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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.10.2019

Was wäre wenn ...

Wie ich Jesus Star Wars zeigte
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... es das Christentum nie gegeben hätte? Mit dieser Frage beschäftigt sich Joachim Sohn in "Wie ich Jesus Star Wars zeigte" mehr oder weniger direkt. Dabei zeigt der Titel bereits genau an, worum es geht. ...

... es das Christentum nie gegeben hätte? Mit dieser Frage beschäftigt sich Joachim Sohn in "Wie ich Jesus Star Wars zeigte" mehr oder weniger direkt. Dabei zeigt der Titel bereits genau an, worum es geht. Florian, Flo, Schneider reist mittels einer selbst programmierten App und mit allerlei technischem Gepäck in die Vergangenheit, um zu beweisen, dass Religion austauschbar ist. Als begeisterter Star Wars Fan scheint ihm die Jedi Religion als perfekter Ersatz für das Christentum geeignet.

Dieses Buch ist auf jeden Fall ein was nicht: langweilig. Die Handlung der Geschichte entwickelt sich rasant - von der ersten Offenlegung des Planes bis hin zu seiner Durchführung geht es zackig voran. Dazu kommt die gute Recherche des Autors. Land und Leute, Zeit und Gepflogenheiten werden (meines Erachtens) authentisch dargestellt und man lernt gleichzeitig noch so einiges dazu. Dabei hat man das Gefühl, selbst mit auf (Zeit-) Reise zu gehen und erlebt hautnah, wie das Leben damals gewesen sein muss.

Das was mir an Star Wars Kenntnis fehlt (außer Yodas Grammatik und "Luke, ich bin dein Vater." ist da nicht viel) mache ich in christlicher Trivia wett und entsprechend kann ich mit den Inhalten dieses Buches nicht ganz mitgehen. (Was ja auch nicht immer sein muss.) Es ist ein bisschen wie mit dem "Leben des Brian" - manch einer kann locker damit umgehen und andere fühlen sich in den Grundfesten ihres Glaubens erschüttert. (Vielleicht bräuchten diese Grundfesten dann aber auch generell ein stärkeres Fundament.) Der Jesus des Buches ähnelt in gewisser Weise dem "christlichen" Jesus, insofern, als er eigentlich eine auf das Reich Gottes fokussierte Lehre der Nächstenliebe vertreten würde. (Wenn auch etwas zögerlicher und mit weniger Schriftfestigkeit.) Eigentlich, wenn da Flos neue Lehre nicht wäre. Der sehr von sich selbst überzeugte Hauptcharakter vereinnahmt Jesus komplett für sich und bringt ihn so auf doch recht andere Wege, als in "unserer Welt". (Dabei handelt es sich bei Joachim Sohn um einen rein historischen Jesus ohne Gottesbeziehung und -kindschaft. Eher ein Brian also, der zufällig den gleichen Namen trägt.)

Nun mögen viele diesen Science Fiction Roman als Angriff auf ihre Religion verstehen. Die Aussage, dass es sich um einen Angriff auf Religion im Allgemeinen handelt, macht es vermutlich nicht besser. Allerdings schlägt dieser Angriff, zumindest in meinen Augen, fehl. Denn nicht nur die Menschheit im Allgemeinen ist zur Religion "prädestiniert". Die Frage nach der Echtheit Gottes wird dabei maximal am Rand diskutiert, da es Flo, ganz unabhängig davon, um den Einfluss der Religion auf unsere Kultur zu gehen scheint. So kommt ein Gedankenexperiment zustande, bei dem es jedem selbst überlassen sei, welche Welt er bevorzugt.

Als Christin wird dieser Roman vermutlich nie mein Lieblingsbuch werden, aber ich kann es als das schätzen, was es ist: ein Versuch, die Leser zum Denken anzuregen. Zum Reflektieren über Glaubensvorstellungen und die eigene Haltung zur Religion. Dabei scheint, aus meiner Sicht, das Ergebnis keinesfalls festgelegt und die Balance der verschiedenen Perspektiven wird immer wieder hergestellt. Wer sich also für eine entsprechende Reise gewappnet sieht, kann ruhig zu diesem Buch greifen und einen anderen Blick auf die Geschichte entdecken.

Veröffentlicht am 01.10.2019

Hallo Fernweh

Totentracht
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Ein idyllischer Schlosspark im Hochschwarzwald und mitten drin eine Leiche - so ein Fund hätte sicher jeden überrascht und auch in diesem Buch ist es nicht anders. Dass jedoch einer der Finder ausgerechnet ...

Ein idyllischer Schlosspark im Hochschwarzwald und mitten drin eine Leiche - so ein Fund hätte sicher jeden überrascht und auch in diesem Buch ist es nicht anders. Dass jedoch einer der Finder ausgerechnet der Sohn des Hauptermittlers Karl-Heinz Winterhalter ist, macht die Sache umso interessanter. Der hat außerdem gerade eine neue Kollegin, Marie Kaltenbach aus Berlin, vor die Nase gesetzt bekommen und so ist der neue Roman von Alexander Rieckhoff und Stefan Ummenhofer nicht nur spannend, sondern auch spannungsvoll. Während die Ermittlung vor sich hinschleicht überschlagen sich die Privatleben der beiden Hauptcharaktere und lassen den Leser mal amüsiert, mal verzweifelt zurück.

„Totentracht“ ist, in meinen Augen, ein perfektes Beispiel des „cozy crime“. Das fängt bereits bei den sympathischen Hauptcharakteren an, die trotz ihrer Widersprüche (oder gerade deshalb) die Leser für sich gewinnen. Dann ist da auch noch der Humor, der selbst denjenigen, die zum Lachen normalerweise in den Keller gehen, immer wieder ein Schmunzeln oder Kichern entlockt. Und natürlich dürfen auch die Landschaftsbeschreibungen nicht vergessen werden, die im Leser sofort das Fernweh wecken. Das Buch ist perfekt für einen gemütlichen Herbstnachmittag auf dem Sofa mit einer Tasse Tee, aber auch für jede andere Form des Lesenachmittags. Nicht zu empfehlen ist es für kurze Bahnfahrten oder fürs „Zwischendurchlesen“, da es zwischendurch so spannend wird, dass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Geschichte
  • Humor
  • Figuren
  • Spannung
Veröffentlicht am 27.07.2019

Ein Inselroman

Cyrus Doyle und der dunkle Tod
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Es gibt Krimis, bei denen weiß man fast von der ersten Seite an, wer der Mörder ist. Manchmal ist das ja auch durchaus beabsichtigt, meistens nimmt der Autor dadurch jedoch vollkommen die Spannung heraus. ...

Es gibt Krimis, bei denen weiß man fast von der ersten Seite an, wer der Mörder ist. Manchmal ist das ja auch durchaus beabsichtigt, meistens nimmt der Autor dadurch jedoch vollkommen die Spannung heraus. All das ist in "Cyrus Doyle und der dunkle Tod" nicht der Fall, denn zumindest ich wusste bis zur Überführung nicht, wer der Mörder sein könnte. Hatte nicht einmal einen blassen Schimmer. Aber zurück zum Anfang.

Chief Inspector Cyrus Doyle ermittelt in einem recht ungewöhnlichen Fall: Victor Hugo wurde ermordet. Oder zumindest sein Double, mitten während einer Filmaufführung in der ersten Reihe. Und keiner hat es bemerkt. Umso schwieriger gestaltet sich die Suche nach dem Mörder, denn die Anhaltspunkte sind rar und als es dann zu einem zweiten Mord kommt passt außer der Tatwaffe nichts zum ersten Fall. Spannung ist also garantiert, zumal sich die Ermittler selbst auf gefährliches Terrain begeben ohne zu wissen, von welcher Seite sie sich schützen müssen. Während sich die Lage zuspitzt wird der Fall immer verworrener und zwischenzeitlich weiß man selbst nicht mehr, was man glauben soll und was nicht.

Doch Jan Lucas Roman ist nicht nur spannend sondern liest sich auch sehr angenehm. Die 349 Seiten vergehen wie im Flug und fühlen sich auch ein bisschen an wie ein Urlaub, denn man "befindet" sich nicht nur auf Guernsey sondern lernt auch viel über seine Geschichte, die Landschaft usw. Langweilig wird einem hier nicht! Auch die vielfältigen Charaktere bereichern die Geschichte - und spätestens nach dem Lesen dieses Buches sieht man Literaturwissenschaftler in einem neuen Licht.

Wie man vielleicht bereits ahnen kann hat mich der Roman voll überzeugt. Sowohl Guernsey-Fans als auch Literaturbegeisterten sowie allen, die gerne einen guten Krimi lesen, kann ich dieses Buch nur empfehlen. Sommers wie Winters dürfte es die perfekte Lektüre sein um mental Urlaub zu machen!

Veröffentlicht am 27.07.2019

Mord im Hinterland

Letzte Spur Algarve
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Portugal und ein Kriminalfall - das klingt gut, habe ich mir gedacht. Tatsächlich bietet dieses Buch jedoch viel mehr als das: eine spannende Geschichten, mehrere Erzählstränge und eine authentische Hauptfigur.

Hobbyermittlerin ...

Portugal und ein Kriminalfall - das klingt gut, habe ich mir gedacht. Tatsächlich bietet dieses Buch jedoch viel mehr als das: eine spannende Geschichten, mehrere Erzählstränge und eine authentische Hauptfigur.

Hobbyermittlerin Anabela Silva ist zwar in Deutschland groß geworden (was den deutschen Lesern einen Anknüpfpunkt bietet), lebt aber inzwischen bei ihren Eltern in Portugal. Doch statt der Stadt-Strand-"Idylle" bewegt sich die Geschichte im Hinterland. Anabela wohnt in einem normalen Dorf, die Haupthandlungsorte sind zum Teil recht verborgen und wenn man als Urlauber dort unterwegs wäre könnte man sich sicher hie und da vorstellen, dass die Geschichte genau dort spielen könnte. So authentisch wie die Orte sind auch die Charaktere. Einige ihrer Hintergründe würde man sicher schon aus dem ersten Band "Mord an der Algarve" kennen (so man ihn denn gelesen hätte), aber auch hier erfährt man viel über sie und lernt sie im Verlauf des Buches besser kennen.

Zu der angenehmen Atmosphäre kommt die spannende Geschichte - die es einem zum Teil unmöglich macht, das Buch aus der Hand zu legen. Dabei ist man nicht nur fleißig am Miträtseln sondern lernt nebenbei auch noch eine Menge dazu: Über den Tierschutz, geklaute Kinder und viel mehr. Themen, die in dieser Region relevant sind und zumindest mir z.T. gar nicht so sehr bewusst waren.

Insgesamt kann ich dieses Buch nur weiter empfehlen. Auch wenn es vermutlich besser ist, den ersten Band zuerst zu lesen, geht es auch andersherum und so konnte auch ich problemlos ohne Vorwissen in diesen Roman einsteigen. Für alle, die noch nach dem richtigen Buch für ihren (Portugal-) Urlaub suchen oder vielleicht vor dem grauen Wetter in den Süden entfliehen wollen, dürfte "Letzte Spur Algarve" genau das richtige Buch sein!

Veröffentlicht am 26.07.2019

Ein Sommer inmitten von Lavendelfeldern

Der Lavendel-Coup
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Ein typischer Provenzsommer mit einer ungewöhnlichen Heldin - Molly Preston ermittelt undercover gegen Wirtschaftskriminalität und schuftet dafür in einer alten Kapelle, wo sie Fresken freilegt. Das klingt ...

Ein typischer Provenzsommer mit einer ungewöhnlichen Heldin - Molly Preston ermittelt undercover gegen Wirtschaftskriminalität und schuftet dafür in einer alten Kapelle, wo sie Fresken freilegt. Das klingt an sich erstmal ziemlich langweilig, zumindest für mich, doch der Titel "Lavendeltod" lässt bereits erahnen, dass es nicht nur dabei bleibt - und Carine Bernard liefert in Form von Leichen. (Okay, das klingt jetzt ein bisschen grob, aber ich möchte damit nur zum Ausdruck bringen: Es ist nicht nur ein Wirtschaftskrimi.)

Was da zwischen den Lavendelfeldern passiert ist ein ziemlich verworrener Fall, von dem ich nicht zu viel verraten will. Es wird auf jeden Fall spannend, man darf auch mal um die Ecke denken und es gibt sogar das ein oder andere richtige Rätsel. Die 235 Seiten lesen sich gut und schnell, die Geschichte wird nie langweilig und auf den Mörder kommt man auch nicht sofort.

Der Hauptcharakter, Molly, ist, wie bereits erwähnt, eine recht ungewöhnliche Heldin. Noch sehr jung ermittelt sie gern auf eigene Faust und wird von der Autorin immer wieder in den höchsten Tönen gelobt - hat manchmal aber eine erstaunlich lange Leitung und handelt nicht immer so durchdacht wie es vielleicht gut für sie wäre. Mit zahlreichen technischen Hilfsmitteln und einem cleveren Freund löst sie den Fall jedoch souverän.

Insgesamt ist "Lavendeltod" eher ein "cozy crime" und eine nette Sommergeschichte, die man gut mit in den Urlaub nehmen kann. Wer gern Geschichten aus der Provenze liest wird sicher auch Freude an diesem Buch haben.