

Der Trailer
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Als die Hamburger Kommissarin Frieda Stahnke vom Dienst suspendiert wird, nutzt sie die Zeit um an einem True-Crime.-Podcast teilzunehmen. Es geht um das rätselhafte Verschwinden der Studentin Lisa, die ...

Als die Hamburger Kommissarin Frieda Stahnke vom Dienst suspendiert wird, nutzt sie die Zeit um an einem True-Crime.-Podcast teilzunehmen. Es geht um das rätselhafte Verschwinden der Studentin Lisa, die auf einem Campingplatz in Belgien 14 Jahre zuvor zuletzt gesehen wurde. Frieda kannte das Mädchen und der Fall lässt sie nicht mehr los. Während sie versucht, mehr über die damaligen Hintergründe herauszufinden, trifft sie auf Wout Meertens, der in der verhängnisvollen Nacht ebenfalls im Camp Donkerbloem anwesend war. Je mehr die beiden der Wahrheit nahe kommen, um so mehr begeben sie sich selber in Gefahr.

Die Thriller von Linus Geschke haben es immer in sich. Und auch der Trailer ist alles andere als gewöhnlich: die Stimmung in Camp Donkerbloem wechselt zwischen malerisch und düster, die Personen sind allesamt äußerst vielschichtig und nicht einfach zu durchschauen und die Story selber führt uns tief in die Abgründe menschlicher Begierden. Das ist spannend von der ersten Seite bis zum unerwarteten Twist gegen Ende, dabei jederzeit authentisch und gut geschrieben. Ich freu mich schon auf die nächsten beiden Teile um Frieda, Wout und Wouts Freunde.

Mein Fazit: spannender Pageturner um menschliche Abgründe und einen Cold-Case, der es in sich hat.

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Freundschaft, Lügen und Missbrauch

Eine von uns
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Gina führt ein gutes Leben, ist glücklich mit Matt, dem ehemaligen Mädchenschwarm der Schule, verheiratet und zwei wunderbare kleine Kinder. Als ihr Haus abbrennt, hat sie Glück im Unglück, denn ihre Freundin ...

Gina führt ein gutes Leben, ist glücklich mit Matt, dem ehemaligen Mädchenschwarm der Schule, verheiratet und zwei wunderbare kleine Kinder. Als ihr Haus abbrennt, hat sie Glück im Unglück, denn ihre Freundin bietet ihr an, in ihrem Haus zu wohnen, bis ihr eigenes wieder bewohnbar ist. Doch dann steht plötzlich eine fremde Frau vor der Tür und stellt sich als Annies Haushälterin Mary vor. Gina hat direkt ein ungutes Gefühl und als Mary immer mehr in Ginas Leben eindringt und seltsame Dinge geschehen, ist sich Gina sicher, dass Mary einen Plan verfolgt. Und dass dieser Plan etwas mit dem spurlosen Verschwinden ihrer besten Freundin Sara vor Jahren zu tun hat. Die Lage spitzt sich immer mehr zu und Gina muss erkennen, dass die Wahrheit noch viel grausamer ist, als sie es sich jemals hätte vorstellen können.

Dieser Thriller hat es wirklich in sich: was zunächst wie eine Geschichte über Freundschaft und Familie beginnt, entwickelt sich zu einem unheimlichen Thriller um Missbrauch, Lügen und Betrug.
Das ist spannend geschrieben, mit Figuren, die zum großen Teil recht authentisch erscheinen. Dank Perspektivwechsel kann man sich gut in die Gedanken und Gefühle der Protagonisten hineinversetzen. Zeitsprünge erhöhen die Spannung und offenbaren erst nach und nach eine Geschichte, die einen berührt und schockiert. Die Atmosphäre des Hauses ist immer ein wenig düster und unheimlich und einige unvorhergesehene Wendungen sorgen für einen stetigen Anstieg des Spannungsbogen.

Mein Fazit: gelungener Thriller über Freundschaft und Missbrauch. Sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 29.05.2025

Dunkle Familiengeheimnisse

Die unsichtbare Hand
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Als die Ghostwriterin Olivia Dumont Taylor den Auftrag erhält, für den berühmt-berüchtigten Horror-Schriftsteller Vincent Taylor zu schreiben, bleibt ihr aus finanziellen Gründen keine andere Wahl. Seit ...

Als die Ghostwriterin Olivia Dumont Taylor den Auftrag erhält, für den berühmt-berüchtigten Horror-Schriftsteller Vincent Taylor zu schreiben, bleibt ihr aus finanziellen Gründen keine andere Wahl. Seit Jahren hat sie keinen Kontakt mehr zu dem Mann, der ihr Vater ist und über den es Gerüchte gibt, er habe 1975 seinen beiden jüngeren Geschwister ermordet. So kehr Olivia in ihre Heimatstadt Ojai zurück und versucht, die Geheimnisse jenes verhängnisvollen Sommers aufzuklären.

Julie Clark hat einen fesselnden Roman geschrieben, der einen nicht mehr los lässt. Die Figuren sind alle sehr komplex und authentisch beschrieben, die Atmosphäre ist immer passend, die Vergangenheit durch genannte Musiktitel und Beschreibung sehr lebendig. Die Geschichte entwickelt sich anhand eines stetig steigenden Spannungsbogens und einiger unvorhergesehener Wendungen, bis zu einem unerwarteten Finale, dass einen nachdenklich und bestürzt zurücklässt.

Mein Fazit: spannender, psychologisch interessanter Roman, der viel zum Nachdenken bietet.

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