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Veröffentlicht am 01.08.2020

Eine wunderschöne Liebesgeschichte

Hin und nicht weg
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Ich habe letztes Jahr das Glück gehabt, den ersten Teil bei einer Leserunde lesen zu dürfen und war sowas von begeistert. Der zweite Teil hat seinen ganz eigenen Charme und steht dem ersten Teil in nichts ...

Ich habe letztes Jahr das Glück gehabt, den ersten Teil bei einer Leserunde lesen zu dürfen und war sowas von begeistert. Der zweite Teil hat seinen ganz eigenen Charme und steht dem ersten Teil in nichts nach.

Im ersten Teil war es Kaya welche es die auf dem Land lebte und Lasse den es dort hingezogen und zum bleiben bewegte. In diesem haben wir bereits Rob, den Tierarzt und besten Freund von Kaya kennen gelernt. Leider ist dieser seit Ewigkeiten in sie verliebt und hat nun, nach dem die beiden in diesem Buch heiraten, seine Chance mit ihr zusammen zu kommen nun voll und ganz verloren.

So geht er mit eher Wiederwillen auf die Hochzeit und ist dort noch dazu Trauzeuge. Eine Aufgabe die er lieber nicht machen würde, aber es Kaya nicht ausschlagen kann.

In Berlin sitzt derweilen Anabel. Diese wohnt in einer sehr Charaktergemischten WG und jobbt in einem Lokal. Glücklich ist sie nicht wirklich damit, zudem sie bereits mehrere Mieten nicht bezahlt hat und die WG ihr Druck macht. Kurzerhand entscheidet sie sich zu gehen, aber wohin. Da kommt die Karte am Kühlschrank mit Lasse´s Hochzeit wie gerufen. Zwar hat sie kaum Kontakt zu ihm, aber was solls.

Auf der Hochzeit fühlen sich beide unwohl und möchten am liebsten fliehen. Was bietet sich da der Notfall an zu dem Rob muss und Anabel einfach direkt mitkommt. Das neue Praxisduo ist geboren worden.

Anabel hilft Rob nun in der Praxis aus, da seine eigentliche Sekretärin in Reha ist und er freut sich das jemand da ist, der das Telefon bedient.

Aber es soll alles nicht so einfach werden.

Rob ist der Mann, auf dem man sich verlassen kann. Er ist Tierarzt geworden um den Tieren zu helfen und den Menschen ebenfalls ein gutes Gefühl zu geben. Die Praxis hat er von seinem verstorbenen Vater übernommen. Leider mit einer Menge Schulden dabei. Vom Typ Mensch her, geht er für die er liebt durchs Feuer. Er ist zuverlässig, gradlinig, immer erreichbar und hält sich an Regeln. Manchmal macht er das alles etwas zu starr und vergisst das sein Leben auch Freude haben darf. Optisch ist er der Frauenschwarm in den ganzen Dörfern in der Nähe, zudem er ja Junggeselle ist. Da er jedoch nur Kaya im Blick hat, hat keine eine Chance bei ihm.

Anabel ist eigentlich Berlinerin durch und durch. So wirklich was fertig gelernt hat sie nie, daher jobbt sie in dem Lokal von ihrem Chef, wo sie doch recht viel Freiheiten genießt. Ihr Traum wäre aber ein Café mit leckeren Speisen, vom Kuchen über den Cupcake. So flüchtet diese aber vor ihren Problemen in Berlin und auch ihrem Vater bei dem sie ebenfalls Schulden hat. Sie sagt was sie denkt, ist impulsiv, spontan und gibt ihren Gefühlen freien Lauf. Somit ist sie erstmal das Gegenteil von Rob. Aber sie ist auch sehr zuverlässig in ihrer Stelle die sie nun bei ihm hat. Mit ihren Tattoos ist sie in dem kleinen Neuberg erstmal der Hingucker schlecht hin und auch das sie weibliche Rundungen hat, fand ich sehr gut.

Beide arbeiten nun zusammen, wohnen im selben Haus und öffnen sich nach und nach in ihren Vergangenheiten und den aktuellen Problemen. Bei so mancher Tierrettung kommt man sich auch körperlich näher. Aber kann das überhaupt klappen? Warum sollte sich Anabel verlieben, wo er doch nur Kaya will. Und Rob, dem ist Anabel erstmal viel zu flippig. Doch Neuberg hat so seine ganz besondere Wirkung auf die Menschen.

Das Buch ist wie der erste Teil schnell gelesen. Die Story ist ruhig aber nicht langweilig. Der Wechsel der Kapitel durch Rob und Anabel gibt dem Leser die Möglichkeit die Charaktere und ihre Geschichten wie ihre Gefühlswelt zu verstehen und mitzuerleben. Dabei gab es für mich keine Szenen wo ich das Gefühl hatte es wirkt unrealistisch oder falsch.

Beide sind mir sehr ans Herz gewachsen und im richtigen Leben wäre es eine so schöne Geschichte.

Auch die Geschichten seitens der Tierarztpraxis waren wieder schön gewählt. Die Autorin motiviert hier die Leser, Bilder von ihren Tieren einzureichen, denn zwei haben die Möglichkeit im nächsten Buch Darsteller zu werden, so wie nun auch schon zwei diesen Gewinn aus der ersten Verlosung geschafft haben. Das ist für mich ein schönes Zeichen, das die Autorin auch den Lesern ein Gefühl der Nähe und der Wirklichkeit entgegenbringt. Zudem jeder hofft sein Tier wird es sein

Alles in allem war es für mich einer der schönsten Liebesromane dieses Jahres und ich würde mich freuen, wenn es noch einen dritten Teil geben würde.

Veröffentlicht am 21.07.2020

Gute 3,5 Sterne. Der erste Teil war halt um einiges besser

Vengeful - Die Rache ist mein
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Mit Vicious hat Victoria Schwab ein neues Bild von Gut und Böse bei Menschen mit Superkräften geschaffen. In ihrem zweiten Buch Vengeful führt sie die Geschichte weiter und bringt neue Charaktere mit rein.

Aus ...

Mit Vicious hat Victoria Schwab ein neues Bild von Gut und Böse bei Menschen mit Superkräften geschaffen. In ihrem zweiten Buch Vengeful führt sie die Geschichte weiter und bringt neue Charaktere mit rein.

Aus dem ersten Teil bekannt und für mich ein freudiges Wiedersehen war es, dass die Charaktere Victor, Mitch und Sydney wieder mit dabei sind. Zwischen dem ersten und dem zweiten Teil, merkt man jedoch schon recht früh eine Veränderung in der kleinen „Familie“ und bei den einzelnen Personen.

Aber vorweg möchte ich zu den neuen Charakteren kommen.

Hier haben wir Marcella, mit welcher das Buch auch beginnt. Sie ist eine schöne Frau, welche in ihrem Leben nur ein Ziel hatte: An der Seite eines einflussreichen Mannes zu stehen. So lernt sie am College einen Typen kennen, wo sie sich zum Ziel macht, diesen für sich zu gewinnen. Dafür lebt sie ihr ganzes Leben lang. Sie gibt sich alle Mühe perfekt auszusehen, ultraschlank zu sein und gibt dafür ihre ursprünglichen Karriereziele auf. Alles für den Reichtum und für Macht. Nur das ihr Mafiamann noch so ein paar Geheimnisse mehr hat als sie denkt. So kommt er eines Abends nach Hause, mit einem sehr verdächtigen Fleck am Kragen und der Streit der daraus erfolgt eskaliert. Marcella stirbt und wird zurückgeholt. Ihr neues Leben als ExtraOrdinärere soll beginnen und die damit folgende Rache an ihrem Mann. Denn nun will sie die Mafialeiter ganz nach oben erstürmen und sich ihr Leben zurückholen.

Hierfür sammeln sich weitere EO´s neben ihr an. Interessant ist hierbei die zweite neue Frau in der Runde: June

Die Junge Frau hat die Gabe, wenn sie einen Menschen berührt hat, sich dessen vollständiges Ebenbild und auch körperlich eins zu eins zu übernehmen. So exakt, dass jede Faser ihres Körpers eine 100 prozentige Kopie des Gegenübers ergibt. Somit hat June recht viele Möglichkeiten an Orte und Informationen zu kommen. Sie ist es auch, welche dann Marcella anspricht und ihr bei ihrem Racheplan helfen will. Aber sie hat auch eigene Pläne und da sind Victor und Sydney mit einbegriffen.

Victor rutscht in diesem zweiten Teil ein bisschen in den Hintergrund. Seine neue Bürde ist nun, dass fünf Jahre nach der Wiedererweckung auf dem Friedhof, er nicht mehr der Alte ist. Denn seit seinem Tod damals hat er ein nicht enden wollendes Summen im Kopf und wenn er die Nerven anderer Menschen so weit beeinflusst das sie sterben, stirbt er kurze Zeit später selbst auch. So sucht er nach einen EO der ihn heilen kann, damit er nicht immer und immer wieder sterben muss.

Sydney macht währenddessen eine persönliche Krise durch. Sie ist vom optischen her immer noch das 12-Jährige Mädchen, wenn sie nun aber doch langsam auf das Erwachsenenalter zugeht und sie niemand so wirklich ernst zu nehmen schein. Auch von Mitch und Victor fühlt sie sich nach wie vor wie ein Kind behandelt. So sucht sie für sich Wege raus zu kommen und sich selbst zu finden. Dabei ist sie sich gar nicht mal im Klaren wie viele Gefahren für sie bestehen.

Darüber hinaus erfahren wir in weitern Zeitschienen wie Victor und Elliot damals Freunde wurden, weit bevor es zu den Todesexperimenten kam. Wir lesen von fürchterlichen Experimenten welche ein EO ertragen musste und so manche tragische Kindheitsgeschichte.

In diesem Band bekommen manche Personen einen stärkeren Hintergrund als im ersten Teil und bekommen somit nochmal eine weitere Perspektive, als die welche man schon gewonnen hat. Denn jede Münze hat halt ihre zwei Seiten, in diesem Teil sehen wir stärker die Hintergründe warum wer wie geworden ist.

Die Geschichte ist nach wie vor aus verschiedenen Perspektiven erzählt, hat viele Zeitabläufe, von vor 23 Jahren, 14 Jahren, wenige Wochen, bis hin zum großen Abend wo alle Charaktere aufeinander treffen sollen und es wie im ersten Teil ein großes „Bumm“ geben soll.

Hierbei sollte man wie beim vorigen Teil schon eine große Aufmerksamkeitsspanne auf die Zeiten legen. Denn sonst hat man keine Chance zu verstehen wie die Reihenfolge der Geschichte ist.

Wie ist nun meine Einschätzung dem Buch gegenüber: Es ist solide geschrieben und knüpft sehr schön an die Charaktere und Geschichte aus dem ersten Teil an und gibt uns zugleich noch ne Menge neues mit. Leider fand ich, war es dadurch schon fast zu viel. Mir persönlich schwirrte irgendwann auch der Kopf von lauter männlichen Namen. Gerade die Truppe die Eos suchen soll war für mich stellenweise etwas undurchsichtig.

Das Buch ist nicht schlecht, aber leider kommt es nicht an den ersten Teil ran. Der erste war für mich wirklich sehr gelungen. Hier muss ich wegen der Masse an Infos, an Charakteren und zu vielen Zeitsprüngen leider Minuspunkte abziehen. Aber es sind gutgemeinte 3,5 Sterne die ich vergebe

Veröffentlicht am 21.07.2020

Kann nicht überzeugen

Dark Canopy
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„Dark Canopy“ war für mich ein Buch, welches einen sehr interessanten Klappentext hat und mich somit reizte diese zu lesen.

Leider hat mich die Geschichte nicht ansatzweise so mitgenommen wie erhofft.

Wir ...

„Dark Canopy“ war für mich ein Buch, welches einen sehr interessanten Klappentext hat und mich somit reizte diese zu lesen.

Leider hat mich die Geschichte nicht ansatzweise so mitgenommen wie erhofft.

Wir lernen die junge Joy kennen, kaum volljährig für unsere Verhältnisse, führt sie schon lange das Leben eines erwachsenen Menschen. Denn sie muss täglich dafür kämpfen etwas zu Essen auf dem Tisch zu haben.

Sie lebt in einer dystopischen Zukunft, wo sie und ihre Mitmenschen einem überstarken Gegner ausgesetzt sind. Denn die Geschichte spielt nach dem dritten Weltkrieg und hier haben die Menschen eine „Waffe“ gebaut, welche den Gegner Schwierigkeiten machen sollten. Dies sind die Percents. Diese sind nicht vollständig Mensch und sehen auch recht furchterregend aus.

Diese halten die Menschen als Sklaven und unterdrücken diese. Mit Hilfe der Maschine Dark Canopy wird den Menschen täglich nur zwei Stunden Sonnenlicht geschenkt. Die restliche Zeit wird das Licht künstlich verdunkelt. Aber der Mensch braucht nun mal Licht zu leben. So ist auch das Anbauen von Essen fast schon unmöglich, da ohne das Licht nichts wachsen kann.

So ist Joy ein Teil einer Rebellengruppe, welche außerhalb der Stadt versteckt in einer Rebellengruppe lebt. Diese müssen aber um Lebensmittel zu erhalten in die Stadt. Hier gilt das Tauschgeschäft. Um dort die Straßen passieren zu können, benötigen diese aber gültige Identitätsmarken. Diese haben sie aber nicht, sondern nur gefälschte. Sollten sie also erwischt werden, werden sie zu Sklaven oder es kommt noch schlimmeres auf sie zu.

Recht zum Anfang des Buches wird die Freundin von Joy bei einem solchen Ausflug gefangen genommen. Diese möchte Joy nun retten und schafft dies, wird dann aber selbst gefangen genommen. Da diese aber recht schnell und gut trainiert ist, hat sie ein anderes Schicksal zu erwarten als es üblich ist.

Sie wird zu einer Spielfigur in einem Wettkampf, welche die Precents aufführen. Hier wird sie trainiert, in einem Wettkampf wo Schnelligkeit und Kampffähigkeit gefordert sind. Doch dieser Wettkampf kann tödlich für sie enden.

So handelt das ganze Buch davon das Joy vom Krieger Neél ausgebildet wird und sich zugleich eine Liebesgeschichte zwischen den beiden entwickelt. Aber die unterschiedlichen Herkünfte und der Konflikt zwischen ihren Welten erschwert natürlich ein klassisches Zusammenkommen.

Das Buch in sich hat eine gute Idee, aber eine schlechte Umsetzung. Joy wirkt einfach unreif und unüberlegt. Sie reagiert zu impulsiv und weiß es einfach besser. Man merkt hier immer, das den Leuten die klassische Kindheit fehlt und so viel älter sie auf der einen Seite sie sind, umso unreifer auf der anderen sind.

Das Buch hat eine extrem lange Geschichte in dem Training welches ihr zukommt. So dass man die Umgebung kennen lernt, das Ziel warum sie es macht, ihre Gegner und darüber hinaus heißt es für sie laufen, laufen und laufen. schneller werden. Leider gibt dies dem Buch eine sehr schlechte Grundstimmung und für mich passte es alles nicht zusammen.

Die meisten Kapitel sind dabei aus Joys Sicht geschrieben und ihrem Gefühlsleben wie dem Ort an dem sie nun trainiert. Die wenigen anderen sind aus der Sicht von Matthial welcher den Rebellenclan anführt und Joy zurückhaben will. Aber er weiß das die Chance gegen null geht. Hier tat die Abwechslung eines Sichtwechsels ganz gut.

Jedoch reißt dies die Geschichte in ihrer langweiligen und überlangen Erzählung nicht ins positive zurück. Für mich war es alles nicht richtig überdacht und die Charaktere einfach zu flach. Die Vorurteile vielen, woanders wurden sie aufgebaut. Die Lovestory, klar Gefangene verliebt sich in Täter, gibt es zwar in der Psychologie aber hier war es zu sehr aufgesetzt.

Von daher war für mich klar, zudem mit dem offenen Ende, das ich den zweiten Teil nicht mehr lesen werde.

Veröffentlicht am 20.07.2020

Zeitlos, ehrlich, erbamenslos. Ein Muss um die Vergangenheit zu verstehen

Damals war es Friedrich
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Wenn es Bücher gibt, welche zeitlos sind und jungen Menschen die Geschichte des Nationalsozialismus in Deutschland näherbringen soll, so ist dies eines der bekanntesten neben Anne Franks Tagebuch.

Wir ...

Wenn es Bücher gibt, welche zeitlos sind und jungen Menschen die Geschichte des Nationalsozialismus in Deutschland näherbringen soll, so ist dies eines der bekanntesten neben Anne Franks Tagebuch.

Wir erfahren aus der Sicht eines Ich-Erzählers, der für uns ohne Namen bleibt, die Geschichte zweier Jungen in Deutschland mit Start 1925. Der uns unbenannte Erzähler ist hierbei ein deutscher Sohn es arbeitslosen Vaters und der andere ist der kleine Friedrich Schneider. Er ist Sohn einer jüdischen Familie welche keine Geldsorgen haben, da diese sehr wohlhabend sind. Mit dem aus dem Jahre 1979 erschienen Buch, erfährt man in vielen Kapiteln, die wie eine Zeitleiste sind, wie der Judenhass selbst beste Freunde vor schwere Entscheidungen stellt.

Es beginnt für die Juden mit kleinen Schikanen, wie das Wechseln der Schule, sie nicht mehr auf jeder Bank sitzen durften, Öffentlichkeiten wie Kino und Schwimmbäder für sie Verboten wurde. Wo zuerst die Kinder versuchen noch zusammen zu halten, wird dies im Alltag und mit den Älter werden immer schwerer.

Wenn der Vater des Ich-Erzählers gezwungen ist in eine Partei zu gehen, welche gegen Juden ist, um Geld zu verdienen und ziemlich zeitgleich der Beamtenvater von Friedrich seinen Job verliert.

Die Jungs haben immer mehr Schwierigkeiten den Alltag zu verbringen, gerade mit dem Blick der Leute auf Friedrich.

So erleben wir wie Friedrich erst seine Mutter und später auch den Vater verlieren soll. Wo du Mutter noch einer Giftspritze den schnellen und überraschenden, aber recht schonenden Tod erlebt, erfährt Friedrich das sein Vater verraten wurde und ins KZ gekommen ist.

So steht das Kind alleine auf der Straße und weiß nicht wohin. Sein ehemals bester Freund ist es nicht mehr, darf es nicht mehr.

An dem Tag wo dann die Bomben kamen, die Menschen ihm helfen hätten können, entscheiden sie sich jedoch ihn außerhalb des Bunkers sterben zu lassen.

Für uns damals, in der sechsten Klasse, war das Buch meines Erachtens nicht passend gewesen. Die Thematik ist alles andere als einfach und sehr schwerwiegend. Wir reden von Rassismus, Mord, davon Menschen auf den Wert eines Gegenstandes herunter zu schrauben. Für meine Klasse war das Buch damals fehl am Platz, weil der Lehrer den Zugang zur Thematik hölzern und nach dem klassischen Prinzip Lehrer- Schüler vermittelte. So blieb uns Kinder keine richtige Haltemöglichkeit. Man kann ja nicht glauben was passiert ist, das Ende so schrecklich mitzuerleben.

Wenn würde ich dieses Buch nach wie vor Kindern empfehlen. Aber nicht in der Schule. Sondern privat mit den Eltern. Die es besser vermitteln, mit den Kindern über die Gefühle reden können. Das Verständnis besser fördern.

Aber ich hoffe immer, dass dieses Buch noch weitere 30 Jahre in den Zimmern der Menschen leben wird, denn die Geschichte ist für mich zeitlos und zeigt wieviel in einem Land schief gehen kann.

Veröffentlicht am 19.07.2020

Vor 20 Jahren schon unrealistisch und heute immer noch

Crazy
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„Crazy“ war das Jugendbuch, welches Ende der 90er Deutschland schockierte. Ein junger Mann, der laut eigener Aussage, eine Geschichte mit autobiografischem Inhalt veröffentlicht. Weil der Autor selbst ...

„Crazy“ war das Jugendbuch, welches Ende der 90er Deutschland schockierte. Ein junger Mann, der laut eigener Aussage, eine Geschichte mit autobiografischem Inhalt veröffentlicht. Weil der Autor selbst noch so jung war, glaubten viele es ihm und wollten verstehen, wie die Jugend zu tickt. Was gibt es noch neben Techno, Schlaghose, Fish-Bone-Klamotten und den gängigen Trends seiner Zeit.

Laut Buch gibt es sehr viele Jugendliche, die nicht wissen wo sie hingehören, die versuchen anders zu sein, die „Crazy“ sein wollen. Daher kam irgendjemand auf die tolle Idee, es als das Buch für die oberen Jahrgänge der Mittelstufe für die allgemeine Pflichtlektüre in Deutsch einzuführen.

Damals waren wir uns, alle im Alter der Protagonisten, schon einig, dass dieses Buch alles aber nicht echt wirkt.

Das Benjamin mit seinen 16 Jahren und einer Halbseitenlähmung es nicht einfach hat, dass glaubt man ihm sofort. Das er deswegen aber bockig durchs Leben gehen muss und von fünf Schulen fliegt um dann nun in der 6. Versucht das 8. Schuljahr zu schaffen ist schon etwas seltsam. Vor allem auf einem Internat, wo gerade hier die Noten gepaart mit Geld der Zugang darstellt.

Das er dort Menschen kennen lernt, die dort ebenfalls keine Lust draufhaben, dass glaubt man ihm gerne. Und wenn man sich dann noch mit einem anderen Jungen das Zimmer teilen muss, dann muss zwangsweise ein Kontakt entstehen.

Dass die Außenseiter Truppe sich zusammentut, erst mit Benjamins erscheinen im Internat, naja auch hier passiert sowas normalerweise schon eher. Aber nun kommt das große ernsthaft? Ein Haufen von 16-jährigen deren größter Wunsch es ist nicht erwachsen zu sein, aber ausbrechen wollen und von Gott und der Welt philosophieren? Ich bitte euch. In diesem Alter hat man Hormone im Blut. Man will Sex, Partys, Zeit mit Freunden verbringen. Klar ist Schule nicht immer toll, aber hier wird es dargestellt als wäre es das Gefängnis.

Sie haben alle negativen Erfahrungen in den Familien gemacht, aber selbst in diesem Alter weiß man doch, dass die Probleme von Menschen gemacht sind und nicht vom Alter abhängig sind. Sie wirken in ihrem Glauben, als ob diese mit 30 unbedingt so kaputt sein müssen wie es nun ihre Eltern sind.

So sind lediglich die verbotenen und anscheinend eher geduldeten Partys und der Alkohol das einzige was damals im Roman als echt rüberkam. Meine Mitschüler waren damals begeistert von der, für mich im Erwachsenenalter mit anderen Augen zu sehen, unrealistische Sexszene. So wird Benjamin ohne Vorwarnung in den Duschräumen von einer total betrunkenen Mitschülerin entjungfert und das Kondom landete einfach in der Dusche. Die Putzfrau würde es weg machen. Genau da weiß man doch, dass die Schulleitung dann nachts Aufsichtspersonen in den Schlafhäusern hat.

Egal wie man es dreht und wendet. Die 200 Seiten waren für uns damals ein zusammengeschusterter ungläubiger Mist und auch heute sehe ich es nicht anders.