Mutig und entschlossen, für die Familie…
Das Mädchen aus OstpreußenEine alte rostige Blechdose weckt Johannas Neugier. Auf der Suche nach alten Fotos entdeckt Johanna dieses Relikt aus vergangenen Tagen. Doch Oma Netti lenkt geschickt ab und lässt die Dose verschwinden. ...
Eine alte rostige Blechdose weckt Johannas Neugier. Auf der Suche nach alten Fotos entdeckt Johanna dieses Relikt aus vergangenen Tagen. Doch Oma Netti lenkt geschickt ab und lässt die Dose verschwinden. Hat Johanna ein altes Geheimnis entdeckt? Das zu ergründen erscheint Johanna so viel einfacher als sich ihrer eigenen Vergangenheit und ihren Fehlern zu stellen.
Lüneburg, 1945. Tapfer stellt sich Netti der täglichen Aufgabe sich und ihre Familie zu versorgen. Dies stellt die junge Ostpreußin vor schier unbezwingbare Hürden. Doch glücklicherweise ergattert sie eine Anstellung bei einem Engländer. Seine abweisende Art stellt ihr täglich vor Augen welche Schuld jeder Deutsche auf sich geladen hat. Dennoch glaubt sie eines Tages einen Funken Menschlichkeit in seinen Augen zu sehen.
Im Vergangenheitsstrang fesseln mich die bewegenden Ereignisse. Ich spüre nagendes Hungergefühl, sehe die Soldaten marschieren und freue mich über gefundene Schätze eines kleinen Jungen. Gänsehautgefühl und Kopfkino. Ich tauche völlig ein in die ersten Nachkriegsmonate. Bin begeistert vom Tiefgang der Charaktere und den ausdrucksstarken Schilderungen. Für mich ist diese historische Geschichte absolut glaubhaft und nachvollziehbar.
Im abwechselnd dazu eingeflochtenen Gegenwartsstrang kommt Johanna nach längerer Abwesenheit zurück in ihr Heimatdorf. Zunächst verheimlicht sie ihr aus den Fugen geratenes Leben, doch wie das Leben so spielt steht sie plötzlich vor ihrer ehemals besten Freundin. Nach und nach erschließt sich dem Leser welches tragische Ereignis Johanna vor vielen Jahren zur Flucht veranlasst hat. Nicht zuletzt dank Oma Netti mit ihrer herzensguten Art findet die Enkelin den nötigen Freiraum und Halt um sich freizuschwimmen.
Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen so hat mich die einfühlsame Erzählung in seinen Bann gezogen. Tiefgründige Wesenszüge der Charaktere, die sich hinter schützenden Mauern verbergen und bildstarke Schilderungen. Durch den abwechselnden Schreibstil erhöht sich die Spannung bis sich gegen Ende die losen Fäden verbinden. Mein erstes Lesehighlight in diesem Jahr.